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14. Oktober - 7. November 2007

 

 Maria Best 

Als wüsste ich, wie man leben muss | Malerei und Fotoübermalungen

 

 

    

 

*1964 Koblenz
Studium der Architektur, Bildhauerei, Kunstgeschichte
und Kulturwissenschaften in Berlin

Ausstellungen - Auswahl
2001 Galerie L'appartement, Strasbourg
2002 Hotel Berlinische Galerie, Installation “dufluid”, Berlin
2003 Kunstverein Schloss Bodenburg "Wie ein Fisch im Wasser", [K]
“Changing Channels” - London Biennale Pollination, Berlin
kunstherbst berlin 03, Künstlerateliers
2003 - 04 „Durchzug“, Sony-Center Berlin, Installation „zukunst-pause“
2004 Galerie artonivo, Brügge, Belgien, „emotional experience”
Galerie Martin Kudlek, Köln, „Heimweg“, Künstlerpostkarten [K]
2005 Galerie M, Berlin, „Die Anderen Ichs“ [E]
Galerie Brötzinger Art, Pforzheim, „ineinembild“[E]
2006 Galerie Brötzinger Art, Pforzheim, „Kunst zieht an“
2007 Galerie Mathias Beck, Homburg, „Als wüsste ich wie man leben muss“ [E]

[K]=Katalog, [E]=Einzelausstellung

 

in situ

              

         

              

         

         

         

         

         

 

Bilder in situ ansehen

 

Förderung durch das Land Berlin in den Jahren 1995, 1996, 1998.
Arbeiten befinden sich im Besitz der Senatsverwaltung von Berlin, und in privaten Sammlungen, u.a. in Berlin, Frankfurt/Main, Heilbronn, Koblenz, Köln, Leipzig, München, Wuppertal und in Montpellier [F].
Öffentliche Aufträge realisiert in Heilbronn, Aberdeen (Schottland) und in Berlin.

Veröffentlichungen
Ausstellungsbesprechungen u.a. in der Berliner Zeitung bzw. dem Tagesspiegel der Projekte
„Hotel Berlinische Galerie“ und „London Biennale Pollination“
Katalog zur Ausstellung “Wie ein Fisch im Wasser”,
Kunstverein Schloss Bodenburg 2003
Katalog zu der Ausstellung “Heimweg”, cultural affairs 2004

 

                   

         

 

Abbildungen Maria Best Stühle ansehen

 

„Als ich heute morgen aufwachte und dann aufstand und mich wusch, da hatte ich plötzlich ein Gefühl, als wäre für mich auf dieser Welt alles klar, als wüsste ich, wie man leben muss.“
(aus: Anton Tschechow, Drei Schwestern, 1901)

2002 entwickelte ich mit der Schauspielerin Christine Zarft ein Ausstellungskonzept, das meine Arbeiten mit von ihr eingesprochenen literarischen Texten zusammenführte. Daraus entstammt auch das obige Zitat, Titelgeber dieser Ausstellung in der Galerie Mathias Beck.
In dem Theaterstück von Tschechow sehnen sich die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga, die der Beruf des Vaters in die Provinz verschlagen hat, zurück in das von ihnen idealisierte Moskau - die einzige Stadt, die ihre Lebenswünsche vermeintlich zu erfüllen vermag.
Und heute?
Die Glückssuche hält an, denn Sehnsucht macht einen großen Teil des Lebens aus.
Möglichkeiten gibt es viele und die Wahl fällt oft schwer, schließt doch jede Wahl eine andere - vielleicht genauso reizvolle - aus. Mit diesem Gedanken spielt zum Beispiel die Serie „ideas about my chair“.

Auch meine Arbeit als Künstlerin entspringt einer Sehnsucht - einer Sehnsucht Dinge zu erzeugen, die es noch nicht gibt, gespeist von der Faszination durch die Werke anderer - und die Welt.
Und gelegentlich gibt es Momente, in denen ich zu wissen glaube, wie ich leben und arbeiten muss, zumindest solange, bis die Sicherheit des einen Gedankens von der Noch-Unsicherheit des nächsten abgelöst wird.

Maria Best

 

         

 

Einführungsrede

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie recht herzlich zur Eröffnung unserer Oktober-Ausstellungen und natürlich zur daran anschließenden Fete zum 40. Firmenjubiläum von Galerie und Edition.

Bei der Ausstellungsplanung wussten wir ja, dass dann auch zu feten sein wird. Wir waren also in Feierlaune und heiter gestimmt. Diese heitere – manchmal verspielte, manchmal hintergründige Stimmung begegnet Ihnen auch in den hier vierfach ausgestellten Arbeiten, auch wenn jemand, der dämlicher ist als ich, jetzt einzuwerfen versucht sein könnte, das stimme gar nicht für die Steine Dieter Kränzleins, die doch voll kontemplativ und echt selbstversunken seien – und oben an der Wand ja sogar sakral und fast streng weihevoll auf den unterwürfigen Betrachter warteten.
Dazu, dass das irrig zu kurz gegriffen ist, später mehr.

Vorstellen möchte ich Ihnen also die Hauptpersonen heute, die Künstlerin und die drei Künstler, die uns persönlich, meiner Frau und mir, eine wirklich schöne Folge von Ausstellungen geschenkt haben.

Maria Best
*1964 Koblenz
hat Architektur, Bildhauerei, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften in Berlin studiert, wo sie heute als freischaffende Künstlerin tätig ist.

Kiddy Citny
* 1957 in Stuttgart geboren, ist in Bremen aufgewachsen, 1977 nach Westberlin gezogen, hat in Amsterdam und London (1979), in Zürich (1980), Bern (1989/90), Los Angeles (1993/94) gelebt und bis 2000 auch ein Atelier in München genutzt. Er ist Musiker und als bildender Künstler Autodidakt, das Statement dieses Wahl-Berliners lautet: „Mein Schwerpunkt liegt immer da, wo ich gerade bin."
Das haben wir beide gemeinsam, auch wenn man es Kiddy nicht ansieht.

Christian Cordes
* 1967 in Bremen. Ausbildung zum Technischen Zeichner. – Also noch Vierziger in diesem Jahr
1989-94 Studium an der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken bei
Jochen Gerz, Andreas Brandolini, Ulrike Rosenbach.
Christian H. Cordes lebt und arbeitet in Berlin, wenn er nicht gerade unterwegs ist, um an bedeutenden Projekt-Ausstellungen teilzunehmen, bei denen er mit Vorliebe gefährliche Installationen aufbaut, die Wasser, Strom und ähnliches im Einsatz haben, oder Arbeiten weit sichtbar an Hauswände plaziert, die dann nach einer Woche abgebaut werden müssen, weil sich Politiker mit Bundesgeltung auf den Schlips getreten wähnen.

Dieter Kränzlein
* 1962 geboren in Stuttgart
1982 - 1985 Ausbildung zum Steinbildhauer
1985 - 1989 Schüler von Franz Dàkay
seit 1989 freischaffend im typisch Schwäbischen – ich glaube, der Ort heisst, Biestigkeit-Bissingen, da wo in der Nähe eine große Niederlassung des amerikanischen Computerkonzerns Häberle und Packard liegt, ohne dass er sich seine landsmännisch untypische Großzügigkeit und Freundlichkeit abgewöhnen wollte, was wahrscheinlich an seiner netten Frau liegt.

Vorstellen möchte ich Ihnen aber noch einen weiteren jungen Mann, Marc Bonner, der im Rahmen unserer Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte an der Universität des Saarlandes gleich zu Ihnen sprechen wird, und zwar über Kiddy Citny und seine Arbeiten.
Ich kenne den Text schon, und bin der Meinung, wir sollten ihm einen Vorschuss in Applaus geben. Er ist nämlich ein bißchen aufgeregt.

...

Maria Best

"Als wüsste ich wie man leben muss", lautet der Titel von Maria Bests Ausstellung. In ihm greift sie ein Zitat aus Anton Tschechows 1901 entstandenem Meisterwerk "Drei Schwestern" auf, um es - zumindest scheinbar - aus dem ursprünglichen literarischen Kontext zu lösen und mit Hilfe ihrer Malerei und Fotoübermalungen in die unmittelbare Gegenwart weiterzuführen. Während sich in Tschechows Theaterstück die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga, die der Beruf des Vaters in die Provinz verschlagen hat, zurück in das von ihnen idealisierte Moskau sehnen - die einzige Stadt, die ihre Lebenswünsche vermeintlich zu erfüllen vermag - geht Maria Best der Frage nach, was "Sehnsucht" heute bedeutet. Dabei kommt sie vielleicht zu dem Schluss, dass die Glückssuche anhält, da Sehnsucht einfach einen großen Teil des Lebens ausmacht.
"Möglichkeiten gibt es viele und die Wahl fällt oft schwer, so schließt doch jede Wahl eine andere - vielleicht genauso reizvolle - aus."
Auch Maria Bests Arbeit als Künstlerin entspringt einer solchen Sehnsucht - einer, wie sie selbst sagt, "Sehnsucht, Dinge zu erzeugen, die es noch nicht gibt, gespeist von der Faszination durch die Werke anderer - und die Welt. Und gelegentlich gibt es Momente, in denen ich zu wissen glaube, wie ich leben und arbeiten muss, zumindest solange, bis die Sicherheit des einen Gedankens von der Noch-Unsicherheit des nächsten abgelöst wird."
Dieser Komplex, Sicherheit-Unsicherheit, Wägbares-Unwägbares, und die Zeit dazwischen, ist es eigentlich, die in jedem Bild aufgeworfen, angesprochen, manchmal aufgelöst wird.
Aus den 13 hier gezeigten „ideas about my chair“ zum Beispiel, wäre ich gerne der Stuhl mit dem Karton, man weiß nie, was noch zum Vorschein kommt. Ich befürchte aber, ich bin eher der Stuhl mit dem kleinen knallrosa Schwein – gleich weg aus dem Bild, oder der Stuhl mit der Wolke – ein bißchen verräuchert.

Christian Cordes

"Was mache ich als Künstler? Wofür ist es gut und was bewirkt es?" sind die Fragen, die sich Christian Cordes stellt.
Antworten, Hinweise, Ausblicke auf diese Elementarbetrachtungen gibt er uns nun entlang seiner "Ausstellung über mich".
In ihr interpretiert er dieses "Ich" abseits gewohnter Begrifflichkeiten als zur Kunst erhobene Mischung aus Material und Transzendenz, personifizierter "Leitkultur" und einem in ständigem Wandel begriffenen "Über-Menschen".
Zugleich verdichtet (das ist ein Wortspiel) Christian in diesen Werken seine Sicht des Universums als Prozess, der aus Metaphysik mit einer Portion Schlitzohrigkeit gewürzt ist.
"Je nach Aufbau, im Atelier oder in einer Ausstellung verändert sich die Ausage", beschreibt er selbst die Wirkungskraft seiner Arbeiten und erklärt deren inneres Prinzip wie folgt: "Einmal zeigt es mir, woran ich arbeite oder wie die Konsequenzen dieses Tuns sind. Ein anderes Mal kommentiert es andere künstlerische Positionen und hinterfragt diese". Und manchmal, so Christian Cordes, "lässt es Betrachter innehalten und sich Gedanken über das eigene Dasein machen".
Da das Dasein eines Menschen aber zum größten Teil aus dem So-Sein besteht, bezieht Christian folgerichtig und durchaus konsequent stets Sprache in seine Arbeiten mit ein: und zwar in Form von negierenden Imperativen, feststellenden Fragen, zielirreführenden Antworten und derleichen.
Seit ich Christian Cordes und seine Arbeiten begleite, das sind jetzt 12 Jahre, bin ich jedes Mal zuerst verdutzt, wie wirklich glanzvoll er aus bloßen Sprechblasen in meinem Kopf Sinn machen kann.
Das liegt meines Erachtens ganz sicher auch daran, dass alles was er fertigt und arbeitet, zuerst bildhauerisch gedaht ist: Wie aus Stein gebrochen oder aus Stahl geschnitten.
Er ist alt genug geworden und lange genug erfolgreich im Geschäft, so kann ich das sagen: Ein großer Bildhauer, der in kleiner Form irrwitzige Monumentalität erzeugt.

Dieter Kränzlein

Das Kunst-Werk als Schlusspunkt eines mentalen Prozesses wiederum prägt das Oeuvre des Steinbildhauers Dieter Kränzlein.
In ihm lässt er hinter dem Formalen weitere Bildebenen spürbar werden, die das Kantige seiner zu Stein gewordenen Visionen einerseits nicht verleugnen, um andererseits nach Vollendung über die äußere Form hinaus zu streben. Muschelkalk als Werkstoff und Ausdrucksmittel, als Kontrapart und Seelenspiegel.
Man darf nicht vergessen, Bildhauer arbeiten am Stein langsam. Da ist ganz natürlich der Weg das Ziel, weil man einfach so viel Lebenszeit darauf verbringt.

Wir hatten gestern beim Ausstellungsaufbau Probleme, weil Dieter seine Steine nicht gleich im Kontext mit Kiddys Malerei finden wollte. Ich habe dann scherzhaft gesagt, er solle froh sein, dass ich ihn nicht mit Christian in einen Raum gepackt habe.

Der Hintersinn dabei ist, dass ich sicher bin, dass das auch funktionieren würde, und zwar deshalb, weil Dieter und Christian in ganz ähnlicher Weise monumental denken.
Nur das Christian das nicht lassen kann, mit Mitteln der Mäeutik (Hebammenkunst, die von Sokrates angewandte Technik, sein Gesprächsgegenüber durch Fragen zur Selbsterkenntnis zu bringen, anstatt ihn zu belehren.
Da gleichen die Steine Dieter Kränzleins tatsächlich eher einem Gebet.

Und so laden seine Skulpturen folglich stets auch zu einer Spurensuche entlang der Linierung, und natürlich auch zur Selbstversunkenheit und Meditatiion ein.
Ganz unabhängig von allen Deutungs- und Erklärungs- oder bloß Möglichkeiten, Gedanken zu denken, die man hierbei verfolgen kann, um sich seiner Bildhauerei zu nähern.
Gewiss ist, dass es in der europäischen Kunst keine Bildhauerei gibt, die der seinen gleicht.


Ich würde mir wünschen, dass Sie – soweit das bei dem Gedränge, das wir alle veranstalten, möglich ist, die Ausstellungsräume noch einmal abgehen, und dabei sicherlich feststellen, dass alle hier ausgestellten Arbeiten zusammengehen könnten, und zwar weil alle in einer ähnlichen Geisteshaltung entstanden sind: Sich nicht verwahrend und vor der Welt verweigernd, sondern zutiefst affirmativ, jedes ein wunderschönen Ja zur Welt, zu uns.
Dafür Euch noch einmal Danke! - Und Ihnen Dank für Ihre Geduld!

Mathias Beck

 

Begleittext zur Ausstellung Maria Best - „ineinembild“
Galerie Brötzinger Art, Pforzheim
03.06. - 26.06. 2005

Die Künstlerin Maria Best zeigt in dieser Ausstellung Arbeiten in unterschiedlichen Medien, die in variierenden Synthesen zusammengeführt werden.
So dienen Fotografien oder Malereistrukturen als Rohmaterial und werden mit digital konstruierten Objekten verarbeitet oder durch andere Überarbeitungen transformiert (Arbeiten: „schönheiten“, „reisen II“, „ineinembild“).
Objekte des 3D-Computer-Modellings fungieren andererseits als Ideengeber für malerische Bildarbeiten (Reihe „models“).
Maria Best bricht mit der Idee des linearen Künstler-Stils, der ‚Marke’, und fordert statt dessen den Betrachter mit einer vielfältigen Sprache die das Denken und das Sehen anregt. Der spezifische Galerieraum ist inszeniert als Wanderung durch die künstlerischen Bild- und Ideenwelten ihrer Werkreihen. Sie werden kontrapunktisch begleitet von einigen ausgewählten Zutaten Robert Musils, notiert auf Spiegelstreifen, in denen der Besucher sich selbst und die Werke von Zeit zu Zeit aufblitzen sieht.

Im Eingangsbereich beginnt es mit der Serie „schönheiten 1“, Fotoarbeiten, in denen Fotografien von Mündern, überdimensional vergrößert, mit malerischen Strukturen verschmolzen sind. Auch wenn sich die Münder sofort eindeutig als solche identifizieren lassen, werden sie durch die Herauslösung aus ihrem bekannten „natürlichen“ Gesichtsumfeld zu eigenständigen plastischen Einheiten mit einem Charakter des Wesenhaften, der zwischen Skurrilität und Unheimlichkeit pendelt.

Damit sind bereits die Grundthemen der Künstlerin umschrieben:
Die Reflexion über unsere Wahrnehmung von Bildern, deren Abbildfunktion und Echtheits-/Wahrheitsanspruch;
Die Auseinandersetzung mit dem menschlich-wesenhaften in seinen Eigenarten und Seinsmustern, gekleidet in das Auftauchen wesenhafter Formen;
Die Oszillation zwischen humorvoller Betrachtungsweise und hintersinniger Tiefe - oder wie die Künstlerin es kurz fasst - zwischen Scherz und Schmerz.

Das Thema Wahrnehmung & Illusion des Bildraumes findet sich insbesondere in der großen, aus 18 Einzelementen bestehenden Arbeit „ineinembild“ (Raum rechts) wieder, das der Ausstellung auch den Namen gegeben hat. Unterschiedliche, auf kleinen Kartons entstandene, abstrakte Farbspuren, sind hier extrem stark vergrößert und in einer intensivfarbigen Collage verarbeitet worden. Jedes Einzelemement für sich wirkt als abstrakte Komposition, die Einblick in eine (imaginäre) malerische Tiefe ermöglicht.
Gleichzeitig entsteht ein Zusammenspiel des Ganzen, gehalten in der nur durch Konturen angedeuteten liegenden Figur, die sich über die Länge der Komposition ausbreitet und als schlafende Riesin in der Farbfläche schwebt.

Den Raum zur linken und dann weiterführend in die hinteren Räume den Flur bestimmt die Serie „ideas about my chair“. Es handelt sich um übermalte Fotografien im A4-Format, die mit einem speziellen Harz hinter Plexiglas-Scheiben vergossen sind.
Das immer wieder gleiche Foto, ein einfacher, schon abgenutzter Holzstuhl, der übrigens der Atelierstuhl der Künstlerin ist, wird in dieser Bildreihe mit immer wieder neuen Varianten seiner selbst konfrontiert.
Mal ist er Sitzplatz für diverse skurrile Phantasiegebilde, mal pelzig-haarig oder im SM-Look gestaltet, mal bietet er Schutz für ein Häuschen im Grünen, mal ist er der Rahmen eines Landschaftsbildes, mal trägt er Socken und T-Shirt, mal ist er in Wattewolken gepackt oder steckt in einem imaginären Karton.
In dieser Serie Fotoarbeiten verbindet sich das Serielle mit dem Individuellen, der dauerhafte, äußerlich gleichbleibende Charakter - die Wesenhaftigkeit - des Objektes Stuhl mit eintretenden Veränderungen und Einflüssen.
So lassen sich auch hier die Themen der Künstlerin ablesen. Wir erkennen den Stuhl als räumliches Objekt, aber sein (Bild-)Raum wird wiederholt gebrochen und durcheinander gebracht - und er mutiert dabei zum Wesenhaften, zu einer Art Stuhl-Ich.
Über allem schwebt dazu - oberflächlich gesehen - eine skizzenhafte Leichtigkeit.

Durch den Flur gelangt man schliesslich in den hinteren Raum, der ganz der aktuellen Serie der „models“ gewidmet ist.
Hier hat Maria Best ihre künstlerische Strategie umgekehrt:
Während in den vorderen Räumen Malereien und Fotografien das Ausgangsmaterial für digitale Transformationen waren, sind es bei den „Models“ mit Computer-Programmen entstandene dreidimensionale Formen, die den Anlass für diese malerischen Umwandlungen gaben.

Der Titel „models“ spielt hier mit verschiedenen Bedeutungsebenen, dem bekannten Begriff der Werbebranche ebenso wie der Idee des Prototypen-Designs in der Produktentwicklung.
Die Arbeiten selbst zeigen merkwürdige, teils baumartig anmutende, organische Wesen, die zwar prinzipiell als antropomorph wahrgenommen werden können - verfügen sie doch über kopf-/rumpf-/arm-/beinartige Elemente – die aber doch so sehr von den üblichen menschlichen Körpervorstellungen abweichen, dass wir sie nur schwer mit dem Begriff „models“ zu verbinden vermögen. Und doch werden sie uns durch den Untertitel „setcards - portrait und ganzaufnahme“ geradezu explizit als kommende Schönheiten, als quasi Angebotspalette einer Modelagentur, präsentiert.
Damit befragt die Künstlerin unsere Vorstellung und Wahrnehmung von „Schönheit“ oder „Idealform“ - und im weiteren Sinne auch „Kunstvorstellung“, denn auch hier ist der Betrachter meist in der Zwangsjacke seiner Erwartungshaltung gefangen.

Neben der Setcard-Reihe werden in dem hinteren Raum noch die beiden großen Arbeiten „models - cadavre exquis“ (Der köstliche Leichnam) gezeigt. Hier bezieht sich die Künstlerin auf ein unterhaltsames (Kinder-) Spiel, das von den Surrealisten im letzten Jahhundert in den Kunstbereich übertragen wurde.
Dazu wird ein Blatt Papier drei-viermal gefaltet, so daß jeweils nur eine Teilfläche sichtbar ist, die dann von einem Mitspieler gestaltet wird (z.B. Kopf / Rumpf / Beine). Der nächste setzt die Zeichnung des Vorgängers fort, ohne diese zu kennen, der bereits gestaltete Abschnitt wird also vorher wieder verdeckt. Zum Schluß erst wird das Gesamtergebnis betrachtet.

So sind auch für diese Arbeiten Einzelteile der individuellen „models“ der Setcard-Serie herausgegriffen worden und in neuen Kombination zusammen montiert, wie in einer Anspielung auf den Trend, sich erdachte Ideal-Körperteile an und für den eigenen Leib zusammenzuschneidern, bzw. schneidern zu lassen.

Wie in den anderen Räumen auch, lohnt es sich im Durchwandern der Ausstellung die vereinzelt angebrachten Literaturzitate auf den Spiegelflächen auf sich wirken zu lassen.
Es handelt sich dabei um Ausschnitte aus Werken Robert Musils, und zwar der „Mann ohne Eigenschaften“ und „Drei Frauen“.
Auch Robert Musil hat sich - unter anderem - in seinen Werken sehr mit den differierenden individuellen Realitätswahrnehmungen und Realitätskonstruktionen auseinandergesetzt - und dem Konfliktpotenzial das immer wieder durch den Aufprall dieser individuellen Wahrnehmungen untereinander entsteht.

 

              

 

Maria Best | Die Anderen Ichs
Galerie M | 24.04.05 - 29.05.05 | Begleittext zur Ausstellung


[ Chamäleon ]

Reptil mit Greiffüßen, Wickelschwanz, unabhängig voneinander bewegbaren Augen und langer, vorschnellbarer, klebriger Zunge, bekannt für seine Fähigkeit zu starkem Farbwechsel.
Sprichwörtlich ist das Chamäleon als Begriff für Personen geworden, die es verstehen, sich jeder Umgebung anzupassen. In einigen Kulturen steht das Chamäleon für die Zeit, da seine Augen mit der Fähigkeit nach hinten, seitlich und nach vorn gleichzeitig zu blicken, als Symbol für die Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelten.
[ aus dem Wörterbuch der deutschen Sprache ]


In den Arbeiten von Maria Best begegnen wir Wesen, die menschliche Eigenart formulieren ohne direktes Abbild zu sein. Sie spiegeln uns Handlungen, Charaktere, Seinszustände und bewegen sich zwischen Realismus und Abstraktion.

Mit der Ausstellung in der Galerie M präsentiert die Künstlerin Bildserien aus den Jahren 2001-2005 in einer raumbezogenen Konzeption.
Sie kreisen um das Thema der Identität(en), die sie - ebenso wie Raum und Weltbild - als Produkt unserer menschlichen Selbstkonstruktion versteht. Identitäten, die wechselhaft und veränderlich sind und doch immer wieder - oft mit erheblichem Aufwand - als imaginierter persönlicher Fixpunkt angestrebt werden.

Die Doppeldeutigkeit des Titels der Serie „Die Anderen Ichs“ zieht sich als roter Faden durch alle vorgestellten Werkreihen - im Sinne der Begegnung mit den Ichs der Anderen ebenso wie der Begegnung mit den eigenen „Anderen Ichs“.

Auswahl der Literatur-Zitate: Maria Best & Christine Zarft

 

         

    

 

              

    

 

Künstlerinterview:
Aus einem Interview mit der Künstlerin Maria Best, 2002


F: Sie kommen ursprünglich aus der Bildhauerei und arbeiten zur Zeit verstärkt mit digitalen Medien - sehen Sie in den traditionellen Medien keine Zukunft mehr?

A: "Zur Zeit" ist genau richtig formuliert. Die Arbeit mit dem Computer ist nur ein Mittel unter vielen das dem gleichen Zweck dient - der Schaffung einer Aussage. Ich arbeite auch weiterhin an plastischen Objekten und liebe Handzeichnungen - warum sollte ich das aufgeben? Ich halte diese ganze Diskussion für überholt. Und theoretische Kunstproduktion über das Arbeiten mit dem Rechner interessiert mich nicht besonders - Arbeiten über ein System sind immer sehr stark zeitbedingt und verlieren bald die Relevanz. Wer weiss schon mit welchen Medien wir in 10 oder 20 Jahren arbeiten?

F: Wo sehen Sie dann relevante Themen?

A: Alles was sich in irgendeiner Weise mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinandersetzt, ob konzeptuell oder emotional, ist für uns immer relevant - zumindest solange wir als Menschen in der bekannten Form existieren. Wie gehen wir mit dem Leben um, was haben wir ein Verhältnis zum Tod, wie leben wir in der Gemeinschaft.

F: Ihre aktuelle Bildserie der "passants" erweckt einen surreal-visionären Eindruck, der mir noch stärker scheint als in der "beings"-Serie.

A: Den Bezug zum Surrealismus des 20. Jahrhunderts mache ich für mich nicht und denke das ist eine oberflächliche Anmutung. Und visionär ist ein weiter Begriff - es gibt einfach Dinge die mich beschäftigen und berühren und die ich umsetze. Ich will keine futurististische Zukunft entwerfen - diese Bildwelten handeln von aktuellen Gefühlen.
Eine befreundete Schauspielerin hat die "passants" als Roadmovie bezeichnet - und das finde ich einen sehr passenden Begriff.

F: Was war der Ausgangspunkt?

A: Bei der Serie "passants" war ich fasziniert von den zufälligen Lichtfotografien - von ihrer Räumlichkeit und ihrem Ausdruck von Zeit und Bewegung. In diese flüchtige Landschaft wollte ich Positionen des Beobachters setzen, der versucht zu verstehen was eigentlich passiert.
Und den wir dann als Betrachter wieder beobachten.

F: Und wie entstehen diese Bilder dann?

A: Ich beginne mit kleinen Handskizzen, mit denen ich erste Volumen und Massen forme und verteile. Ich experimentiere mit dem vorliegenden Bildmaterial. Dann konstruiere ich im Rechner versuchsweise Figuren und Objekte, montiere sie in Testbildern, überarbeite dann alles wieder mehrmals bis zu den Endversionen. Im Fall der "passants" war der Arbeitsprozess extrem langwierig und arbeitsintensiv. Durch die Gestaltung am Rechner kommen auch jeweils neue Aspekte hinzu, die ich in der Zeichnung alleine nicht bedenken kann.
Im Grunde mache ich aber das was ich bereits als Bildhauerin getan habe - ein Bild finden, entwerfen, umsetzen.

F: Geht durch die intensive Arbeit am Rechner denn nicht viel künstlerische Spontaneität verloren?

A: Nicht unbedingt. Zum Beispiel setze ich für die aktuelle Serie der "fluide" - die Arbeit "dufluid" wird gerade im "Hotel Berlinische Galerie" gezeigt - eine Technik am Rechner ein, die dem Gestalten von freien Formen mit Gips ähnlich ist. Man kann in einem bestimmten Zeitraum das Material - Gips oder Bytes - formen, und muss dann entscheiden ob man das Ergebnis so akzeptiert oder nicht, es gibt kein Zurück, keine Überarbeitung in diesem Modus. Da entsteht natürlich viel Abfall - im einen Fall Gipsbrocken, im anderen Datenschrott.

F: Was hat Sie denn überhaupt von der Bildhauerei zu den digitalen Medien gebracht?

A: Nunja, ich sehe mich weiterhin als Bildhauerin, wenn ich überhaupt schon solche Einordnungen gebrauchen muss. Zumindest in der Art daß die Formbegeisterung für mich immer wesentlich ist. Das Faszinierende an der Bildarbeit ist dass ich dort den Raum komplett bestimmen kann, und meine Massen und Volumen ordnen kann. Das läst sich zwar auch innerhalb einer plastischen Arbeit realisieren, aber nur bedingt im Verhältnis der Plastik zum Umraum.
Und dann bin ich einfach neugierig und erforsche gern alle Möglichkeiten die sich mir bieten um Neues zu gestalten - da habe ich noch einiges für die Zukunft geplant.

[Das Interview wurde geführt von Ulrike Adler, Leiterin der Galerie BigArt.de]

 

         

         

 

                        

    

 

Raum und Zeit – Distanz und Nähe jenseits des Individuums:
Die Bildwelten der Berliner Künstlerin Maria Best



Die Berliner Künstlerin Maria Best präsentiert mit ihren aktuellen Arbeiten der Jahre 2000-2002 virtuose Neuinszenierungen etablierter Kunst- und Ausdrucksformen. Dabei bestimmen klassische Kunstgattungen wie Skulptur, Graphik, Malerei und Fotografie die zugleich gegensätzlichen und in ihrer dynamischen Konzentration doch konvergierenden Bildkompositionen.

Die amorphen Wesen der Bildserie „beings“, die in weiten, erhabenen Landschaften teilweise geometrische und körperhaft-lebendige Erscheinungen darstellen, erinnern an die raumgreifenden Skulpturen von Henry Moore oder Max Bill. Das in den plastischen Werken beider Künstler im Vordergrund stehende Bemühen um fortschreitende Abstraktion, Verselbständigung der Formen und Bindung von visuellen Kräften beherrscht auch die gleichsam poetischen und provozierenden Bildwelten von Maria Best. Dabei werden einerseits Themen wie formale Abstraktion, Harmonie und Rhythmus von Formen im Raum aufgegriffen, andererseits werden belebte und bewegte Räume geschaffen, die dem Betrachter Gefühle von Isolation, Sehnsucht, Lust und Trauer entlocken: Symbole natürlicher Formen als optische Fixpunkte in expressiven, emotionalen Landschaften, sensibel arrangiert, offenbaren die Unermeßlichkeit des Raumes.

Überdies sind in diesen äußerst minimalistisch angelegten Raumbildern und Skulpturen auch Anklänge künstlerischer Einflüsse amerikanischer Expressionisten wie Ellsworth Kelly oder Georgia O`Keeffe oder europäischer Land Art Künstler wie Richard Long oder Francisco Infante zu sehen. Wie Maria Best inszenieren sie schlichte, kraftvolle und teilweise phantastische Formen in unausgefüllten, grenzenlosen Bildräumen. Doch dieser Vergleich beschreibt nur einen Impuls der Arbeiten von Maria Best. Der andere, tiefere und weitaus emotionalere Aspekt ihrer Bilder verbindet sie auch mit den dreidimensionalen Metaphern von Künstlern wie Alberto Giacometti, Germaine Richier oder Louise Bourgeois, deren verzerrte, teilweise zoomorphe und vegetabile Skulpturen durch formale und emotionale Interaktionen mit der räumlichen Wahrnehmung spielen.

Auch in der Serie „passants“ dominiert die Thematisierung von Raumbeziehungen. Anders als die „beings“, die in ihrer lautlosen, metaphysischen Körperlichkeit Momente der Reflexion und der Besinnung evozieren, bewegen sich die plastischen Charaktere hier in kühnen, futuristischen Raumwelten. Intensive Farbschweife, die Intervalle von Langzeitbelichtungen der Fotografie aufgreifen, spielen mit der Darstellung von Energie, Bewegung und Geschwindigkeit. In episodenhaften Momentaufnahmen suggerieren die gleichsam scheu und mächtig schwebenden Geschöpfe Gefühlsbewegungen von Zukunft und Traum, von Flucht und Endlichkeit. Der kosmische Aspekt steht im Vordergrund und manifestiert hier ein wesentliches Motiv der Kunst von Maria Best: Die Darstellung von Grenzenlosigkeit und Universalität, die immer an Existenz und Erfahrung, an (Selbst-) Bewußtsein und Selbstvollendung gebunden ist.

Maria Best setzt mit den jüngsten Werkgruppen „beings“, „passants“ und „fluids“ neue Akzente hinsichtlich ihrer künstlerischen Ausdrucksform und führt dabei ihre frühen plastischen Arbeiten der 80iger Jahre zu einem Höhepunkt räumlicher Konsequenz. Sie präzisiert die Erkenntnis, daß ständig wechselnde räumliche Verhältnisse nicht nur untrennbar zur Figur selbst gehören, sondern von dieser erst geschaffen werden.

A. Giacometti:
„Der Raum ist hohl, um ein Objekt darin aufzubauen,
und das Objekt seinerseits erschafft den Raum.“

In der Auseinandersetzung mit der Unendlichkeit des Raumes und der Darstellbarkeit dieses Phänomens findet die Künstlerin ein gleichsam lyrisch-subtiles und provozierendes Vokabular, das die „Endloserfahrung“ in eine Balance zwischen sinnlicher und spiritueller Reflexion setzt. Dabei ist ein faszinierendes Wechselspiel aus skulpturalen, malerischen und fotografischen Perspektiven entstanden, das mit einem visionären Blick auf räumliche, zeitliche und emotionale Zusammenhänge, beim Betrachter eine Atmosphäre realer und irrationaler Empfindungen auslöst.

Dr. Cornelia Lawrenz, Kunsthistorikerin, Berlin, 2003

 

    

 

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Opening Reception und Fete am 13.10.2007

         

              

              

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

              

         

         

         

         

                   

    

 

         

         

         

         

         

         

         

         

              

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

    

 

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos HP Mürz

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos M Schmieger

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos G Ralle

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos N Dimitrov 01

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos N Dimitrov 02

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos N Dimitrov 03

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos N Dimitrov 04

Bilder der Opening Reception und Fete am 13.10.2007 | Fotos N Dimitrov 05

Bilder der Webcam von Opening Reception und Fete am 13.10.2007

 

Aufbau und Aufbauabendessen am 11. u 12.10.2007

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

    

 

Bilder vom Aufbau am 11. u 12.10.2007

Bilder vom Aufbau am 12.10.2007 | Fotos Nikola Dimitrov

Bilder vom Aufbauabendessen am 12.10.2007 | Fotos Nikola Dimitrov

Bilder der Webcam vom Aufbau am 11. u 12.10.2007

 

"Die Vielfalt des Unprogrammatischen"

Eine Parallelausstellung mit Werken von Kiddy Citny, Christian H. Cordes, Maria Best und Dieter Kränzlein
14. Oktober bis 7. November 2007, galerie m beck, Homburg-Schwarzenacker

Im Oktober 1967 – vor 40 Jahren – wurden Galerie und Edition Monika Beck in Zweibrücken gegründet. Auch wenn sich der Name der Galerie auf ein Initial-M verkürzt hat, war dieses Jubiläum Anlass für die sozusagen miteinander verheirateten galerie m beck und die edition s beck (Susanna als Fortführung auch der notwendigen weiblichen Handschrift) ein Programm aufzulegen, das zu unterschiedlichsten Begegnungen mit aktuellen künstlerischen Positionen einlädt, ohne sich dabei allzu sehr in den Vorlieben der Betreiber zu verlieren, sondern übergeordnete Themen zu verfolgen. Den Schwerpunkt des Jubiläumsmonats bildet eine Quart mit Arbeiten von Kiddy Citny, Christian H. Cordes, Maria Best und Dieter Kränzlein.

"Mein Schwerpunkt liegt immer da, wo ich gerade bin.", so lautet das Credo von Kiddy Citny. 1957 in Stuttgart geboren, wurde der Maler, der unter anderem in Holland und Großbritannien, der Schweiz und den USA gelebt hat, vor allem mit seinen Bildern auf der Berliner Mauer weltberühmt: So steht beispielsweise ein Fragment des zuvor zwei Welten trennenden, durch Citny zum Kunstwerk transformierten Betonwalls vor dem UNO-Gebäude in New York. Unter dem Titel "L’heure bleue" – zu deutsch: "Die blaue Stunde" – stellt der vielseitige Künstler in Schwarzenacker ausgewählte Arbeiten vor, in denen er mit Hilfe seiner "emotionale Piktogramme" komplexe Themen in bildliche Metaphern zwischen Tag und Nacht, Träumen und Wachen, Werden und Vergehen überträgt.

"Was mache ich als Künstler? Wofür ist es gut und was bewirkt es?" sind hingegen die Fragen, die sich der 1967 in Bremen geborene Christian Cordes stellt. Die Antworten auf diese Elementarbetrachtungen gibt er nun entlang seiner in der galerie m beck gezeigten "Ausstellung über mich". In ihr interpretiert er dieses "Ich" abseits gewohnter Begrifflichkeiten als zur Kunst erhobene Mischung aus Materiellem und Transzendenz, personifizierter "Leitkultur" und einem in ständigem Wandel begriffenen "Über-Menschen". Zugleich verdichtet der heute in Berlin lebende Cordes, der an der Hochschule der Bildenden Künste Saar bei Jochen Gerz, Andreas Brandolini und Ulrike Rosenbach studierte, in diesen Werken seine Sicht des Universums als metaphysischen Prozess. "Je nach Aufbau, im Atelier oder in einer Ausstellung verändert sich die Ausage", beschreibt er selbst die Wirkungskraft seiner Arbeiten und erklärt deren inneres Prinzip wie folgt: "Einmal zeigt es mir, woran ich arbeite oder wie die Konsequenzen dieses Tuns sind. Ein anderes Mal kommentiert es andere künstlerische Positionen und hinterfragt diese". Und manchmal, so Christian Cordes, "lässt es Betrachter innehalten und sich Gedanken über das eigene Dasein machen".

"Als wüsste ich wie man leben muss", lautet dagegen der Titel von Maria Bests Ausstellungssequenz. In ihr greift sie ein Zitat aus Anton Tschechows 1901 entstandenem Meisterwerk "Drei Schwestern" auf, um es - zumindest scheinbar - aus dem ursprünglichen literarischen Kontext zu lösen und mit Hilfe ihrer Malerei und Fotoübermalungen in die unmittelbare Gegenwart weiterzuführen. Während sich in Tschechows Theaterstück die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga, die der Beruf des Vaters in die Provinz verschlagen hat, zurück in das von ihnen idealisierte Moskau sehnen - die einzige Stadt, die ihre Lebenswünsche vermeintlich zu erfüllen vermag - geht Maria Best der Frage nach, was "Sehnsucht" heute bedeutet. Dabei kommt die 1964 in Koblenz geborene Künstlerin zu dem Schluss, dass die Glückssuche anhält, da Sehnsucht ihrer Ansicht nach einen großen Teil des Lebens ausmacht. "Möglichkeiten gibt es viele und die Wahl fällt oft schwer, ischließt doch jede Wahl eine andere - vielleicht genauso reizvolle - aus." Auch Maria Bests Arbeit als Künstlerin entspringt einer solchen Sehnsucht - einer, wie sie selbst sagt, "Sehnsucht, Dinge zu erzeugen, die es noch nicht gibt, gespeist von der Faszination durch die Werke anderer - und die Welt. Und gelegentlich gibt es Momente, in denen ich zu wissen glaube, wie ich leben und arbeiten muss, zumindest solange, bis die Sicherheit des einen Gedankens von der Noch-Unsicherheit des nächsten abgelöst wird."

Das Kunst-Werk als - vorläufigen - Schlusspunkt eines mentalen Prozesses wiederum prägt das Oeuvre des Steinbildhauers Dieter Kränzlein. In ihm lässt er hinter dem Formalen weitere Bildebenen spürbar werden, die das Kantige seiner zu Stein gewordenen Visionen einerseits nicht verleugnen, um andererseits nach Vollendung über die äußere Form hinaus zu streben. Muschelkalk als Werkstoff und Ausdrucksmittel, als Kontrapart und Seelenspiegel: Bei Kränzlein ist der Weg das Ziel, laden seine Skulpturen folglich stets auch zu einer Spurensuche entlang der dahinter stehenden Geisteswelten ein. Ganz unabhängig von allen Deutungs- und Erklärungsmöglichkeiten, die man hierbei verfolgen kann, um sich der Bildhauerei des 1962 in Stuttgart geborenen Schülers von Franz Dàkay zu nähern: Gewiss ist, dass es in der europäischen Kunst keine Bildhauerei gibt, die der seinen gleicht.

Die Ausstellungssequenzen "Kiddy Citny | L’heure bleue", "Christian H. Cordes | Ausstellung über mich", "Maria Best | Als wüsste ich wie man leben muss" und "Dieter Kränzlein | Die Unzugehörigkeit des Kunstwerks" sind vom 14. Oktober bis einschließlich 7. November 2007 in der galerie m beck, Historischer Schwedenhof (am Römermuseum), Homburg-Schwarzenacker, jeweils mittwochs bis freitags von 16 bis 20 Uhr, sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung zu sehen. Geschlossen bleibt die Ausstellung am 1. November. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (0 68 48) 7 21 52 sowie im Internet unter www.galerie-monika-beck.de.

 

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