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Nachfolgend finden Sie Textauszüge aus den aktuellen Heften.


Bioaktive Kunst

Die Naturimpressionen von Matthias Glässer haben eine Besonderheit: Sie können Schadstoffe wie Formaldehyd abbauen.

Angefangen hatte der heute 37-jährige Matthias Glässer wie viele talentierte Jugendliche seiner Generation: als Comiczeichner und Graffitikünstler. Während die Comics in kleinformatigen Büchern und Heften in den Jugendgruppen herumgereicht wurden, hinterließ er als anonymer Sprayer im öffentlichen Raum seine ersten künstlerischen Spuren auf riesigen Mauerflächen.

"Das ist lange her", erzählt der Künstler, "das war während meiner relativ kurzen Großstadtphase in Köln." Allein die Vorliebe für große Formate sei ihm aus dieser Zeit bis heute geblieben. Denn erstens ist Glässer ganz ausdrücklich "ein Landei und Naturliebhaber" und kehrte deshalb schon vor einigen Jahren in den Hunsrück, die Landschaft seiner Kindheit, zurück; und zweitens war ihm nach dem Besuch einer Ausstellung mit Werken der sogenannten New Yorker Schule schlagartig klar geworden, dass er einen ähnlich impulsiven und emotionalen künstlerischen Weg beschreiten wollte wie die großen Künstler im Amerika der Nachkriegszeit: Jackson Pollock, Willem de Kooning oder, etwas später, Sam Francis, die den abstrakten Expressionismus begründeten.

"Mit diesen Malern habe ich mich intensiv auseinandergesetzt", erklärt Glässer. "Ihre Dynamik beeindruckte mich nachhaltig und prägte meine Kunst." Pollock etwa war der Erste, der die Farben unmittelbar auf die auf dem Boden liegende Leinwand tropfen und fließen ließ. Er schüttete, sprengte und spachtelte sie, so dass sich Strukturen, Rhythmen und Muster aus Farbspritzern und -flüssen bildeten. Auf diese Weise wollte er die Dynamik von Bewegung abbilden, ohne als Künstler bewusst auf die Gestaltung Einfluss zu nehmen.

Willem de Kooning wurde nicht nur mit großen "Frauenbildern", die er in groben, fast brutalen Pinselhieben auf die Leindwand fetzte, sondern auch mit seinen abstrakt-expressiven Landschaften berühmt. Und Sam Francis, der als einer der wichtigsten Repräsentanten des Tachismus gilt, verwendete als Erster die Technik, Farben in Rinnsalen auf dem Malgrund ineinanderfließen zu lassen, so dass sie sich zu unterschiedlich großen Farbkleksen mischten.

Matthias Glässer hat sich von den spontanen Techniken und Gesten dieser Künstler inspirieren lassen und auch er sieht das Unbewusste des Menschen als die wichtigste Quelle der Kunst an, der das bewusste Denken so wenig wie möglich ins Handwerk pfuschen sollte. Während aber Pollock dafür berühmt war, dass er seine Bilder nicht einmal mit dem Pinsel berührte, vermalt Glässer seine Farben oft mit beiden Händen auf der Leinwand und hinterlässt deutliche Spuren seiner Aktion. Und die Rinnsale auf seinen Werken entstehen nicht, wie bei Sam Francis, durch das Ineinanderlaufen der Farben, sondern indem er im Nachhinein Terpentin in das fertige Werk schüttet. Damit löst er die Farben und Strukturen wieder auf und lässt sie zerfließen, sich frei verändern.

Der Bezug des Menschen zur Natur sei in seiner Arbeit zentral, erklärt Glässer. Und so hat auch der Herstellungsprozess seiner Werke etwas Naturhaftes: Sie verändern sich immer weiter, wachsen fast eigengesetzlich, wandeln sich wie Pflanzen und sind eigentlich nie fertig - eine Tatsache, die Glässers Galeristen Matthias Beck schon manches Mal auf die Palme gebracht hat, wenn Glässer seine Bilder sogar nach ihrer Hängung in der Galerie nicht in Ruhe lassen wollte. Eine Arbeit habe er "seit drei Jahren in der Mache", sagt der Maler und grinst...

Susanne Friedmann

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Quelle:
natur+kosmos, Redaktion
 |  14.12.2007
 


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