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Bernd
B Georgen
1832
mit freundlicher Unterstützung durch

Seit 1991 lebe und arbeite ich hauptsächlich in
Zweibrücken und Wiesbaden. In Zweibrücken wohne ich auf dem so genannten
„Wacken“ – ein kleiner Hügel über dem Stadtzentrum - in der „Wackenstraße“
und begehe nahezu täglich „Wacken“. Hierbei handelt es sich um große,
mittlere und kleine Pflastersteine aus Granit, mit welchen früher
Bürgersteige und Straßen gepflastert wurden.
Die Härte dieser Steine und ihre unendlichen Formen und Strukturen haben
mich schon von meiner ersten „Begehung“ an fasziniert. Trotz ihrer
Widerstandsfähigkeit sind Stücke abgebrochen. Feine Risse sind
entstanden, welche im Laufe der Jahrzehnte durch Wasser und Frost die
Wacken „gesprengt“ haben.
Ein haptisches Erlebnis sind die verschiedenen Oberflächen - von
metallen glatt über leicht faltige Wellen bis hin zu schrundig rau und
kratzend aufreißend. Hinreißend ist der optische Kontrast gerade im
Herbst. Die extreme Härte und grau-braune Tristesse der Wacken.
Abgebrochen Äste mit ihren leichten Schwüngen und eleganten
Verästelungen. Farbiges, abgefallenes Laub von morbidem Schwarz über
giftiges Gelb bis hin zu leuchtendem Rot. Aber auch der alltägliche Müll
der Menschen, Kippen, Papierfetzen, Kronkorken, zerbrochene Flaschen,
Kaugummi, etc., bis hin zu den Hinterlassenschaften der Hunde bilden
einen formenreichen und fast fühlbaren Gegensatz zu der abweisenden
Strenge und Formalität der „Wacken“. Ferner fordern sie die Fantasie
heraus: Wie groß war der Hund? Welche Not eines Menschen steht auf dem
zerknüllten Papier – oder ist es nur eine Einkaufsnotiz? War es
vielleicht die letzte Kippe des Rauchers – oder seine erste? Was könnten
diese „Wacken“ alles erzählen! Tausende Schicksale und Geschichten.
Die Härte und Widerstandsfähigkeit der „Wacken“ symbolisiert für mich
auch die Konsequenz und Unnachgiebigkeit, mit welcher die Bevölkerung
Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Anliegen gegenüber der Obrigkeit
durchsetzen wollte. Einigkeit, Recht und Freiheit – eingefangen in den
Farben der Trikolore: Schwarz, Rot und Gold. Sie gingen sogar so weit,
für ihre Überzeugung Prozesse und Gefängnis in Kauf zu nehmen. Mit
meinem Kunstprojekt „1832“ möchte ich an diese aufrührerischen und
Freiheit fordernden Aktionen und Menschen erinnern. Den Vorreitern der
Demokratie, den Verfechtern von Einigkeit und Recht und Freiheit ein
kleines Denkmal setzen. Der furchtlose Widerstand gegen die
Staatsrepressalien kann nicht hoch genug eingeschätzt werden – auch und
gerade für uns nachfolgenden Generationen. Die „Wacken“ sind aber auch
unregelmäßig, holprig, buckelig und unbequem. Wie die Demokratie. Ein
steiniger und schwieriger Weg mit Stolperfallen. Wie die Demokratie.
Begeht man ihn, muss man die Augen offen halten. Wie bei der Demokratie
Deshalb habe ich in den Städten, welche für die liberale Demokratie in
Deutschland die Ursprungsrolle spielten, jeweils 175 „Wacken“ mit
Blattgold belegt, mit Schlagworten zu den damaligen Ereignissen
beschriftet und anschließend versiegelt. Hierdurch werden die Bürger und
Besucher der Städte auf Schritt und Tritt an das bedeutsame Jahr 1832
und den unschätzbaren Wert der Demokratie erinnert.
Ein besonderer Schwerpunkt für mich sind die „Wacken“ vor Kindergärten
und Schulen. Öffentliche Versammlungen von Demokratiegegnern, der Zulauf
bei den Neonazis, das Verteilen von CD’s mit rechtsradikalem Gedankengut
auf Schulhöfen, usw. sind erschreckend. Durch ihre natürliche Neugier
werden Kinder den Grund für dieses „Gold auf der Straße“ hinterfragen.
Hier sind nun Eltern und Pädagogen gefragt. Aber auch wir Erwachsenen
müssen uns immer wieder den Wert der Demokratie vor Augen führen.
Bernd G Goergen
Bernd G Goergen
Martin Baus ua
1832
Das Bibliophile Mappenwerk “Bernd G Goergen | 1832” erscheint anlässlich
des 175. Jahrestages der Gründung des Preß- und Vaterlandsverein“ am 29.
Januar 1832 in Zweibrücken - der Geburtsstunde der Deutschen Demokratie.
Sie ist gleichzeitig begleitende Dokumentation des Kunstprojektes
“1832”, das Bernd G Goergen zwischen Januar 2007 und Mai 2007 in
Zweibrücken und Hambach realisiert.
Neben einem Unikat von Bernd G Goergen enthält die Mappe auch einen Text
des Künstlers zum Kunstprojekt sowie einen historischen Text zu dem
Ereignis am 29. Januar 1832 in Zweibrücken von Martin Baus und zum
“Nationalfest der Deutschen” am Hambacher Schloss am 27. Mai 1832, den
die Stiftung Hambacher Schloss dankenswerter Weise zur Verfügung
gestellt hat.
Die Gesamtauflage der Mappe beträgt 105 Exemplare arabisch numeriert und
15 Exemplare h.c. Die Gesamtauflage teilt sich auf drei Radiermotive,
vom Künstler handüberarbeitet und vergoldet, in einer jeweiligen Auflage
von 30 Exemplaren arabisch und 5 Exemplaren h.c. sowie 20 Exemplaren von
Mischtechniken, die fortlaufend arabisch numeriert sind.
Den Textdruck besorgte THUM GmbH Medientechnik, Bexbach.
Herausgeber Bernhard Beck
Das Projekt entsteht auf Initiative und in Zusammenarbeit mit der
Deutschen Gesellschaft für zeitgenössische Bibliophilie eV
Daneben erscheinen zur Mappe und zum Projekt 30 handvergoldete Wacken
auf Glasplatte sowie 20 vergoldete Wacken auf einer Stahlsäule.
Die Gesamtzahl aller das Projekt begleitenden Kunstwerke beträgt somit
175 Exemplare.
edition s beck |
Neuerscheinungen 2007
„Ein feierliches Lebehoch der freien Presse“
Vor 175 Jahren wurde der „Preßverein“ gegründet.
Vor 175 Jahren, am Sonntag, 29. Januar 1832 genau, fand im Zweibrücker
Stadtteil Bubenhausen zu Ehren des Landtagsabgeordneten Friedrich
Schüler ein Festbankett statt. Mehr als 350 Personen kamen auf
Initiative von Wirth und Siebenpfeiffer zusammen. In der Hauptsache
waren es einheimische Bürger, Kaufleute und Handwerker sowie Juristen,
die mit ihrer Teilnahme die Forderung nach einer freien Presse
verbanden. Dieses „Festmahl“ vom 29. Januar 1832 war die Geburtsstunde
des „Preß- und Vaterlandsvereins“.
Die Idee zur Gründung dieser Organisation war bereits zwei Monate zuvor
in Siebenpfeiffers Zeitschrift „Der Bote aus Westen“ zum Ausdruck
gebracht worden.
Dass diese Organisation dann tatsächlich im Rahmen eines Festbanketts
für Friedrich Schüler gegründet werden sollte, wer der öffentlichen
Einladung dazu nicht zu entnehmen. 27 Bürger aus Zweibrücken und
Homburg, ausschließlich Handwerker und Kaufleute, riefen in der
„Deutschen Tribüne“ vom 23. Januar 1832 „wenigstens jeden Bürger
Rheinbayerns“ zur Teilnahme auf.
Kurzfristig ging es zunächst darum, durch monatlichen Beiträge, deren
Höhe die Mitglieder selbst bestimmen konnten, Zeitungen und Journalisten
zu unterstützen. Die von Zensur und Beschlagnahme betroffenen
Publikationen sollten finanziell abgefedert werden. Aufklärung,
Information und politische Agitation waren indes die übergeordneten
Absichten des „Preßvereins“. Artikel über aktuelle Themen sollten einen
Prozess politischer Bildung in der Bevölkerung initiieren. Dabei war die
Vision eines demokratischen deutschen Nationalstaats das Leitbild,
dessen Verwirklichung angestrebt wurde.
Das Echo, auf das der Verin stieß, war gewaltig. Die Beitrittswelle nahm
ihren Ausgang naturgemäß in der Region Zweibrücken/Homburg. 244 Bürger
aus Zweibrücken, 150 aus Homburg sowie zahlreiihe aus den unmittelbaren
Vororten erklärten umgehend nach der Gründung ihre Mitgliedschaft.
Zwischen Ende Januar und September 1832 traten mehr als 5000 Personen
bei.
Der als „Zentralcomitée“ bezeichnete provisorische Vorstand, in den
neben Friedrich Schüler dessen beiden Zweibrücker Anwaltskollegen Joseph
Savoye und Ferdinand Geib berufen wurden, hatte die gezielte Werbung von
Mitgliedern ganz bewusst and en Anfang seiner Aktivitäten gestellt.
„Mein Herr! Das gemeinsame deutsch Vaterland fordert von seinen Kindern
kräftige Unterstützung seiner letzten Schutzwehr, seiner letzten
Hoffnung – der freien Presse."
Bereits in den ersten Wochen nach der Vereinsgründung war der Zulauf so
groß, dass über eine Reform der Organisation nachgedacht wurde. So
schlug die Führungsspitze vor, dass die Mitglieder in ihren jeweiligen
Wohnorten ein „Filialcomité“, einen örtlichen Vorstand also, wählen
sollten. Schüler, Savoye und Geib planten gar den Rücktritt von ihren
Ämtern, sobald mit der Etablierung der örtlichen Gruppen ein festes
Fundament für den Pressverein insgesamt geschaffen wäre. In diesem Fall
sei die Wahl eines endgültigen Vorstandes realisierbar, dessen Sitz dann
nicht mehr im abseits gelegenen Zweibrücken, sondern in einem zentralen
Ort des Deutschen Bundes anzusiedeln sei, Frankfurt etwa. Hinter diesem
Gedanken verbarg sich der Wille, das Netzwerk des Pressvereins von
seinem regionalen Schwerpunkt in der Pfalz über ganz Deutschland
auszubreiten. Die überregional steigenden Mitgliederzahlen den als
solide Basis für diesen Schritt angesehen.
Die als „Fest“ getarnte Demonstration konnte nun, durch die
Verbotsdiskussion weiten Bevölkerungskreisen sattsam bekannt gemacht
werden, unter der Regie des Pressvereins stattfinden, wobei die
Federführung in Händen des Neustadter Filialkomitees lag. Die
Demonstration selbst, an der am 27. Mai 1832 schätzungsweise 30.000
Menschen teilnahmen, wurde von Mitgliedern des Preßvereins organisiert,
auch die meisten der Redner gehörten dem Pressverein an. Entscheidend
für den weiteren Verlauf war die so genannte „Nachversammlung“, die Tags
darauf unter dem Vorsitz von Friedrich Schüler stattfand. Nachdem
zunächst vereinbart wurde, eine Dokumentation über den Festverlauf zu
veröffentlichen, wurde über das weitere Vorgehen beraten: forcierter
Einsatz der Presse und forcierte Reformforderungen oder aber sofortige
Revolution – das waren die zur Entscheidung stehenden Vorschläge.
Martin Baus
„Hinauf Patrioten zum Schloß, zum Schloß!“
Diesem Aufruf folgten am 27. Mai 1832 30.000 Menschen aus ganz
Deutschland, Frankreich und Polen. Sie begaben sich vom Marktplatz in
Neustadt an der Weinstraße hinauf zum Hambacher Schloss um für Ihre
Freiheitsrechte ein zu stehen.
Sie demonstrierten für die nationale Einheit Deutschlands, ein „conföderiertes
republikanisches Europa“, Presse-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit und
die Gleichberechtigung der Frau sowie Abschaffung der Zölle und der
hohen Steuern.
„Es lebe die Freiheit!“ schallte es Männern und Frauen entgegen, sobald
sie den ersten Mauerring der Hambacher Burganlage passierten, Schauplatz
des mit großer Spannung erwarteten „Nationalfest der Deutschen“. Auf dem
höchsten Punkt des Schlosses, dem Turm, wurde erstmals die deutsche
Trikolore in den Farben schwarz-rot-gold mit der Aufschrift
„Deutschlands Wiedergeburt“ aufgepflanzt. Auf der höchsten Zinne die
polnische und französische Fahne.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten zwei bekannte deutsche
Schriftsteller die oppositionelle Bewegung in den Staaten des Deutschen
Bundes. Heinrich Heine und Ludwig Börne lebten in Paris. Von dort
kommentierten sie das Geschehen. Der Publizist Ludwig Börne, ein
leidenschaftlicher Kämpfer für geistige und soziale Freiheit, nahm am
Hambacher Fest teil. Zu seinen Ehren wurde am Vortag ein Fackelzug
abgehalten. Heinrich Heine schrieb zum Hambacher Fest: „Dies war der
letzte Termin, den die Göttin der Freiheit uns gewährte.“
Vater der Idee des Hambacher Festes war der Journalist, Philipp Jakob
Siebenpfeiffer. Er war der Verfasser des Aufrufs. Der herausragende
Redner Johann Georg August Wirth war ebenfalls Journalist und schlug die
Gründung des „Vaterlands- und Pressevereins“ vor. Er wurde gegründet, um
die freie Presse zu unterstützen und für deren Verbreitung zu sorgen.
Die Zweibrücker Advokaten Schüler, Savoye und Geib bildeten ein
provisorisches geschäftsführendes Komitee.
Das Hambacher Fest ist der Ursprung und das bedeutende Ereignis unserer
Demokratiegeschichte. Aufgrund der visionären Forderungen des Hambacher
Festes 1832 nach einem „conförderierten republikanischen Europa“ ist das
Hambacher Schloss nicht nur die Wiege der deutschen Demokratie und
nationale Gedenkstätte, sondern auch die europäische Begegnungsstätte.
Adresse:
Stiftung Hambacher Schloss
Hambacher Schloss 1832
67434 Neustadt an der Weinstrasse
Tel 06321 3088 Fax 06321 482672
www.hambacher-schloss.de
info@hambacher-schloss.de

content\2007-05-wsv-kf-1832.pdf

..\symposia\00\2007-goergen-b-bernd-1832\content\1832_Pfaelzischer
Merkur_070215.pdf

..\symposia\00\2007-goergen-b-bernd-1832\content\2007-01-13-pfm-1832.pdf

..\symposia\00\2007-goergen-b-bernd-1832\content\2007-01-13-rpf-ad-1832.pdf
Leider ist der Künstler Bernd Goergen in den
Ostertagen überraschend verschieden. Das Projekt konnte somit in
Zweibrücken und Hambach nicht zu Ende geführt werden.
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