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Schwedenhof | Am Roemermuseum | 66424 Homburg/Saar | Germany
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9. Juni - 10. Juli 2009

 

 Dina Draeger 

No Names

 

 

    

 

1966 geboren in Veerßen

1985 Ausbildung zur Erzieherin
1988 Abitur auf dem Abendgymnasium in Darmstadt.
Umzug nach Paris
1989/90 Leitung einer staatlich geförderten Galerie für experimentelle Kunst
Freie Mitarbeit bei Radio France
seit 1990 Freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Sendern und Zeitschriften
Kabarettistin
1992 - 2000 Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe

Zahlreiche Reisen und längere Aufenthalte in Frankreich, Norwegen, Italien, England, Schweiz, USA, Kuba, Asien, Afrika, Australien, Arabien

 

in situ

         

         

         

         

         

 

         

         

         

         

 

Bilder in situ ansehen

 

Einzelausstellungen

2009 Heidelberg, Hella Beurich Art Consulting
2009 München, Israelitische Kultusgemeinde Jakobsplatz
2009 Frankfurt am Main, Fußballmuseum des Deutschen Olympischen Sportbundes, „Fans“
2009 Museum Schwalenberg/Landesmuseum Lemgo
2009 Wiesbaden, Frauenmuseum, „Alle Menschen sind gleich“
2008 Leipzig, Dresdner Bank, „Aboriginal-Zyklus“
2008 Flörsheim am Main, Kunstforum Mainturm,
„What is human?“
2008 Marielies Hess Stiftung, Hessischer Rundfunk Frankfurt am Main, „Human Touch“
2007 Bad Homburg v.d.H., Kulturzentrum Englische Kirche, „Fans und andere Gesellen“
2007 Limburg, offizielles Portrait von Bischof Franz Kamphaus
2007 Frankfurt am Main, Galerie Mühlfeld & Stohrer, „Image“
2006 Würzburg, Kunstverein Würzburg, „La Vie est une longue Fleuve tranquille“
2006 Homburg/Saar, Galerie Monika Beck, „Beings“
2005 Frankfurt am Main, Dommuseum Frankfurt, „No Names“
2005 Uelzen, Kunstverein, „Global Identifications“
2005 Bonn, AnBau 35 – Ort für zeitgenössische Kunst, „Semana Santa“
2005 Frankfurt am Main, Galerie Mühlfeld & Stohrer, „No Names“ (Parallelausstellung zum Dommuseum Frankfurt)
2005 Frankfurt am Main, Presseclub Frankfurt, „Around the World“
2005 Frankfurt am Main, Art Frankfurt, „One Woman Show“
2003/04 Göttingen, Galerie Oliver Ahlers, „Lost in Paradise“
2003 Frankfurt am Main, Galerie Mühlfeld & Stohrer, „strange truth“
2003 Bonn, AnBau 35 – Ort für zeitgenössische Kunst, „tigertiger“
2001 Bonn, AnBau 35 – Ort für zeitgenössische Kunst, „Im Archiv der Obsessionen“
2000 Homburg/Saar, Galerie Monika Beck, „Das Archiv der Obsessionen“
1998 Schwetzingen, Schloß : „Around Rosefields“
1998 Bonn, AnBau 35 – Ort für zeitgenössische Kunst, „Hit the rose, Jack“
1997 Mannheim, Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung
1995 Mannheim, Boehringer, „Neue Arbeiten“
1994 Berlin, Stadtbibliothek, „Spiegelnacht“
1994 Oldenstadt, Historisches Zentrum, Galerie des BBK, „Tranches de vie“
1994 Mannheim, Galerie Contemporary Art – “Persona” One-Woman-Show und Performance
1994 Mannheim, Korbien's Galerie - Rauminstallation „Camera Mortuaria“
1993 Paris, Galerie Espace Bateau Lavoir
1992 Mannheim, Gesellschaft für Kultur- und Wissenschaftsförderung (heute ZEW)
1990 Mannheim, Galerie Kaleidoskop

Gruppenausstellungen

2008 Göttingen, 25 Jahre Galerie Oliver Ahlers
2007 Wiesbaden, Frauen Museum Wiesbaden, „Ballkünstlerinnen“
2007 Verschiedene Länder, Wanderausstellung „Kommen Sie nach Hause“, unterstützt von der Maecenia Stiftung für Frauen in Wissenschaft und Kunst
2007 Karlsruhe, Art Karlsruhe mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2007 Köln, Art Fair mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2007 Würzburg, Museum am Dom, „Bilderwechsel“
2006 Frankfurt am Main, Lange Nacht der Museen, Kooperation mit dem Museum der Weltkulturen
2006 Beirut, „Venez à la Maison“, Kunstzentrum Gemmayze
2006 Karlsruhe, Art Karlsruhe Köln mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2006 Köln, Kunstköln mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2006 Köln, Art Fair mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2005 Köln, Kunstköln mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2005 Mannheim, Galerie Karin Friebe, „Damenwahl“
2005 Köln, Art Fair mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2005 Heidelberg, Hella Beurich Art Consulting
2003/04 Heidelberg, Hella Beurich Art Consulting
2004 Frankfurt, Art Frankfurt mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2004 Köln, Art Fair mit Galerie Mühlfeld & Stohrer
2004 Würzburg, „Bilderwechsel“, Museum am Dom
2003 Heidelberg, Hella Beurich Art Consulting, Accrochage
2003 Göttingen, Galerie Oliver Ahlers, „Mondsüchtig“
2003 Paris, White Elephant Gallery, “Accrochage d´Été”
2003 Frankfurt am Main, Galerie Mühlfeld & Stohrer
2002 Bonn, AnBau 35 – Ort für zeitgenössische Kunst
2002 Frankfurt am Main, Galerie Mühlfeld & Stohrer
2002 Karlsruhe, HfG, „10 Jahre staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe“
2001 Frankfurt am Main, Kunstmesse, Stand der Galerie
2000 Art Frankfurt, Galerie Monika Beck, „Das Archiv der Obsessionen“
1998 Heidelberg, Kurpfälzisches Museum, Ausstellung der öffentlichen Ankäufe
1997 Stuttgart, Württembergischer Kunstverein, „Thom Barth - Das große Ding, die Arbeit und der Schrank“ (Projektbeteiligung mit einer Installation)
1995 Bern, Kulturzentrum Dampfzentrale, Internationaler Medienkunst-Workshop (Beteiligung mit einer Videoskulptur)
1995 München, Galerie Walter Storms – Ausstellung mit Studenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
1995 Paris, Galerie Espace Bateau Lavoir, „Objects subjectivs“
1992 Oldenstadt, Historisches Zentrum, Galerie des BBK (Stipendium des BBK Niedersachsen), „Dialog '92“
1991 Paris, Galerie Espace Bateau Lavoir
1991 Frankfurt am Main , Buchmesse (mit Galerie Kaleidoskop)

Ferner befinden sich Werke in privaten und öffentlichen Sammlungen, u.a. kurpfälzisches Museum Heidelberg, Museum am Dom Würzburg (Museen der Diözese Würzburg), Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, Heraeus, Hanau


Publikationen

1991 – 95 Kunstkritische Texte und Artikel für die Zeitschriften 'Der Kunsthandel' und 'Images', Hüthig Verlag Heidelberg
seit 1992 Lesungen, Performances, Einführungsreden in Galerien
1993 "Das Schaf im Karton", in: Ausst.Kat. Oldenstadt, 'Dialog '93'
1994 "Die Schlange im Hut", in: Bildgeschichten – Ein Projekt des Faches Kunstwissenschaft an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, hrsgg. von Hans Belting, Karlsruhe 1994, S. 22 f.
1994 - 96 Kunsttheoretische Artikel für die Zeitschrift ESTETICA, Edizioni ESAV, Torino
1995 "Wo ist Geschichte?", in: Ausst.Kat. 'Die unmögliche Gegenwart', Museum für Volkskultur in Württemberg, Schloß Waldenbuch 1995, S.20
1996 "Der Kunstmarkt ist keine demokratische Angelegenheit" – für Marie Jo Lafontaine, in: Süddeutsche Zeitung vom 23.5.1996
1996 Mitarbeit an der Publikation 'Le Musée et la conception du chef-d'oeuvre', erschienen in der Reihe 'Histoire de l'histoire de l'art', hrsgg. vom Musée du Louvre
1997 "Roses come from where we will never go to" – Covertitel der CD 'detunized gravity' von DE-PHAZZ bei UCMG
1999 Texte zu 'Godsdog' von DE-PHAZZ bei UMCG
2000 Katalog 'Zehn Jahre Kunstankäufe der Stadt Heidelberg'
2001 Katalog 'Mensch und Natur', Naturpark Harz, Kunstpreis
St. Andreasberg
2003 Katalog 'Zehn Jahre staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe'
2003 „Ich gehe also, um zu jagen.“, Monographie mit Texten von Siegfried Gohr und Rudij Bergmann (Interview mit Dina Draeger), SPQ-Verlag, Frankfurt am Main
2005 Frankfurt am Main, Dommuseum Frankfurt, „No Names“, Katalog zur Ausstellung, S.P.Q.Verlag, Frankfurt am Main

Vorträge und Publikationen auf zahlreichen Tagungen und Kongressen

2006 Stipendium der DFG im Graduiertenkolleg „Bild-Körper-Medium. Eine anthropologische Perspektive“ an der HfG Karlsruhe

 

                        

 

Auf gleicher Augenhöhe mit dem Fremden

Dina Draeger pflegt eine Kunst des Ereignisses, des Momentanen und enigmatisch Erhabenen. Sie fotografiert vor allem fremdartige Menschen in ihrer Anonymität, übermalt die Fotos, scannt sie ein, analysiert und isoliert mit Photoshop ihre Gestalten aus der sie umgebenden Umwelt, druckt die Ergebnisse mit Pigmenttinte auf grundierte Leinwand aus, übermalt sie in Ölfarbe und firnisst die großformatigen Arbeiten (bis zu 2x3m und 1x4m).

Ein aufwendiger Prozeß sukzessiver visueller Ablagerung und Schichtung.

Sie besitzt einen konkreten, analytischen und assoziativen Geist und aktiviert sowohl phänomenologische Wesensschau als auch Reduktion. Dabei trifft sie, je nach Ausstellungsort, eine gezielte, situationsbedingte Auswahl aus ihrem Fotoarchiv der auf Reisen im In- und Ausland mit der Kamera intuitiv erbeuteten und gesammelten Eindrücke und unfaßbaren Phänomene. Der Betrachter wird davon sinnlich berührt. Weil durch den äußeren Anstoß das endogene Bild aktiviert wird, wird das exogene Bild geformt.

„Der Künstler muß viel gesehen, viel gehört und aufbewahrt haben“. (Hegel)

Die ebenbürtige Darstellung des Anderen, der Ausgegrenzten und Anonymen, gehört nicht zum gängigen Bild der europäischen Kunst im allgemeinen. Im Unterschied dazu stellt Dina Draeger das Fremde mindestens auf gleicher Augenhöhe dar, meistens aber ästhetisch überhöht und erhaben. So entstehen aus NO NAMES keine namenlosen, sondern eigenständige und originelle Kunstprodukte. Sie wirken gegen das Ausgegrenztsein des Fremden und geben ihm seine verlorene individuelle Würde zurück. Die Gestalten werden von einer prachtvoll irrealen Farbsphäre umhüllt. Die bisher nicht wahrnehmbare Aura dieser Menschen wird sichtbar, wird zum Phänomen. Statt über ihre unmittelbare, eigentliche Lebenssphäre werden sie nun über ihr Charisma, ihre Ausstrahlung definiert. Die Umgebung wird ausgeblendet, das Karma, die menschlichen Schicksale werden offenbar.

So entstehen virtuelle Ikonen, Helden- und Heiligenbilder gegen Bedeutungslosigkeit
und Ohnmacht des isolierten Individuums, für seine positive Freiheit.

Der Mut zu eigenem Denken und eigenen Entscheidungen, der Mut, weder die Autorität der Kirche noch die des Staates, sondern nur die des Gewissens anzuerkennen, diese Vision wurde ersetzt durch die Kriterien des gesunden Menschenverstandes und der öffentlichen Meinung.

Draegers sublime Menschenbilder setzen sich fest auf unserer Retina, in unserem inneren Auge, wir reagieren darauf, sie erinnern an religiöse und mythologische Sublimierung der Kunst. Sie werden zu Objekten der Kontemplation, der ebenbürtigen Konfrontation mit dem Anderen und dem Fremden, ohne jedoch Werkzeuge religiöser Handlung zu sein.

Das Verlangen, das sich in der ästhetischen Erfahrung erfüllt, hat nichts mit dem Verlangen nach Macht gemein, es ist ein Verlangen nach Gerechtigkeit, nach Liebe und Gemeinschaft. (M. Dufrenne – „désir de justice, désir d’amour, désir de communion“)

Dina Draeger sagt: „Die Auswahl der Motive ist rein ästhetischer Natur ... meine Methode ist also, Entscheidungen zu treffen, statt Urteile zu fällen. Natürlich ist dieser Vorgang genauso willkürlich wie ein Urteil, dennoch verstehe ich mich als Bildberichterstatterin meiner Umwelt.“ Schon auf dem Niveau der Wahrnehmung findet bei ihr eine auf die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt gestimmte intuitive Auswahl der Wirklichkeitsspiegelungen im Bewußtsein statt.

Mit Kant nennen wir ‚Erhaben’ was schlechthin groß oder göttlich ist.

Das ‚Erhabene’ ist der Titel für das ‚Andere der Vernunft’ und Dina Draeger arbeitet mit der Ästhetik des Erhabenen. Denn was erhaben dargestellt wird, erweckt mehr Achtung als Liebe. In der nachmetaphysischen Zeit ist ‚erhaben’ das vollendet Profane.

Zwar beruht Draegers Malerei auf Fotografie, sie liefert aber dennoch kein Abbild. Denn sie läßt das Ereignis zur Darstellung kommen und fungiert selbst als Erkenntnisakt.
Das Ereignis ist in seiner zeitlichen Ausdehnung beschränkt. Es ist ein kurzer, gewissermaßen ausdehnungsloser Moment, in dem sich ein einzelner Sachverhalt realisiert, bzw. sich eine bestimmte Tatsache konstituiert. Ingarden spricht von der ‚Seinsselbständigkeit’ eines Ereignisses.

„Das Globale, das heißt die Realzeit, die Macht der Unmittelbarkeit, der Allgegenwärtigkeit, des Momentanen, das ist der Kern.“ (P.Virilio).

Laut Kant übersteigt das Erhabene das Sichtbare und rührt an das Intelligible der Vernunft. Solcherart weist also die Darstellung über sich selbst hinaus auf ein anderes.
Und im ästhetischen Erlebnis leuchtet der gemeinsame Urgrund von Mensch und Welt.
Dina Draeger verweilt nicht bei der condition humaine, sondern konzentriert sich auf hominis dignitate, auf die Menschenwürde. Das ist ihre Auffassung vom Ecce Homo.

Brigitta Amalia Gonser

 

              

 


Around the world

...lautet der Titel dieser Ausstellung. Basis der Arbeiten von Dina Draeger sind Fotos, die sie an verschiedenen Weltorten mit verschieden Weltmenschen gemacht oder eingesammelt, bearbeitet und in erstaunliche Zusammenhänge gestellt hat.

„Nur im Momentanen zeigen sich die Dinge in ihrem gesamten Ausmaß“...diese Antwort gab mir Dina Draeger kürzlich, als ich sie danach fragte, ob sie mit ihren Bildern Geschichten erzählen wolle. Nein, sie negiere Geschichten, zeige nur den Moment, zeige nur, wie es ist.

Es stimmt in soweit, als ein ungestelltes, nicht inszeniertes Foto – nur mit solchen arbeitet Dina Draeger - naturgemäß nur eine Momentaufnahme darstellen kann. Allerdings: fast immer fügt sie der einen Momentaufnahme eine oder mehrere andere hinzu oder verfremdet die eine. Man könnte sogar sagen, dass es sich bis hierher immer noch nur um Momente handelt.

Jetzt beginnt das, womit die Künstlerin kühl rechnet:
Nämlich die Arbeit im Kopf des Betrachters. Er selbst setzt die Momentaufnahmen in einen Zusammenhang, den sie nicht zeigt, den sie dem Einzelnen überlässt.

Das heißt, der Betrachter stellt sich die Geschichte zusammen. Seine eigene Geschichte oder unter Umständen auch die, die die Künstlerin selbst im Hinterkopf hatte, als sie das Bild kreierte. Es kann also auch ihre Geschichte sein, muss es aber nicht.

Wir als Betrachtende werden lediglich verführt, an eine fertige Geschichte des Bildes zu glauben, obwohl wir nichts weiter als ein paar Anhaltspunkte erhalten. Nie kann bei ihr eine Geschichte aus einem Bild entstehen, wenn der Betrachter nicht zur Mitarbeit bereit ist.

Soweit mir bekannt ist, arbeiten Zauberer und Illusionisten mit dieser Methode.

Ein paar willkürlich heraus gegriffene Beispiele, die hier zu sehen sind:

Havanna: Da prangt die Kuppel des dem Kapitol in Washington nachgebauten Parlaments vor blutrotem Himmel und das Bild trägt den Titel „Cuba libre“, ein Drink aus amerikanischer Coca-Cola und kubanischem Rum. Die Geschichte, die sich mir aufdrängt, ist das kubanisch-amerikanische Verhältnis mit all seinen Facetten.

Oder wechseln wir nach Vietnam: Auf dem oberen Teil eines als Tor gebauten Monuments steht unter einem roten Stern zu lesen: To quoc chi cong. Übersetzt heißt das: „Das Land erinnert an die Tapferen!“ (Diese Übersetzung bekam ich von der Mitarbeiterin oder Inhaberin eines vietnamesischen Restaurants im Hainer Weg!) In den Torbogen hat Dina Draeger zwei kleine Mädchen in einer paradiesischen Landschaft gesetzt. Wem drängt sich an dieser Stelle nicht das Foto der kleinen Napalm-verbrannten Kim Phuc Phan Thi von AP- Fotograf Nick Ut aus dem Jahr 1972 und die Geschichte des Vietnam-Krieges auf?

Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Zusammensetzen von Momentaufnahmen zu Geschichten. Und lassen Sie sich von der Schönheit der Arbeiten nicht verleiten, zu glauben, es gehe nur um Ästhetik. Die Künstlerin will immer provozieren, auch wenn´s ganz harmlos aussieht!

 

    

 

Das Bild vom Menschen
Dina Draegers Arbeiten am Menschenbild


Das Bild des Menschen, sein Angesicht, ist in der West-Kunst des 20. Jahrhunderts mehr und mehr außer acht geraten. Es waren andere Fragen, die die Künstlerinnen und Künstler der vergangenen hundert Jahre beschäftigten, wie die Frage nach seiner Expression, nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, nach den Kräften und Mächten hinter dem Sichtbaren. Wenige Künstler der Moderne bewahrten das Bild des Menschen grundsätzlich. Von den unbestritten großen Malern waren dies Picasso und Chagall, und in ihren Skulpturen fühlten sich Giacometti und Moore ihm stets verpflichtet.

Das Antlitz des Menschen darzustellen, war über Jahrhunderte hinweg Mittelpunkt künstlerischen Schaffens: ausgehend von den Jesus- und Marienbildern hin zu Herrscherbildnissen, zum Porträt und Selbstporträt des Künstlers, bis zu den Bildnissen der Armen und Gezeichneten der Gesellschaft. Schließlich löste die Fotografie, in ihrer Frühzeit insbesondere Porträtfotografie, die Malerei ab.

Diese wandte sich dann anderen Sujets zu. Das Bild des Menschen verlor an Bedeutung für die bildende Kunst und verschob sich in die Medien. Nachdem sich heute Malerei und Fotografie versöhnt haben und beide ein eigenständiges Leben führen, entdeckte die Malerei das Bild des Menschen wieder und rückte es gegen Ende des 20. Jahrhunderts verstärkt in den Vordergrund. Vor allem in den Werken von Benjamin Katz und Lucian Freud stößt es in Amerika und Europa auf erhebliches Interesse.

Dina Draeger, 1966 in Veerßen geboren, studierte neben Malerei Kunstgeschichte, Philosophie und Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für
Gestaltung in Karlsruhe u.a. bei Hans Belting. Ihr weitgespanntes Interesse, bereits angelegt in ihrem Studium, trägt in ihrem Schaffen dazu bei, Malerei und Fotografie in besonderer Weise zu verbinden, zu versöhnen, und als Schwerpunkte der Wirklichkeitserfassung in eine spannende Beziehung zu setzen.

Als passionierte Reisende durch die Welt hält Dina Draeger die von ihr erlebte Wirklichkeit mit dem Fotoapparat fest. So entstehen eindringliche fotografische Dokumente von Alltagssituationen und Menschen. Diese Dokumente ihrer Beobachtungen, meist in fremden Welten, Szenen und Kulturen, bearbeitet die Künstlerin mit malerischen Mitteln. Auf den ersten Blick ergeben sich so manchmal kaum sichtbare Verbindungen des einen Mediums mit dem anderen. Geradezu fotorealistisch bemalt sie die Abzüge und verleiht dem dokumentarischen Medium einen besonderen Akzent mit den Möglichkeiten und Stärken der Malerei: die Erweiterung der Wirklichkeit und ihre Poetisierung. So entsteht ihre im wahrsten Sinne des Wortes „eigene Handschrift“.

„In vielen meiner Bilder verschmelzen beide Medien derart, dass sie nicht mehr zu unterscheiden sind. Es geht mir also um eine Verschränkung - sowohl der verschiedenen Techniken, als auch der Bildmotive. Genauso wie auf der intellektuellen Ebene um die Verschränkung von Wahrheit und Wirklichkeit, hinter der ein ständiger Zweifel an der Welt, wie wir sie sehen, steht“, schreibt Dina Draeger.

Inhaltlich geht es ihr oft um das Fremde. Das, was ihr an Leben, Moral und Vorstellungen fern ist. Ganz konkret geht es ihr dabei auch um Menschen, Fremde, die ihr auf ihren Reisen begegnet sind, die sie angeschaut hat mit suchendem, verstehendem oder irritiertem Blick, und von denen sie angeschaut wurde, erfreut, entgeistert, achtlos. Fremde, von denen sie nie die Namen erfahren hat, NO NAMES, und die sie doch festgehalten hat mit ihrem Fotoapparat.

Es sind die NO NAMES, die namenlosen Menschen unserer Zeit, denen Dina Draeger mit ihren künstlerischen Arbeiten Erinnerung schafft und im Reich der Kunst ein Denkmal setzt. Wie ehdem gegen den herrschenden Konsens Motive des Alltagslebens ins Bild gesetzt und bildwürdig wurden, wie Landschaften oder profane Objekte der Konsumkultur, so stehen bei ihr Menschen im Mittelpunkt, deren Kunstwürdigkeit meist bestritten wird: Arme, Hungernde, Ausgegrenzte und Grenzgänger, kuriose Gesellen, Krüppel, Ausgeflippte, Müßiggängerinnen, Spaßvögel, Kinder, Alte. Sie alle bilden das Personal ihrer Kunst. Nur ihnen setzt sie mit ihren Arbeiten zeitlos eine Erinnerung auf gelben, blauen, roten, grünen, violetten Farbfeldern. Sie allein sind wichtig.

Damit ist Dina Draeger eine Porträtistin unserer Zeit. Denn wo und wie spiegelt sich unsere Zeit stärker wider als in den Bildern der Menschen, die in dieser Zeit leben? Hochmoderne Bauten oder Kriegsruinen, Panzer oder Friedenstauben, das Empire State Building in New York oder die Peterskirche in Rom, alle blieben nichtssagend, gäbe es nicht Bilder von Menschen, die ihnen Bedeutung verliehen. So ist dem Frankfurter Galeristen Kurt Mühlfeld nur zuzustimmen, wenn er sagt: „Zeitlos und dennoch hochaktuell gehört Dina Draeger zu den wenigen Protokollanten des Heutigen.“

Es ist das besondere Verdienst der Künstlerin, daß sie sich nicht auf die Zeitlosigkeit der Abstraktion und eine formale Sinnhaftigkeit der Weltbetrachtung einläßt, sondern alles, was sie zu sagen hat, aus dem Menschenbild selbst entwickelt und in ihren großformatigen Arbeiten zeigt. Sie wählt das Format nicht, um ihren Bildern sichtbare Größe zu verleihen, sichtbare Größe verleiht sie denen, die sie auf den Bildern zeigt. Nur so gewinnen die Gestalten ihre Würde und werden nicht schon durch das Format, das ihnen Anschauung gibt, klein gemacht.

Die Künstlerin, von hoher Intellektualität und Sensibilität, weiß um den Zusammenhang von ‚Format’ und Format als Form und Inhalt. Sie spielt meisterhaft auf der Klaviatur der Zeichen aus der Wirklichkeit, mit ihrer Differenz und ihrer Einheit in der visuellen Sprache. Sie ist eine virtuose Grenzgängerin zwischen Denken und Welterfahrung − ihre Reisen sind immer mehr als Sightseeing Touren in eine äußere Wirklichkeit. Es sind Reisen in das Gebiet der inneren Erfahrungsräume. Und so zeigt sie den Menschen in seiner Schönheit und Großartigkeit, ästhetisch, doch anschaubar, d.h. in seinem Ausdruck für die Betrachterin und den Betrachter verstehbar und einfühlbar. Kategorien, die bei der Betrachtung des Menschen zusammenzubringen sind. Es geht dabei um das Ganze und nicht um die Teile, um den ganzen Menschen und nicht um die Zertrümmerung, wie in Gottfried Benns berühmtem Gedicht Verlorenes Ich von 1943:

Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion - : Gamma-Strahlen-Lamm-
Teilchen und Feld -; Unsterblichkeitsschimären
Auf deinem grauen Stein von Notre-Dame.
(Verifizieren, Zeichen stimmen wahrscheinlich nicht)

So malt sie ihn nicht, den Menschen, zerdacht, auseinandergenommen und in seine Teile zerlegt. Solche Eingriffe ins Menschenbild meidet sie. Sie sei, so ihr Galerist Kurt Mühlfeld, „eine Künstlerin im hohen Geist der Renaissance“, und das nicht nur in ihrer Geisteshaltung und Emotionalität, sondern auch in ihrer Kunst und Kreativität. Insofern steht Dina Draeger in einer Tradition der geistig klassischen Anschauung des Menschen, wenn sie in ihrer Kunst auch unverkennbar alle Register der Malerei und Fotografie des zwanzigsten Jahrhunderts zieht. Verbunden bleibt sie aber immer dem berühmten Satz von Alexander Pope: „The proper study of mankind is man“.

Allerdings: „... die Auswahl der Motive ist rein ästhetischer Natur, ihr geht kein Urteil voraus ... Meine Methode ist also, Entscheidungen zu treffen, statt Urteile zu fällen“, schreibt Dina Draeger. Die Künstlerin strebt also ein hohes Maß an Objektivität an, freilich sagt sie auch einschränkend „soweit es mir möglich ist“. Und ganz deutlich merkt man ihren Bildern ihre Teilnahme, ihre Empathie und ihre Sympathie für den Menschen und die Menschen an, denen sie begegnet.

Es ist also durchaus berechtigt zu fragen, woher ihre Motivation stammt, diesen unbeirrbaren Blick auf die Menschen, meist auf die Typen am Rande, zu richten. Man kann bei Dina Draeger ein hohes Maß an künstlerischer Redlichkeit, an humanitärer Kraft, an Geistigkeit und Geistlichkeit, d.h. Spiritualität ausmachen, ohne daß sie sich jedoch damit religiös bekennt und festlegt. Man mag ein Stück Interesse am christlichen Menschenbild in ihren Bildern entdecken, ein offenes Bekenntnis dazu findet sich nirgends, auch wenn eine ihrer großen Arbeiten im Diözesanmuseum Würzburg ausgestellt ist. So ist sie denn, wenigstens äußerlich, frei von einer interessegeleitenen Kunst. Es geht ihr um Kunst als Kunst, und nicht um die Vermittlung einer irgendwie gearteten Idee oder gar Propaganda. In ihrem humanen Denken steht der Mensch im Mittelpunkt. Sie will nicht mehr und nicht weniger sein, wie sie sagt, als die „Bildberichterstatterin meiner Umwelt. Die Wirklichkeit mit der Wahrheit zu vergleichen ist mein immerwährendes Experiment.“

Will man die Kunst Dina Draegers würdigen, so muß man einerseits ihren freien Geist der Bildfindung bemerken, andererseits mehr noch ihr Einfühlungsvermögen in ihr Thema, den Menschen und schließlich die Qualität der künstlerischen Umsetzung ihres Wollens. Es ist der Mensch, dem ihre Arbeit auf hohem Niveau gilt. Nichts lenkt diesen Anspruch ab, weder seine Umgebung, noch seine soziale Disposition und ihre Gegebenheiten. Und es ist das Kunst-Wollen und die künstlerische Gestaltungskraft, der sie sich verschrieben hat, und aus der sie ihre Bilder gestaltet. Selbst wenn sie ihr Thema wechselt, und wie in THE TIGER KILLS HUNGRY, die Show von Las Vegas sucht und malt, so bleibt sie doch immer auf höchstem Niveau künstlerischer Gestaltung.

NO NAMES ist ein Bilderzyklus, der den NAMENLOSEN MENSCHEN der Welt in ihrem Sehnen und Streben, ihrem Wollen und Scheitern, ihrer Freiheit und Gebundenheit, ihrer Freude und Trauer künstlerischen Ausdruck verleiht. Dabei ganz nah am Thema, einfühlsam und kühl beobachtend, urteilsfrei und doch engagiert, nahe und doch intellektuell, in allem passioniert, d.h. leidenschaftlich. Hier verbinden sich Geist und Schaffen der Künstlerin mit ihrem Gegenstand, den Menschen, die ihr begegnet sind. Die Betrachterin und der Betrachter spüren und sehen die differenzierten Erfahrungen von Dina Draeger auf ihren Reisen zu den Menschen.

August Heuser

 

Abbildungen Dina Draeger No Names ansehen

 

Dina Draeger

Das bedeutendste Exponat des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt ist wohl Joseph Beuys Installation Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch.

Diese Installation stellt vielerlei Fragen, so z.B. die Frage woher der Mensch kommt und wohin er geht?

Die Installation fragt aber auch nach dem Werden unserer Welt und dem Wesen des Menschen. Dabei beschreibt Beuys den Menschen als Bauer, als Techniker und als Künstler.

Den Künstler beschreibt Beuys – und er musste es wohl wissen – mit der Metapher des Seefahrers, mit der Metapher dessen der zu einer Expedition aufbricht, hier näherhin um die Nordwestpassage zu finden. Das Bild des Seefahrers war schon ein antikes Bild des Künstlers oder des Lebens überhaupt, Odyseus steht dafür.

Erfahrungen machen kommt eben davon etwas zu Er-fahren, also sich auf den Weg machen, aus dem Haus gehen, aus sich heraus gehen. An Grenzen zu kommen und Grenzen zu überschreiten. Dieses beschreibt Beuys in seinem Bild mit dem Wort Spiritualität und dafür verweist er auf Manresa, jenem berühmten Ort, an dem der Hl. Ignatius sein Bekehrungserlebnis hatte. Auch dieses nennt Beuys eine Erfahrung, eine Reise……Grenzen überschreitend.

Ich bin beim Künstler, bzw. bei der Künstlerin.

Dina Draeger, die heute hier ihre Bilder zeigt ist eine wahrhafte Grenzgängerin und Grenzüberschreiterin:

Sie überschreitet nicht nur die Grenzen der Malerei oder der Fotographie,
sie überschreitet auch die Grenzen der Kunst und der Kunstgeschichte,
sie überschreitet auch die Grenzen von Raum und Bildraum,
sie überschreitet auch die Grenzen von Farben und Farbwirkungen,
sie überschreitet auch die Grenzen von Philosophie, Anthropologie und .Ökonomie.

Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Reisende zwischen den Welten,
zwischen Deutschland und Europa, zwischen Europa, Amerika, Afrika und Asien.

Sie ist eine Reisende zwischen den Kulturen der Welt,
Sie ist eine Reisende zwischen den Menschen und deren Obsessionen, deren Leidenschaften, deren Not und Armut, deren Befindlichkeiten.

Sie ist eine Reisende zwischen Dokumentation und Kunst, zwischen Nähe und Ferne, zwischen Anteilnahme und Beobachtung.

Sie ist eine Reisende durch Zeiten hinweg, durch Orte und Kontinente, durch Ethnien und Gruppe, und wie der Titel ihrer hiesigen Ausstellung heißt zwischen Fans und anderen Gesellen.

Bei allem Reisen ist Dina Draeger dem Menschen und den Menschen auf der Spur. Sie hat dabei ein sehr deutliches Bild vom Menschen. Wohl zeigt sie ihn in all seinen Leidenschaften und auch in seinen Schwächen, nie aber unbarmherzig, zynisch, zerstört, frech. Sie zeigt den Menschen wie er ist, wie er uns allen begegnet oder begegnen kann.

Sie zeigt den Menschen – Mann, Frau, Kinder – als ein Wesen in der Begegnung, so, wie er mir, wie er Ihnen begegnet. Sie zeigt den Menschen ganz als er oder sie selbst, ohne Umfeld, vor einem Farbfeld und zieht damit den Blick des Betrachters und der Betrachterin auf ihn und sie, ohne Ablenkung. So sehr wichtig ist ihr, die Menschengestalt, seine Passion und sein Gefühl. So wichtig, dass sie auch große Formate nicht scheut. Jedem Menschen, so könnte man meinen, gescheht sie die Großleinwand zu – nicht nur den großen und kleinen Film- und Fernsehstars, den Politstars, den Magnaten und Potentaten, den Berühmtheiten aus der Welt des Glamours oder der Werbung.

Dina Draeger unterscheidet nicht, sie wählt ihre Modelle nicht nach Schön oder hässlich, nach arm oder reich, nach kunstwürdig oder nicht kunstwürdig aus, sie malt den Menschen, der ihr in einer bestimmten Situationen begegnet ist. Manchmal malt sie auch Menschen, die miteinander in Verbindung sind, aber auch da nimmt sie den Betrachter und die Betrachterin mit ins Bild hinein.

Und Dina Draeger nimmt sich nicht die künstlerische Freiheit den Menschen nach ihrem Bild und Gleichnis zu malen, wohl aber nimmt sie sich die künstlerische Freiheit den Menschen in für sie wichtigen Situationen zu malen. Sie interessiert die Situation in der Menschen ihr begegnen und nicht so sehr, was man künstlerisch aus dem Menschen machen kann. Sie malt den Menschen nach seinem Bild. Hierin, im Menschenbild ist sie ganz dem Bild des Menschen verpflichtet, in der Situation ist sie Künstlerin. Hier werden Dokumentation und Kunst eins, hier verbindet sich Malerei und Fotografie.

Dina Draeger ist eine Künstlerin des Menschen und seiner Situationen. Hier liegen ihre Interessen, hier liegt ihr Nachdenken, ihre Passion und ihr ganzes künstlerisches Können. Von hier aus arbeitet sie mit klarem Blick am Menschenbild.
Wenn ich sie kunsthistorisch und philosophisch bestimmen sollte, dann arbeitet sie ganz im Geiste der Renaissance. Wenn das heute keine moderne Haltung ist…….

Danke.

August Heuser

 

 

5.6.2009 | Dina Draeger Synergie Kunst und Wirtschaft | Ausstellungsaufbau

         

         

         

         

         

         

 

5.6.2009 | Dina Draeger Synergie Kunst und Wirtschaft | Ausstellungsaufbau

 

Menschenbilder von Dina Draeger in der Goldhalle des Hessischen Rundfunks
Pressemeldung 2008

Seit mehreren Jahren reist Dina Draeger in nähere und ferne Länder, um Menschen zu beobachten und in alltäglichen oder auch ihr fremden Situationen zu photographieren. Die Photos nimmt sie als Ausgangspunkt für ihre Malerei, um mit den Techniken und Bildmotiven zugleich die Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit mit dem Zweifel und der Reflektion über existentielle Fragen menschlichen Daseins zu verschränken.

„Eine virtuose Grenzgängerin zwischen Denken und Welterfahrung“ nennt der Kunsthistoriker August Heuser die Künstlerin im Katalog zu ihrer Ausstellung ‚no names’ im Frankfurter Dommuseum, und hebt als besonderes Verdienst Dina Draegers hervor, dass sie „alles, was sie zu sagen hat, aus dem Menschenbild selbst entwickelt…“. Dementsprechend sind ihre Reisen „immer mehr als Sightseeing Touren in eine äußere Wirklichkeit. Es sind Reisen in das Gebiet der inneren Erfahrungsräume“, um den Menschen in seinem verschiedenartigen Ausdruck verstehbar und fühlbar zu zeigen.

Dina Draeger wurde 1966 in Veerßen geboren. Nachdem sie mehrere Jahre als freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Radiosendern und Zeitschriften sowie als Kabarettistin gearbeitet hatte, schloß sie 2000 ihr Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe ab.

Seit 1990 hat sie ihre Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien, Museen und verschiedenen Kulturinstitutionen vorgestellt.

Die Ausstellung dauert vom 01.- 28 Mai 2008.

 

2009-06-synergie-draeger\__www.main-spitze.de_kultur_artikel.pdf

2009-06-synergie-draeger\FNPEnglische Kirche.pdf

 

Dina Draeger - No Names | Malerei und Fotoübermalungen
9. Juni bis 10. Juli 2009
SYNERGIE Kunst und Wirtschaft | galerie m beck im Haus der Unternehmensverbände, Harthweg 15, 66119 Saarbrücken

Unter dem Titel „No Names“ präsentiert die galerie m beck im Haus der Unternehmensverbände 20 großformatige Fotoübermalungen von Dina Draeger. In ihnen gelingt es der 1966 in Veerßen geborenen Künstlerin, die beiden großen Tendenzen der Moderne – Fotografie und Malerei – zu eindrucksvoll plastischen Menschen-Bildern zwischen Realität und Fiktion zu verschmelzen. „Die Wirklichkeit mit der Wahrheit zu vergleichen ist mein immer währendes Experiment“, beschreibt Dina Draeger selbst den Ansatz ihrer aktuellen Werkserie, mit der sie in einer Zeit, in der Menschen längst nur noch als austauschbares und namenloses „Humankapital“ gehandelt werden, genau jenen Menschen ihre Würde als Individuum zurückgibt.

Ebenso spannend wie das Konzept ihrer ungewöhnlichen, an Ikonen erinnernden Portraits ist dabei auch der Entstehungsprozess dieser Arbeiten, an deren Anfang Reisen um die ganze Welt stehen. So fotografiert Dina Draeger rund um den Globus Bettler und Gaukler, Tänzerinnen, Marktfrauen, Alte und Kinder zunächst in ihrem alltäglichen Umfeld, um sie später im Atelier aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen, einzeln vor einfarbigen Hintergründen zu arrangieren – und sie damit gleichsam als Individuen neu zu definieren. „Die Auswahl der Motive“, so die Künstlerin, „ist rein ästhetischer Natur. Meine Methode ist also, Entscheidungen zu treffen, statt Urteile zu fällen. Natürlich“, fügt sie hinzu, „ist dieser Vorgang genauso willkürlich wie ein Urteil, dennoch verstehe ich mich als Bildberichterstatterin meiner Umwelt“.

Indem sie ihre Charaktere auf diese Weise aus der Anonymität holt, sie – im Stil absolutistischer Idealportraits – auf große Leinwände überträgt und ihre überdimensionierten Abzüge anschließend übermalt, gelingt es ihr zugleich, der allgegenwärtigen „globalen Massengesellschaft“ ein Antlitz zu geben. Dabei erschließen sich hinter ihren – scheinbar – plakativen, einerseits unmittelbaren, andererseits rätselhaft erhöhten Menschen-Bildern bei näherer Betrachtung zwar allerlei Details und spannungsreiche Charakterkompositionen, bleibt Dina Draegers Bemühen um die einzelnen Persönlichkeiten jedoch bewusst zweischneidig: So drehen die von ihr portraitierten Personen dem Betrachter meist den Rücken zu, schreiten von ihm weg, wenden sich ab oder schauen teilnahmslos ins Nichts. Gerade dadurch jedoch laden sie ihn gleichzeitig ein, sie näher anzusehen, ihnen mit aufmerksamen Blicken zu folgen – und sich in ihnen letztlich selbst zu begegnen. In einer Welt, in der immer abstraktere Medien ein – bei aller augenscheinlichen Präsenz – immer abstrakteres Menschenbild entstehen lassen, erscheinen Draegers „human resources“ daher als Abbilder und Mahnmale einer vordringlich immer globaleren Massengesellschaft, in der sich die einzelnen Kulturen trotz aller vermeintlichen Nähe fremder denn je sind und das einzelne Individuum einsamer als je zuvor ist.

Die Ausstellung „human resources“ mit Malerei und Fotoübermalungen von Dina Draeger ist vom 9. Juni bis einschließlich 10. Juli 2009 im Haus der Unternehmensverbände, Harthweg 15, 66119 Saarbrücken zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen: dienstags bis freitags von 14 bis 16 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen zu dieser und weiteren Ausstellungen gibt es unter Telefon (0 68 48) 7 21 52 sowie im Internet unter www.comebeck.com/synergie.