galerie m beck
comebeck ltd .ca | Deutsche Niederlassung
Schwedenhof | Am Roemermuseum | 66424 Homburg/Saar | Germany
galmb@comebeck.com

 

 
 

9. März - 9. April 2008

 

 Lissy Theissen 

Malerei | foyer

 

 

In Bonn geboren

Studium in Bonn und in Frankfurt
Weiterbildung an der Europäischen Kunstakademie Trier
Künstlerische Prägung durch den Vater, den Bildhauer und Maler Jean Küppers. sowie die Bekanntschaft mit Joseph Beuys und Günther Uecker
1992 Gründung der Künstlerinnengruppe “Neuwerdung”
seit 1993 Mitglied der Sociedad Ateneu - Int. Vereinigung zur Förderung von Kunst und Kultur, Cadaques/Spanien
seit 1999 Mitglied im Künstlerkreis Kelkheim (KKK)
2004 Gründung der Künstlergruppe InsightArt

 

in situ

         

         

         

 

Bilder in situ ansehen



Zahlreiche Werke in privaten und öffentlichen Sammlungen

Ausstellungen (Auswahl):
1990 - Düsseldorf
- Frankfurt, Palmengarten
1993 - Frankfurt, Galerie Heussenstamm-Stiftung
- Frankfurt, Ferck PR
1994 - Frankfurt, Dt. Institut für Betriebswirtschaft
- Düsseldorf, Kunst in der Wasserstraße 5
- Cadaques, Sociedad Ateneu “tecnica 94”
- Barcelona, Casa Elizalde: “Arteneum 94”
1995 - Cadaques/Spanien, Galerie Ateneu
- Frankfurt, Praxis Dönges
1996 - Frankfurt, Galerie Heussenstamm-Stiftung
- Amsterdam, Ferck EURO PR
1997 - Frankfurt, Hotel Maingau
- Cadaques, Museu de Cadaques “L art i la dona”
- Bonn/Swisttal, Galerie Kanera
1998 - Bad Orb, NaturClinic
- Hofheim, HBO-Zentrum
- Cadaques, Sociedad Ateneu, “a garcia lorca”
1999 - Kelkheim, Rosenborn-Galerie
- Gemeinschaftspraxis Dr. Thoma / Dr. Götz / Dr. Beulen
2000 - Kelkheim, Rosenborn-Galerie “Feuer und Eis”
- Cadaqués, Sociedad Ateneu “elements”
- Mainz, Tagesklinik Am Brand
2001 - Kelkheim, Rosenborn-Galerie
- Eschborn, Knorr Capital Partner
2002 – Berlin, Galerie Berliner Kunstprojekt
- Kelkheim, Rosenborn-Galerie
- Frankfurt, Galerie Gres
2003 – Berlin, Wall-Tower, Friedrichstr.
- Mannheim, Galerie Dr. Böhner
- Dornbirn(A), Art Bodensee
- Salzburg, Kunstmesse
2004 –Salzburg, Kunstmesse
- Frankfurt, FIZ Biotech
2005 – Straßburg, Palais Josephine
- Kelkheim, Rosenborn-Galerie
2006 – Kelkheim, Rosenborn-Galerie
- Tübingen, Career-Service der Universität
2007 – Kelkheim, Rosenborn-Galerie
2008 – Homburg/Saar, Galerie Beck

Kunstkalender
1993 “Vergiß nicht zu träumen”, Edition interart

 

 

Einführungsrede zur Ausstellung

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie recht herzlich zur Eröffnung unserer März-Ausstellungen.

Ganz herzlich begrüßen möchte ich gleich vorab Frau Doris, die sich als Abgeordnete im Europa-Parlament nicht nur unglaublich verdient gemacht hat um die Staaten Ex-Jugoslawiens und des Balkans, sondern die auch die drei Künstler, die wir unter dem Titel „Together! Paving the way to the European Union“ ausstellen, zusammengeführt hat, und die so freundlich ist, als Schirmherrin dieser Wanderausstellung zur Verfügung zu stehen.

Im vergangenen Monat ist „Together!“ auf Initiative von Frau Doris Pack hin mit großem Erfolg im Europa-Parlament in Brüssel gezeigt worden.
Liebe Doris, dafür noch einmal auch von uns, Susanna und mir, aber sicher auch von den drei Künstlern herzlichen Dank!
Ich denke, Du willst sicherlich selbst etwas über das Zustandekommen dieses Trios und über die für Dich dabei wichtigen Beweggründe sagen.

… Doris Pack …

Ich möchte Ihnen kurz die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler in der Reihenfolge vorstellen, in der Sie, meine Damen ihre Arbeiten beim Durchwandern der Ausstellungen angetroffen haben. Sollten Sie noch nicht gewandert sein, behalten Sie es für sich! Nehmen Sie sich dann vor, nach dem offiziellen Teil tapfer durchzugehen, ja? Ich gebe Ihnen dazu die Aufbauzeiten an die Hand, die diese Athletinnen und Athleten erzielt haben.

Unser Klaus, unser Pressedeutschschreiber und Verfasser unserer Pressemitteilungen , von dem ich Ihnen hier schon öfter erzählt habe, hat mich wieder vorwurfsvoll angeschrieben, warum da jetzt kein Geburtsdatum in meinen Vorgaben für seinen Text steht? Das wüsste ich doch, dass er das braucht. Für den Human touch.
„Da kann man sich doch gar kein Bild von dem Menschen machen, wenn man nur den Arbeiten begegnet! Da weiß man doch gar nicht, ob das nur halbstarkes Rumkraftgemeiere ist einer 16jährigen, oder ob das ein Mensch mit Lebenserfahrung ist, der weiß, was er tut! - Hmmh, eitel, eitel! Lieber Mathias, wenn das so weiter geht, setze ich die regelmäßig auf das Nulldatum im PC: Geburtsjahr 1900!“

Claudia Bäcker-Kirmse, deren bemalte Betonplastik für diese Ausstellung unsere Eingangstür bewacht, lebt in Lüdenscheid und ist 1900 geboren. Ich habe sie nicht nach dem Geburtsjahr gefragt, weil ich vermutete, dass das in Lüdenscheid alle so tun. Dafür baut sie aber flott auf, und wenn ich etwas anderes vorschlage, schleppt sie mit der Hilfe von Ilka, der lieben Freundin von Chris Urbansky, Betonplastiken und Sockel selbst durch die Galerie, während wir Männer bloß glotzen und wichtig aussehen. Gemessene 60 Minuten.
Hallo Ilka, Gruß an Dich, eine echte Bank!

Lissy Theissen, deren starkfarbige, offensive Malerei wir im foyer zeigen, ist in Bonn geboren. Und meine Vermutung, dass das nur die Lüdenscheider tun, Daten nicht anzuführen, die unser Klaus unbedingt braucht, ist geplatzt, weil sie auch 1900 geboren ist.
Was aber nicht stimmt, denn unser Klaus wird selbst grimmig investigativ, wenn man ihn reizt, und er hat beim Nachspüren Lissy Theissens die Information gefunden, dass Sie 1950 geboren ist, für eine Künstlerin, die so kraftvoll und dennoch kalkuliert mit der Farbe umgeht, das perfekte Alter. Dafür baut sie spät auf, aber dafür auch rasend schnell, und ganz alleine mit Ihrem ebenso netten und Lebenslust versprühenden Mann. Geschätzte 45 Minuten.
Herr Dr Theissen, ebenfalls noch einmal herzlich begrüßt.

Tomislav Buntak, geboren 1971 in Zagreb in Kroatien hat bisher im Westen ein paar Beteiligungen an Gruppenausstellungen – und zwar in Wien – aufzuweisen. In Kroatien ist er ein bekannter Künstler, der bisher auch Leiter einer öffentlichen städtischen Galerie und eines Kulturzentrums ist, demnächst aber an die Akademie wechseln wird, nachdem ihm gerade der erste Lehrvertrag angeboten worden ist. Er wurde – ein hoch offizieller Vorgang - vom kroatischen Kultusministerium zur Teilnahme an dieser Ausstellungsreihe „Together!“ ausgewählt.
Er braucht am längsten zum Aufbauen. Vier Bilder in einem halben Tag.

Über den Studenten Henri Dimo aus Albanien werden Sie zB im Internet noch wenig finden, ein paar Einträge im Zusammenhang mit dieser Ausstellung, ein paar Listen über Preise und Prüfungen, die er in seinem laufenden Studium äußerst erfolgreich absolviert hat. Er ist siebzehn Jahre alt, geboren 1990 – und damit eigentlich zu jung für eine Ausstellung in einer Galerie, aber auf der anderen Seite ist er jetzt schon ein viel zu guter Maler, um ihn in der Kinderecke abzustellen. Deshalb auch ist er für diese Ausstellungsreihe einstimmig von allen Kunstprofessoren der Akademie in Tirana bestimmt worden.
Da er noch minderjährig ist, begleitet ihn sein liebenswürdiger Vater Kristo. Er hat nicht aufgebaut, weil die beiden heute erst in Frankfurt gelandet und dann gleich hierhergekommen sind. Echte Null Minuten.
Ciao, Kristo, siami fedeli di aver voi due qui in casa!

Darko Malenica, geboren 1968 in Novi Sad in Serbien war eigentlich der Mittelpunkt dieser Ausstellungsidee, und damit sozusagen gesetzt. Zumal im Moment eine serbische offizielle Unterstützung der Ausstellungsreihe „Together!“ und eines daran beteiligten serbischen Künstlers arg unwahrscheinlich wäre. Darko erzählte, dass er die Teilnahme an der Ausstellungsreihe und vor allem die Ausstellung im Europa-Parlament daheim lieber verschweigt, und zwar auch aus Furcht vor massiven Nachteilen.
Für einige von Ihnen aber ist er nach seinen Ausstellungen hier vor zwei Jahren und der Ausstellung in Luxemburg im vergangenen Jahr ja auch kein Unbekannter mehr.
Dieses Mal hat er seine liebe Frau Marija mitgebracht, von der ich das Geburtsjahr nicht verrate, weil ich das in drei Jahren tun werde, wenn sie selbst hier ausstellen wird, und die ich auch begrüße. Zumal sie ihrem Mann beim Hängen seiner und Henris Bilder äußerst tatkräftig aus dem roten Sessel da zugesehen hat. Ihre Arbeitszeit zwei Stunden.
Marija, you know, you are always very wellcome here together with Darko! – especially now that you exactly know, what it is about the German word “Memme”, when we are describing each other.

Das Geburtsjahr diskret zu unterschlagen, hätte so eine Sache sein können, wie irgendwann nur noch den 29. Geburtstag zu feiern, also eine des Alters und des Alterns. Aber das war es hier dann sicherlich auch nicht, sonst hätte Erich Schmitt ja angegeben, er sei seit längerem 29 Jahre alt, denn er ist mit bald 74 Jahren wohl der Älteste, geboren 1934 in Kaiserslautern, wenn auch in kleiner Runde ein erdiger, aber lustiger Kindskopf, da wird mir Frau Schmitt sicher recht geben, gell?
Dafür baut er aber auch flott auf, wenn ihm Frau Schmitt zur Hand geht. Eineinhalb Stunden in der balcony.
Hallo, Frau Schmitt, wir grüßen Sie!

Chris Urbansky ist ein Weihnachtskind. Das ist ihm wichtig, denn er schreibt nicht bloß das Geburtsjahr 1960 in seine Biographie, sondern auch Monat und Tag, und zwar in Hagen. Was bemerkenswert sein könnte, wenn das etwas mit Lüdenscheid zu tun hätte. Wie der Weihnachtsmann, so scheint auch er zu arbeiten, weil ich nicht mitbekommen habe, wie schnell er war. Er brauchte in der lounge länger als Lissy Theissen, aber weniger als Tomislav.
Dass er darüber hinaus äußerst hilfsbereit ist, habe ich vorhin angemerkt. Dann hilft er nämlich großzügig aus und lässt seine Ilka schleppen.

Wie meistens spricht auch eine Expertin über eine Ausstellung, heute ist es wieder Verena Paul, die ich auch und stets gerne begrüße, und der ich nun gezwungenermaßen und gemäß Absprache das Podium überlasse, damit sie Ihnen und uns etwas über Erich Schmitt und seine Kaleidografien erzählt.

… Verena Paul …

Claudia Bäcker-Kirmse
Im Schaffen von Claudia spielt der Dialog mit der Umwelt und der Kontakt zur unmittelbaren Umgebung in jedweder Form eine zentrale Rolle. "Dialog" heißt daher auch der Titel unserer Ausstellung, die eine kleine Auswahl ihrer Betonarbeiten präsentiert. Von Hand aus Beton modelliert, unter Hinzufügen anderen Materials gefertigt, sollen diese stets auch Charakterspiegelbilder der mit ihnen in Dialog tretenden Betrachter sein. Gleichzeitig sind die Arbeiten Begleiter und Abbilder jenes, wie sie selbst sagt, "kleinen Augenblicks, der den Betrachter zurück führt auf ein Werk, das ihn in irgendeiner Art und Weise anspricht, um es noch näher zu betrachten - oder in seiner Vorstellung irgendwo hinführt". Insofern nehmen ihre Plastiken die Funktion von Wegweisern ein, die über ihren formalen Mittelpunkt hinaus eine offene, auf individuelle Intuition beruhende Richtungsänderung einräumen. "Jeder hat", wie Claudia Bäcker-Kirmse es darlegt, "seine eigene Melodie oder ‚Gedanken‘ – Gedanken kreiseln, bewegen sich in unseren Köpfen, aber einer überwiegt immer, es ist der Gedanke , der uns vordergründig erscheint, … der uns nicht loslässt - bis zur Er-Lösung …". Dieses betonen des formalen Mittelpunktes und die Möglichkeit zu Zierrat und Richtungsänderung sei am Beispiel der kleinen Melody-Arbeit hier vorne an der Couch illustriert.

Lissy Theissen
Ihre Leidenschaft gehört dem kolorierten Licht, ihre künstlerisches Augenmerk dabei dem Transformieren "von Geträumtem, Gespürtem, Gefragtem in Farben und Formen, die immer als Metapher zu sehen sind". Vor diesem Hintergrund begreift sie ihr experimentell beeinflusstes Werk als Mittel, um Eindrücken und Gedanken - sprich: dem Inneren - Gestalt - sprich: ein Äußeres – zu verleihen. "Bei diesem spirituellen Akt", beschreibt Lissy Theissen selbst den damit verbundenen Werkprozess, "hat die Ratio zu schweigen, unser logisch-konvergentes Denken, und muss dem bildhaften, symbolträchtigen archaischen Wissen, das wir alle in uns tragen, weichen." Ihre kraftvollen Arbeiten bezeichnet sie demnach folgerichtig als "Erlebnislandschaften", in denen sich aus einem universellen Kontext heraus erfasste Motive und deren ans Meditative grenzende Übertragung zu "Konjugationen der Sehnsucht" verdichten. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Titeln ihrer Arbeiten zu, die dem Betrachter gleichsam als Schlüssel zu ihrer Malerei dienen: zu einer Malerei, in denen stets auch die Frage gestellt wird, inwieweit Kunst die Gesellschaft prägt – und wie sie den einzelnen Menschen verändern kann.

Chris Urbansky
In seinem Werk bilden "der Raum" und "das Ich" zentrale Pole. Dabei entsteht die Formung einer Persönlichkeit aus der Begrenztheit von Erfahrungen und erlebten Verwirrungen. Wie dauerhaft aber ist dieses "Ich" - und wie dauerhaft soll, darf, kann es überhaupt sein? Diesen Fragen sollen Sie nachher in der Ausstellung "ichvomich" selbst nachgehen. Chris eröffnet dabei hinter Pigmentoberflächen und formalen Ebenen eine zweite, aus der unmittelbaren Wahrnehmung heraus entstehende Wirklichkeit. Auf diese Weise begegnen sich im Farbraum seiner handwerklich bestechend gemalten Arbeiten das "Ich" - oder besser gesagt: "die Ichs" - des Künstlers und Ihre Ichs, die von Betrachtern, erweitern sich Chris Urbanskys Bilder somit zu temporär bezogenen Seelenspiegeln.

„Together! Paving the way to the European Union“, wobei wir im Titel für die Ausstellung hier den politischen Impetus weggelassen haben. Und reicht es privat.

Seit jeher nimmt der Balkan eine Sonderstellung zwischen Ost und West, Nord und Süd ein. Unter diesem Titel "TOGETHER" – auf deutsch: "Zusammen" – begegnen Ihnen nun mit dem Serben Darko Malenica, dem Albaner Henri Dimo und dem Kroaten Tomislav Buntak bei uns drei Maler, die ihre Herkunft eint und zugleich trennt.
Wenige Wochen nachdem diese außergewöhnliche Gemeinschaftsausstellung im Brüsseler Europa-Parlament erstmals gezeigt wurde, eröffnen sich uns hier ungewöhnliche Begegnungen mit unterschiedlichen Positionen der zeitgenössischen, von Aufbruch und Umbruch geprägten Kunst Südosteuropas.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass alle drei Maler – ungeachtet ihrer Herkunft – nicht nur eine persönliche Geschichte haben, die sie in ihren Bildern thematisieren, sondern auch Träger, Formulierer und Bewahrer des kollektiven Gedächtnisses ihrer Völker sind. Insofern offenbart sich hinter jedem ihrer Bilder auch eine politisch-historische Aussage – ein Kunst gewordenes Manifest.
So wirken die großformatigen Bilder von Tomislav Buntak wie idyllische Sittengemälde der Renaissance, auf denen Menschen – in einer seltsamen Friedfertigkeit befangen – gleichsam im Raum aufgestellt erscheinen. Nähert man sich jedoch diesen Bildern, bemerkt man, dass jene Menschen von Toten umringt sind, von Gefolterten und Massakrierten. Seine Titelgebung, das Beschwören von Heiligen und Glaubensdingen, soll eigentlich den Anklang an die Renaissance verstärken, während es gleichzeitig in die Irre führen könnte. Tomislav ist ein intellektueller Maler. So einer darf das.

Hell und Dunkel, Licht und Schattenwelt prägen auch die Arbeiten Henri Dimos. Henri malt Geschichten von Monstern, die die Welt zerstören, aber auch Bilder, die von der Leichtigkeit des Malens handeln.
Viel lässt sich über seine Arbeit noch nicht sagen, vieles noch geprägt vom Ausprobieren von Positionen, Themen, Stellungnahme dazu. Ganz altersgemäß. Was sich aber sagen lässt, ist, das Henri Dimo ein ganz großer werden kann.

Darko Malenica kennen Sie, wie gesagt schon, und er ist – bezogen auf sein Alter und auf Serbien – schon ein Großer. Seine metaphysisch bestimmten Traumwelten behandeln die "serbische Dramatik" in Form prägnanter, in altmeisterlicher Lasurtechnik gefertigter Gemälde. Bewusst an die großen Utopien der Moderne erinnernd, erzählen Malenicas Bilder einerseits von wundersam anmutenden Reisen durch die menschliche Seele - um andererseits als "philosophische Momentaufnahmen" konkrete Fragen nach dem Wesenszustand Europas zu stellen.

Vereint und doch nicht eins, von einem Leitgedanken inspiriert und doch höchst individuell, drückt sich in den Bildwelten Darko Malenicas, Henri Dimos und Tomislav Buntaks somit das innere Wesen des Balkans aus.

Ich darf mich einmal selbst zitieren, weil ich mich in unserer Pressemitteilung von unserem Klaus zitiert finde, allerdings war mein Originalsatz ganz und gar gedämpft und pessimistisch gestimmt. Ich finde aber die Auffassung von unserem Klaus viel besser als meine frühere, und zitiere aus unserer Pressemitteilung zur Ausstellung „Together!“ ein Zitat, das keines ist.

"Allen drei Künstlern gleich", so Ausstellungskurator Mathias Beck, "ist ihr Drang nach Veränderung nicht zuletzt der politisch-historischen Situation. Und dabei müssen wir sie unterstützen".

Diese fünf Ausstellungen inhaltlich zusammenhaltend taugt, denke ich, das von uns vorgestellte Metathema:
Strategien der Bewältigung von Kraft und / oder von Ohnmacht | zB Sehen als Macht, ähnlich der Heisenberg'schen Unschärferelation.
Ich möchte Ihnen jetzt Gelegenheit geben, auch diesen jetzt nur angezeigten Aspekt im Begehen der Ausstellungsräume und Betrachten der Kunstwerke in Augenschein zu nehmen.

Den ewig 29jährigen empfehle ich dazu dringend Stärkung, zB mit einem Glas Wein, gell, Frau Schmitt!

Mathias Beck

 

Über Lissy Theissen

Ich spreche gerne über Frankfurter Künstler und Kunst in Frankfurt, habe ich doch als Kunsthistorikerin durch meine langjährige Arbeit in der Frankfurter Kultur- und Kunstszene tiefen Einblick in das, was in und um Frankfurt läuft.

Was habe ich gemeint, als ich Lissy Theissen als Frankfurter Künstlerin bezeichnete, obwohl sie doch in Friedrichsdorf im Taunus wohnt und im Spessart arbeitet?

Ursprünglich stammt sie aus Bonn, wurde dort geboren und ist in der damaligen Bundeshauptstadt aufgewachsen, ging dort zur Schule, studierte dort Germanistik, Biologie und katholische Theologie. 1987 folgte sie ihrem Mann nach Frankfurt.

Die Neigung zur Kunst wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. Als Kind des Bildhauers und Kunstmalers Jean Küppers wurde ihr Interesse für die Kunst früh geweckt. Regelmäßige Gespräche über Kunst im gesamten Verwandtenkreis (der Onkel war Mitinhaber eines bekannten Bonner Auktionshauses) taten ein Übriges.

Mit zeitgenössischer Kunst begann sie sich intensiv in ihrer Mönchengladbacher Zeit (1980 bis 1987) auseinander zu setzen. Im 1982 eröffneten Museum Abteiberg fand eine ständige Konfrontation mit zeitgenössischen Kunstströmungen statt. Die persönliche Bekanntschaft mit Künstlern wie Günther Uecker und Joseph Beuys förderte die Beschäftigung mit aktuellen künstlerischen Tendenzen und Fragestellungen zusätzlich.

1985 lernte Lissy Theissen die Designerin Ulrike Löchler kennen. Diese Begegnung sollte weitreichende Folgen haben. Es entwickelte sich nicht nur eine enge Freundschaft zwischen den beiden Künstlerinnen, sondern Ulrike Löchler eröffnete Lissy Theissen auch den Zugang zur Malerei auf den unterschiedlichsten Grundstoffen. Bald darauf setzte Lissy Theissen ihre ersten Ideen um und entwickelte ihren eigenen Stil.

Über die autodidaktische Weiterbildung erfolgte eine intensive Auseinandersetzung mit psychologischen, religiösen und naturwissenschaftlichen Themen, die Ende der 80er Jahre ihre Umsetzung auf Leinwand stattfinden ließ.

Der Lebenslauf der Künstlerin belegt, daß sie neben ihrer Lehrtätigkeit ständig darum bemüht ist, sich künstlerisch weiterzubilden. Ausbildungen bei dem spanischen Künstler Gustavo Carbo Berthold oder an der Europäischen Kunstakademie in Trier zeigen dies nachdrücklich.

1992 gründete Lissy Theissen zusammen mit Ulrike Löchler und Birgit Schraven die Gruppe „Neuwerdung“, die unter anderem die Hinwendung zum Inneren, als die Quelle der Kraft- und Mutschöpfung, zum zentralen Anliegen von Kunsterfahrung erklärt hat. Den Künstlerinnen ist es ein Anliegen, der modernen Kunst neue Impulse zu geben. Sie wollen, wie Raimon Ruhleder es so schön gesagt hat, die zeitgenössische Kunst aus „dem Tunnel heraus holen“ und die Kunst wieder verstärkt dem „seelischen Erleben des Betrachters öffnen“. Die letzten Worte stammen von Lissy Theissen.

Mit ihren Werken, in denen Farbe ihren Platz hat, wollen die drei Künstlerinnen zugleich den Aufbruch in eine neue Zeit, die von geistigen Inhalten geprägt ist, verdeutlichen. Gerade am Ende des 20. Jahrhunderts, wo allenthalben von Sinnkrise, von Orientierungslosigkeit und geistiger Leere die Rede ist, muß auch die Kunst, so die Auffassung der Künstlerinnen, ihren Beitrag zur Wertfindung leisten.

1993 wurde Lissy Theissen in die internationale Künstlergemeinschaft Ateneu de Cadaqués in Spanien aufgenommen, wo sie auf viele ähnlich gesinnte Künstler traf. Regelmäßig nimmt sie an den vielfältigen Aktivitäten der Sociedad Ateneu teil. Seit 1999 ist Lissy Theissen auch Mitglied im Künstlerkreis Kelkheim im Taunus, der durch zahlreiche spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam machte.

Wie schon angeklungen, ist Lissy Theissen ständig bestrebt, ihre künstlerische Entwicklung voran zu treiben. Ein Rückblick auf ihr Werk, das inzwischen über 300 Bilder und Installationen umfaßt, zeigt, daß sie sich fortwährend mit neuen inhaltlichen Fragestellungen auf unterschiedliche Weise künstlerisch auseinander gesetzt hat. Das hat dazu geführt, daß sie inzwischen ein beachtliches Œuvre aufzuweisen hat.

Die zahlreichen Möglichkeiten, in den letzten Jahren in Einzelausstellungen auf ihre Arbeit aufmerksam machen zu dürfen, und die vielen Einladungen zu Gruppenausstellungen im In- und Ausland sind Beweis für ein großes öffentliches Interesse an ihrer Kunst. Viele ihrer Arbeiten befinden sich inzwischen in Privatbesitz oder in öffentlichen Sammlungen. Die ihr damit erwiesene Zustimmung bedeutet für Ansporn zum Weitermachen.

Mit diesen Informationen zur Person der Künstlerin Lissy Theissen möchte ich es bewenden lassen und nun noch versuchen, mich mit einigen Worten dem Werk der Künstlerin anzunähern.

Lissy Theissen entwickelt zunächst eine inhaltliche Idee bzw. Fragestellung, die dann bildnerisch durch Material und Farbe umgesetzt wird. Die Auseinandersetzung mit inhaltlichen Fragestellungen ist entweder literarisch fundiert oder basiert auf einem subjektiven Erlebnis.

Aus den materiellen und methodischen Möglichkeiten, die bereit liegen, wählt sie spontan und intuitiv aus. Die Frage nach der Technik ist dabei zweitrangig. Jedes Mittel scheint ihr recht, solange es der Notwendigkeit gehorcht, das Innere anschaulich zu erläutern.

Sie bezeichnet ihre Bilder selbst als „Erlebnislandschaften“. Es sind Transformationen „von Geträumtem, Gespürtem, Gefragtem in Farben und Formen, die immer als Metapher zu sehen sind“... „Bei diesem spirituellen Akt hat die Ratio zu schweigen, unser logisch-konvergentes Denken, und muß dem bildhaften, symbolträchtigen archaischen Wissen, das wir alle in uns tragen, weichen.“

Der Titel eines jeden Bildes ist dabei der Schlüssel zum Einstieg für den Betrachter. Er wird eingeladen, sich der Hektik des Alltags zu entziehen, sich in fast meditativer Versenkung auf Farben und Formen einzulassen.

Die sehr lebendige Farbigkeit ihrer Bilder vermag auf die positiven Kräfte und Erfahrungen in einem selbst zu lenken. Die seelischen Erlebnislandschaften müssen daher für Lissy Theissen kraftvolle, farbige und dynamische Bildkompositionen sein.

Der Nachvollzug eines Gedankens, eines Gefühls, einer Erfahrung oder eines Erlebnisses über Form und Farbe kennzeichnet für sie eine besondere Form der Kommunikation, die „vielleicht viel direkter abläuft, wenn sie in der Lage ist, in das Innere vorzudringen, und der Seele in uns Raum zu gewähren.“

Unschwer sind die verschiedenen Phasen im Werk der Künstlerin auszumachen. Und dies entspricht auch ganz ihrem Naturell. Sie experimentiert gerne, will immer neue Wege beschreiten. Das gilt gleichermaßen für die Themenauswahl wie für die verwendete Technik.

Waren die älteren Bilder sehr farbig angelegt, so dominierten in den letzten Jahren die Farbe Grau und erdfarbene Töne. In den jüngsten Arbeiten der Serie „Florida-Impressionen“ bricht die Farbigkeit – getreu den erlebten Impressionen – wieder durch. Handelte es sich bei den älteren Arbeiten vor allem um Gemälde, so wird in jüngerer Zeit der Collage der Vorzug gegeben, Beispiele dafür sind die Bilder „Helios-Perspektive“ und „Sonnenbarke“.

Diese Collagen sind in der Regel sehr reduziert, sehr streng angelegt. Die Anregung zu den Themen, die verarbeitet werden, und zu den Farben, bekam die Künstlerin vielfach bei ihren Reisen oder durch literarische Erlebnisse.

Daneben finden Sie aber auch stets Exemplare verschiedener Bildserien. So hat sich Lissy Theissen mit der Bedeutung der indianischen Chakren und der dort dem jeweiligen Chakra zugeordneten Farbe sowie mit den germanischen Runen und ihrer Bedeutung auseinandergesetzt.

Trotz der verschiedenen eingesetzten Techniken, die die Freude der Künstlerin zum Experimentieren zum Ausdruck bringen, bleibt für sie aber der Inhalt ihrer Bilder immer das Wichtigste, dies ist das Prägende ihrer Arbeiten. Und der Inhalt läßt sich leicht über die Titelunterschriften der Bilder erschließen.

Dr. Evelyn Brockhoff, November 2000

 

 

Dr. Hans-Jörg Clement, Berlin
Leiter Kultur der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Rede zur Vernissage der Ausstellung von Lissy Theissen, „Lebensräume“, im „Wall-Tower“, Berlin, 21.03.2003



Ich bedanke mich sehr herzlich für die Einladung, die heutige Ausstellung mit Arbeiten von Lissy Theissen zu eröffnen. Ich bin dieser Einladung sehr gerne nachgekommen, weil ich glaube, dass sich in diesem Zusammenspiel von Kunst und Wirtschaft im Hause Wall das verbindet, was die Stadt braucht: Ein klares Bekenntnis zur gesellschaftspolitischen Funktion von künstlerischer Arbeit und die Dokumentation, dass Engagement für Kunst bürgergesellschaftliches Engagement ist. Anerkennung ist also der Künstlerin zu zollen und dem Hausherrn.

Wenn ich Ausstellungen in meiner Funktion als Leiter der Kultur der Konrad-Adenauer-Stiftung kuratiere, vermeide ich es in den Eröffnungen zumeist, zu viele inhaltliche Hinweise auf das Oeuvre des Künstlers zu geben und konzentriere mich auf die erarbeitete Ausstellungskonzeption. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass das Kunstwerk vor allem für sich sprechen muss und dass sich das Reden über das Kunstwerk eigentlich verbietet: Der Künstler wählt seine persönliche Ausdrucksform, die eben nicht die Sprache ist - wäre es anders, würde er uns von dem, was er ausdrücken will erzählen.

Gleichwohl ist es hilfreich, einen Leitfaden auszuwerfen, zumal die Annäherung an Kunst durchaus auch das Verständnis eines bestimmten Vokabulars, einer ganz speziellen Sprache - nämlich der künstlerischen - voraussetzt. Heute kann ich mich der Ausstellung, die von Lissy Theissen selbst zusammengestellt wurde, ganz unbefangen nähern - und das empfinde ich als sehr komfortabel.

Zwei Dinge möchte ich heraus heben:

Der Blick auf die Arbeiten von Lissy Theissen offenbart eine besondere Leidenschaft für Farbe, vielleicht sogar mehr noch für Licht oder: die Farben des Lichts oder: das Licht der Farben - es müssen nicht unbedingt und immer leuchtende und helle Spektren sein, auch Erd- und Grautöne dominieren mitunter in den Serien. Welche Paletten auch gewählt werden: die Künstlerin glaubt an die ästhetische Dimension von Farbe als Transportmittel inhaltlicher Themen. Während die Wahl technischer oder formaler Mittel variiert, bleibt es bei diesem Grundvertrauen in die Farbe; vor dem Hintergrund des allerorts vermerkten Comebacks von Malerei scheint mir dies nicht zufällig. Zweifellos ist es auch die Farbe, die einen besonders unmittelbaren Zugang zu einem künstlerischen Werk erlaubt. Da es erklärtes Ziel von Lissy Theissen ist, das emotionale Erleben oder die Seele - Frau Theissen ist studierte Theologin – des Menschen/die Seele des Betrachters anzusprechen, bedient sie sich diesem Mittel ganz selbstverständlich. Farbe und Licht schließlich werden ergänzt durch ein gleichsam akustisches Moment: den Klang; eine Trias mit kosmischer Potenz.

Die theologische Ausbildung und der genauere Blick auf die Biographie führen mich zum zweiten Punkt - und daher möchte ich ganz kurz auf ein paar biographische Stationen und Eckpunkte summarisch verweisen:

-1950 in Bonn geboren als Kind eines Malers und Bildhauers
- Studium der Germanistik, Biologie und der katholischen Theologie
- Aufenthalte und Leben in Bonn, Viersen, Mönchengladbach
- Seit 1974 verheiratet, Mutter zweier Kinder
- Seit 1987 in Frankfurt
- Frühe Prägung durch den Vater und den Onkel (Mitinhaber eines Auktionshauses)
- Intensive theoretische Befassung mit zeitgenössischer Kunst, Künstlerbekanntschaften
- Seit 1985 dann erste Umsetzung eigener Ideen
- Autodidaktische Weiterbildung mit religiösen, psychologischen und naturwissenschaftlichen Schwerpunkten in Trier, aber auch in Spanien
- Gründung einer Künstlerinnengruppe
- Mitgliedschaft in der spanischen Sociedad Ateneu und einem Künstlerkreis in Kelkheim/Taunus
- Nationale und internationale Ausstellungen und Kooperationen

Lissy Theissen stammt also aus einem Künstlerhaus - ihr Vater ist der Bildhauer und Maler Jean Küppers - und auch ihre autodidaktische künstlerische Entwicklung ist von der Begegnung mit Künstlern wie Joseph Beuys und Günther Uecker geprägt. Die Frage, welche Funktion Kunst in der Gesellschaft ausüben kann, spielt ganz offenbar eine maßgebliche Rolle. Für mich scheint Lissy Theissen einen Künstlertypus zu vertreten, der einerseits der gängigen Vorstellung von einem Künstler entspricht, andererseits aber - schaut man auf die junge zeitgenössische Kunst – beinahe antiquiert (zumindest anachronistisch) scheint; schaut man aber noch einmal - und analytischer -, mag dieses Selbstverständnis vielleicht gerade das tatsächlich moderne und der gegenwärtigen Lage einzig angemessene Selbstverständnis zu sein.

Es geht hier um einen Künstlertypus, der sich einem Ideal verbunden, sich vielleicht sogar einer Vision verpflichtet fühlt, dessen Arbeit in jedem Falle an ein spezifisches Werteverständnis geknüpft ist. Im Zentrum steht eine humane Disposition und die ganz spezifische sinnstiftende Funktion von Kunst für die Gesellschaft - die Ästhetik beugt sich dieser Priorität und rückt unterstützend in den Hintergrund. Tatsächlich ist die Avantgarde des 20 Jahrhunderts von dieser Herangehensweise geprägt und knüpft ihrerseits an das Selbstverständnis der Romantik und des Idealismus an. Cha-rakterisiert ist dieser Ansatz von der Vorstellung, Kunst und Realität, Kunst und "un-ser" Leben miteinander zu verknüpfen, zumindest miteinander in Verbindung zu set-zen.

Lissy Theissen - dies ist ganz deutlich - fühlt sich dem verbunden und die spirituelle Potenz der hier gezeigten Bilder belegt dies. Was wir hier am heutigen Abend und in den kommenden Wochen sehen, ist ein dezidierter Gegenentwurf - und wiederum scheint es mir kein Zufall, dass das von mir skizzierte künstlerische Selbstverständ-nis eines ist, das sich immer dann besonders augenscheinlich dokumentierte, wenn die Menschen dachten, sie befänden sich in einer Endzeit oder einer Zeit der drama-tischen Umbrüche. So weit möchte ich heute sicher nicht gehen, aber zweifellos be-drückt uns alle die aktuelle gesellschaftspolitische und weltpolitische Situation und insofern ist der Schwerpunkt der heutigen Ausstellung unter dem Titel "carpe diem" nicht nur ein appellativer und tröstlicher, sondern ein in der Tat avantgardistischer.

Die Besinnung auf geistige Werte - und diese will uns Lissy Theissen vermitteln - ist ein Spezifikum der Romantik - und damit paradoxerweise ein zutiefst modernes - ein Gedanke der Not tut. Es war Novalis, der gesagt hat: "Wo keine Götter sind, walten Gespenster". Lissy Theissen will die Gespenster vertreiben - und das sollten wir alle als sehr wohltuend empfinden. In diesem Sinne beansprucht die Dynamik aus Licht und Farbe in den Bildern von Lissy Theissen beinahe etwas sakrales oder die Kraft einer modernen Ikone, die das schaffen, was im Titel der Ausstellung beschrieben ist: Lebensräume.

Genießen Sie also die Ausstellung und lassen sich von der Farbwelt der Künstlerin im eigentlichen Sinne des Wortes inspirieren - vom Widerspruch aus der Leichtigkeit des Spielerischen und der Ernsthaftigkeit der geistigen Durchdringung. Wassily Kan-dinsky - und wieder haben wir die Avantgarde - hat in seiner Entscheidung für die abstrakte Malerei gesagt: "Der reine Klang tritt in den Vordergrund. Die Seele kommt zu einer gegenstandslosen Vibration, die komplizierter, ,übersinnlicher' ist." Ich wün-sche Ihnen, dass Sie diese Klänge heute hören und spüren - und der Ausstellung in diesem Sinne beste Resonanz.

 

 

Lissy Theissen

Lissy Theissens Werk wird von der fortwährenden Auseinandersetzung mit inhaltlichen Fragestellun-gen und ihrer Umsetzung in Kunstwerke bestimmt. Diese Auseinandersetzung ist entweder literarisch fundiert und erfährt einen reflektierten Umgang oder basiert auf subjektiven Erlebnissen.

Es hat sich gezeigt, daß bei Lissy Theissen, ausgehend von einer Idee, die Farb- und Materialwahl für die bildnerische Umsetzung erfolgt. Aus den materiellen und methodischen Möglichkeiten, die bereit-liegen, wählt sie spontan und intuitiv aus. Die Frage der Technik bleibt dabei zweitrangig; jedes Mittel ist recht, so lange es der Notwendigkeit gehorcht, das Innere anschaulich zu erläutern.

Lissy Theissen selbst spricht von „Erlebnislandschaften“, die sich in ihren Bildern widerspiegeln; als eine Transformation von „Geträumtem, Gespürtem, Gefragtem, in Farben und Formen, die immer als Metaphern zu sehen sind“.

Der Titel des Bildes ist dabei der Schlüssel zum ersten Einstieg für den Betrachter. Er ist aufgefordert, sich der Hektik des Alltags zu entziehen, sich in fast meditativer Versenkung auf Farben und Formen einzulassen.

Die lebendige Farbigkeit vermag auf die positiven Kräfte und Erfahrungen in einem selbst zu lenken. Die seelischen Erlebnislandschaften müssen daher für Lissy Theissen kraftvolle, farbige und dynami-sche Bildkompositionen sein.

Der Nachvollzug eines Gedanken, eines Gefühls, einer Erfahrung oder eines Erlebnisses über Form und Farbe kennzeichnet für Lissy Theissen eine besondere Form der Kommunikation; - eine, die viel-leicht direkter abläuft, wenn sie in der Lage ist, in das Innere vorzudringen und, so Theissen: „der See-le in uns Raum zu gewähren“. Das ist eine spezifische Erfahrungsqualität, die dann der Betrachter mitnimmt.

Exemplarisch zu zwei Werkgruppen:

1. „Konjugation der Sehnsucht“

Diese Bilder beruhen auf sehr individuellen Erfahrungen und Erlebnissen, sie basieren auf Eindrücken während eines Aufenthaltes in der Provence. Die in violett-lila bis hin zu zarten Pastelltönen vorherr-schende Farbigkeit wurde geprägt durch den ergreifenden Ausblick auf weite Lavendelfelder. In den Bildern erfolgt die materielle Umsetzung eines seelisch-geistigen Zustandes durch unterschiedliche Materialien, die einen Freiraum für Assoziationen zulassen. Um nur ein Beispiel zu nennen: „Konjuga-tion der Sehnsucht 2“ zeigt die Einarbeitung von Leder in das Bild. Leder, im ursprünglichen Sinne als Haut zu sehen, verweist im metaphorischen Sinne auf Sehnsucht, die unter die Haut gehen kann.

2. „Das Glück umschreiben“

Diese Arbeiten zeigen eine sehr lebhafte, fröhliche Farbgebung in Gelb, Orange und Rot. Die sommer-liche, ins herbstliche übergehende Stimmung ist ebenfalls auf Reiseerlebnisse, hier im Grand Canyon, zurückzuführen. Die hier verwandten Farben sind für Lissy Theissen ein Synonym für Glück. In „Das Glück umschreiben 1“ wird Kommunikation als die Basis menschlichen Glücks dargestellt. Daher wer-den die Farben ergänzt durch Metaphern für Kommunikation: Feder, Briefumschlag und Blindenschrift.

Gora Jain

 

 

Abbildungen Lissy Theissen ansehen

 

 

Gedichte von Lissy Theissen

"Sehnsucht der Felsen" (Nr. 96)

Du Mensch,
unendlich winzig
und leicht.
Du Flötenton,
der schnell verhallt.

Du Fels,
unermesslich groß und mächtig.
Unendlichkeit flüsternd
berauschst du mich
mit deinem Gebet
aus indianischem Mund:

Ich bin ein Teil
von dir.
Teil der Unendlichkeit
Sehnsucht nach Ewigkeit:
Ich werde zum Fels,
der den Himmel berührt.

© Lissy Theissen 1992


Woniya wakan" (Nr. 99)*)

Großer Geist,
Atem alles verbindend,
kosmische Neuwerdung,
ich spüre sie in mir.
Aus dem Geist neu geboren,
aus blauen Wassern,
finstere Nächte hinter mir lassend.
Ich lebe wieder!
Glutroter Sonne gleich.
Geburt,
Neuwerdung,
umarmt von Wärme und Licht.
Es grünt in mir
langsam begreifend
mein neues
Ich.

© Lissy Theissen 1992


*) "Woniya wakan" - die heilige Luft, die alles mit ihrem Atem erneuert. Geist, Leben, Atem, Neuwerdung, all dies wird von diesem Dakota-Wort umfaßt.


"Ein neuer Tag" (100)

Tag und Nacht:
Ewiger Rhythmus,
Dunkel und Licht,
spiralige Ordnung.

Heute
stehst du wieder
am Himmel,
gehört dir
die Weite des Lichts.
Worte und Wärme,
Licht und Leben
ausgegossen
nur für
dich.

Erlösung
vollzieht sich
öfters,
besonders
am
Ende.

© Lissy Theissen 1992


"Liebe 1" (Nr. 265)

Berührt sie
dich im Herzen,
so blühst
du auf.
Spürst in dir
Wurzeln, Stamm
und Krone
wachsen.
Erfährst deine
neuen Blätter
im Streicheln der Sonne.

Du rückst näher
Zueinander:
Eure Seelen
berühren sich,
eure Körper
schweben zeitlos
im Raum.

Glück
durchströmt dich.
Du wächst
über dich
hinaus.
Du hast
einen Tempel
betreten
und du
wirst
heil.

© Lissy Theissen 2001


„Kreis des Wissens“ (Nr. 106)

Wer hat die Macht?
Wer das Wissen?
Professor der Macht,
halt inne und bedenke:
Auch du warst einmal
ein Embryo,
ein Säugling,
ein Schulkind,
ein Abiturient,
ein Examinierter.

Wer hatte soviel
Ehrfurcht vor dem Leben,
dass er dich wachsen ließ?

Du solltest wissen:
Den Kreis des Wissens,
den Kreis der Macht,
den Kreis des Wissens
über die Urmacht
zieht ein anderer!

Im Bewusstsein
der Seele
ist dies
fest verankert.

© Lissy Theissen 1992


"Türhüter des Wissens" (Nr. 107)


Türhüter versperren
dir den Weg
zu Weisheit und Wahrheit.

Strahlen machtvoll
in mediengerechter Form
irritierend
vor dir auf.

Du musst sie
erkennen und überwinden,
willst du
zu letztem Wissen gelangen.
Antworten erhalten
auf das Woher und Wohin
deines Seins.

Missachte
die lärmenden,
unverschämt arroganten
Türhüter!
Verschaffe dir
Zugang
zu deinem Herrn.

Er erwartet dich längst.

© Lissy Theissen 1992


„Seelenlandschaft:
Glut, Wüste und Oase“ (Nr. 65)

Zärtliche Glut.
Schöpferische Glut.
Verzehrende Glut.
Du trägst diese
Glut in dir.
Heiliges Feuer,
dir anvertraut.

Alltägliche Wüste.
Einsame Wüste.
Verdürstende Wüste.
Du trägst diese
Wüste in dir.

Wenn du
nicht mehr
weiter weißt,
steigt ein Engel
vom Himmel.
Zeigt dir den Weg
zur Oase in dir.

Tröstende Oase.
Erquickende Oase.
Lachende Oase.
Du wirst wieder
hell und lebendig.
Du trägst
den Schlüssel
zu dieser Oase
in dir.

Heiliges Feuer,
unendliche Wüste,
erquickende Oase:
Dreigestirn.
Mitgift aus der
Heimat der Seele.

© Lissy Theissen 1992


„Language of your heart“ (Nr. 299 – 301)

Sie wird gedacht,
sie wird erfahren.
Wenn jemand Mut hat,
wenn die Zeit reif ist,
spricht man sie aus.

Ihre Wirkung ist
ungeheuerlich:
Sie trifft ins
Schwarze.
Sie verbindet
über Weiten hinweg.
Sie sprengt alle Grenzen.

Im zitternden
Nebelraum
der Angst,
der Verzweiflung,
spinnt sie Stroh zu Gold.

Sie ist
eine Himmelsleiter.
Und doch so
nötig wie
das tägliche Brot.

© Lissy Theissen 2001


„Florida-Feeling – Tanz mit der Welle“ (Nr. 273)

Eins mit
dem Sein
mit Welle
und Woge
und Wasser
wenn Lebendigsein
dich überwächst
wenn Sonne
in der Haut singt
wenn dein Herzschlag
ein Liebesgedicht schreibt
tanzt du
mit nackten Füßen
den Blues des Lebens.

© Lissy Theissen 2001

Chakra „Emotionale Liebe“ (Nr. 113)

Berührt sie
dich im Herzen
so blühst
du auf
spürst in dir
Wurzeln, Stamm
und Krone
wachsen
erfährst deine
neuen Blätter
im Streicheln der Sonne.

Du rückst näher
zueinander
eure Seelen
berühren sich
eure Körper
schweben zeitlos
im Raum.

Glück
durchströmt dich
du wächst
über dich
hinaus
du hast
einen Tempel
betreten
und du
wirst
heil.

© Lissy Theissen 1993


„Zwei Welten“ (Nr. 294)

Sichtbare Welt
stark und mächtig
eine kraftvolle Burg
glühend vor Rot
vor Jetzt und Hier
und scheinbarer Ewigkeit.

Nur ein
stummer Schrei
nach Erlösung
läßt dich
ab und an
aufhorchen
und hintasten
nach dem
was größer ist
als diese Welt.
Dann hält ein
Hauch von Ewigkeit
Einzug
in deine
harrende Seele –
hinter dem
schwarzen Schleier
dämmert dir Erkenntnis:
die andere Welt,
die Welt des Unsichtbaren
ist plötzlich
zum Greifen nah.

Du atmest sie
spürst sie
lebst von ihr
schon lange.
Denn nicht
vom Champagner
des Lauten
wirst du satt,
nur von
der Welt
des Eigentlichen,
du Hungerkünstler.

© Lissy Theissen 2001



"Auf der Suche nach sich selbst" (Nr. 62)

Es gibt Fragen
die der rasende Tor
sich nicht stellt.
Billiglösungen in Bildung verpackt
sind sein Schild.
Ausverkauf der tiefen Gefühle-
aus Zeitmangel
versteht sich.
Die Geschäfte müssen laufen.
Über den täglich vorgesetzten Trog
mußt du mitreden können.
Mythisches Wissen ist Zeitverschwendung
für uns Fassadenbewohner.

Was sagst du?
Du hast keine Lust
länger Lamm unter Lämmern zu sein?
Du gehst in medias res ?
Du meditierst?
Du nimmst dir Zeit
für dich ?
Du suchst
nach
deinen
Wurzeln
und deiner
Verheißung?

Heiliges Feuer
bricht aus dir
glutrote Sonne
und Lava.
Geist
durchflutet dich
Wassern gleich
kehrst du
zum Wasser zurück
zum Anfang.
In deiner Vision
begreifst du
dein
Woher und Wohin.

© Lissy Theissen 1993


„Lichtblicke wie in Sonne und Meer“ (Nr. 275, 279, 280, 292, 297, 298, 362 – 366)

Augenblicke
voller Begreifen
Partner auf Zeit,
auf Ewigkeit?
Augenblicke
voller Antworten
auf bedrängende Fragen
Augenblicke
voller Licht
und Wasser,
ausgegossen
nur für dich.

© Lissy Theissen 2001


„Stark wie das Meer“ (Nr. 226, 248, 293, 295)

Weitab von Begreifen
nur Fühlen und Sein -
leidenschaftlich und unbändig
sanft und liebkosend
umspielst mir die Füße,
reißt sie aus,
schwemmst sie weg
und lehrst mich zu fliegen.

© Lissy Theissen 2001


„Geheimschrift des Lebens“ (Nr. 281 – 283)

Du Wunder des Lebens
in tausendfacher Schönheit
rings um uns her!

Ameisenheere krabbeln
Zukunft versprechend,
hellsichtig wie Maulwürfe
um dein Geheimnis
zu entziffern.

Analphabeten
der unendlichen Liebe
im Kosmos
begreifen das Wunder nie;
taumeln blind und begierig
um das goldene Kalb.

Die Geheimschrift des Lebens,
den Schutz des Lebens
begreift nur
das Kind, das staunt,
das Kind in uns.
Du aber begreife
deinen Auftrag hier -
die Genialität des Seins
und den, der sie schuf.

© Lissy Theissen 2001

„Raum für Wunder“ (Nr. 161, 271, 278)

Mitten in der Nacht
summt die Erde
vor Glück
winkt der Himmel
dir zu
und die Wüste wird
blumiges Land.
Stroh spinnt sich
zu Seide
und du begreifst den Sinn.

Schau dich um:
Dieser Raum steht
neben dir,
geh hinein
und horche
ein Weilchen!
© Lissy Theißen 2001

„Geflügelte Träume“ (Nr. 244)

Blaue Träume
fest ausgespannt
in die Weiten
des Weltalls
prallvoll
fast durchsichtig
vor Glück
geerdet
mit dem Duft
des Himmels
unter deiner –
meiner
Flagge.

© Lissy Theissen 2000


„Sonnenbarke“ (Nr. 243)

FEUER UND EIS
Lebenserhalter
Lebenszerstörer
In Mythen besungen,
Ihr Sonnengötter.

Uralte Menschheitsfragen
auf Eis gelegt.
Wie arm sind wir,
wenn wir nicht fragen
nach dem letzten Warum,
Woher und Wohin!

Du, großer Geist,
laß unsere Seele
einst tanzen
auf der SONNENBARKE zu DIR!

© Lissy Theissen 2000


„Traumpfade 7: Helios-Perspektive“ (Nr. 242)

Den Überblick haben
den wirklichen
mal so richtig –
wer hätte ihn nicht gerne?
So wie ein Sonnengott!

Alles ist da
gehört zusammen –
schau dich um
schau in dich
schau dahinter!

© Lissy Theissen 2000

„Wenn Rot unter der Haut singt“ (Nr. 289 – 291)

Wenn du
vor Begeisterung fieberst
spürst
dass du lebst
mitten in der Sonne stehst
verwandelt sich
das Salz auf der Haut
zu Wein
und du möchtest
die Uhren
anhalten.
Schwebe und tanze
denn Glück
hat seine eigenen Uhren.

© Lissy Theissen 2001

„Der Kuss der Morgenröte“ (Nr. 266 – 268)

Du Morgenröte gehst auf
breitest dich aus
erfüllst den Himmel
und mich.

Ich atme
deine Süße
und lecke
meine Träume:
du Kuss
des Weltalls
für mein
zitterndes Gras.
© Lissy Theißen 2001


„Berührung“ (Nr. 269)

Wo immer
du stehst
du kommst
nicht ohne
Berührung aus,
als Säugling
als Kind
als Großer.
Deine Haut
deine Augen
dein Herz
du lebst vom DU.

© Lissy Theissen 2001


„Der Zug nach Süden“

Die Nadel
schlägt aus
unaufhaltsam
gen Süden.
Du packst
den Koffer
mit Träumen
bleischwer -
und hoffst
auf Verwandlung
in dir.

© Lissy Theissen 2001


„Denkmal: Nur eine Rose als Stütze“ (Nr. 276)

Wenn nichts
dich mehr trägt
keine Erkenntnis
kein Wissen
kein Reichtum
wenn die Welt
unter deinen Fingern
auseinander zu brechen scheint
durch deinen Schmerz
du aber
eine Hand hast
die deine hält
eine Liebe
die dich über den Abgrund trägt
wird diese Rose
zur Stütze
zur ganzen Welt.

© Lissy Theissen 2001


„Die Sprache der Rosen“ (Nr. 241)

Beglückt
verzückt
verrückt
nach der Rose
die dir
in die Augen schaute
hältst du andächtig
stille vor Glück
und läßt dich verzaubern.

© Lissy Theissen 2000


„Traumpfade 5: Nur dein Weg“ (Nr. 203)

Ausgestattet
nur mit dem
Kompass der Sehnsucht
unterwegs nach dem
was deinen Hunger
endgültig stillt,
unterwegs
auf deinem Weg
nur für dich
begreifst du allmählich:

Gehen mußt
du ihn selbst
den Weg der Träume
unter dem Schnee -
Songlines
nur für dich.

© Lissy Theissen 1997


„Träume - zu groß für diese Welt“ (Nr. 277)

Des Pudels
Kern
begreifst du
nur
in deinen
Träumen.
Es ist
ein
Himmelsgeschenk.

© Lissy Theissen 2001


„Florida Feeling: Gesang der Wale“ (Nr. 274)

Zielsicher
betörend
hörbar
nur für Liebende
ertönt das Echo der Liebe
weltweit
läßt deine Seele
mit neuem Grün ersprießen
und färbt
die Sonnen der Welten
rot.

© Lissy Theissen 2001


„Carpe diem“ (Nr. 249 – 256, 353 – 360)

Begreife den Tag
mit den Träumen
deiner Seele
füttere ihn mit
deiner Hände Fleiß
und dann schwimm
hinauf
zu den Sternen.

© Lissy Theissen 2000


„Carpe Diem:
Sonnenuntergang im Meer“ (Nr. 253)

Tieftaucher
dir offenbart sich
die faszinierende Unterwasserwelt
der Meerestiefe –
für Menschen der Oberfläche
zeitlebens verborgen.
Wer die Liebe
nicht wagt
schwimmt oben
eingeklemmt
zwischen Kneipe und Tele
Job und Money
plätschert nur in der
Mitte der Farben
Kaulquappe
im Tümpel des Lebens.
Menschsein heißt
Wagen:
Sonne und Dunkel
Liebe und Tiefe
Freude und Trauer.
Edelsteine
liegen nicht
auf der Straße
und du begreifst:
der Ozean trägt
der Himmel sieht dich...
Du vertraust
du glaubst
du liebst
und alles ist dir geschenkt.

© Lissy Theissen 2000


„Carpe Diem – oder Hommage an das Leben“ (Nr. 254)

Mangrovenbäume
wachsen
aus dem Wasser
zum Himmel
tragen
in ihren Zweigen
Tausende von
Sonnenaufgängen
Sonnenuntergängen
Liebe und Leid
der Menschentage
fließen zusammen
im Fluß des Lebens.

Wer hätte gelebt
und nicht
die Liebe erfahren
irgendwo, irgendwann,
immer wieder...
Nektar des Lebens
gesaugt aus
den Blättern der Tage
aus den
Lippen des Leisen
aus dem
Zauber dieser Welt.
Für Kopffüßler
problemlos.

© Lissy Theissen 2000


„Sandbankerfahrungen“ (Nr. 234)

Du sitzt am Rand des Meeres
besänftigst die Tage vergangener Hektik
mit den Blüten der Stille.
Bist selbst ein Sandkorn, ein Stein
ein Teil der Unendlichkeit.
Was du in Jahren nicht erkannt
lernst du jetzt ganz schnell.
Intensivkurs des Himmels.
Anmeldung überflüssig.

© Lissy Theissen 2000


„Der Gesang der großen Weite“ (Nr. 236)

Alle Taten von gestern
sind geschehen.
Was heute zählt
ist nur die Energie
des Augenblicks.
Stimm ein in den
Gesang der großen Weite
den Gesang
den auch deine Seele
unter freiem Himmel singt.
Mag sie krächzen
sei geduldig
mit ihr
gib ihr die Nahrung
die dein Engel dir bringt.
Wenn sie später
ergreifend schön singt
horche!

© Lissy Theissen 2000


„Kunstformen der Natur:
Tetra Coralla“ (Nr. 233)

Wissenschaft sucht Ordnung
das Leben bietet die Vielfalt.
Halte dich nicht für einfältig
wenn du die Ordnung des Himmels
noch nicht verstehst.

© Lissy Theissen 2000

„Konjugation der Sehnsucht 2-5“ (Nr. 145 – 149)

Ich sehne mich,
du sehnst dich,
er sie es
sehnt sich

wir sehnen uns
ihr sehnt euch
sie sehnen sich
nach wirklichem Glück.

© Lissy Theissen 1995

Diese Bilder beruhen auf Eindrücken einer Reise in die Provence. Die in violett-lila bis hin zu zarten Pastelltönen vorherrschende Farbigkeit wurde geprägt durch den ergreifenden Ausblick auf weite Lavendelfelder. Sehnsucht ist hierbei „das Aufbrechen von alt gewordenen Verkrustungen. Im Sehnen sind wir ganz jung, ganz verletzlich, zugleich ganz heil und immer ein wenig wehmütig - glücklich“ (Knud Eike Buchmann in: „Ich schenk´ Dir eine Insel“). “Konjugation der Sehnsucht 5“ spricht die letztliche Unerfüllbarkeit menschlichen Sehnens an, was durch die auseinanderstrebenden Dreiecke verdeutlicht wird. Die erkennbare „8“ ist kabbalistisch gesehen die Zahl der ewigen Ordnung, ein Zustand also, der zu unserem Erleben dazugehört wie Brot und Wasser. (Lissy Theissen 1997)


„Poesie der Düfte“ (Nr. 85)

Natur verströmt Düfte
gehst du hinaus
wirst du leicht
bist Teil des Frühlings
Teil des Sommers
Teil der Nacht...
Schwebst dich frei
in dieser Welt
der Macht
der Schwere
du läßt sie
hinter dir,
Vogel des Himmels,
verströmst dich
im Tau des Morgens.
Ikarus,
bleibst du
in deiner Mitte
fliegst du gut
und gewinnst den Himmel
und die Erde.

© Lissy Theissen 1995


„Traumbegegnung“ (Nr. 296)

Zu groß
für eine Leinwand
zu klein
um vor Materialisten
zu bestehen
lebst du jenseits dessen:
auf dem Feld des Wahren
der Seele.

© Lissy Theissen 2001

„X-Information“ (Nr. 237)

Als ich vor Jahren
im Internet
nach einem Selbstportrait
für mich suchte
fand ich nur dies:
„X-Information“ und
„Engel mit schweren Füßen“.
Zunächst enttäuscht
begriff ich dann
daß mir die Zeit gehört
weil ein Gott mich erschuf.

© Lissy Theissen 2000


„Liebe 2“ (Nr. 265)

Wer sie nicht
erfahren hat
kennt nicht
die Schwere des Weins-
die Umarmung der Sonne
und die Schmerzen der Kelter.
Wer beides nicht erfuhr
hat nicht gelebt.

© Lissy Theissen 2002


„Auch du bist ein Klang“ (Nr. 344 – 348, 361)

Du bist unterwegs,
Läufer zwischen zwei Welten,
Wüstenbezwinger,
Städteroberer,
Paradiessucher.
Kennst keine Wunder,
zahlst lieber mit Karte.
Findest keinen Weg
zu dir,
aber in die Welt.
Bist Medienfreund,
aber selten Gast
im eigenen Haus.
Abgesehen von:
Titel, Hausnummer,
Passnummer, e-mail-Adresse etc.:
Wer bist du?

Schau nicht in den Spiegel!
Hör auf das Echo
deiner Tageslieder!
Lässt es aufhorchen?
Ist sie beliebt,
die Melodie deines Herzens?
Oder machst du
viel Lärm
um nichts –
außer dir selbst?

Du glaubst noch immer
nicht an Wunder?
Nicht mehr?
Man hört´s.
Die Melodie deiner Sohlen
hast du in den Sand gesetzt.
Wo ist dein Klang?
Deine Zeitgenossen
haben ein Anrecht
auf die Musik
deines Herzens!
Gib sie frei!

Du zahlst mit Verwundbarkeit,
doch beim Gesang
der Morgenröte
triffst du mindestens
einen Engel mit Harfe.
Dein Echo war gut.

© Lissy Theissen 2002

 

 

Opening Reception am 8.3.2008

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

    

 

Bilder der Opening Reception am 8.3.2008 ansehen | Fotos Nikola Dimitrov

Weitere Bilder der Opening Reception am 8.3.2008 ansehen | Fotos Nikola Dimitrov

Weitere Bilder der Opening Reception am 8.3.2008 ansehen | Fotos Nikola Dimitrov

Weitere Bilder der Opening Reception am 8.3.2008 ansehen

Bilder der Webcam von der Opening Reception am 8.3.2008 ansehen

 

Ausstellungsaufbau am 8.3.2008

         

 

Bilder vom Ausstellungsaufbau am 8.3.2008 ansehen

Bilder der Webcam vom Ausstellungsaufbau am 6., 7., 8.3.2008 ansehen

 

Ausstellungsaufbauabendessen am 7.3.2008

         

         

 

Bilder vom Ausstellungsaufbauabendessen am 7.3.2008 ansehen

Weitere Bilder vom Ausstellungsaufbauabendessen am 7.3.2008 ansehen | Fotos Nikola Dimitrov

Weitere Bilder vom Ausstellungsaufbauabendessen am 7.3.2008 ansehen | Fotos Nikola Dimitrov

Weitere Bilder vom Ausstellungsaufbauabendessen am 7.3.2008 ansehen | Fotos Nikola Dimitrov

 

Ausstellungsaufbau am 7.3.2008

         

         

         

         

         

         

         

         

 

Bilder vom Ausstellungsaufbau am 7.3.2008 ansehen

 

Information für die Medien


Lissy Theissen – "Malerei"
9. März bis 9. April 2008, galerie m beck, Homburg-Schwarzenacker


Lissy Theissens Leidenschaft gehört dem kolorierten Licht, ihre künstlerisches Augenmerk dabei dem Transformieren "von Geträumtem, Gespürtem, Gefragtem in Farben und Formen, die immer als Metapher zu sehen sind". Vor diesem Hintergrund begreift die 1950 in Bonn geborene, heute im Taunus und dem Spessart lebende Malerin ihr experimentell beeinflusstes Werk als Mittel, um Eindrücken und Gedanken - sprich: dem Inneren - Gestalt - sprich: ein Äußeres – zu verleihen. "Bei diesem spirituellen Akt", beschreibt Theissen selbst den damit verbundenen Werkprozess, "hat die Ratio zu schweigen, unser logisch-konvergentes Denken, und muss dem bildhaften, symbolträchtigen archaischen Wissen, das wir alle in uns tragen, weichen." Ihre kraftvollen Arbeiten bezeichnet sie demnach folgerichtig als "Erlebnislandschaften", in denen sich aus einem universellen Kontext heraus erfasste Motive und deren ans Meditative grenzende Übertragung zu "Konjugationen der Sehnsucht" verdichten. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Titeln ihrer Arbeiten zu, die dem Betrachter gleichsam als Schlüssel zu ihrer Malerei dienen: zu einer Malerei, in denen Lissy Theisssen stets auch die Frage stellt, inwieweit Kunst die Gesellschaft prägt – und wie sie den einzelnen Menschen verändern kann. Nicht ohne Grund betont sie die ihren Werken zugrunde liegende Intention, "der Seele in uns Raum zu gewähren".

Die Ausstellung "Lissy Theissen | Malerei" ist vom 9. März bis 9. April 2008 in der galerie m beck, Historischer Schwedenhof (am Römermuseum), Homburg-Schwarzenacker, jeweils mittwochs bis freitags von 16 bis 20 Uhr, sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (0 68 48) 7 21 52 sowie im Internet unter www.galerie-monika-beck.de.

 

..\04\content\Portal Kunstgeschichte.htm

 

 

Öffnungszeiten und andere Informationen zur Ausstellung