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13. Mai - 13. Juni 2007

 

 Michael Bause | Seraphina Lenz 

Arbeiten im Raum und an der Wand

 

 

in situ

         

         

         

         

    

 

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"Ceci n'est pas une pipe" – über unsere Beziehungen
Grußwort des Schirmherrn Olaf Novak


Sehr geehrte Damen und Herren,

Dies ist keine Pfeife - nur das Bild einer Pfeife.
Eine simple Aussage – zunächst bestechend klar auf den zweiten Blick aber verwirrend.
Wenn wir uns von der ersten Verwirrung bezüglich unseres oft unscharfen Sprachgebrauchs erholt haben gehen wir meist zur Tagesordnung über.
Versuchen wir aber diese Verwirrung als Denkanstoss zu nutzen und lassen uns darauf ein:
Wie ist denn das mit der Wirklichkeit und der Wahrnehmung und unseren bescheidenen Ausdrucksmöglichkeiten …?

Dies ist eine Pfeife

Ist das so? Obwohl wir diese Pfeife anfassen können wird sie jeder von uns anders wahrnehmen:
• Wie empfinden wir die Form?
harmonisch, gelungen, plump, elegant,….
• Welche Farbe hat das Holz?
rotbraun, braunrot, gelblich - grau?
• Wie fühlt sich die Oberfläche an?
glatt, rau, angenehm, kühl, warm
• Wie spüren wir das Gewicht?
leicht, schwer, angenehm,…
Wie riecht sie und wie schmeckt sie?

Obwohl wir alle auf dieselbe Pfeife (oder auf das Bild einer solchen) schauen sieht keiner das Gleiche.

Wenn man also bei so konkreten Dingen zu so unterschiedlichen Wahrnehmungen kommt mindert das nicht unbedingt die Verwirrung über unser Pfeifenbild eine gute Gelegenheit, unseren kleinen gedanklichen Eislauf abzubrechen, aber da ist die Neugier - und der Leichtsinn:

Wenn die Betrachtung einer Pfeife schon so spannend sein kann, wie aufregend und herausfordernd muss es sein das neue und noch ungewohnte Denken auf die großen Themen anzuwenden wie z.B. unsere Beziehungen.

Eines sticht dabei sofort ins gedankliche Auge: Beziehungen sind kein Objekt, haben keine physikalischen Eigenschaften, keine Masse, keine Farbe, keinen Geruch, keinen Geschmack, keine Oberfläche und trotzdem sind sie vorhanden, sind sogar allgegenwärtig.
• Obwohl sie keine Masse haben
spüren wir oft ihre Last
• Obwohl sie keine Farbe haben,
lässt sie unsere Wangen erröten – oder erblassen
• Obwohl sie keinen Geruch haben
riechen wir den süßen Moschus oder den Angstschweiß
• Obwohl sie keinen Geschmack haben
schmeckt der Kuss süß oder das gemeinsame Bier schal
• Obwohl sie keine Oberfläche haben
bekommen wir durch sie eine Gänsehaut

Wir nehmen unsere Beziehungen also sehr wohl wahr, oft körperlich und damit werden Beziehungen sehr real.
Durch unsere Reaktionen werden unsere Beziehungen aber für alle sichtbar – treten damit aus dem Abstrakten nicht nur in unsere Wirklichkeit sondern in alle individuellen auf die individuelle Wahrnehmung basierenden Wirklichkeiten unserer Mitmenschen.

Aus einer Beziehung werden also viele unterschiedliche, es entsteht ein unübersehbares Geflecht aus Beziehungen und Wahrnehmungen von Beziehungen;
ein Netz, das uns trägt, schützt, manchmal einengt, immer begleitet, das schwer zu gestalten ist und fast nicht zu zerstören.

Mit dieser Erkenntnis kann man eigentlich ganz gut leben, denn sie ermöglicht ein entspanntes, offenes, unbefangenes Miteinander – ich denke eine gute Basis für den heutigen Abend!

 

Einführungsrede | Irmgard Blaickner | Michael Bause | Seraphina Lenz | Hansjörg Krehl
 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zur Eröffnung unserer Mai-Ausstellungen.

Und begrüßen möchte ich neben den fünf beteiligten Künstlerinnen und Künstlern
– Charlotte Pfefferle, Irmgard Blaickner und Seraphina Lenz zum einen,
sowie Michael Bause und Hansjörg Krehl zum anderen –
vor allem Dich, lieber Olaf Novak, da Du als Schirmherr für die Ausstellung von Seraphina Lenz und Michael Bause zur Verfügung stehst,
und Dich, liebe Elke,
– Olaf Novaks Frau.

Und zu guter Letzt begrüße ich auch Dich, liebe Verena.
Verena Paul wird sich als angehende Kunsthistorikerin, die zB für das Portal Kunstgeschichte schon seit annähernd zwei Jahren Ausstellungsrezensionen schreibt, kritisch mit Charlotte Pfefferle und ihrer Ausstellung „Personal Relations“ auseinandersetzen.

Allen Ausstellungen gemeinsam und ihrer Zusammenstellung unterlegt sind zwei Gedanken, die uns leiteten: Einmal der Aspekt von Beziehungen in einem oder einer Folge von Kunstwerken – sowohl inhaltlicher Beschaffenheit als auch als formaler Bezug, und zum anderen das Spiel von Künstlerinnen und Künstlern mit unserer Wahrnehmung ihrer Kunst. Und hier das Spiel der Kunst auf der Grenze, die entsteht, wenn man als Betrachter seinen Standort wechselt.

Und so hat sich Olaf Novak der Mühe unterzogen, sich mit dem Thema „Ceci n’est pas une pipe – Über unsere Beziehungen“ zu beschäftigen. Er wird nun das Wort an uns richten.

...

Ist der Gegenstand Motiv der Kunst - oder kann er bereits selbst Kunst sozusagen in sich tragen?
Entlang der Leitmotive "Ironie und Spiel" sollen sich für uns als Besucher dieser vier Ausstellungen ebenso unterschiedliche wie durchweg ungewohnte Standorte der Wahrnehmung erfahren lassen.
Charlotte Pfefferle haben wir zu dieser Ausstellungsfolge eingeladen, weil sie in der Zweiteilung von alten, heute weniger ausgeübten künstlerischen Techniken mE interessante Bezüge (als anderes Wort für Beziehung) zwischen Motiv und unserer Wahrnehmung des so behandelten „Gegenstands“ herstellt.
Verena Paul wird dies jetzt unter anderem anhand des Grotesken in Charlotte Pfefferles Werk anschaulicher machen.

...

Vor fünf Jahren, meine sehr verehrten Damen und Herren, schrieb Stefan Folz in der Rheinpfalz über die erste, schon gemeinsame Ausstellung von Seraphina Lenz und Michael Bause hier in der Galerie: „Und plötzlich ist es wieder da, das Gefühl, der Raum sei gefüllt mit unglaublichen Dingen.“
Standorte also ganz besonderer Art eröffnen Seraphina Lenz und Michael Bause mit ihren "Arbeiten im Raum und an der Wand" hier in der bel etage.
Eine Steigerung gerade in der bewusst geschaffenen Wechselbeziehung beider Werkblöcke, die sich aus der – formalen und räumlichen – Gegenüberstellung hat sich ergeben.
"Mir geht es um die Leichtigkeit" erklärt Seraphina Lenz – und führt entlang ihrer an dimensionale Stillleben erinnernden Installationen vor, dass diese Leichtigkeit zwar heiter und einladend, jedoch alles andere als trivial ist.
So gelingt es ihr, aus der Verknüpfung von Materialien, betont plakativen Farben und allegorischen Formen Kunstwerke entstehen zu lassen, die zunächst vertraut erscheinen, bei näherer Reflexion jedoch angenehm irritierend wirken.
Während Seraphina Lenz geschickt Bilder und Objekte verknüpft und aus der Nicht-Kommentierung gesellschaftlicher Bezüge heraus auf subtil-ironische Weise diese dennoch deutlich anspricht, stehen Seperation und Zusammenspiel von Farbe und Form im Mittelpunkt von Michael Bauses Arbeiten.
"In meiner Malerei der letzten Jahre", so Michael Bause, "stehen in den Bildern zumeist auf einfarbigem Grund separate Formen in kompositorischen Verhältnissen zueinander. Komplizierte Strukturen kontrastieren einfache Farbflecken, Oberflächen gliedern sich in stumpfe Stellen neben lackierten Punkten. Alles stellt sich auf den ersten Blick klar und geordnet dar". Damit spannt Bause, wie es Ulrike Oppelt beschreibt, "in einer kontinuierlichen Suche nach Bild-Formen einen Bogen von der formalisierenden, flächigen Akzentuierung des konkreten Bildes bis zur Suche nach Farbe und ungewöhnliche Farbkombinationen".
Was das im Einzelnen bedeutet, das lässt sich nun auf ungewöhnlich dichte Weise
Dass sich uns gerade in der "vergleichenden Konfrontation" seiner Tableaus mit den Arbeiten von Seraphina Lenz eine ungewöhnlich dichte und gleichzeitig luftige Ausstellung, fast als Gesamtkunstwerk ergibt, halte ich für einen sehr wirklich beglückenden Umstand, der alles andere als zufällig gelten kann, er ist von Seraphina Lenz und Michael Bause erarbeitet, herbeigeführt.

„Temper“ ist der Ausstellungstitel, den wir für die Malerei Irmgard Blaickners gewählt haben. Der Begriff schillert als ursprünglich lateinisches Wort um Wärme (Temperatur), Atmosphäre, Gestimmtheit, Gemüt,
Als Einladung zur Suche nach "dem Verschollenem" im weitesten Sinne erweisen sich dabei ihre Bilder.
Dabei kann dieses als "Verschollen" bezeichnete sowohl eine metaphysisch begriffene Sehnsucht umfassen wie die konkrete Trauer um Verlorenes, Vergangenes, gewesene Glücksmomente und erlebte Trauer.
Insofern sind Blaickners Arbeiten stets autobiografische Dokumente, gleichzeitig aber auch Möglichkeiten für uns als Betrachter zur Spiegelung, mit unserer je individuellen erlebten Welt.
Werden und Vergehen, Innehalten, neu Erstehen und der Hang, sich selbst als Teil eines mit Worten nicht zu fassenden Ganzen zu spüren sind somit zentrale Komponenten und Impulse im Werk einer um die Harmonie im Bildgrund als fragile bemühten Künstlerin. - Stets Chronik, Bilanz und Vision.

Im Werk von Hansjörg Krehl hingegen geht es um "das Suchen der Linie und Finden der Form".
Zwischen konzentrierter Bildfindung und spontaner Improvisation mit Stift und Pinsel kreisen deshalb seine Arbeiten – er selbst beschreibt diese als "Nicht ganz Zeichnung, nicht ganz Malerei" (was wir zum Untertitel der Ausstellung gemacht haben) - dabei stets um "die Kunst des Schreibens und Lesens in Bildern".
Vor diesem Hintergrund gelingt es ihm, sein Medium immer wieder auszuloten - und selbst Miniaturen, Fragmente und Erahntes in ihrer Konzentriertheit auf die kleine Fläche des Zeichenpapiers oder der Leinwand fast wie luftige Monumentalität erscheinen zu lassen.
Bei all dem sind seine "Choreographien" so stets auch Form gewordener Ausdruck seiner Leidenschaft als schaffender Künstler, und der Begriff „Choreographie“ (als an den Tanz erinnernder) ist eigentlich irreführend: Ich glaube, dass in jeder einzelnen Zeichnung in aller Schnelligkeit und vorgeblicher, weil präziser Flüchtigkeit des Strichs mehr Leidenschaft und Kraft und Suchen und Kämpfen steckt, allerdings wirlklich nicht sichtbar, wirklich sublimiert.
Ich glaube, dass ihm dieser Aspekt gar nicht bewußt ist. Er ist ein Meister der kleinen Handzeichnung, weil seine Zeichnungen – auf Grund der Kraft, dem Ringen - monumental denken, ohne von ihm so gedacht zu sein.

Der eine oder andere von Ihnen hat es jetzt sicherlich bemerkt. Eingangs sprach ich vom Spiel auf der Grenze, Ironie und Irreführung unserer Wahrnehmung, von der Möglichkeit, durch einen Standortwechsel eine andere Wahrnehmung zu erreichen.
Dieses können Sie selbst suchen gehen, bei Hansjörg Krehl den bäurischen hemdsärmeligen Witz, der auch in den Zeichnungen steckt, bei Irmgard Blaickner die mädchenhafte schlitzohrige Amüsiertheit, mit der sie ihre Farben aufeinanderprallen lässt, bei Charlotte Pfefferle das Phänomen, dass das Groteske ohne Leiden gar nicht möglich ist, und bei Seraphian Lenz und Michael Bause, dass die beiden hier eigentlich ganz schön auf die Kacke hauen. Die Kacke ist der Raum. Viel Vergnügen dabei! Machen Sie es wie die Schmuddelkinder, werden Sie schmutzig.

Mathias Beck

 

Seraphina Lenz

 

 

Ausstellung im Projektraum /Kulturamt Kreuzberg Friedrichshain
Seraphina Lenz, Antonia Klosterfelde, Antje Taubert
Eröffnungsrede Richard Rabensaat, Auszug


Der Blick auf die Installation von Seraphina Lenz zeigt ein Ensemble verschiedener Gegenstände, die zum Teil augenscheinlich als Kunstwerke zu identifizieren sind, in anderen Teilen jedoch zunächst wie banale Alltagsgegenstände anmuten. Knallrote Stabwedel finden sich neben schwarzen Figurinen mit merkwürdigen Köpfen, sensible Zeichnungen spiegeln in Objekten materialisierte Gegenständlichkeiten wider.
„Mir geht es um die Leichtigkeit“ erklärt Seraphina Lenz.
Sie möchte dem Betrachter nichts vorschreiben, ihre Kunst soll Anlass und Ausgangspunkt zu Assoziationen und Reflexionen sein, aber niemandem eine Denk- oder Deutungsrichtung vorschreiben. Deshalb eignet allen ausgestellten Objekten eine Unbeschwertheit, manchen eine Verspieltheit, die alle Erdenschwere und Bedeutungshuberei hinter sich gelassen zu haben scheint.
Die Gegenstände und Zeichnungen stehen für sich und wollen erst einmal auch nichts anderes sein. Aus dem Zusammenspiel von Materialien, Formen und Farben ergibt sich das Gesamtbild des Kunstwerks von Seraphina Lenz im Raum. Der Raum wiederum ist Seraphina Lenz sehr wichtig. Mit gleicher Sorgfalt, mit der sie die Raumkonstellation entwirft, behandelt sie auch die einzelnen Teile der Installation. Die Schwarzen Silhouetten hat sie sorgfältig der Zeichnung auf dem Einwickelpapier eines chinesischen Bonbons nachempfunden, ausgeschnitten und mit rund dreißig Schichten Schellack überzogen. Das aufwendige Lackierungsverfahren erkennt der Betrachter zwar nicht unmittelbar, aber er nimmt immerhin die kostbar schimmernde Tiefe des schwarzen Farbtones wahr. Zwischen den beiden Figuren steht ein Schriftzug: „kann bitte die Enge etwas weiter werden?“ fragt Seraphina Lenz.
Die Fragestellung kann nicht nur als Motto ihrer Installation im Projektraum gelesen werden. Schon häufiger zielten die Inszenierungen und Raumanordnungen von Seraphina Lenz auf die Erweiterung des Raumes. Durch die Verfremdung bekannter Anblicke schafft sie neue Bilder die im öffentlichen Raum eine Aufforderung zum Verweilen und zur Reflexion über das alltägliche Umfeld, in Galerieräumen aber auch ein Spiel mit Leichtigkeit und den Dimensionen de Ausstellungsraumes sein können.
So realisierte sie in einem Hochhaus ein Projekt, bei dem sie einen Großteil der Wohnungen in einem grünen Licht erstrahlen ließ. Mehrere Wochen benötigte sie, um die Bewohner des Hauses von der Installation zu überzeugen. Dann aber bot das zu weiten Teilen grün erleuchtete Haus einen Anblick, der es auf wunderbare Weise für einen Moment zu einem nahezu pflanzlich erscheinenden Leuchtkörper werden ließ.(...) Der Anblick des Hauses in der Nacht erinnerte auch ein wenig an die gelegentlich dunkel leuchtenden, farbenfrohen Gemälde von Paul Klee.
...
Sie verknüpft geschickt Bilder und Objekte. Die Zeichnung eines Zweiges korrespondiert mit dem realen Objekt, bei dem am Zweig statt der üblichen Früchtekleine Häuser hängen. Die Modelle verweisen noch einmal auf den häuslichen Bezug der gesamten Installation. Diese will nicht kommentierend zu Gesellschaft, Kunstbetrieb oder Kunstgeschichte Stellung beziehen, sondern gibt mit zunächst einmal recht unscheinbare daher kommenden Arrangements einen intelligenten Kommentar zur Surrealität des Alltags ab.
Letztlich knüpft Seraphina Lenz einen Gesamtklang, der zunächst heiter anmutet, aber in seiner intelligenten Verspieltheit immer auch den Hinweis auf die Doppelbödigkeit des Abgebildeten beinhaltet.

 

    

         

    

 

Michael Bause

 

    

 

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Michael Bause spannt in einer kontinuierlichen Suche nach Bild-Formen einen Bogen von der formalisierenden, flächigen Akzentuierung des konkreten Bildes bis zur Suche nach Farbe und ungewöhnliche Farbkombinationen. Deren Moment des Zusammenspiels ist wichtig. Seine Formate reichen von Briefmarkengröße bis zum Großbild. In seinen aktuellen Gemälden dominiert die Loslösung der Farben von den Farbbedeutungen. Schon Delauney entdeckte, dass Farbe und Form einen Rhythmus und eine Bewegung aus sich heraus erschaffen können. Seine Fenêtres simultanées belegen diese sinnfällig. Anstelle der Naturtreue setzt Bause die Auseinandersetzung mit Phänomenen der Wahrnehmung und der daraus resultierenden formalen Entsprechung. Sein Arbeitsvorgang lässt neue Farben mit einem Irritationsfaktor entstehen, die die Suche nach dem Gegenständlichen unterbrechen. Die Leichtigkeit seiner Malerei vermittelt eine Losgelöstheit vom Raum und erweitert ihn bis ins Unendliche.

Dr. Ulrike Oppelt, Berlin

 

 

In meiner Malerei der letzten Jahre stehen in den Bildern zumeist auf einfarbigem Grund separate Formen in kompositorischen Verhältnissen zueinander. Komplizierte Strukturen kontrastieren einfache Farbflecken, Oberflächen gliedern sich in stumpfe Stellen neben lackierten Punkten. Alles stellt sich auf den ersten Blick klar und geordnet dar.

Michael Bause

 

Opening Reception am 12.5.2007

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

 

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Aufbau und Aufbauabendessen am 11.5.2007

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

 

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Information für die Medien

"Ironie, Spiel und Wahrnehmung" - Eine Parallelausstellung mit Werken von Seraphina Lenz, Michael Bause, Charlotte Pfefferle, Hansjörg Krehl und Irmgard Blaickner
13. Mai bis 13. Juni 2007, galerie m beck, Homburg-Schwarzenacker

Ist der Gegenstand Motiv der Kunst - oder bereits selbst Kunst? Mit dieser und weiteren elementare Fragen setzen sich zur Zeit fünf Künstlerinnen und Künstler in der galerie m beck auseinander. Entlang der Leitmotive "Ironie und Spiel" erschließen sie damit zugleich ebenso unterschiedliche wie durchweg ungewohnte Standorte der Wahrnehmung.

Standorte ganz besonderer Art eröffnen Seraphina Lenz und Michael Bause mit ihren "Arbeiten im Raum und an der Wand". Diese wiederum steigern sich gerade in der bewusst geschaffenen Wechselbeziehung beider Werkblöcke, die sich aus der – formalen und räumlichen – Gegenüberstellung in der Bel Etage der Galerie Beck ergibt. "Mir geht es um die Leichtigkeit" erklärt Seraphina Lenz – und führt entlang ihrer an dimensionale Stillleben erinnernden Installationen vor, dass diese Leichtigkeit zwar heiter und einladend, jedoch alles andere als trivial ist. So gelingt es ihr, aus der Verknüpfung von Materialien, betont plakativen Farben und allegorischen Formen Kunstwerke entstehen zu lassen, die zunächst vertraut erscheinen, bei näherer Reflexion jedoch angenehm irritierend wirken.

Während Seraphina Lenz geschickt Bilder und Objekte verknüpft und aus der Nicht-Kommentierung gesellschaftlicher Bezüge heraus auf subtil-ironische Weise dennoch verdeutlicht, stehen Seperation und Zusammenspiel von Farbe und Form im Mittelpunkt von Michael Bauses Arbeiten. "In meiner Malerei der letzten Jahre", so der in Berlin lebende Künstler, "stehen in den Bildern zumeist auf einfarbigem Grund separate Formen in kompositorischen Verhältnissen zueinander. Komplizierte Strukturen kontrastieren einfache Farbflecken, Oberflächen gliedern sich in stumpfe Stellen neben lackierten Punkten. Alles stellt sich auf den ersten Blick klar und geordnet dar". Damit spannt Bause, wie es Ulrike Oppelt beschreibt, "in einer kontinuierlichen Suche nach Bild-Formen einen Bogen von der formalisierenden, flächigen Akzentuierung des konkreten Bildes bis zur Suche nach Farbe und ungewöhnliche Farbkombinationen", wobei seine Formate, wie sie ergänzt, "von Briefmarkengröße bis zum Großbild" reichen. Was das im Einzelnen bedeutet, das lässt sich nun auf ungewöhnlich dichte Weise gerade in der "vergleichenden Konfrontation" seiner Tableaus mit den Arbeiten von Seraphina Lenz ergründen.

"Mensch-Sein-Raum", das sind die konzeptionellen Bezüge, die sich in den zeitlos wirkenden Tonskulpturen von Charlotte Pfefferle erschließen. Ein besonderer Reiz ihrer mit feinen Wachsschichten überzogenen Archetypen ergibt sich dabei aus dem Neben- und Miteinander uralter Werktechniken und eines betont zeitgenössischen Formenkanons, in denen sich einerseits das Individuum, andererseits aber auch die Überformung einer immer abstrakteren Gesellschaft offenbart. So greift die abwechselnd in Deutschland und Italien lebende Künstlerin mit der "Enkaustik" jene uralte Wachsmalkunst auf, die sich bereits in der Antike großer Beliebtheit erfreute, um mir deren Hilfe - "Enkaustik" bedeutet soviel wie "einbrennen", dem Feuer ausgesetzt sein" - das lebendige Elemente ihrer Schöpfungen noch zu betonen. Jedoch geht es der bevorzugt in thematischen Zyklen arbeitenden Pfefferle in ihren "Menschen-Bildern" weniger um individuelle Begebenheiten, sondern um Verhaltensmuster im allgemeinen und gesellschaftliche Zusammenhänge im speziellen. Auf diese Weise gelingen ihr Kompositionen, mit denen sie die Wirklichkeit gleichsam zu modulieren und zu deklinieren scheint. "Die Künstlerin", so Verena Paul in der Beschreibung des dahinter stehenden, auf provokativer Ironie und Überzeichnung basierenden Werkansatzes, "beginnt …gerade beim Lächerlichen, weil dort die Spur der Wahrhaftigkeit ihren Anfang nimmt".

Im Werk von Hansjörg Krehl hingegen geht es um "das Suchen der Linie und Finden der Form". Dieser weit reichende Gestus offenbart sich gerade in den nun erstmals im Saarland gezeigten Zeichnungen, Collagen und Gemälden des 1954 am Oberrhein geborenen Künstlers. Zwischen konzentrierter Bildfindung und spontaner Improvisation mit Stift und Pinsel kreisen Krehls Arbeiten – er selbst beschreibt diese als "Nicht ganz Zeichnung, nicht ganz Malerei" - dabei stets um "die Kunst des Schreibens und Lesens in Bildern". Vor diesem Hintergrund gelingt es ihm auf virtuose Art, die Gestaltungsmöglichkeiten des von ihm gewählten Mediums einem Bühnenregisseur gleich auszuloten - und umgekehrt selbst Miniaturen, Fragmente und Erahntes entlang der von ihm gewählten Techniken zu ungeahnter Wirkung zu führen. Bei all dem sind seine "Choreographien" stets auch Form gewordener Ausdruck seiner Leidenschaft für die, wie es Nina Schulze bezeichnet, "freie, nicht gegenstandsgebundene Zeichnung, die dann gelungen ist, wenn sie dem kritischen Urteil des Künstlers genügt".

Als Einladung zur Suche nach "dem Verschollenem" im weitesten Sinne erweisen sich die parallel dazu gezeigten Bilder von Irmgard Blaickner. Dabei ist dieses "Verschollene" in seiner abstrakt-mentalen Anmutung nicht minder vielgestaltig wie das Oeuvre der 1937 in Salzburg geborenen Malerin, kann es eine metaphysisch begriffene Sehnsucht ebenso umfassen wie die konkrete Trauer um Verlorenes, Vergangenes, gewesene Glücksmomente. Insofern sind Blaickners Arbeiten stets autobiografische Dokumente, gleichzeitig aber auch Spiegelzonen der vom Betrachter erfahrenen, individuellen Erlebniswelten. Werden und Vergehen, Innehalten, neu Erstehen und der Hang, sich selbst als Teil eines mit Worten nicht zu fassenden Ganzen zu spüren sind somit zentrale Komponenten und Impulse im Werk einer um die fragile Harmonie einer stets im Wandel befindlichen Welt wissenden Künstlerin - einer Künstlerin, deren Gemälde stets Chronik, Bilanz und Vision in einem zu sein scheinen.

Die parallel gezeigten Ausstellungssequenzen "Seraphina Lenz/Michael Bause | Arbeiten im Raum und an der Wand", "Charlotte Pfefferle | personal relations", "Hansjörg Krehl | Choreographie" und "Irmgard Blaickner | Kemper" sind vom 13. Mai bis einschließlich 13. Juni 2007 in der galerie m beck, Historischer Schwedenhof (am Römermuseum), Homburg-Schwarzenacker, jeweils mittwochs bis freitags von 16 bis 20 Uhr, sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (0 68 48) 7 21 52 sowie im Internet unter www.galerie-monika-beck.de.

 

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..\05\content\Portal-Kunstgeschichte-2007-05.htm | Verena Paul

 

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Öffnungszeiten und andere Informationen zur Ausstellung