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September 1999 - Januar 2000

 

 Andrzej Urbanski 

Malerei Zeichnung Collage

 

         

         

 

Collage = Frz. Das Anleimen, das Ankleben
Bei Collagen handelt es sich um Bilder, die ganz oder teilweise aus aufgeklebten, meist flächigen Materialien bestehen, etwa aus Papier, Drucksachen aller Art, Karton, Geweben, Folien, Fotos usw, die in der Regel zeichnerisch und malerisch überarbeitet bzw ergänzt werden.
Finder der Collage für die Kunst des 20. Jhrdts war der Kubist Georges Braques, der seine und Picassos in dieser Zeit entstehenden Arbeiten noch papiers collés nannte.
Erst die Dadaisten prägten ab 1920 den Begriff Collage, und zwar bezeichnete André Breton nannte so die Druckgraphik-Montagen von Max Ernst.
Die Technik des Klebebildes ist indessen uralt und gehört ebenso zu den Kunstäußerungen der Naturvölker wie zu den bevorzugten Möglichkeiten der Volkskunst.

 

         

 

Der Prozess des Zurückdrängens der klassischen Maltechnik, der mit den eben erwähnten papiers collés begann, ist auch heute noch innerhalb der aktuellen künstlerischen Richtungen ein wichtiges Ausdrucksmittel.
Die Motive, die dazu geführt haben, gehen letztlich auf die Basisforderungen und die Basisanforderungen der modernen Kunst zurück:
Wunsch nach unreflektierter, nicht gefilterter Integration der anderen Wirklichkeit, = richtige Wirklichkeit, in die Wirklichkeit des Kunstwerkes
Umgekehrt die Auflösung der Kunst in der Wirklichkeit
Die Bewältigung des Realen und seiner Absurdität

 

                  

 

Diese Betrachtung des Realen unter den Aspekten seiner Absurdität ist im übrigen ein Vorzug slawischer Kunst in diesem Jahrhundert.
Verwiesen seien hier auf Romane wie der vom Soldaten Schweijk, auf Jiri Kolars konkrete Poesie der 50er Jahre, wo Worte nicht mehr als Sprache, sondern als graphisches Medium eingesetzt wurde (plattes Beispiel: Baum bildet einen Baum), aber auch auf die langjährige Führerschaft polnischer und tschechischer Künstler im Bereich des Trickfilms.
Und denken Sie einmal an Schweijk, an die PanTau-Filme: Immer haftet dieser Art der Bespiegelung der Wirklichkeit unter besonderer Berücksichtigung des alltäglich Absurden gleichzeitig traurige Fröhlichkeit und verspielte Tragik an.
Dass auch der 1949 in Krosno in Polen geborene Maler, Graphiker und Zeichner Andrzej Urbanski diese Art des Umgehens mit der Welt in seiner Kunst 1979 (sie erinnern sich an die Slidarnosc-Streiks) nach Deutschland mitgebracht und in 20 Jahren nicht abgelegt hat, können Sie in dieser Ausstellung, die Arbeiten aus den vergangenen 15 Jahren lose zusammenfasst, nachvollziehen.

 

                             

 

Ursprünglich wollten wir auch Leinwände, also sozusagen Haupt- und Staatsaktion im Werk Andrzej Urbanskis zeigen, haben auf diese allerdings während des Aufbaus in der vergangenen Woche verzichtet, um der Ausstellung Ihre traurige Fröhlichkeit.

 

                    

 

Vielleicht haben auch Sie, so wie ich, den Eindruck, dass die Collagen Andrzej Urbanskis vieles von Tagebuchaufzeichnungen an sich haben. Bilder, in denen er einer Stimmung nachspürt, eine Beobachtung erinnert, einem Gedanken nachsinnt.
Als ich Urbanski kennenlernte, hatte ich das Gefühl, dass er nicht so sehr gerne in Deutschland lebt, wenn er auch mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat. Gesagt hat er mir aber, dass er wegen der Vergangenheit nicht mehr in Polen leben kann und möchte.
Wenn man so nirgends zuhause ist, sollte verständlich sein, dass man traurig fröhlich ist, oder?

 

        

 

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