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Juni - September 2000

 

 Claude Lorrain 

Grafik | Landscapes | Eau Fortes du Claude Lorrain

    

 

Dass Saarbrücken selbst bundesweit als Top-Adresse für Kultur gilt, ist nicht zuletzt manch "inoffizieller" Initiative zu verdanken. So hat beispielsweise auch die Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU) ihr Haus der Kunst geöffnet und damit ein ungewöhnliches Kulturforum geschaffen: Zwar findet dort pro Jahr nur eine Ausstellung statt - die aber würde selbst renommierten Museen zur Ehre gereichen! Dabei versteht die VSU ihre Einrichtung ausdrücklich als "offenes Haus für jedermann". Entsprechend gemischt war daher das Publikum, als in Gegenwart von rund 150 gespannten Gästen erneut eine hochkarätige Ausstellung eröffnet wurde: Sie zeigt - zum allerersten Mal im Saarland - das komplette Radierwerk Claude Lorrains, eines der größten Künstler des 17. Jahrhunderts. Dabei gilt der 1600 bei Nancy als Claude Gellée geborene Lorrain nicht nur als Begründer der europäischen Landschaftsmalerei, sondern für viele als der bis heute überragendste Maler Lothringens. Sein unübertroffener Umgang mit Licht ließ Werke entstehen, die sowohl durch kraftvolle Dramatik als auch ruhige, sanfte Stimmungen fesseln. Inspiriert von der Antike und biblischen Quellen schuf Lorrain Bildwelten, in denen eine majestätische Natur geheimnisvoll-verklärte Staffage für sie bevölkernde Götter und Menschen ist. Die rund 100 in Saarbrücken gezeigten Werke vermitteln nun Radierung und Kupferstich als eher unbekannte, aber eigenständige Ausdrucksform des weltberühmten Malers. Die Ausstellung selbst setzt sich dabei aus Drucken zweier Ausgaben zusammen: Den erst 1825 in London verlegten "Landscapes" (nach dem im Besitz der englischen Königsfamilie befindlichen Skizzenbuchs Lorrains) sowie den 1875 in Paris erschienenen "Eau Fortes du Claude Lorrain". Das Besondere daran: Obwohl Lorrain in seinen Radierungen auf Farbe verzichtete, gelangen ihm dank geschickter Licht- und Wolkenspiele äußerst stimmungsvolle Szenerien. So erschließen sich selbst im "virtuellen" 21. Jahrhundert fantastische Inszenierungen, die den Betrachter auch heute noch unweigerlich in ihren Bann ziehen. Ein genaues Hinsehen lohnt sich daher bei jedem einzelnen Bild: Arkadische Idealwelten voller überraschender Details sind sie nämlich gleichzeitig allegorische Abbilder der Gedankenwelt des 17. Jahrhunderts.

Klaus Friedrich

 

>> Becknetz     |     20.6.2000 | Saarbrücker Zeitung | Ausstellungsbesprechung | Brigitte Quack | 1. Abschnitt | 2. Abschnitt

>> Becknetz     |     21.6.2000 | Wochenspiegel | Ausstellungsnotiz

>> Becknetz     |     Juni 2000 | Saartermine | Ausstellungsnotiz

>> Becknetz     |     Juni 2000 | Saartermine | Klaus Friedrich | Ausstellungsnotiz

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