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SYNERGIE | Kunst und Wirtschaft
Haus der Unternehmensverbände
Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände
Harthweg 15
66117 Saarbrücken

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr

 

8. Juli - 1. Oktober 2004

 

 Peter Janssen      *1906 +1979

Malerei 1928 - 1960

 

    

 

Einladungskarte als pdf

 

 

1906 Peter Janssen wird am 29. März in Bonn geboren. 
1913-23 Schulbesuch in Düsseldorf auf der Hindenburgschule und anschließend Evangelisches Pädagogium in Godesberg. 
1923-26 Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie unter Heinrich Nauen, Johan Thorn-Prikker und Karl Ederer. 
1926-28 Studium in Paris an der Academie de la Grande Chaumiere 
1928-30 Peter Janssen lebt als freischaffender Künstler in Düsseldorf. 
1932 Erste Einzelausstellung bei Alfred Flechtheim

 

1935 Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Künste. Er erhält Mal- und Ausstellungsverbot aus rassischen Gründen. Aufenthalt in Spanien. 

 

1936 Aufenthalt in Italien 
1937 Aufenthalt in Amerika 
1938-39 Aufenthalt in England 
1940 Militärdienst in Leipzig 
1941-44 Illegaler Aufenthalt in Berlin, Baden-Baden, in der Eifel und Robertville (Belgien). 
1944 Am 11. November wird Peter Janssen verhaftet und in das Arbeitslager Lönnewitz deportiert. 
1945 Flucht aus dem Lager und Unterschlupf in Düsseldorf. 
1945/46 Mitbegründer der Galerie Hella Nebelung und erste Einzelausstellung nach dem Krieg. 
1952 Verleihung des Cornelius-Preises der Stadt Düsseldorf. 
1957 Berufung als Lehrer an die Hochschule für bildende Künste in Berlin. 
1971 Emeritierung. Peter Janssen lebt als freischaffender Künstler in Berlin. 
Am 18. März 1979 verstarb Peter Janssen in Berlin.

 

 

Ausstellungen

2003 Aquarelle bei der EP - Galerie, Düsseldorf 
2002 Landschaftsmuseum Seligenstadt 
2001 Galerie Isshorst, Hamminkeln 
1995 Galerie „Citadellchen“, Düsseldorf 
1993 Galerie Bremer, Berlin 
1986 Stadtmuseum Palais Spee, Düsseldorf 
1984 Galerie am Markt, Schwäbisch Hall 
1983 Luisenhospital, Aachen 
1981 Kunstverein, Kassel 
1980 Kasinohalle des ZDF, Mainz 
1980 Galerie Kröner Schloß Rimsingen, Oberrimsingen 
1979 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1977 Galerie Merkin-Möws, Hannover 
1976 Orangerie Schloß Charlottenburg, Berlin 
1976 Galerie Kröhner, Freiburg 
1975 Städtische Galerie im Theater, Nordhorn 
1972 Galerie "S" Ben Wargin, Deidesheim 
1972 Galerie "S" Ben Wargin, Berlin 
1972 Kunsthalle Düsseldorf 
1969 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1968 Galerie Kröner, Weinschlößchen, Freiburg 
1968 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1967 Kunstverein Hannover 
1967 Galerie "S" Ben Wargin, Berlin 
1962 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1960 Galerie Loehr, Frankfurt 
1959 Galerie Springer, Berlin 
1959 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1955 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1952 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1951 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1949 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1946 Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf 
1938 Galerie Matthiesen, London 
1932 Galerie Flechtheim, Düsseldorf 

 

in situ

         

         

         

         

         

         

         

 

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Einführungsrede zur Ausstellung

An einem Tag im Februar de Jahres 1919 schlossen sich in Düsseldorf sogenannte progressive Künstler zu einer Gruppe zusammen. Sie nannten sich „Junges Rheinland“. Max Ernst, Wollheim, Ursarsky, Pankok gehörten dazu. Auch Otto Dix, der Ihnen allen bekannte große Zeitkritiker. Es gab eine erste gemeinsame Ausstellung und eine Zeitschrift, wie sich das auch damals gehörte mit dem Namen „Junges Rheinland“.

Von Otto Pankok dann stammte dieser berühmte Ausspruch „Wir empfanden uns als Dynamit und wollten ganz Düsseldorf in die Luft sprengen.“ 

In dieser Atmosphäre des künstlerischen Aufbruchs wuchs der junge Peter Janssen hinein und wurde selbst Mitglied dieser Gruppe und stellte auch mit ihnen aus. 

Noch einmal die Namen: Max Ernst, Wollheim, Usarsky, Pankok, Otto Dix. 

Später dann ab 1933, wurde mit dem Bildersturm der Nazis – Sie kennen das ja alle – auch die Kunst des „Jungen Rheinladen“ sozusagen umgekehrt in die Luft gesprengt. Die Kunst und vor allem der Mensch wurde zum Opfer von Terror, Intoleranz, Unmenschlichkeit, Verfolgung.

1935 wurde Peter Janssen aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen und erhielt Mal- und Ausstellungsverbot - aus rassischen Gründen.

Zitat aus der Urkunde: „Da Sie Nichtarier sind und als solcher, die für die Schaffung deutschen Kulturgutes erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung nicht besitzen. Ich untersage Ihnen die weitere Berufsausübung als Maler und Grafiker. Gezeichnet vom Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste.

Berufsverbot! Berufsverbot für einen, wie ich meine, begnadeten Künstler, der aus einer Familie stammt, die selbst tiefe künstlerische Wurzeln und Veranlagungen hatte. Und der Name des Rektors ist mir erstmalig begegnet im 19. Jahrhundert bei meiner persönlichen Beschäftigung mit Feuerbach. Zu nennen wären aber in unserem Zusammenhang nun mit der Düsseldorfer Malerschule und der Akademie im 
19. Jahrhundert vor allen Dingen Theodor Janssen und seine Söhne Peter, Theodor und Karl. Wobei Peter, dieser berühmtere von ihnen als Historienmaler im 
19. Jahrhundert selbst Akademiedirektor in Düsseldorf war. Er wiederum war der Großvater unseres Künstlers. 

Und wie das im Leben einfach so ist, es wird ja immer von den Großeltern weiter vererbt, nicht direkt über die Eltern. Also – direkte Linie. Und dass Sie, der Sie selbst Enkel sind, sich nun mit dem Nachlass beschäftigen, zum ersten Mal Lust auf diese Kunst kriegen – wer weis womit dass zusammenhängt...

Einige wenige Lebensdaten für all diejenigen seinen sie genannt, die nicht so einen Zettel abgekriegt haben, habe gehört sie sind ausgegangen:

Peter Janssen wurde 1906 in Bonn geboren

Von 1923 bis 1926 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie unter Heinrich Nauen, Johan Thorn Prikker und Karl Ederer. Als Meisterschüler schloss er ab.

Von 1926 bis 1928 studierte er dann in Paris an der Academy de la Grande Chaumière.
Auch die französischen Einflüsse lassen sich auch durchaus hier in den unteren Räumen durchaus erkennen.

Danach lebte Peter Janssen freischaffend in Düsseldorf

1932 folgte die erste große Einzelausstellung bei Albrecht Flechtheim, der Galerist im Rheinland damals. 

Und nach dem bereits erwähnten Mal- und Ausstellungsverbot 1935 folgte eine Zeit innerer und äußerer Emigration. Aufenthalte in Italien, Amerika, England. Immer aber wieder diese Rückkehr in seine rheinische Heimat. Er bleibt nicht weg, er blieb nicht ganz weg. Er musste immer wieder zurückkehren an den Rhein.

1940 dann wurde er in Leipzig zum Militärdienst eingezogen.

1941 desertierte er und hielt sich an verschiedenen Orten Europas, 
vornehmlich aber Deutschland, illegal auf.

1944 wurde er verhaftet und in das Arbeitslager Lönnewitz deportiert.

1945-46 ist der dann Mitbegründer der Galerie Hella Nebelung, der nächste ganz wichtige Name für die Szene im Rheinland.

Ich kenne ein rührendes Foto, das Hella Nebelung zeigt, wie sie vor den Trümmern, den Kriegsruinen tanzt und die Künstler ihrer Galerie schauen ihr zu aus Liegestühlen heraus. Sie tanzt! Peter Janssen war übrigens einer der ersten, der in den Düsseldorfer Galerieräumen von Hella Nebelung seine erste Einzelausstellung, nach dem Krieg hatte. Aber – meine Damen und Herren – leicht war dieser Anfang nicht. Dieser Neuanfang. Und noch ein Ausstellungsplakat aus dem Jahr 1946 war überschmiert mit der Parole „entartete Kunst“ 

Dennoch, es ist höchste Zeit, dass das Schaffen Peter Janssens in einer größeren Retrospektive zu würdigen ist, denn er gehört in eine ganze Reihe von Künstlern und Zeitzeugen, die statt des Abbildes das Urbild gesucht haben. Die ihren Blick dabei stets auf das normale gerichtet haben, die aufgezeigt haben, wie eng und wie schmal Räume werden können, die dem Menschen hier und da noch gegönnt werden. Künstler, die es verstanden psychische Befindlichkeiten auszuloten und aufs Bild zu bannen. 

Ein herausragendes Beispiel ist hier der „Kinderkarneval“ aus dem Jahre 1938 mit Kindern, die verhalten und sparsam kostümiert in Begleitung ihrer Eltern vor die Tür treten. Ein zaghaftes Hervortreten in durchaus trister Umgebung. In Grau- und Brauntönen gehalten, die Perspektive im Bild wie im Wortsinn gekippt, umgebogen, verbogen. Kein Spiel also, keine Freiheit. Rollenzwang! Innerhalb, am helllichten Tag ein Nachtstück. 

Aber noch völlig anders in seinem Charakter als jene klassischen Nachtstücke, die Sie hier sehen, diese klassischen Nachtstücke der Zwanziger Jahre wie „Spanische Küste bei Nacht“ von 1928 oder Boote vor „Juan les Pins“ von 1929.Konstruktivistische Spiele, Bildorganisation mit raschen, expressiven kleinen Gesten. Groß, pastos ansonsten der Pinselduktus. 
Ein Bruch auch zu beobachten mit der „sauberen Palette“. Also die Farben, die nicht mehr sauber, neben einander geordnet auf der Palette des Künstlers stehen, sondern die verwischt werden, zusammengezogen werden. Aktion auf der Palette. Man könnte sich vorstellen, dass die Farben oft grau und gräulich, bräunlich gebrochen auf die Leinwand spazieren. Aber, was wird dann mit der Farbe? 

Dennoch, auch das ein Merkmal von Kunst, die Anfang der Zwanziger Jahre die Welt aus den Angeln hebeln wollte. Aber Farbe bekam einen Klang damit, durfte aufklingen, springen, hin und her hüpfen. Ein sehr interessantes Phänomen zeigt gerade diese Ausstellung hier in Saarbrücken und es hängt zusammen mit Janssens außerordentlicher Fähigkeit zur Bildorganisation. Doch zunächst einmal musste der Künstler selbst frei werden. 

1945 zeigt er sich als Selbstbildnis mit Zigarette im Ateliergarten. Freie, befreite Kunst in freier Natur, heitere Landschaften? Nein, das geknickte, das umgebogene ist noch immer da gelebt. 

Aber 1949 dann ein wirkliches Gegenstück zu solchen Nachtstücken, wir sehen es dahinten, den „Leuchtturmwärter“ 1949. Es ist eine Metapher schlechthin für Künstler und ich glaube es ist auch so etwas wie eine persönliche Metapher für Peter Janssen. Dieser Leuchtturmwärter. Eine Metapher sagte ich schlechthin für Künstler, die Menschen am Wasser – ob Rhein oder Mittelmeer sei dahingestellt – beobachten. Menschen am Wasser, das heißt auch Menschen an den Schnittstellen von Räumen, von unterschiedlichen Räumen, die einander geben, nehmen und die ganz viel Sehnsucht, Träume freimachen. 

Bildgeschehen also und Bildorganisation im Werk von Peter Janssen der Fünfziger Jahre, und das sehen Sie eine Etage höher, ereignet sich bei aller prägnanten Ausschnitthaftigkeit in Streifen, in Terrassen, ich sag es mal in Erzählstreifen. Untereinander gestellt und übereinander gestellt. 

„Terrassenlandschaft“ von 1956 Flächenschichtungen in roten und orangefarbenen Tönen oder „Blick auf Vevey“ ein faszinierendes Abendstück von 1958, wir erkennen sogar das Alpenglühen mit Reflektionslicht, wie wir das von Rembrandt kennen, in den gerichteten Häuserfassaden am Genfer See und der ganze Genfer See als einziger dunkler, satter, tief aufsaugende Streifenzone. 

„Sella“ dann aus dem Jahre 1957, ein Stadtbild, wo das Mauerwerk selbst zur Chiffre wird. Ob „Stadt am Fels“ oder „Roter Berg mit Figuren“ von 1959, es sind allesamt Urbilder, die sich in den Erzählstreifen ereignen, Figurationen ganz einfacher Gesten. 

Und dann kommen sie endlich „Zwei Akrobaten“ von 1960, das zeitlich letzte Bild von dieser Ausstellung. Gaukler, diese Identifikationslieblinge des modernen Künstlers, die Harlekine. Ein letzter Hinweis, dass es der Homo ludens ist, der die Welt vielleicht besser machen kann, besser als es Homo Sapiens oder Homo Faber je vermocht hätten. Solange, wie Sie im Bild sehen, bis er stürzt. 

Nun würde ich sagen, meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit aber lassen Sie mich ganz gewichtig zum Schluss ein Wort des Dankes aussprechen, zunächst an Stephan Kotthaus, der auch aus einem völlig anderen Beruf kommend Anfang der Neunziger mit dem Nachlass konfrontiert wurde, ihn geordnet und gesichtet hat und dann das mutige Wagnis unternommen hat, die Vita, das bildnerische Werk Peter Janssens ins Internet zu stellen, das ganze mit Daten und wichtigen Fakten zu versehen, und die Bilder sind stark genug, dass man sich sein eigenes Bild machen kann, und das geht wunderbar zusammen. Vielleicht gibt es noch Schüler von Peter Janssen aus Berlin, die man fragen könnte, wie er denn so als Lehrer und Mensch war – vielleicht eine spannende Aufgabe für die Zukunft. Sie arbeiten daran und ein Stück Arbeit daran ist eigentlich auch diese Ausstellung hier, die wir jetzt hier in Saarbrücken genießen dürfen. Dank für Ihre Vorarbeit, Dank für Ihre Weiterarbeit. 

Dank auch dem Galeristen Mathias Beck, der da wieder ein Händchen und Näschen hatte, diese Sachen zu holen. Aber ich weis seit Jahren sprechen wir, unser Stichwort ist die sogenannte „Lost Generation“ und diese Künstler gilt es einfach wieder vor Augen zustellen und sie der Erinnerung zu entreißen. Hier gibt es noch wirkliche Juwele unter damaligen Zeitzeugen zu entdecken. Also eine ganz wichtige Arbeit. Dank auch an Mathias Beck, der es ermöglicht hat und dann vor allen Dingen den Unternehmerverbänden des Saarlandes, die ihre Räumlichkeiten hier zur Verfügung stellen, um zunächst einmal ein kleines Podium als „warming up“ sozusagen für das nächst größere Podium nämlich einer Retrospektive zu schaffen.

Ihnen allen gang, ganz herzlichen Dank und Ihnen Dank für die Aufmerksamkeit.

Jürgen Ecker

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Leben und künstlerische Entwicklung

Peter Janssen, dessen vollständiger Name Peter Tamme Weyert die ursprüngliche Herkunft der Familie aus Ostfriesland verrät, wurde am 29. März 1906 in Bonn geboren. Schon wenige Monate nach der Geburt des ersten Sohnes zog die Familie Janssen nach Düsseldorf. 

Der Vater, ein bekannter Chirurg und späterer Gründer der Golzheimer Klinik, hatte hier eine Professur an der medizinischen Akademie angenommen. 

Peter Janssens Mutter Martha entstammte der wohlangesehenen Bankiersfamilie Leiffmann. Aufgrund der gesicherten Stellung des Vaters wuchsen die Kinder - 1908 wurde Peters Schwester Inge-Ruth, vier Jahre später (1912) der zweite Sohn Claus geboren - unbeschwert und frei von der Last finanzieller Sorgen in einem wohlbehüteten Elternhaus auf. 

Peter besuchte zunächst die ehemalige Hindenburg-Schule, heute Humboldt-Gymnasium in Düsseldorf, anschließend bis zur Obersekunda das Evangelische Pädagogium in Godesberg. 
Schon früh zeigte sich sein Interesse an der Kunst, denn sehr viel lieber als dem Unterricht zu folgen, formte er unter der Schulbank seine Lehrer mit Knetgummi nach. Den mäßigen Schulerfolgen, wobei natürlich seine Lieblingsfächer Kunst und Musik die Ausnahme bildeten, standen die Eltern von Anfang an mit sehr viel Verständnis gegenüber.

Wußten sie doch, daß ihr Sohn Peter in die Fußstapfen seines Großvaters, des berühmten Akademiedirektors Johann Peter Theodor Janssen (1844-1908) treten wollte. Also stellten sie sich dem Wunsch des Sohnes, Künstler zu werden, nicht in den Weg. 

1923, mit 17 Jahren, begann er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie und war Schüler des in Wien geborenen Karl Ederer, der seit 1910 eine Professur an der Akademie besaß, hier die Abteilung für kirchliche Kunst ünd Glasmalerei leitete und später eine Malklasse übernahm. 

Janssens Lehrer waren ebenfalls der aus Den Haag stammende Johan Thorn-Prikker, der von 1923-1926 in Düsseldorf an der Akademie lehrte, und der in Krefeld geborene Heinrich Nauen, der 1921 durch Akademiedirektor Fritz Roeber eine Professur erhalten hatte. 

Die Kunstakademie, die unter der Leitung Fritz Roebers noch ganz in der Tradition von Schadow, Schirmer und Achenbach gestanden hatte, trat nun mit der Berufung Nauens einen ersten entscheidenden Schritt nach vorne, der modernen Kunst entgegen. Nauen, der zuvor Mitglied der Künstlervereinigung "Junges Rheinland" gewesen war, die sich zusammengeschlossen hatte, um gegen die etablierten und konservativen Kräfte der Akademie zu kämpfen, "und Jugend und Frische an die Stelle routinierten Malbetriebes und kleinlich naturalistischer Bildhauerei" zu setzen, wurde von seinen Schülern sehr verehrt. 

So erinnert sich Anna Klapheck: "Nauen, damals bereits vierzig Jahre, brachte den Expressionismus, wenn auch in seiner verhaltenen, rheinischen Spielart an die Akademie. Die Schüler verehrten ihn. Nauen-Schüler gewesen zu sein, bedeutete in der jungen, rheinischen Malergeneration ein Privileg. 

1924 wurde Walter Kaesbach Akademiedirektor und bemühte sich, einen der modernen Kunst offen gegenüberstehenden Lehrkörper aufzubauen. Trotz dieser Bemühungen suchten viele junge Künstler der Akademie den direkten Anschluß an die"Moderne" in Künstlervereinigungen; so z. B. im"Jungen Rheinland". 

Peter Janssen trat im Winter 1925/26 in das "Junge Rheinland" ein. Diese Künstlervereinigung, die sich um Johanna Ey versammelt hatte, war im Februar 1919 von Adolf Uzarski, Gert Wollheim und Arthur Kaufmann gegründet worden. 

Die Gruppe erhob keinen Anspruch auf eine bestimmte Stilrichtung, sondern Voraussetzung soll nur Jugendlichkeit und Ehrhlichkeit des Schaffens sein. 

Jugendlichkeit, wohl verstanden, nicht in Beziehung aufs Alter gemeint, sondern auf die Stärke und Frische des künstlerischen Strebens. 

In einem Brief schreibt Peter Janssen 1968: "Das Junge Rheinland wurde und wird häufig mit dem Kreis um Frau Ey verwechselt. Es handelt sich aber um dieselben Maler und Bildhauer. Ich selbst kam im Winter 1925/26 ins"Junge Rheinland." 

Ja, die Gründe waren in der Art des Malens zu sehen - warum man Mitglied wurde - heute kaum noch begreiflich. Wollheim, Max Ernst, Jankel Adler, Kurt Georg Becker, Jean Paul Schmitz, Bruno Goller, Matthias Barz, Schwesig, Barth, 

Julo Levin - der völlig vergessen wird, er wurde von den Nazis ermordet - Pudlich, Pankok waren die Leute, mit denen ich Kontakt hatte ... 

Das Junge Rheinland war eher eine Versammlung von Malern und Bildhauern, die bei der Ey täglich, vormittags gegen 11.00 Uhr stattfand.' 

Johanna Ey, die schon vor den 20er Jahren mit ihrem kleinen Kaffeestübchen der Sammelpunkt der künstlerischen Jugend von damals gewesen war, hatte sich inzwischen zu einer prominenten Kunsthändlerin entwickelt. Auch jetzt blieb sie Mittelpunkt der jungen Künstler. 

Nicht mehr die aggressiven und rebellischen Kämpfer der frühen 20er Jahre, sondern die gemäßigteren, dem Spätimpressionismus verhafteten Künstler, wurden nun mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Auf den beliebten Atelier- und Karnevalsfesten wurde "die Ey", wie man sie kurz nannte, von ihren Malern witzig verkleidet, und stets war sie das begehrteste Maler-Modell. 
Als sie 1930 in der "Berliner Illustrierten" als meistgemalte Frau Deutschlands gefeiert wurde, war auch Peter Janssens Gemälde "Mutter Ey schlafend" aus dem Jahre 1929 unter den Abbildungen. Viele kleine Anekdoten sind an die Entstehung der einzelnen Bilder geknüpft. 

So erzählt man sich, daß Johanna Ey, nachdem sie zu Peter Janssens Atelier in der Rosenstraße die steilen Treppen hinaufgekeucht war, um dem Maler Porträt zu sitzen, erschöpft auf dem Sofa einschlief. Als sie nach zwei Stunden wieder aufwachte, war zu ihrer Verwunderung das Bild fertig. Mit schnellen, skizzierenden Pinselstrichen hat Peter Janssen hier ein die Mutter Ey charakterisierendes Porträt geschaffen. Das Bild zeigt die runde und behäbige Frau, wie sie schlafend auf dem Sofa liegt, den Kopf und Oberkörper auf ein Kissen gebettet. Die beiden Arme mit den kleinen Händen liegen entspannt neben dem Körper. Die Beine sind unter dem langen Rock übereinandergeschlagen. Das fleischige, runde Gesicht strahlt die ungewöhnliche Persönlichkeit dieser Frau aus. In der fast liebevollen Darstellung dieser schlafenden, rundlichen Person mit dem behaglichen Doppelkinn ist die Zuneigung des Malers zu Johanna Ey spürbar. 

In ihren Gesichtszügen ist die ganze Güte und Herzenswärme, die sie ihren Malerfreunden entgegenbrachte, aber auch das Energische und Launische ihres Wesens ablesbar. Mutter Ey wenigstens einmal zu porträtieren oder zu bildhauern, war sozusagen Ehrensache für die Künstler im Umkreis der Galerie. 1926 beendete Peter Janssen sein Studium mit dem Meisterschüler. Er erhielt von seinem Vater als Geschenk eine Reise nach Italien, die er noch im selben Jahr mit seinem Freund, dem Bildhauer Curt Beckmann, antrat. Hier waren es vor allem die italienischen Meister der Frühzeit, die ihn interessierten und mit denen er sich auseinandersetzte. 

1926 schrieb er aus Florenz an eine Bekannte: "Wir haben vor Lionardo, Botticelli und Michelangelo gestanden. Du kannst dir gar nicht denken, was das heißt. Die Kerle konnten malen. Ich bin ganz klein geworden, aber den Mut verliere ich nicht. Im Gegenteil - ich habe Sehnsucht nach einer großen Fläche, die ich zumalen muß." 

Die Reise führte sie von Florenz über Empoli und Cassina nach Siena, von dort über San Gimignano nach Perugia und Assisi, und weiter nach Rom und Neapel. 

In den, aus Briefen überlieferten Reisebeschreibungen wird deutlich, wie groß seine Liebe zum mediterranen Raum war. 

Nicht nur die südlichen, sonnendurchfluteten Landschaften, sondern auch die Städte und ihre Bewohner reizten ihn immer wieder zu charakteristischen Stadtansichten. 

Von der Italienreise zurückgekehrt, entschloß sich Peter Janssen 1926 nach Paris zu gehen, um dort an der Academie de la Grande Chaumiere sein Studium fortzusetzen. 

Vor allem war es der französische Impressionismus mit seinen Motiven des täglichen Lebens, der ihn hier faszinierte. 

Nach seiner zweijährigen Studienzeit in Paris, wo sich zu dieser Zeit mehrere rheinische Künstler aufhielten, kehrte Peter Janssen 1928 nach Düsseldorf zurück, um dort als freischaffender Maler zu arbeiten. 

Von nun an nahm er an vielen Ausstellungen teil und war fast regelmäßig vertreten im "Jungen Rheinland", der seit 1925 sich hiervon abgespalteten “Rheingruppe", sowie der sich aus beiden Künstlervereinen 1928 neu gegründeten"Rheinischen Sezession" und dem "Deutschen Künstlerbund". 

 

 

1930 heiratete Peter Janssen seine erste Frau Inga Ida Marie, geb. Rödmann. Zu dieser Zeit war sein Name, wie auch seine Malerei, in der Düsseldorfer Kunstszene anerkannt, was die positiven Zeitungskritiken jener Jahre belegen können.

"Unter den jüngeren Düsseldorfer Malern hat Peter Janssen in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Sein kraftvoller und ungemein skizzenhafter malerischer Impressionismus zeichnet sich gerade in der Sparsamkeit seiner Mittel durch ein sehr suggestives, eigenes Sehen aus. Seine Kraft war oft gerade das Weglassen. Sein Stil schien die Skizze". 
1932 hatte er seine erste Einzelausstellung bei Flechtheim, wo neben den südlichen Bildimpressionen auch Pariser Stadtansichten ausgestellt wurden. 

Alles änderte sich schlagartig mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Die von Akademiedirektor Kaesbach berufenen Lehrer wurden entlassen, um so die "Säuberung der Akademie" vorzunehmen. 

Als am 1. November 1933 das Reichs-Kulturkammergesetz erlassen wurde, waren es sowohl die Künstler, deren Malerei nicht den Vorstellungen der Nationalsozialisten von "volksdeutscher Kunst' entsprach, als auch solche, denen aufgrund ihrer nicht arischen Abstammung der Eintritt in die Reichs-Kulturkammer der bildenden Künste untersagt wurde und die somit automatisch als "Entartete" galten. 

Nur wer reinrassig im Sinne des NS-Staates, und politisch zumindest unauffällig war, konnte Kammermitglied werden und bleiben. Peter Janssen, der sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits Halbjude war, musste 1933 sechs seiner Bilder der Reichs-Kulturkammer zur Verfügung stellen, damit eine Beurteilung seiner Eignung zur "Schaffung deutschen Kulturgutes" vorgenommen werden konnte. 
Kurze Zeit später erhielt er Berufs- und Ausstellungsverbot und musste auf jegliche öffentliche künstlerische Tätigkeit verzichten. Die von ihm eingereichten Bilder erhielt er nicht mehr zurück. 

Für die junge Familie, 1932 kam die erste Tochter Monica zur Welt, begannen harte Zeiten. Peter Janssen, der 1976 kurz vor seinem Tode seinen Lebenslauf schrieb, fasste jene Jahre von 1933 bis 1945 mit einem Wort zusammen: er war "abwesend". Hinter diesem Wort verbarg er all jene unruhigen Jahre, in denen er, um sich den Angriffen gegen seine Person und seine Tätigkeit zu entziehen, gezwungen war, ständig umherzureisen und sich im Ausland versteckt zu halten. 

Er kehrte zwar von Zeit zu Zeit für wenige Monate nach Deutschland zurück, musste dann aber immer wieder aus Angst vor einer Verhaftung ins Ausland fliehen. 

Finanziell unterstützt durch seinen Vater, hielt er sich von Mai 1933 bis Dezember 1933 in Spanien auf. 

Nach kurzem Aufenthalt in Deutschland, zog er 1934 mit seiner Familie wiederum für ein Jahr nach Spanien. 

1936 war er in Italien, 1937 beschloss er, nach Amerika zu gehen, kehrte jedoch wenige Monate später wieder zurück, da er sich dort nicht einleben konnte. 

Von 1938 bis kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges lebte er in England. 

Zwischenzeitlich war - belastet mit all der Unstetigkeit seines Umherflüchtens - seine erstgeschlossene Ehe gescheitert und rechtlich gelöst worden. 

In London heiratete er 1939 seine zweite Frau Ellen, geb. Meißner. Da sein Wehrpass 1939 ablief, musste er nach Deutschland zurückkehren, um im September 1940 seinen Wehrdienst anzutreten. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse teilte man ihm eine Stelle als Dolmetscher einer italienischen Flugstaffel in Leipzig zu. Jedoch schon wenige Monate später, 1941, wurde er entlassen, nachdem man festgestellt hatte, dass Janssen nicht rein "arischer" Abstammung war. 

1942 wurde die zweite Tochter Nikola geboren. 

Bis 1944 versteckte er sich mit seiner Familie, unterstützt von Verwandten und Freunden, zeitweise in Baden-Baden, Berlin, in der Eifel und in dem kleinen Ardennenort Robertville, wo sich zu dieser Zeit ebenfalls der Maler Arthur Erdle aufhielt. 

In diesen ganzen Jahren war es ihm kaum möglich, sich konzentriert seiner Malerei zu widmen. 

Als "verbotener Mitarbeiter" arbeitete er bei einem Gebrauchsgraphiker, und mit kleinen aquarellierten Skizzen, die verschenkt oder eingetauscht wurden, versuchte er so gut es ging, für sich und seine Familie den Lebensunterhalt zu bestreiten. 

Die wenigen Bilder, die in dieser Zeit entstanden, und von denen die Mehrzahl durch Bombenangriffe im Krieg zerstört wurden, zeigten meist südländische Landschaften, das Meer mit seinen Fischern am Strand, Häfen mit Segelbooten, südliche Städte und deren Bewohner bei ihren kulturellen und religiösen Festen. Stierkämpfe, Prozessionen und Volksfeste waren die Motive, die er immer wieder gerne aufgriff. 

Am 11. November 1944 wurde Peter Janssen verhaftet und nach Lönnewitz in ein Arbeitslager deportiert. 

Drei Monate später, im Januar 1945, gelang es ihm, aus dem Lager zu fliehen, und er konnte bis zum April 1945 in Deutschland untertauchen. 

Mit dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches", dem Ende der Verhaftungs- und Verfolgungskampagnen gegen die sogenannten "Entarteten", inmitten einer Trümmerlandschaft, begannen sich nun ganz langsam neue künstlerische Regungen zu zeigen. Es waren die Künstler, die zu den "Noch-einmal-Davongekommenen" gehörten und die nun versuchten, an die Kunstszene, wie sie vor 1933 existierte, neu anzuknüpfen. 

Obwohl zu dieser Zeit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dringlicheren und existenzielleren Bereichen als der Kunst gewidmet war, begannen sich Künstlervereinigungen neu zu formieren. 1946 wurde die "Rheinische Sezession" neu gegründet. Diese Künstlervereinigung, die ja schon vor dem Krieg existiert hatte, war 1938 mit der Begründung ausdrücklich verboten worden: ,.Die Ausstellungen haben erkennen lassen, dass von einer Mitarbeit im Sinne des kulturellen Aufbaugedanken nicht gesprochen werden kann. Vielmehr hat sich gezeigt, dass in der Rheinischen Sezession, der Geist jener Kreise der Vergangenheit, die sich um Flechtheim, Frau Ey und andere scharten, immer noch vorhanden ist." 

Von dieser ersten Künstlervereinigung nach dem Kriege, spaltete sich 1949 die auf Initiative von Ludwig Gabriel Schrieber gegründete "Neue Rheinische Sezession" ab. 

Peter Janssen, der auch Mitglied dieser "Neuen Rheinischen Sezession" war, bildete mit den Malern Bruno Goller, Karl Barth, Otto Coester, Oswald Petersen, Robert Pudlich, Max Peiffer-Watenphul und Wilhelm Teuwen die Gruppe von Künstlern, die sich der gemäßigten Richtung, d. h. der gegenständlichen Malerei, anschlossen, im Gegensatz zu den progressiveren Malern wie Joseph Fassbender, Ewald Matare, Georg Meistermann, Otto Ritschl und Hann Trier, die eher in die abstrakte Richtung tendierten. 

Aber nicht nur die neugegründeten Künstlervereine, sondern auch das Aufblühen des deutschen Kunsthandels war Zeichen der wieder beginnenden, kulturellen Entwicklung in Deutschland. 

Neben den wenigen großen Galeristen, wie Vömel und Paffrath, die schon vor dem Krieg beachtliche Erfolge erzielt hatten, waren es vor allen Dingen die zunächst noch kleinen Kunsthandlungen in Form von "Ein-Mann-Unternehmen", die versuchten, die rheinische Kunst, die während oder nach dem Kriege entstanden war, dem Publikum vorzustellen. 

 

    

 

Zu diesen Galeristen gehörte Heila Nebelung, 1912 in Oberschlesien geboren, studierte sie nach ihrer Ausbildung zur Gymnastiklehrerin Ballett und Tanz. 

Viele Maler, mit denen sie befreundet war, unter ihnen auch Peter Janssen, trafen sich regelmäßig in ihrem Ballett-Studio in der Prinz-Georg-Straße, um dort probende Tänzerinnen zu malen. Schon bald entstand der Wunsch, einen Treffpunkt zu schaffen, wo man sich mitteilen und die entstandenen Arbeiten untereinander diskutieren konnte. Peter Janssen war es, der Hella Nebelung in ihrer Idee bestärkte, eine Galerie zu eröffnen. Am 22. Dezember 1945 wurde in der Ruine eines vornehmen Patrizierhauses in der Logengasse die erste Kunsthandlung nach dem Kriege eröffnet. Alle waren begeistert. Hella Nebelung hatte den richtigen Zeitpunkt erkannt. 

"Irgend etwas anderes musste, als der Krieg zuende war, kommen. Aber was, wusste ich nicht. Und dann sagten eben meine Maler: ,Wir geben Dir jeder 1.000 Mark, und Du machst eine Galerie auf' . . . Sie gaben mir jeder die 1.000 Mark, die ich dann, wenig ich's konnte, zurückzahlen sollte. So wurde es gemacht, und so ging's. Nach einem Jahr hatte ich keine Schulden mehr." 

Ihre erste Ausstellung galt natürlich ihren Malerfreunden. den Künstlern, die während des Nazi-Regimes "nicht erwünscht' gewesen waren. Aber erst sehr langsam begann das Publikum, sich von dem auferzwungenen Kunstgeschmack der nationalsozialistischen Kulturdiktatur freizumachen. Hella Nebelung erinnert sich an ihre zweite Ausstellung, die Peter Janssen gewidmet war: 

"Peter Janssen, das war zu moderne Kunst für das Publikum von 1945/46, so dass die jungen Leute mir mein großes Plakat an der Tür überschmierten mit 'Entartete Kunst'. Und das 45/46! Also kann man sich vorstellen, dass viele damals noch immer ganz im Banne von Hitler waren. Heute, wenn wir Peter Janssen oder diese Maler sehen, würden wir doch nicht auf entartet kommen. Das war ja noch nicht einmal abstrakt!" In dieser Nachkriegszeit entstand eine Serie von Bildern, die die Zerstörung Düsseldorfs fast dokumentarisch festgehalten hat. Titel wie "Brückensprengung" sind in den Ausstellungskatalogen jener Jahre häufig aufgeführt. 

Als Peter Janssen 1949 seine dritte Frau, Elsa Graf, geb. Warsinsky, heiratete, hatte er ein kleines Atelierhaus in der Golzheimer Künstlersiedlung bezogen. Es begannen jene Jahre, in denen er sich durch den Verkauf seiner Bilder, und die erfolgreiche Teilnahme an vielen Ausstellungen im In- und Ausland einen Namen unter den Düsseldorfer Nachkriegskünstlern verschaffte. 

So war er in den folgenden Ausstellungen vertreten: "Junge Kunst am Rhein 1946", organisiert von der Freien Gruppe Heidelberg, "Moderne Deutsche Kunst seit 1933" 1947 in der Kunsthalle Bern "Deutsche Kunst der Gegenwart, L'art Allemand Moderne" in Baden-Baden 1947, "Ausstellung westdeutscher Maler" 1948 in Essen, und "Deutsche Malerei und Plastik der Gegenwart" 1949 in Köln, um nur wenige zu nennen. 

Aber auch das Düsseldorfer Ausstellungswesen war bemüht, dem Publikum einen umfassenden, überregionalen - ja internationalen Überblick über die moderne Kunst zu verschaffen. Wettbewerbe und Preisausschreiben sollten nicht nur die finanziellen Nöte der Künstler lindern, sondern sie auch zu neuem Schaffen anregen. 

1952 erhielt Peter Janssen den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. "Die Kunst zu fördern und tatkräftig zu unterstützen, ist eine der vornehmsten Verpflichtungen unserer Stadt", hieß es im Pressebericht der "Düsseldorfer Nachrichten" 1952. 
Als 1955 von der Stadt Düsseldorf der Wettbewerb "Die deutsche Stadt im Bilde" ausgeschrieben wurde, erhielt Peter Janssen mit seinem Gemälde "Die Düsseldorfer Königsallee" den ersten Preis. 

Das 1.10 m x 1.20 m große Tempera-Bild zeigt die Königsallee, von der Südostseite her gesehen. Aus der Mittelachse etwas nach links verschoben, liegt der von entlaubten Baumreihen gesäumte Wassergraben mit seinen kleinen Brücken. Die zum Wassergraben rechts und links parallel verlaufende Straße lässt die gewohnte Geschäftigkeit erkennen, die dieser wohl über weite Grenzen hinaus bekannten Prachtstraße eigen ist. Im vorderen Bildteil erkennt man die spielzeughaft klein erscheinenden Menschen und Autos. Aus den um die Königsallee liegenden Geschäftshäusern ragt auf der rechten Seite die Johannes-Kirche, auf der linken Seite das Wilhelm-Marx-Haus hervor. Peter Janssen hat in diesem Bild die wohl markanteste Straße seiner Heimatstadt, die auch die "teuerste Straße des Rheinlands" genannt wird, repräsentativ dargestellt. 

Die winzigen Menschen (Männchen) in Kontrast zu den riesigen Häuserblöcken lassen die Breite dieser Prachtallee erkennen. Die Tiefenflucht, erzielt durch die Zentralpunktperspektive, vermittelt dem Betrachter den Eindruck von der Länge der Allee. 

Das wohl auffälligste und wichtigste Element in diesem Bild ist die Farbe. 

In expressiver Übersteigerung wählte Peter Janssen eine von hellem Rosa-Violett über Blau-Grün bis hin zu Rot und Grau verlaufende Farbskala. 

In diesem Bild wird sowohl Janssens Vorliebe für Farbkontraste, als auch für harmonische Farbübergänge "Klaviaturen diskreter Tönungen", wie es einer seiner Kritiker einmal nannte, sichtbar. Häufig sind es die in Kontrast zueinander stehenden Farben, weiß, das Zinnoberrot der Backsteinkirche zum Grün des Daches, oder die schwarzen, eher wie Zeichen wirkenden Menschen auf dem rötlich-violetten Untergrund, die die Lebendigkeit in diesem Bild erzeugen. 

Einen weiteren Kontrast bilden die grafischen, fast skizzenhaft erscheinenden Häuserfronten zur leuchtenden, malerischen Farbigkeit des Wassergrabens. 

Bis 1957 war der Künstler in Düsseldorf als freischaffender Maler tätig und blieb, bis auf wenige Ausnahmen, der gegenständlichen Malerei verhaftet. Eine besondere Gruppe in seinem Werk bilden wohl ,die während der vielen Spanien-Reisen oder im Anschluss daran entstandenen "Spanienbilder". 

Bei den Stadtansichten sind es die fast grafischen Häuserfronten, wabenartig aneinander gefügte Elemente auf ein kontrastreiches Schwarz-Weiß reduziert, die die Schlichtheit der südländischen Architektur vermitteln. 
Im Hintergrund oft bizarr konturierte Bergspitzen oder ein vor sich hinschwelender Vulkan, vereinfacht in der Form auf gratige Dreiecke oder Trapeze. Der Mensch, auf einem Esel reitend, häufiges Vordergrundmotiv in den Spanienbildern, wird zu verzerrten oder skurrilen Schattenrissen 

Ein mehr konstruktivistischer Bildaufbau mit horizontalen und vertikalen Strukturen ist erkennbar. 

Trotz dieser eindeutig abstrahierenden Tendenz, bleibt auch hier Janssens Malerei gegenständlich. 

In der Farbskala dieser Bilder dominieren alle Schwarz-, Braun- und Grauabstufungen, die, gekoppelt an wenige Kontrastfarben. wie ein tiefes Meerblau oder warmes Rot, den Reiz dieser Bilder ausmachen. 

Als Peter Janssen 1957 seine Heimatstadt Düsseldorf verließ, folgte er dem Angebot einer Professur an die Hochschule für bildende Künste in Berlin. Hier leitete er zunächst eine Grundklasse, später übernahm er die Malklasse. Aus den Gesprächen mit seinen Schülern wird deutlich, daß Peter Janssen als Lehrer mehr als nur akademische Fertigkeiten vermittelte. Mit viel Einfühlungsvermögen und Verständnis ging er auf die schulischen und persönlichen Nöte seiner Schüler ein. 

Die Berliner Zeit stellte nicht nur einen neuen Abschnitt in seinem Leben, sondern auch in seinem malerischen Werk dar. 
Sein Interesse galt nun vor allem den scheinbar alltäglichen Gegenständen, wie Hüten, Äpfeln, Melonen, Gläsern, Flaschen, Blumen und Schleifen, die er mehr oder weniger stillebenhaft zu einem Arrangement ordnete. Der ordnende Bildaufbau ist ein wesentliches Merkmal der Berliner Bilder. 


Peter Janssen, der bis zu seiner Emeritierung 1971 - und darüber hinaus sein Amt als "Lehrender" mit Erfolg und innerer Anteilnahme ausübte, verstarb 1979 im Alter von 72 Jahren in Berlin.

Dagmar Bongartz

 

Mehr unter http://www.janssenart.de/

 

Auswahl der Gemälde

         

          

         

              

         

              

           

              

 

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Eröffnung am 8.7.2004

         

         

         

         

         

 

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PRESSEMITTEILUNG
Mit der Bitte um Terminveröffentlichung
Kunstausstellung mit Bildern von Peter Janssen vom 13. Juli bis 30. September 2004
Einladung an die Medienvertreter zur Eröffnung am 8. Juli 2004


Im Haus der Saarländischen Unternehmensverbände sind ab 13. Juli bis 30. September 2004 Werke des Malers Peter Janssen (1906 – 1979) zu sehen. Die Ausstellung ist Dienstag bis Donnerstag 14.00 – 16.30 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet; der Eintritt ist frei (Ausstellungsort: Haus der Saarländischen Unternehmensverbände, Harthweg 15, 66119 Saarbrücken).

Gezeigt werden ca. 30 Gemälde (Öl-Malerei auf Leinwand). Die Werke stammen aus den Jahren 1928 als Peter Janssen 22 Jahre alt war und begann, als freischaffender Maler zu leben bis 1960 als er auf der Höhe seiner Schaffenskraft war, 3 Jahre nach seiner Berufung als Hochschullehrer. Insofern ist der Inhalt der Ausstellung das Frühwerk bis zur Vollendung seines Schaffens.
Hier lässt sich exemplarisch ablesen, wie die Lebensumstände das künstlerische Werk beeinflussen und verändern.

Peter Janssens Biographie (inkl. Berufsverbot und Exil 1935 - 1939, dann Rückkehr bei Kriegsbeginn und Militärdienst, Desertion und illegales Leben bis zur Verhaftung 1944) ist exemplarisch für eine ganze Generation von Künstlern, die um die Jahrhundertwende geboren sind. Schlimme und dramatische Lebenserfahrung wird zu Kunst. Als Hochschulprofessor lehrte er nicht nur Dinge, die zur beruflichen Sphäre gehören, sondern auch Lebensklugheit aus Lebenserfahrung.

Zur Ausstellungseröffnung am 8. Juli 2004 um 19 Uhr sind alle Medienvertreter herzlich eingeladen. Dr. Jürgen Ecker wird in die Ausstellung einführen. Wir bitten um kurze Anmeldung.

Erste Eindrücke von den Bildern finden Sie im Internet unter http://www.vsu.de
Auf Wunsch stellen wir Ihnen Bildmaterial zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Schlechter 
Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände e.V.
Tel.: 0681 / 9 54 34-45, Fax: -75, E-Mail: schlechter@mesaar.de
Harthweg 15, 66119 Saarbrücken

Presseinformation als pdf

Informationsblatt Entwurf als pdf

 

    

Informationen zur Ausstellung

 

Aufbau der Ausstellung

         

         

 

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presse\saar-echo-Saarlaendische-Unternehmerverbaende-praesentieren-vom-13_ Juli-bis-30_September-30-Gemaelde-Regionales.htm

Ausstellungshinweis | Kakadu | September 2004