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Juni - September 2001

 

 Edgar Jené 

Ausgewählte Arbeiten

 

 

Auszüge aus: Edgar Jené – ein Surrealist aus dem Saarland 
Herausgegeben von Monika Bugs
Albert Weisgerber Stiftung
Museum Sankt Ingbert, 1994


„Jenés Bilder sind still, melancholisch, rätselhaft. Zeiten ziehen durch sie hindurch, untermeerische, kosmische Orte steigen empor. Wesenheiten aus Träumen – Wächtern der Vergangenheit, Künder der Zukunft?- führen uns in eine bisweilen düstere Welt, erhaben über die Zeit und meßbaren Raum wie die geheimnisvolle Welt unseres Unbewußten.“
(Monika Bugs)

„Ganz Surrealist, wendet Jené seinen Blick auf die Ahnen des Surrealismus, die Romantiker, auf das Lebensgefühl der Romantik, die Einsamkeit, Sehnsucht und Tod thematisierte. Stille, verborgene Todesahnung, Melancholie, Trauer ziehen wie Nebelschleier durch Jenés Gesamtewerk,........“
(Monika Bugs)


Edgar Jené (1951)- Über Surrealismus

„Der Surrealismus ........,.... ist keine neue Lehre der Malerei; ........, ja er wirft die überlieferte Auffassung des Kunstwerks um, er versucht, neue Inspirationsquellen dem Dichter und Maler zu erschließen...........Der Surrealismus ist also keine Kunstrichtung, sondern vielmehr eine Weltanschauung oder besser der Versuch zum Finden einer solchen.“

„Die Surrealisten versuchten also zu einer neuen Vision der Welt, die den Traum, das Unbewußte, das Magische in die Realität einbezieht, zu gelangen. Sie suchen den Begriff Realität zu erweitern, sie erstreben eine Realität, sowohl die innere physische Realität wie die äußere umfaßt, oder mit anderen Worten, das Dilemma Traum und Aktion zu überwinden.“

„Sie ahnen nicht, welcher Reichtum dort in der menschlichen Seele liegt, wo die Klarheit der Vernunft, der Faden der Logik nicht mehr regieren. Die Vernunft zwingt der Realität ihren äußeren Rahmen auf und dieser Rahmen deformiert die Realität..........Die Fantasie, vom Zwang der Logik befreit, gibt den Elementen des Realen eine neue unerwartete Ordnung.“

„Aber wie schon zitiert „solange der Mensch ein von einer Flamme oder einem Stein zu unterscheiden“ vermag, solange läuft der Surrealismus keine ernstliche Gefahr ein Ende zu finden. Die surrealistische Haltung, so behauptet Maurice Nadeau, sei ewig, mag sie auch vorübergehend durch andere Strömungen verdunkelt werden.“

 

 

Mit der Öffnung ihres Hauses für die Kunst hat die Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU) 1992 einen ebenso ungewöhnlichen wie anspruchsvollen Ausstellungsraum geschaffen. In der Reihe hochkarätiger Ausstellungen wird nun in diesem Jahr das Werk des saarländischen Surrealisten Edgar Jené gewürdigt. 

„Der Surrealismus war für mich der Katalysator meiner Welt“, so hat Jené selbst seine beharrliche Hinwendung zu jener Kunstrichtung erklärt, deren Werke das Unbewusste, Träume und Visionen thematisieren. Wie Dali, Ernst, Miró und andere Vertreter dieses eigenwilligen Stils schöpfte auch „der Sohn des Nordlichts“ seine surrealen Bildwelten aus den Quellen der Mythologie, Psychoanalyse, Literatur und - ganz wesentlich - aus der äußeren Wirklichkeit. Im Paris der 20er-Jahre war der 1904 in Saarbrücken geborene Künstler der neuartig-phantastischen Welt des noch jungen Surrealismus begegnet – und wurde schließlich einer seiner engagiertesten Vertreter. So gilt der spätere Kunstpreisträger des Saarlandes, der in Saarbrücken ebenso zuhause war wie in Wien, Paris und München, auch als Mitbegründer der Wiener Schule des „Phantastischen Realismus“. Als Jené 1984 in seiner französischen Wahlheimat verstarb, hinterließ er ein ebenso umfangreiches wie vielseitiges Werk. Dabei stellen Jenés geheimnisvolle Bildwelten eine eigenständige Fortentwicklung des Surrealismus in seiner ganzen stilistischen Vielfalt dar. In seinen Gemälden, still, melancholisch und rätselhaft, schuf er eine universelle Gegenwart, die jetzt im Haus der VSU erneut lebendig wird. Aus dem Nachlass des Künstlers stammend, repräsentieren die 3 Dutzend Arbeiten, die nun in seiner Geburtsstadt zu sehen sind, in konsequenter Weise 3 Werkgruppen jenes „Wanderers zwischen den Welten“, der den Surrealismus nicht als Kunstrichtung, sondern als „Versuch einer Weltanschauung“ ansah. Gouachen aus den 60er- und 70er-Jahren, „kosmische Landschaften“ und Zeichnungen aus den 50er-Jahren sowie die um 1970 entstandenen Radierungen dokumentieren eindrucksvoll Jenés Experimentierfreudigkeit. Neben den Radierungen – im Haus der VSU sind nahezu alle der seltenen Arbeiten zu sehen – erstaunen seine wenig bekannten, humorvollen Zeichnungen selbst Jené-Experten wie Monika Bugs. Mit scheinbar „leichter Hand“ angefertigt, stellen sie für die Saarlouiser Kunsthistorikerin „eine Art Ventil“ zu den parallel gezeigten, nicht selten düster wirkenden Bildvisionen Jenés dar. Wie groß das Interesse an diesen Arbeiten war, zeigte sich bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Donnerstag. So konnte Dr. Heiko Jütte, Hauptgeschäftsführer der VSU, als „Hausherr“ rund 100 Gäste begrüßen, führte Monika Bugs auf profunde Weise in Leben und Werk dieses auch europaweit bedeutenden Künstlers ein. Für sie wie für Ausstellungskurator Mathias Beck ist diese kompakte Werkschau „eine erneute Gelegenheit, an einen Saarbrücker Künstler zu erinnern, dessen Wirkung außerhalb des Saarlandes größer ist als in seiner Heimat“.

Die Ausstellung „Edgar Jené: Gouachen - Zeichnungen – Radierungen“ ist noch bis einschließlich 15. September im Haus der VSU, Harthweg 15, zu folgenden Zeiten zu sehen: Dienstag bis Donnerstag 14 bis 16.30 sowie nach vorheriger Vereinbarung. Der Eintritt ist frei! Ausstellungsbegleitend ist eine Reproduktion der 1937 entstandenen Arbeit „Profil mit Blüten“ zum Preis von 29,- DM erhältlich.

Klaus Friedrich

 

 

Pressemitteilung
Ausstellung Edgar Jené (1904-1984). Gouachen · Zeichnungen · Radierungen
VSU, 2001, Eröffnung: 7. Juni 2001

Edgar Jené, 1904 in Saarbrücken geboren, 1984 auf seinem Altersitz Demeulaine, einer mittelalterlichen Mühle in La Chapelle St. André (Burgund) gestorben, hat sich zeit seines Lebens zur Geisteshaltung des Surrealismus bekannt, den er Ende der 20er Jahre in Paris entdeckt. "Der Surrealismus war für mich der Katalysator meiner Welt.", sagt er rückblickend.
André Breton, der führende Theoretiker des Surrealismus, Paul Celan, Julien Cracq, Benjamin Péret und Maurice Nadeau, Vertreter der surrealistischen Bewegung gehören zu Jenés geistigen Weggefährten in Wien und Paris. Dokumente seiner Freundschaft mit Paul Celan sind Celans Schrift "Edgar Jené und der Traum vom Traume" (1948) und Jenés Zeichnung zu Celans Gedicht "Todesfuge".
Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München (1922-24), an der Ecole Nationale des Beaux-Arts, Académie Julian und Académie de la Grande Chaumière in Paris (1924-25), lebt Jené mit kriegsbedingten Unterbrechungen in Wien (1945-50), Paris (1950-65) und Burgund.
Im Wien der Nachkriegszeit wird er zum Förderer und Vermittler des Surrealismus, er verfaßt Schriften zum Surrealismus, er ist u.a. Bildredakteur der Zeitschrift Plan, Mitherausgeber der Surrealistischen Publikationen, mit Albert Paris Gütersloh wird er zum spiritus rector der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. U.a. mit Paul Celan organisiert er die erste Surrealismus-Ausstellung in Wien.
1948 begegnet er in Paris Breton und den Surrealisten, mit denen er in der Folge in Kontakt bleibt.
Auch seine Verbindung zum Saarland bleibt lebendig. In den 50er Jahren organisiert Jené für die Mission Diplomatique Française en Sarre Ausstellungen im Saarland Museum, u.a. "Peinture surréaliste en Europe". 1964 erhält Jené den Kunstpreis des Saarlandes. 1984 stiftet er der Stadt Saarbrücken einen Teil seiner Werke.

Edgar Jené, Wanderer zwischen den Welten, schöpft seine surreale Welt aus den Quellen der Mythologie, Psychoanalyse, Literatur und ganz wesentlich aus der äußeren Wirklichkeit. Krieg, Mondfahrt, Städte, Landschaften regen ihn zu seinen Bildschöpfungen an.
Diese Ausstellung stellt drei Werkgruppen (35 Exponate) vor: Gouachen (Mischtechniken) aus den 60er und 70er Jahren – surreale, kosmische Landschaften / Zeichnungen aus den 50 er Jahren zeigen die weniger bekannte humoristische Facette im Schaffen Edgar Jenés / Radierungen, um 1970 entstanden, dokumentieren Jenés Experimentierfreudigkeit.

Monika Bugs, 23. April 2001

 

          

    

 

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