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14. Oktober - 7. November 2007
Kiddy
Citny
L'heure bleue


Musiker und bildender Künstler Autodidakt, wurde 1957
in Stuttgart geboren, ist in Bremen aufgewachsen, 1977 nach Westberlin
gezogen, hat in Amsterdam und London (1979), in Zürich (1980), Bern
(1989/90), Los Angeles (1993/94) gelebt und bis 2000 auch ein Atelier in
München genutzt. Standpunkt des Wahl-Berliners: „Mein Schwerpunkt liegt
immer da, wo ich gerade bin."
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Einführungsrede
L'heure bleue, die Stunde der Morgen- und
Abenddämmerung.
Caspar David Friedrich oder auch Phillipp Otto Runge formten aus der
blauen Stunde einen sakrosankten Moment.
Die damaligen Künstler verbalisierten in ihren Werken eine
außeralltägliche Wirklichkeit und erhoben sich somit über die Schar der
Kunstliebhaber.
Romantische Genieästhetik lies keine Kommunikation zwischen Künstlern
und Rezipienten zu.
Die entrückte Kreativität der Künstler war vom Solipsismus verfärbt.
Einer Theorie, die zur Annahme hat, nur das eigene Ich sei wirklich und
alle anderen Individuen lediglich Bewusstseinsinhalte ohne eigene
Existenz.
In unserer heutigen Zeit liegt die Leistung eines Künstlers gerade in
seiner kommunikativen Kreativität um Uns, den Betrachtern, etwas
mitteilen zu können.
Denn nur durch den Eindruck des Betrachters wird der angestrebte
Ausdruck des Künstlers vollständig.
Kommunikation versteht sich allgemein als Einheit aus Form (dem Symbol)
und Inhalt (der Bedeutung) und stellt für Uns den Wirklichkeitsbezug zu
einem Kunstwerk her.
Will der Künstler mit seiner Kunst unterhalten, muss er mit vertrauten
Verschlüsselungen jonglieren.
Anstelle der entrückten erwarten Wir Heute also alltägliche
Befindlichkeiten von den Künstlern, die jeder Mensch zu entschlüsseln
vermag und die auf einen breiten Konsens stoßen.
?Kunst als höchste Form der Kommunikation hat den Auftrag eine möglichst
breite Masse zu erreichen. Der 1957 geborene Wahlberliner Kiddy Citny
realisiert diesen seinen Leitsatz als Musiker und bildender Künstler.
Internationale Bekanntheit erlangte er - zusammen mit Thierry Noir -
unter anderem durch bemalen eines 100 Meter langen Frieses der Berliner
Mauer 1985.
Kiddy Citny thematisiert alltägliche Gelüste und Wünsche, Gefühle und
Hoffnungen, durch für Uns einfach zu entschlüsselnde Metaphern.
So wird zum Beispiel Liebe und Gemeinsamkeit als eine den Erdball
umarmende, nackte Frau dargestellt die auch für Frieden und Freiheit
steht, während Sensibilität und Zärtlichkeit durch zwei sich berührende
Herzgesichter symbolisiert wird.
Die für ihn typische Körper- und Formensprache steigert Kiddy Citny noch
durch das einfügen einzelner Wörter oder Sätze in die Bildebenen.
Diese winden sich um die stets in seinem Oeuvre präsenten, stilisierten
Menschen und Köpfe als wären es deren Empfindungen, deren Gedanken,
darauf aus bei den Betrachtern ein Wohlbefinden hervor zu rufen.
Während die Piktogramme durch vereinfachte grafische Darstellung der
Informationen eine sprechende Motivik erzeugen, erreichen die Epigramme
zusätzlich durch Wörter eine optische Verbalisierung seiner Bilder.
Beide Ausdrucksformen erreichen jene Einheit von Kommunikation, die
zuvor mit Form und Inhalt beschrieben wurde.
Sie erfüllen die Intention des Künstlers die Welt zu verbessern oder
zumindest zu einer Verbesserung anzuregen.
Aus dem Quell des wirklichen, alltäglichen Lebens strömen Kiddy Citnys
Verlangen nach Liebe und optimistische Hoffnungen auf die Leinwand.
Das Resultat ist die blaue Stunde - Lheure bleue.
Wenn Tag und Nacht, Sonne und Mond, wenn Realität und Traum, Sehnsüchte
und Gelüste sich gegenseitig umarmen.
Ich bin von den Galeristen gebeten worden, darauf hinzuweisen, dass Sie
an dieser Stelle bitte nicht beginnen sollen, Ihre "Sehnsüchte und
Gelüste" sofort auszuleben.
Schließlich ist das hier fast wie Öffentlichkeit.
Aber Sie dürfen gerne dazwischen heimlich Ihre Liebsten kurz drücken,
oder auch den Künstler umarmen, solange er sich nicht wehrt. Nur die
Frau des Galeristen ist sakrosankt, sagt der Mann der Galeristin.
Marc Bonner

Liebe und Gemeinsamkeit, Frieden und Freiheit,
Sensibilität und Zärtlichkeit, Wille und Verantwortung… Kiddy Citny
kommuniziert komplexe Themen mit einfachen Metaphern: „Herzgesichter",
„Welt im Arm", „Königskinder"… Seine Bildwelt ist parabelhaft wie die
Welt des „Kleinen Prinzen". Wenn Antoine de Saint-Exupéry in seine
Bücher hineingezeichnet hat, so schreibt Kiddy Citny in seine Bilder:
„You lucky star", „feel fine", „imagine & set", „response@responsibility",
„2night", „dream / reality", „courage", „p@ssion", „firewire", „JPEG", „set
colours pure and free", „move on up", „EQ – IQ", „What time is love?", „einz
sein", „lust – last – liebe", „L'amour toujours", „qui baisse qui"…
Hieroglyphenartige Pikto- und Epigrammzeilen mäandern um Körper und
Köpfe. Der Bildduktus von sprechendem Hauptmotiv und kommentierender
Kulisse entspricht dem ganzheitlichen Ansatz seiner Botschaften. Der
Bogen zwischen sprechender Motivik und anschaulicher Verbalisierung ist
das Spannende in seinen Bildern.
Peter Fabian


Abbildungen Kiddy Citny ansehen

Opening Reception und Fete am 13.10.2007




























































Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007
| Fotos HP Mürz
Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007
| Fotos M Schmieger
Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007
| Fotos G Ralle
Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007
| Fotos N Dimitrov 01
Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007
| Fotos N Dimitrov 02
Bilder der
Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos N Dimitrov 03
Bilder der
Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos N Dimitrov 04
Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007
| Fotos N Dimitrov 05
Bilder der
Webcam von Opening Reception und Fete am 13.10.2007
Aufbau und Aufbauabendessen am 11. u 12.10.2007

























Bilder vom Aufbau
am 11. u 12.10.2007
Bilder vom Aufbau
am 12.10.2007 | Fotos Nikola Dimitrov
Bilder
vom Aufbauabendessen am 12.10.2007 | Fotos Nikola Dimitrov
Bilder der
Webcam vom Aufbau am 11. u 12.10.2007
"Die Vielfalt des Unprogrammatischen"
Eine Parallelausstellung mit Werken von Kiddy Citny, Christian H.
Cordes, Maria Best und Dieter Kränzlein
14. Oktober bis 7. November 2007, galerie m beck, Homburg-Schwarzenacker
Im Oktober 1967 – vor 40 Jahren – wurden Galerie und Edition Monika
Beck in Zweibrücken gegründet. Auch wenn sich der Name der Galerie auf
ein Initial-M verkürzt hat, war dieses Jubiläum Anlass für die sozusagen
miteinander verheirateten galerie m beck und die edition s beck (Susanna
als Fortführung auch der notwendigen weiblichen Handschrift) ein
Programm aufzulegen, das zu unterschiedlichsten Begegnungen mit
aktuellen künstlerischen Positionen einlädt, ohne sich dabei allzu sehr
in den Vorlieben der Betreiber zu verlieren, sondern übergeordnete
Themen zu verfolgen. Den Schwerpunkt des Jubiläumsmonats bildet eine
Quart mit Arbeiten von Kiddy Citny, Christian H. Cordes, Maria Best und
Dieter Kränzlein.
"Mein Schwerpunkt liegt immer da, wo ich gerade bin.", so lautet das
Credo von Kiddy Citny. 1957 in Stuttgart geboren, wurde der Maler, der
unter anderem in Holland und Großbritannien, der Schweiz und den USA
gelebt hat, vor allem mit seinen Bildern auf der Berliner Mauer
weltberühmt: So steht beispielsweise ein Fragment des zuvor zwei Welten
trennenden, durch Citny zum Kunstwerk transformierten Betonwalls vor dem
UNO-Gebäude in New York. Unter dem Titel "L’heure bleue" – zu deutsch:
"Die blaue Stunde" – stellt der vielseitige Künstler in Schwarzenacker
ausgewählte Arbeiten vor, in denen er mit Hilfe seiner "emotionale
Piktogramme" komplexe Themen in bildliche Metaphern zwischen Tag und
Nacht, Träumen und Wachen, Werden und Vergehen überträgt.
"Was mache ich als Künstler? Wofür ist es gut und was bewirkt es?" sind
hingegen die Fragen, die sich der 1967 in Bremen geborene Christian
Cordes stellt. Die Antworten auf diese Elementarbetrachtungen gibt er
nun entlang seiner in der galerie m beck gezeigten "Ausstellung über
mich". In ihr interpretiert er dieses "Ich" abseits gewohnter
Begrifflichkeiten als zur Kunst erhobene Mischung aus Materiellem und
Transzendenz, personifizierter "Leitkultur" und einem in ständigem
Wandel begriffenen "Über-Menschen". Zugleich verdichtet der heute in
Berlin lebende Cordes, der an der Hochschule der Bildenden Künste Saar
bei Jochen Gerz, Andreas Brandolini und Ulrike Rosenbach studierte, in
diesen Werken seine Sicht des Universums als metaphysischen Prozess. "Je
nach Aufbau, im Atelier oder in einer Ausstellung verändert sich die
Ausage", beschreibt er selbst die Wirkungskraft seiner Arbeiten und
erklärt deren inneres Prinzip wie folgt: "Einmal zeigt es mir, woran ich
arbeite oder wie die Konsequenzen dieses Tuns sind. Ein anderes Mal
kommentiert es andere künstlerische Positionen und hinterfragt diese".
Und manchmal, so Christian Cordes, "lässt es Betrachter innehalten und
sich Gedanken über das eigene Dasein machen".
"Als wüsste ich wie man leben muss", lautet dagegen der Titel von Maria
Bests Ausstellungssequenz. In ihr greift sie ein Zitat aus Anton
Tschechows 1901 entstandenem Meisterwerk "Drei Schwestern" auf, um es -
zumindest scheinbar - aus dem ursprünglichen literarischen Kontext zu
lösen und mit Hilfe ihrer Malerei und Fotoübermalungen in die
unmittelbare Gegenwart weiterzuführen. Während sich in Tschechows
Theaterstück die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga, die der Beruf
des Vaters in die Provinz verschlagen hat, zurück in das von ihnen
idealisierte Moskau sehnen - die einzige Stadt, die ihre Lebenswünsche
vermeintlich zu erfüllen vermag - geht Maria Best der Frage nach, was
"Sehnsucht" heute bedeutet. Dabei kommt die 1964 in Koblenz geborene
Künstlerin zu dem Schluss, dass die Glückssuche anhält, da Sehnsucht
ihrer Ansicht nach einen großen Teil des Lebens ausmacht. "Möglichkeiten
gibt es viele und die Wahl fällt oft schwer, ischließt doch jede Wahl
eine andere - vielleicht genauso reizvolle - aus." Auch Maria Bests
Arbeit als Künstlerin entspringt einer solchen Sehnsucht - einer, wie
sie selbst sagt, "Sehnsucht, Dinge zu erzeugen, die es noch nicht gibt,
gespeist von der Faszination durch die Werke anderer - und die Welt. Und
gelegentlich gibt es Momente, in denen ich zu wissen glaube, wie ich
leben und arbeiten muss, zumindest solange, bis die Sicherheit des einen
Gedankens von der Noch-Unsicherheit des nächsten abgelöst wird."
Das Kunst-Werk als - vorläufigen - Schlusspunkt eines mentalen Prozesses
wiederum prägt das Oeuvre des Steinbildhauers Dieter Kränzlein. In ihm
lässt er hinter dem Formalen weitere Bildebenen spürbar werden, die das
Kantige seiner zu Stein gewordenen Visionen einerseits nicht verleugnen,
um andererseits nach Vollendung über die äußere Form hinaus zu streben.
Muschelkalk als Werkstoff und Ausdrucksmittel, als Kontrapart und
Seelenspiegel: Bei Kränzlein ist der Weg das Ziel, laden seine
Skulpturen folglich stets auch zu einer Spurensuche entlang der dahinter
stehenden Geisteswelten ein. Ganz unabhängig von allen Deutungs- und
Erklärungsmöglichkeiten, die man hierbei verfolgen kann, um sich der
Bildhauerei des 1962 in Stuttgart geborenen Schülers von Franz Dàkay zu
nähern: Gewiss ist, dass es in der europäischen Kunst keine Bildhauerei
gibt, die der seinen gleicht.
Die Ausstellungssequenzen "Kiddy Citny | L’heure bleue", "Christian H.
Cordes | Ausstellung über mich", "Maria Best | Als wüsste ich wie man
leben muss" und "Dieter Kränzlein | Die Unzugehörigkeit des Kunstwerks"
sind vom 14. Oktober bis einschließlich 7. November 2007 in der galerie
m beck, Historischer Schwedenhof (am Römermuseum),
Homburg-Schwarzenacker, jeweils mittwochs bis freitags von 16 bis 20
Uhr, sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr sowie jederzeit nach
vorheriger Vereinbarung zu sehen. Geschlossen bleibt die Ausstellung am
1. November. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter
Telefon (0 68 48) 7 21 52 sowie im Internet unter
www.galerie-monika-beck.de.

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Öffnungszeiten und andere Informationen zur Ausstellung
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