Galerie Monika Beck
Mathias Beck. Kulturmanagement GmbH
Schwedenhof | Am Roemermuseum | 66424 Homburg/Saar | Germany
galmb@mathbeck.de | www.galerie-monika-beck.de

 

 
   

22. November 1998 - 31. Januar 1999

IRENE ANDESSNER | KARIN MORITZ

 

in situ (Udo Steigner)

    

    

 

 

 Irene Andessner 

Installation, Objekte und Fotografie

 

    

 

1954    Geboren in Salzburg
1978    Akademie der Bildenden Künste Venedig
(Emilio Vedova)
1979    Akademie der Bildenden Künste Wien
(Max Weiler, Arnulf Rainer)
1982    Arbeitsstipendium Rom
Lebt und arbeitet in Köln, Wien und Venedig

Werkgruppen
"Mumien, Dämonen, Totenköpfe, Portraits" (1982-85)
"Gotische Kirchenfiguren" (1985-86)
"Die Kämpfer" (1986-88)
"Selbstportraits" (seit 1989-92)
"Portraits" (seit 1993)
"Neue Selbstportraits" (seit 1994-95)
"Mein Murano" (1995)
"Vorbilder" (seit 1996)

Einzelausstellungen
1980 Galerie Kapfer, Wien
1982 Galerie Armstorfer, Salzburg
1985 "Irene Andessner", Kammerhofgalerie, Gmunden
1991 "Ren C. Andessner", Galerie Zeitkunst, Kitzbühel
1993 "Irene Andessner", Galerie Hans Barlach, Hamburg
1994 "Selbst Portraits", Stadtturmgalerie, Innsbruck
1994 "Im Portrait", Galerie Carol Johnssen, München
1995 "Selbstportraits 1989 bis 1995", Galeria Sródmiejsklego O´srodka Kultury, Krakau
1995 "Selbstportraits 1989 bis 1995", Galerie im Turm, Bremen
1996 "Vorbilder", Galerie Carol Johnssen, München
1997 "Vorbilder", Galerie Claudia Böer, Hannover
1997 Galerie Spitzbart, Vorchdorf/A
1997 "Artist in Residence", Hotel Chelsea, Köln
1998 Lindinger + Schmid, Regensburg
1998 "Vorbilder", Neue Galerie der Stadt Linz, OÖ
1998 "Vorbilder #1 Sofonisba Anguissola", Teutloff Kunst+Medienprojekte, Projektraum Trafohaus, Hackesche Höfe, Berlin
1998 "Vorbilder", Galerie Monika Beck, Homburg/Saar


Ausstellungsbeteiligungen
1985 "Kunst mit Eigensinn", Österreichisches Museum des 20. Jahrhunderts, Wien
1989 "60 Tage Museum des 21. Jahrhunderts", Wien
1993 "Fest am Boden", Wörgl
1993 "Die verlassenen Schuhe", Rheinisches Landesmuseum, Bonn
1993 "Peace Corps Kennedy", Kunstraum Politischer Club Cologne, Köln
1994 "Boxes I", Gabriele Rivet, Köln
1994 Galerie KOV, Zürich
1994 Projekt "Chelm", Kunstraum Politischer Club Cologne, Köln
1995 "Köln Kunst 4", Josef Haubrich Kunsthalle, Köln
1995 "Spiegel, Haut, Essen", Galerie Cornelius Hertz, Bremen
1995 "Zone", Lichthaus, Bremen
1995 "Kunst in der Ehrenstraße", Köln
1996 Kunsthaus, Köln
1996 "Binding Kulturtage", Kassel
1997 IX. Internationale Kunstbiennale in Vila Nova de Cerveira, Portugal
1997 "European Editions", Living Stone Gallery, Den Haag
1997 "... und der Stuhl dazu", Galerie Siegfried Sander, Kassel
1997 "Artvent" Hannover, Galerie Claudia Böer
1997 "Artvent" Berlin, Galerie Lutz Fiebig
1997 "Multiple 1", Lindinger+Schmid, Regensburg
1997 "Geboren in Salzburg", Kunstforum Hallein
1998 "Cyberface REN", Art Forum Berlin, Lutz Teutloff Galerie, Bielefeld
1998 "Vorbilder #1", PhotoConcept, Frankfurter Buchmesse, Courtesy Lutz Teutloff Galerie, Bielefeld

Werke in öffentlichen Sammlungen
1998 "Barbara Blomberg", Museen der Stadt Regensburg
1998 "Vorbilder/Gwen John" (Leuchtbild-Stuhl), Österreichisches Bundeskanzleramt, Sektion Kunst, Wien
1998 "Vorbilder # 1-5" (5 Videoportrait-Standbilder/Internegativ), Österreichisches Bundeskanzleramt, Sektion Kunst, Wien
1998 "Vorbilder" (6 Leuchtkästen, Videoinstallation), Neue Galerie der Stadt Linz/Wolfgang Gurlitt Museum, Linz
1998 "Vorbilder # 1-5" (5 Leuchtkästen), Rupertinum, Salzburg
1998 "Vorbilder #1" (Leuchtkasten), Land Salzburg

 

    

 

Editionen
1992 "Von 1 bis 7" (Offset auf Leinwand), Artikel Editionen, München
1993 "39 1/2 < 27°" (Schokoladenschuh & Video), Artikel Editionen
1995 "Schwarze Madonna" (Email-Anstecknadel), Artikel Editionen
1996"Grappa Portrait Gallery" (Portraits auf Grappa), Artikel Editionen
1996 "Vorbilder / Leuchtkästen", Artikel Editionen
1996 "Vorbilder / Wandlampen", Artikel Editionen
1996 "Vorbilder / # 3" (Siebdruck auf Stahl), Artikel Editionen
1997 "Vorbilder / Negative" (große Wandlampen), Galerie Claudia Böer, Hannover
1997 "Vorbilder / Bild & Stuhl", Artikel Editionen
1997 "Malerhut" (Tortenkiste/Leuchtbildkasten), Artikel Editionen/Galerie Claudia Böer
1998 "Malerhut 1-5" (Stroh-Leuchtbildkästen), Artikel Editionen
1998 "Barbara Blomberg Souvenir" (Leuchtbildkasten), Artikel Editionen
1998 "Barbara Blomberg Wärmeflasche", Artikel Editionen
1998 "Vorbilder / # 5 (Linz)" (Leuchtbildkasten), Artikel Editionen

 

    

 

Andessner, Irene, geboren 1954 in Salzburg, lebt und arbeitet in Köln, Wien und Venedig. Studium an den Akademien der Bildenden Künste Venedig (Emilio Vedova) und Wien (Max Weiler, Arnulf Rainer). 1982 Rom-Stipendium des Landes Österreich. Einzelausstellungen in Deutschland, Österreich und Polen. 1997 vertreten auf der IX. Internationalen Kunstbiennale in Vila Nova de Cerveira, Portugal. Andessner arbeitet in den Techniken Malerei, Fotografie und Video; ihr Hauptthema ist seit 1988 das Selbstporträt. Die Ergebnisse aus ihrem gegenwärtigen Arbeitszyklus "Vorbilder" dokumentieren die Erweiterung des Genres Selbstporträt: Nach biographischen Studien von Künstlerinnen wie Sofonisba Anguissola oder Angelica Kauffmann inszeniert sie deren gemalte Selbstporträts mit Hilfe eines Filmteams nach; es entstehen animierte "Selbstportraits nach Selbstportraits", die das Auge zwischen Vor- und Nachbild springen lassen. Ähnlich verfährt die Künstlerin mit historischen bzw. mythischen Personen wie Barbara Blomberg, Caroline Auguste oder der Schwarzen Madonna von Tschenstochau. Zur Überwindung des dem Selbstporträt anhaftenden Einmaligen verstärkt Irene Andessner den Ikonen-Charakter ihrer Bilder seit 1992 durch Vervielfältigung in Form von Mini-Ikonen und Anstecknadeln, Bildlampen und Leuchtkästen, Siebdrucktafeln und Stuhlobjekten. Darüber hinaus gibt es Multiples wie die "Barbara Blomberg Wärmeflasche", die das "Vorbild" nicht en face, sondern über eine zugeschriebene Eigenschaft porträtieren.

Peter Watzl, ArtikelEditionen

 

    

 

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 Karin Moritz 

Geschlossene Gesellschaft | Objekte Fotografien

 

 

1953 in Köln geboren und aufgewachsen, Besuch eines erzbischöflichen Mädchengymnasiums
1971-76 Amsterdam
1976-90 in Kommune-Bewegung, Angliederung an Friedrichshof-Kommune (Österreich) um den Wiener Aktionisten Otto Mühl
ab 1977 Kunststudium im Institut einer Düsseldorfer Kunst-Kultur-Initiative   (Gründungsmitglied)
1982 Besuch der F.I.U. (Freie Internationale Universität) von Joseph Beuys, Düsseldorf
1992 Beginn der Arbeit mit Glas, Paraffinöl und Fundstücken
1995 Beginn der Arbeit mit digitalisierten Video-Standaufnahmen

 

              

 

seit 1993 Gemeinschaftsausstellungen in Autoren Galerie 1, München, Kunstkreis Karlsfeld (München), Galerie Wiedfang in Regensburg, DigitalArt Gallery in Frankfurt am Main, Kulturwerkstatt Haus 10 in den Stallungen des Klosters Fürstenfeldbruck, Galerie der Künstler des Berufsverbandes Bildender Künstler München und Obb., Kunstverein Wallisellen (Zürich)

seit 1995 Einzelausstellungen in Autoren Galerie 1, Bürgerhaus Gräfelfing (München), Bayerische Staatsbibliothek, Kunstforum im Klinikum Großhadern (München), Kunstverein Heidenheim

 

   

 

seit 1995 Private und öffentliche Ankäufe von Objekten sowie Cibachrome Fotos

1997 Prämierung eines Bildes im Rahmen eines Wettbewerbes für Digitale Kunst in Frankfurt am Main
Aufnahme im BBK (Berufsverband Bildender Künstler) München und Obb.

 

         

 

Die Objekte sind gefüllt mit eingefärbtem Paraffinöl, pure, transparente Farbe, die nur durch die äußere Form der gläsernen Behälter umrissen wird. Sie sind durch automatisches Spiel mit Glasformen, flüssigen Farben und sonstigen Grundstoffen entstanden. Während ihrer Entstehung, durch ständiges Eingießen bzw. Einlegen in Glasbehälter auf den Weg gebracht, formt sich ein Begriff in mir, öfter durch die Farbe ausgelöst. In letzter Zeit sind es auch die Fundstücke oder verschiedene Materialien, Grundstoffe, die ich finde, die mich zur Objekt- bzw. Begriffsbildung anregen. Der Titel ist nur Dokumentation meines subjektiven Erlebnisses, das ich versuche, in einem minimalen Begriff zusammenzuschmelzen.

Ständig in Bewegung auf der Suche nach Material, kommt ein Interesse am Zufall hinzu, nämlich als unmittelbarer Anschluß an die Erlebnisquelle. Meine Wahrnehmung ist weitgehend geschärft durch Erlebnisbereitschaft und Assoziationstendenz. In der Haltung, gleichzeitig Jäger und Sammlerin zu sein, entscheide ich mich für die Einstellung: Nichts ist Zufall - alles ist Zu-Fall, d.h. der Zufall besteht aus un-bewußter Auswahl der Dinge, nicht unbedingt nach ihrem Gebrauchswert, sondern nach den von ihren Farben und Formen ausgelösten Stimmungsinhalten.

Die Physis der Grundstoffe macht psychische Energien erlebbar. Die Objekte wirken wie Spielereien, Inszenierungen von Begegnungen und Berührungen eigentümlicher, oft gegensätzlicher Elemente. Dabei spielt das Licht immer eine wesentliche Rolle. Zur Dokumentation und aus Interesse an dem Phänomen Licht im Zusammenhang mit der Materie, nehme ich jedes Objekt mit der Video-8-Kamera auf in Groß- und Detail-Aufnahme, überarbeite die Bilder im Computer und lasse einzelne, ausgesuchte Detailaufnahmen als Cibachrome-Fotos digital entwickeln, in einer Auflage von je 15 Exemplaren pro Bildidee. Im Laufe der Zeit hat sich auch die Realisierung von Video-Cassetten (ebenfalls in 15er-Auflagen) ergeben.

Karin Moritz | Oktober 1998

 

         

 

Abbildungen Karin Moritz ansehen

 

 

KARIN MORITZ

Die Objekte sind gefüllt mit eingefärbtem Paraffinöl, pure, transparente Farbe, die nur durch die äußere Form der gläsernen Behälter umrissen wird. Sie sind durch automatisches Spiel mit Glasformen, flüssigen Farben und sonstigen Grundstoffen entstanden. Während ihrer Entstehung, durch ständiges Eingießen bzw. Einlegen in Glasbehälter auf den Weg gebracht, formt sich ein Begriff in mir, öfter durch die Farbe ausgelöst. In letzter Zeit sind es auch die Fundstücke oder verschiedene Materialien, Grundstoffe, die ich finde, die mich zur Objekt- bzw. Begriffsbildung anregen. Der Titel ist nur Dokumentation meines subjektiven Erlebnisses, das ich versuche, in einem minimalen Begriff zusammenzuschmelzen. 

Ständig in Bewegung auf der Suche nach Material, kommt ein Interesse am Zufall hinzu, nämlich als unmittelbarer Anschluß an die Erlebnisquelle. Meine Wahrnehmung ist weitgehend geschärft durch Erlebnisbereitschaft und Assoziationstendenz. In der Haltung, gleichzeitig Jäger und Sammlerin zu sein, entscheide ich mich für die Einstellung: Nichts ist Zufall - alles ist Zu-Fall, d.h. der Zufall besteht aus un-bewußter Auswahl der Dinge, nicht unbedingt nach ihrem Gebrauchswert, sondern nach den von ihren Farben und Formen ausgelösten Stimmungsinhalten. 

Die Physis der Grundstoffe macht psychische Energien erlebbar. Die Objekte wirken wie Spielereien, Inszenierungen von Begegnungen und Berührungen eigentümlicher, oft gegensätzlicher Elemente. Dabei spielt das Licht immer eine wesentliche Rolle. Zur Dokumentation und aus Interesse an dem Phänomen Licht im Zusammenhang mit der Materie, nehme ich jedes Objekt mit der Video-8-Kamera auf in Groß- und Detail-Aufnahme, überarbeite die Bilder im Computer und lasse einzelne, ausgesuchte Detailaufnahmen als Cibachrome-Fotos digital entwickeln, in einer Auflage von je 15 Exemplaren pro Bildidee. Im Laufe der Zeit hat sich auch die Realisierung von Video-Cassetten (ebenfalls in 15er-Auflagen) ergeben. 

Karin Moritz | Februar 1998



1953 in Köln geboren und aufgewachsen, Besuch eines erzbischöflichen Mädchengymnasiums
1971-76 Amsterdam
1976-90 in Kommune-Bewegung, Angliederung an Friedrichshof-Kommune (Österreich) um den Wiener Aktionisten Otto Mühl
ab 1977 Kunststudium im Institut einer Düsseldorfer Kunst-Kultur-Initiative (Gründungsmitglied)
1982 Besuch der F.I.U. (Freie Internationale Universität) von Joseph Beuys, Düsseldorf
1992 Beginn der Arbeit mit Glas, Paraffinöl und Fundstücken
1995 Beginn der Arbeit mit digitalisierten Video-Standaufnahmen 

seit 1993 Gemeinschaftsausstellungen in Autoren Galerie 1, München, Kunstkreis Karlsfeld (München), Galerie Wiedfang in Regensburg, DigitalArt Gallery in Frankfurt am Main, Kulturwerkstatt Haus 10 in den Stallungen
des Klosters Fürstenfeldbruck, Galerie der Künstler des Berufsverbandes Bildender Künstler München und Obb., Kunstverein Wallisellen (Zürich)

seit 1995 Einzelausstellungen in Autoren Galerie 1, Bürgerhaus Gräfelfing (München), Bayerische Staatsbibliothek, Kunstforum im Klinikum Großhadern (München), Kunstverein Heidenheim

seit 1995 Private und öffentliche Ankäufe von Objekten sowie Cibachrome Fotos

1997 Prämierung eines Bildes im Rahmen eines Wettbewerbes für Digitale Kunst in Frankfurt am Main 
Aufnahme im BBK (Berufsverband Bildender Künstler) München und Obb. 




Auszüge aus

- einer Broschüre zur Einzelausstellung `Durchlässig` in der Autoren Galerie 1, München im Oktober 1995 von Cynthia Close/Boston/USA (ehemals Dekanin der Boston Art School, arbeitet nun als Ethonologin für Documentary Educational Resources, Boston, Massachusetts):

....“Seit dem Hereinbrechen der Technologie, des Kapitalismus in Begleitung der Aufrüstung mit Konsumgütern und den Überresten dieser "Güter" - Berge von Müll - , waren Künstler die ersten und sind weiterhin die kreativsten Recycler der Waren des 20. Jahrhunderts. Einige haben es auf ästhetische Weise getan wie der Amerikaner Joseph Cornell mit seinen differenzierten Installationen von Strandgut sorgsam in kleinen Kisten arrangiert wie die kostbarsten Museumsstücke, bis hin zu den empörendsten Haufen von Müll-Ikonen des 20. Jahrhunderts, dem ausrangierten, Schiffbruch erlittenen Automobil und den in klarem Plastikharz gegossenen Objekten von Arman. Viele Künstler des 20. Jahrhunderts waren "Recycler", wenn man dabei Picassos Skulpturen aus gefundenen Objekten und die ready-mades von Duchamp mit in Betracht zieht.

Die ästhetischste und einnehmendste Entwicklung in der Arbeit von Karin Moritz sind die Skulpturen aus Glas, gefärbtem Paraffinöl und objets trouvés. Sie ist ein Sucher und Speicher von "Dingen", hält ständig Ausschau nach der genau richtigen Form oder nach einer Form in Objekten, die jemand wegwirft. Ihre Werkstatt war immer ein Raum gefüllt mit Licht, Farbe, transparenten und widerspiegelnden Materialien. Sie hat ein Medium entdeckt, das wahrhaft persönlich, einzigartig und sehr poetisch ist. Es ist ein automatisches Spiel, eine automatische Handlung mit Dingen, das Kombinieren von transparenten Glasbehältern mit gefärbtem, flüssigem Paraffinöl und farbigen Gläsern oder anderen Objekten. Sie arbeitet hin auf die Beziehungen zwischen Farben und Licht oder auf symbolische Repräsentation eines Themas, Gedichtes oder einer Literatur. Ein Hauptkennzeichen ihrer Kunst, das immer ihrem Charakter entsprochen hat, ist das Hinterfragen ihrer physischen Umwelt wie ein Seismograph. Diese Ansprechbarkeit macht ihre Arbeit lebendig und hält sie bei der Entwicklung ihrer Ikonographie in Fluss.“...

- aus einer Einführungsrede zur Einzelausstellung `Neue Objekte aus Glas und Paraffinöl` in der Autoren Galerie 1, München im Oktober 1996 von Gudrun Bouchard/Goethe-Institut München:

...“Karin Moritz hat ihren ganz eigenen und unvergleichlichen Stil gefunden. Ihre Objekte wirken wie Inszenierungen von Begegnungen und Berührungen von einer bestimmten Farbe mit einer eigentümlichen Form, mit einem spezifischen Material - und vor allem mit Licht. Aus diesem Zusammentreffen von einander Fremden ergeben sich faszinierende Kreationen von ungeahnter Schönheit und neuer Ausdruckskraft. Bei einigen Objekten spüre ich auch stark ihre Musikalität: Da musiziert die Künstlerin mit Farben und Formen, läßt Farben klingen und deren Ton schweben. .... Karin Moritz experimentiert mit Videoaufnahmen, die sie digitalisiert und dann Ausschnitte auf Cibachrome vergrößert. So sucht sie immer nach neuen Techniken, um das auszudrücken, was in ihr lebt. Denn: „Technik ist das Resultat des Bedürfnisses - neue Bedürfnisse verlangen neue Techniken“ - das ist zwar ein Kommentar von Jackson Pollock, aber er könnte eigentlich auch von Karin Moritz stammen.“ ...
- aus einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (DAH) über eine Gemeinschaftsausstellung im Kunstkreis Karlsfeld/München im Februar 1997:

...“Die Objekte von Karin Moritz thematisieren Spannungen, die aus einem labilen Übergangsstadium von innen nach außen entstehen. Das Labile, Veränderliche, Spielerische der Objekte wird durch das Spiel des einfallenden Lichtes und der optischen Verzerrungen durch Glas und Flüssigkeit verstärkt. „An die Oberfläche“ heißt ein flaschenähnliches Objekt, mit rotem Paraffinöl gefüllt, in dessen Hals eine gläserne Leiter führt, die es den am Flaschenboden gelagerten winzigen Babypüppchen (offenbar Versatzstücke von Weichnachtskrippen) theoretisch ermöglicht, aus dem schützenden Ölsee an die Luft zu krabbeln. Das Objekt reizt zu Interpretationsversuchen: Geburt? Aufsteigendes Leben? Egal - was zählt ist die Tatsache, dass das Objekt Veränderlichkeit darstellt. Dieser Veränderlichkeit trägt Karin Moritz Rechnung, indem sie ihre Objekte mittels Videokamera beobachtet. Aus verschiedenen Winkeln, mit unterschiedlichem Lichteinfall wird die Veränderlichkeit dokumentiert.“...

- aus einer Einführungsrede zur Gemeinschaftsausstellung `Qreuz + Kwer` in der Kulturwerkstatt Haus 10 der Stallungen des Klosters Fürstenfeldbruck/ bei München im Dezember 1997 von Dr. Annemarie Zeiller/Kunsthistorikerin/München:

...“Karin Moritz arbeitet mit Fundstücken, die sie in mit gefärbtem Paraffinöl gefüllte Glasbehälter legt. Mit dem Titel bezeichnet die Künstlerin den intendierten inhaltlichen Bereich. Oft beobachtet sie ihr Objet trouvé längere Zeit, bis sie ihm seine Rolle zuteilt. Der Gestaltungsprozeß wird zum inhaltsbildenden Vorgang, der gleichermaßen intuitiv, emotional und rational ist. 

Die Objekte von Karin Moritz erzählen Geschichten. Jedoch sind dies keine Märchen, wie man sie Kindern assoziativ zu beliebigen Gegenständen erzählt. Hier gehen Material und zugeordnete Realität in der Gestaltung eine Einheit ein. Kalt wird dem Betrachter beim Anblick von "Dornhöschen". Das wässerige Hellblau in den zwei großen runden Glasbehältern gibt keinerlei Energie frei. Der Stacheldraht, mit dem die Glasbehälter umwickelt sind, verbietet positive Deutungen. Unmißverständlich verweist der Titel auf das Thema Sexualität. Die Rundheit der Glasbehälter hat nichts von der Weichheit des Organischen, die starre Abwehr verbleibt im Krampf.

In „Racheengel“ vermittelt die stumpfe Schwärze zusammengeballter Edelstahlputzwolle in hellroter Flüssigkeit Bedrohung. Dramatisch erinnert die schwarze, nicht fest umrissene Form an ein Baby. Die Bibel erzählt von der Tötung der Neugeborenen der Ägypter, die Gott beschloß, weil diese das Volk Israel nicht ziehen ließen. Die Kinder waren keine Beteiligten an ihrem Schicksal. Es wurde über sie verfügt. Gewalt gegen Kinder ist auch bei Aufklärung eines Falls dunkel wie Gottes Ratschluß.

Mit zwölf Reagenzgläsern, die mit unterschiedlich gefärbtem Paraffinöl gefüllt sind, bezieht sich Karin Moritz auf die Ausstellung. Jedem Künstler ordnet sie eine oder mehrere Farben zu und bildet den Rhythmus der Ausstellung nach. Im Labor der Kunst werden von Künstlern und Betrachtern Analysen und Synthesen durchgeführt.“...
- aus einer Einführungsrede der Einzelausstellung `Poesie des Gegenstands´ im Kunstverein Heidenheim/Baden-Württemberg im Januar 1998 von Franklin Pühn, Künstler:

...“Karin Moritz gehört zu jener mittleren Künstlergeneration, die man als die Beuys-Nachfolger bezeichnen könnte, nicht im Sinne eines Epigonentums, sondern in ihrer allgemeinen Werkauffassung. Das Kunstwerk besteht nicht mehr nur aus einem einmaligen schöpferischen u.U. genialischen Kraftakt, inklusive einer Materialisation, also als Bild oder Plastik, sondern aus mehreren in sich verknüpften Gestaltungsebenen von u.U. ganz unterschiedlichen Medien, der Gestaltungsprozess ... entwickelt eine Mehrdimensionalität und kann die Doppeldeutigkeit, die Vielschichtigkeit eines konzeptuellen Themas darstellen. Dem traditionellen Kunstfreund mag diese Gestaltungsweise oft pseudowissenschaftlich erscheinen, wenn er jedoch bedenkt, dass dieses, unser Jahrhundert dank seiner säkularisierten autonomen Kunstauffassung immer an der Erweiterung des Kunstbegriffes gearbeitet hat, muss er diese Gestaltungsweise wenigstens akzeptieren.“...

...“Ebenso wichtig, die dazugehörige farbige Flüssigkeit - dieses seltsame Paraffinöl, das ihr nach mannigfachen Experimenten, die geeignetste erschien. Dieses schwere, aus Braunkohle oder Ölschiefer im Schwelverfahren zu gewinnende Öl, das durch mannigfache Destillation zu einer glasklaren aber trägen Substanz wird, die sich hervorragend transparent einfärben lässt.“ 
...“Je nach Beleuchtung und Standort entstehen die faszinierenden Farb- und Formenspiele. Wobei die Farbe als Bedeutungsträger den Objekten erst ihre Sinnhaltigkeit gibt. So erinnert denn die Moritz´sche Affinität zu Flüssigem an Beuys´ Embryologie, an das evolutionäre Grundprinzip, das Bewegung bedeutet: der Entwicklungsprozess vom flüssigen, dynamischeren zum endgültigen, zum festen Zustand; analog dazu der chemische Weg des Paraffins: vom Öl zum Kerzenmaterial Stearin - und wenn Sie so wollen zum Licht.“...

- aus einem Radio-Beitrag in ´Kulturkritik´ des Bayerischen Rundfunks zur Ausstellung ´Bayernbilder´ im BBK (Berufsverband Bildender Künstler München und Obb.) am 20.5.1998 von Anke Glas:

...“Seilschaften“ nennt Karin Moritz eine Arbeit, bei der fünf Zapfhähne in Gläser mit bierfarbener Flüssigkeit ragen. Sie alle sind mit einem Schlauch verbunden und nähren sich also gegenseitig. Dies ist einer der passableren Beiträge zu der Ausstellung ´Bayernbilder´, weil hier ein adäquates und ganz amüsantes Bild für den bayerischen Amigo-Filz gefunden wurde.“...

 

Ausstellungskritik | Saarbrücker Zeitung | Sabine Graf | 28.11.1998

Ausstellungskritik | Rheinpfalz | Stefan Folz | Nov 1998

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung | 28.11.1998