Galerie Monika Beck
Mathias Beck. Kulturmanagement GmbH
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6. Februar - 3. April 1994

ROLF VIVA | MARTIN BLANKE

 

Faszination fossiler Formen
Objekte und Installationen von Rolf Viva und Martin Blanke in der Galerie Beck

Unzweifelhaft hat die Kohle einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung unserer modernen Industriegesellschaft. Als Kunstobjekt hat sie bisher allerdings nur eine untergeordnete Rolle gespielt und wenn, dann meist in romantisierenden Darstellungen des Bergbaus und dessen sozialen Umfelds. Erst in jüngerer Zeit entdecken Künstler die Kohle als Material ihres Schaffens und entbinden sie damit von der profanen Aura. Namen wie Jannis Kounellis, Richard Long und Ricardo Stein sind hier zu nennen, doch es ist der Saarländer Rolf Viva, der das schwarze Gold" wie kein anderer zum zentralen Mittelpunkt seiner Arbeiten gemacht hat. Der 1949 in Duldweiler geborene Künstler hat sich in den letzten Jahren internationalen Ruf erarbeitet und war mit Ausstellungen u. a. in Paris, Salzburg, Düsseldorf, Frankfurt und Lima vertreten. Im Rahmen einer Wanderausstellung, die durch sieben Städte in Deutschland, Österreich und Frankreich führt, macht eine Auswahl seines Schaffens derzeit in der Homburger Galerie Monika Beck Station.
Auf den ersten Blick wirken die groß flächigen, raumfüllenden Objekte und Installationen ungewohnt, fremdartig, als schienen sie sich vom Betrachter zu distanzieren. Doch schon bald fühlt man sich von ihnen angezogen, man erkennt eine Vertrautheit, die aus archaischer Zeit zu kommen scheint. Erst an diesem Punkt erschließen sich die verschiedenen Aspekte, die durch das Zusammenspiel von Holz, Kohle, Ton, Erde und Farbe entstehen. Zunächst ist wohl die Zeit in ihrer unermesslichen Weite beherrschendes Element der Ausstellung. Wälder, die vor über 250 Millionen Jahren die Erde bedeckten, wurden durch unvorstellbaren Druck zur Kohle. Rolf Viva verbindet diese Kohle nun auf verschiedene Art und Weise mit ihrem Ursprungselement, dem Holz. So wird das junge Material wieder zum Ursprung des fossilen Gesteins und es entsteht ein scheinbar paradoxer Kreislauf der Zeit. Doch sind es keine natürlichen Prozesse, die diesen Effekt hervorrufen: der Wunsch des Menschen, Ordnung im Chaos zu schaffen, bringt Viva immer wieder deutlich zu Tage. Nicht nur, daß die Kohle durch menschliches Tun aus der Erde gefördert wird, bearbeitete Bretter, Schnüre und Möbelstücke geben den Kunstwerken die eigentliche Form und Struktur. Auf die Gefahren, die durch die Anpassung der Natur an menschliche Bedürfnisse entstehen kann, weist eine in der Mitte des Ausstellungsraumes angebrachte Bodeninstallation hin. Eine große Zahl kleiner Pflanzgefäße ist mit Sand und Steinen gefüllt - die Erde wird hier aus ihrer natürlichen Form gerissen und nach vermeintlich ästhetischen Gesichtspunkten neu strukturiert. Das Ergebnis erinnert an eine Wüste: es ist trocken und unfruchtbar.
Die Kohle beinhaltet konzentrierte Energie, die erst durch verschiedene Umwandlungsprozesse wieder in reiner Ausprägung zutage tritt. Mit ihr in Form von Licht und Elektrizität beschäftigt sich die Rauminstallation des 1964 in Bremen geborenen Martin Blanke, die den zweiten Teil der Doppelausstellung in der Galerie Monika Beck bildet. Durch die Verwendung von Technik, Licht und Bewegung verlässt hier Kunst die Eindimensionalität und wandelt das reine Betrachten zum Miterleben um. Hauptelemente des "Zu schnell-zu langsam" betitelten Kunstwerks sind ein Laufschriftprojektor und eine 2000-Watt-starke Halogenlampe. Durch die blendende Helligkeit wird der sich bewegende Schriftzug "zu schnell-zu langsam" in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen, doch ein Warnschild "Vorsicht Hochspannung - Lebensgefahr - Linie beachten - nicht berühren" hält den Betrachter davon ab, dem Geheimnis der Bewegung weiter nachzugehen. Martin Blanke, 1990 mit dem Kunstpreis der Stadt Zweibrücken ausgezeichnet, weist hiermit nicht ohne ironisches Augenzwinkern auf die Verselbständigung der Technik hin, die dem Menschen zwar nützt, der er sich aber nicht mehr ohne Gefahr nähern kann.

Stefan Folz | Die Rheinpfalz | Juni 1998

 

 Rolf Viva 

Objekte Installationen

 

 

 

 Martin Blanke 

Zu schnell zu langsam | Installation

 

 

Ein 2000 Watt Halogenstab hängt an zwei Kabeln in Sichthöhe von der Decke. 
Die Projektion "zu schnell zu langsam" kreist um die Lichtquelle. 
Der Text ist nur bis zur Hälfte seiner Umlaufbahn lesbar und verschwindet dann im gleißenden Licht.