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ART
FRANKFURT | 23. - 26. April 1999
Galerie Monika Beck und Edition Monika Beck
zeigen
Klaus
Friedrich
in
Klaus Friedrich verzweifelt an der Welt

Klaus
Friedrich Edition "1939" ansehen
Klaus Friedrich verzweifelt an der Welt
oder:
Die kopierte Wirklichkeit entlarvt die Lüge der Collage
Art Frankfurt: Copy Art des St.Ingberter Künstlers Klaus Friedrich
am Stand der Galerie Monika Beck
Fotokopierer sind aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Schnell und
preisgünstig lassen sich damit Bilder und Schriftstücke für den Alltagsgebrauch
vervielfältigen. Doch was haben diese Mittels komplexer elektrostatischer und thermischer
Vorgänge hergestellten Papiere mit Kunst zu tun? Sehr viel, wird man bei näherer
Betrachtung des Phänomens "Copy Art" - zu deutsch: (Foto-)Kopierkunst -
feststellen. Besonders, wenn man die Arbeiten des saarländischen Künstlers Klaus
Friedrich in Augenschein nimmt, dem der diesjährige Stand der Homburger Galerie Monika
Beck auf der 10. Art Frankfurt gewidmet ist, die vom 23. bis 26. April ihre Tore auf dem
Gelände rund um den Messeturm öffnet.
Klaus Friedrich, 1969 in Frankfurt am Main geboren, beschäftigt sich seit vielen Jahren
mit verschiedenen Kunsttechniken. Nach Malerei, Zeichnung und Collagen gelangte der
gelernte Kaufmann und DTP-Fachmann zur "Copygraphie", die ihm die Möglichkeit
eröffnete, eine Vielzahl künstlerischer Techniken zu einem völlig neuen Ergebnis zu
vereinen. Fotoapparat, Computer und Kopiergerät sind dabei wesentliche Arbeitsmittel, die
es ermöglichen, die gewählten Motive zu verfremden, scheinbar Alltägliches in einen
anderen Kontext zu versetzen und einen künstlerischen Bogen zu spannen, der vom
Mittelalter bis zur Moderne reicht. Gemalte Bilder, freie und mitunter inszenierte
Fotografien sowie Material- und Druckkollagen bieten dabei die Grundlage der in
unterschiedlichen Seriengrößen aufgelegten Arbeiten. "Je nach gewählter Vorlage
vereinigt sich hier Malerei mit Foto, enthalten Werke auch Ikonenhaftes und mischt sich
Kunstanspruch mit Produktionsgedanken." kommentiert Klaus Friedrich seine Vorstellung
von "Copy Art".

Für die Präsentation in seiner Geburtsstadt hat sich Klaus Friedrich Arbeiten aus seinem
neuesten Zyklus " 1939" gewählt. Seit der Wiedervereinigung ist in Deutschland
ein neues Selbstbewusstsein gewachsen. Wirtschaftliche Stärke und Führungsanspruch beim
europäischen Einigungsprozess haben seitdem Ängste in anderen Ländern aufkeimen lassen.
Das zunehmende Phänomen rechtsextremer Gewalt, die Tendenz, fremdenfeindliche Gesinnung
als ebenso unvermeidliche wie bürgerfreundliche Realpolitik zu verkaufen und schließlich
die Diskussion um eine Verjährung der Verbrechen der Nazidiktatur haben bei Klaus
Friedrich einen umfangreichen Prozess des Nachdenkens ausgelöst. "Bislang war
Politik für meine Generation eher Nebensache, die Segnungen der Demokratie eine
Selbstverständlichkeit. Setzt man jedoch die scheinbar zusammenhanglosen Puzzlesteine der
jüngsten Vergangenheit zusammen, so ergibt sich ein erschreckendes Bild, vor dem niemand
mehr die Augen verschließen kann" kommentiert der Künstler in seinem St.Ingberter
Atelier.
So sehr der Wunsch nach Verdrängung auch sein mag, selbst mehr als fünf Jahrzehnte nach
dem ruhmlosen Ende des "Tausendjährigen Reiches" sieht Friedrich die Zeit der
Verjährung noch lange nicht gekommen. Er ist der festen Überzeugung, daß die Bilanz aus
Millionen ermordeter, gequälter, ihrer Heimat beraubter Menschen, die Bilder von
Schrecken und Zerstörung, von Gewalt und Terror alleine deshalb nicht aus dem Gedächtnis
der heute Lebenden verbannt werden dürfen, damit die mühsam gelernten Lektionen von
Demokratie und Toleranz auch in Zukunft über Hass und Ideologie obsiegen können.
Vergessen nein, jedoch Distanz bis zu einem gewissen Grad scheint angebracht. Und zwar in
dem Sinne, wie es derzeit beispielsweise der mit Auszeichnungen überhäufte Film
"Das Leben ist schön" versucht: Die Geschichte des Schreckens mit Humor und
Ironie zu vermitteln. Eine Begegnung mit dem Stand Nr. G85 in Halle 101 auf dem
Frankfurter Messegelände unter dem Motto "Klaus Friedrich verzweifelt an der
Welt" verblüfft so in mehrfacher Hinsicht. Die Original-Arbeitsumgebung des jungen
St.Ingberters wurde per Spedition auf die Messe gebracht. Der Künstler als lebensgroße
Fotokopie, das Mobiliar im Original - nicht ohne ironisches Augenzwinkern lassen die
Ausstellungsmacher hier das Publikum an einer Scheinintimität teilhaben, wie sie
Talk-Shows und Home-Stories als tägliche Selbstverständlichkeit in die Wohnzimmer der
Menschen bringen. Was hier wie eine eigene Performance-Installation wirkt, ist in Wahrheit
jedoch nur das Beiwerk zu den erschreckenden Motiven der ausgestellten
Copy-Art-Arbeiten.
Die Besucher werden durch sie mit Ausschnitten und Schlaglichtern des Schreckens einer
zwölfjährigen Ära Deutscher und Europäischer Geschichte konfrontiert. Fragmentarische
Texte unterschiedlichster Herkunft, Gebäude, Alltagsgegenstände - die vermeintlich
zufällige Auswahl und Mischung der Motive vermitteln eine dichte, beinahe beklemmende
Atmosphäre, der sich niemand entziehen kann. Klaus Friedrich spielt dabei ebenso subtil
wie bewusst mit den Emotionen des Betrachters. Zunächst wird er durch das oberflächlich
dekorative Ambiente der Arbeiten angezogen, um dann im Prozess des Erkennens jede
Möglichkeit der Flucht oder Verdrängung zu verlieren. "1939" - kaum
dokumentarische Abbildungen einer gewesenen Realität als vielmehr kompakte Botschaften
eines kollektiven Erinnerungsvermögens, an dem jeder teilhaben wird, der sich mit
Friedrichs Arbeiten beschäftigt hat.
Stefan Folz

>> Becknetz | Zeitungsnotiz | Saarbrücker Zeitung |
Burkhard Baltzer | 23.4.1999 |
1.
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Abschnitt
>> Becknetz |
Zeitungsnotiz
| Der Beckerturm | April 1999
>> Becknetz |
Zeitungsnotiz
| Der Wochenspiegel | April 1999
>> Becknetz | Zeitungsnotiz | Kakadu | Art Frankfurt |
April 1999 | 1. Abschnitt
| 2. Abschnitt
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