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11. März - 11. April 2007

 

 Ralf Binnewies 

Menschen | Malerei als Konnotation

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Herrn Klaus Roth, MdL.

 

 

 

1957 geboren in Osnabrück
1977 autodidaktisch entstehen erste Werke
1983 erste eigene Ausstellung
1989 Unterricht der ersten Malschüler
1996 erste Teilnahme "Offene Ateliers" Bielefeld
1998 erstes eigenes Atelier in der Bogefabrik
1999 Umzug mit dem Atelier in "Block 1" Meisenstrasse
2001 Mitgründung der "Galerie 61"
2003 neues Atelier Hans-Sachs-Str. 4, 33602 Bielefeld
2003 Mitgründung der Produzentengalerie
2005 Aufnahme in den BBK

Ausstellungstätigkeiten ( Auswahl )

1989 Lukas-Krankenhaus Bünde
1990 Haus "Chagall" Neuenkirchen/Vörden
1992 Galerie Webstuhl, Hannover-Hemmingen
1995 Rathaus Werther
1996 Haus des Gastes Bad Laer
1996 Brackweder Kulisse
1997 Bildungszentrum Erkner, Berlin
1998 Galerie in der Alten Vogtei, Bielefeld-Heepen
1999 Rathaus Bielefeld-Jöllenbeck
2001 Arbeitsgericht Bielefeld
2004 Kunstmesse "Impulse" Osnabrück
2004 ART OWL Bielefeld
2004 Galerie "Rampe" Bielefeld - black market
2005 ART Innsbruck
2005 ART Kamen

 

in situ

         

         

         

 

Bilder in situ ansehen

 

Galerievertretung
Galerie "Rampe" - M. Duball - Bielefeld

2006
01.12. bis 05.12.2006 Guangzhou International Art Fair China
24.10. bis 31.12.2006 Stadtwerke Bielefeld
08.09. bis 24.09.2006 Die Neuen im BBK Bielefeld
Kanzlei Dr. Eckhard Schmidtke Herford, Januar 2006

2005 Galerie Lulay Velbert Dezember
Volksbank Sennestadt 2.11. bis 25.11.2005
ART Kamen
ART Innsbruck vom 25. - 28. Februar 2005 - Messe Innsbruck
2004 Galerie "Rampe" Bielefeld - black market
Produzentengalerie Bielefeld - 9 x Rot
Offene Ateliers - Bielefeld
Kunstmesse "Impulse" - Osnabrück
2003 Offene Ateliers - Bielefeld
2000 Galerie Redecker - Bielefeld
1999 Rathaus Jöllenbeck - Bielefeld
Volksbank Schildesche - Bielefeld
1998 Altes Vogteigebäude Heepen - Bielefeld
Offene Ateliers - Bielefeld
Wernings Hof - Bielefeld
1997 Offene Ateliers - Bielefeld
Gastliches Dorf - Dellbrück
Bildungszentrum Erkner - Berlin
1996 Offene Ateliers - Bielefeld
Brackweder Kulisse - Bielefeld
Haus des Gastes - Bad Laer
1995 Sportzentrum Wiehenpark - Rödinghausen
Rathaus und Krankenhaus - Werther
1994 Möbelhaus Pro Arte - Minden
1993 Restaurant Zum Raben - Bielefeld
1992 Restaurant Roter Sand - Düsseldorf-Haan
Café-Galerie Webstuhl - Hannover-Hemmingen
1991 Café Chagall - Neuenkirchen/Vörden
1990 Café Schöne Aussicht - Bielefeld
1989 Lukas-Krankenhaus - Bünde
1987 Café Obermann - Bielefeld
1986 Stadtcafé - Werther
1983 Buchhandlung Taubner - Bielefeld/Sennestadt

Ausstellungsbeteiligungen
2004 ART OWL - Ravensberger Spinnerei - Bielefeld
1998 Enniskillen / Irland
Kunstmeile Brackwede - Bielefeld

 

              

 

Einführungsrede JOHannaS, Ralf Binnewies, Georg Zimmermann

Wir haben die Ausstellung von JOHannaS, wie sie sich mit einem Künstlerkürzel bezeichnet, mit „Energie“ überschrieben.
Wenn Sie sich die Person neben mir anschauen, können Sie sicherlich nachvollziehen, dass dieser Titel für eine erste Ausstellung dieser Künstlerin hier, gleichermaßen für sie als Person wie auch für die Erscheinung ihrer Arbeiten sitzt.

In Johanna Schneiders Ausstellung begegnen Ihnen Medienarbeiten, die vorrangig auf originärer Malerei und nachrangig auf der Bildbearbeitung der digitalisierten Malerei mit dem Computer basieren.
Insofern hat JOHannaS aus Ihrer fertigen Malerei noch einmal Rohmaterial gemacht - in einem anderen Aggregatzustand und bereit, neu bearbeitet zu werden.
Tatsächlich ist die computerunterstützte Bildbearbeitung ihrer Malerei und sozusagen Verwürfelung zu ganz neuen Arbeiten und der Fixierung auf betont zeitgenössischen Bildträgern wie Plexi oder Alu auch entstanden, indem Johanna Schneider mit verschiedenen Präsentationsformen experimentierte.
Dass sich daraus dann ein eigener Werkkomplex von Medienarbeiten auf Alu, Plexi oder Stahl entwickelt hat, ist der überzeugenden Erscheinung dieser Arbeiten geschuldet.
Aber auch dem Umstand, dass Johanna Schneider ihre eigene fertige Arbeit in diesem anderen Werkkomplex ganz neu befragt, indem sie das Ausgangsmaterial sozusagen bricht, also nicht spiegelt, sondern reflektiert.

JOHannaS spielt mit dem Dreiklang aus Farbe, Form und Energie (als Aufwendung der Künstlerin im Arbeitsprozess) und thematisiert, wie sie es nennt, "Erscheinungen des Augenblicks, die erst im Moment des Sehens Wirklichkeit werden und dann wieder verschwinden".
Das gilt auch für Ihre Malerei, wie Sie sich anhand der Beispiele auf Papier verdeutlichen können, die wir der Ausstellung beiseite gefügt haben.
Insofern spielt es keine Rolle, ob Sie sich beim Betrachten ihrer Medienarbeiten lieber auf diejenigen mit erkennbaren Versatzstücken einer gefunden und dann neu inszenierten Wirklichkeit einlassen möchten, den Frauendarstellungen oder den Aurtomobilen, oder ob Sie sich beim Anschauen doch lieber den verklausulierten, nur noch Farbe, Form und Fläche rhythmisch akzentuierenden, quasi gegenstandslosen Arbeiten anvertrauen wollen – so wie ich.
Es ist alles eins, es bleibt Malerei, weil es die sinnvolle Organisation von Farbe in einer Fläche ist, ob analog auf Leinwand und Papier oder digitalisiert.

Energie aber hat auch ganz ursächlich mit dem zweiten Themenkomplex zu tun, den wir diesen vier Ausstellungen unterlegt haben. Wir wollen dem Phänomen nachspüren, dass Kunst, um auf uns einwirken zu können, Raum bewahren und gleichzeitig Raum verdrängen muss. Das ist ganz sicherlich ein energetischer Vorgang.

Bei einem Bildhauer, bei räumlichen Arbeiten wie ua auch denen Georg Zimmermanns wird dieses Phänomen der Raumbewahrung und Raumverdrängung als energetische Dauerleistung eines Kunstwerkes sicherlich einleuchtend sein.
Ich bemühe hier die alte Mechanik von Binnenraum und Außenraum einer Plastik, die ästhetisches Gelingen signifiziert.
Wo das Material, aus dem Georg Zimmermanns plastischen Arbeiten gebaut sind, Raum beansprucht, kann sonst nichts sein. Sie können das selbst überprüfen, indem sie versuchen, durch eine dieser Arbeiten hindurchzugehen.

Machen Sie mich dann allerdings bitte nicht für Ihr geprelltes Schienbein verantwortlich! Das wären Ihrer Uneinsichtigkeit und Ungläubigkeit geschuldet.
Was aber ist dort, wo das Material selbst keinen Raum beansprucht, wohl aber die Plastik in der Ganzheit Ihrer Erscheinung?

--- In Arbeit hineinstellen. ---

Im Katalogtext themaitisert Christian Krausch, dass Georg Zimmermann darum bemüht ist, in seine Arbeiten auch das Wirken der Zeit – als vierte Dimension – einfließen zu lassen. Alle haben den Anschein, als unterlägen sie fortwährender verzehrender Veränderung.

Klar wird, dass nicht bloß Materialzusammenfügung und Ausbalancierung, sondern eben ganz besonders auch die Oberflächen entscheidend sind in der ästhetisch sinnvollen Wahrnehmbarkeit von Zimmermanns plastischen Arbeiten.

Ich persönlich finde die Arbeiten grandios in ihrer fast selbstbezogenen Nachdenklichkeit.

Ralf Binnewies thematisiert in seiner Malerei vom Menschen ja eigentlich nicht den Menschen, jedenfalls nicht den einzelnen, sondern spürt vielmehr dem Phänomen nach, das Elias Canetti vor einem dreiviertel Jahrhundert in seiner grandiosen Untersuchung „Masse und Macht“ quer durch die Menschheitsgeschichte seziert hat.
Wenn man ein bißchen unredlich dabei ist, darf man das Jahrhundertwerk „Masse und Macht“ auf den postaristokratischen Satz reduzieren: „Der Mensch ist guat, aber die Leit – die Leit sin a G’sindl.“

Auch Binnewies Bilder, in den sich alles drängt und füllt, leben vom und wirken durch Raum, den das Bild für sich bewahrt, nicht nur vom Drang in den Raum.

Selbst der Torero in der Stirmkampfarena, den Binnewies inszeniert, gewinnt Qualität und menschliches Format durch den Kontrast zur Masse des Publikums, und er wird gestützt und geschützt von der Leere des Raums in der Stierkampfarena.
Nicht der Stier bringt Gefahr, sondern diese amorphe Masse von Menschen, in der man aufgehen, in der man ertrinken, in der man verloren gehen könnte.

Oder wieso kommen uns in den anderen Bildern diese lachenden und johlenden, vor Anstrengung verbissenen Gesichter alle so entgegen, als ob sie uns fressen wollten.


Binnewies schreibt bzw malt hier eine „Phänomenologie des verlorenen Ichs“ fort.
Und das begegnet uns gleichzeitig erschreckt wie erschreckend wie auch anrührend und mit hohem Wiedererkennungswert – man könnte auch Wiederentdeckungswerthaltigkeit in der spektakulären malerischen Ausführung sagen.

Und während Sie jetzt Zeit finden sollten, sich mit den vier Ausstellungen noch vertrauter zu machen, dafür sind wir ja schließlich heute alle zusammengekommen, werden wir G’sindel Gesinde(l)dienste leisten und für flüssigen Nachschub und Ihr leibliches Wohl sorgen.

Mathias Beck

 

              

 

Zu meinen Arbeiten:

Die Bilder entstehen im Spannungsfeld von Raum und Fläche, Farbe und Form. Die Auseinandersetzung mit diesen natürlich künstlerischen Gegebenheiten sucht dabei ihr Pendant in der Wahrnehmung des Betrachters. Als Bild geschlossen in der Komposition sind die Farbflächen nur Bruchstücke eines über den Bildrand hinaus zu denkenden Ganzen. Vorstellungskraft und analytische Abstraktion finden so zu einer Synthese, die nichts anderes ist als die Wiederholung unserer täglichen Wahrnehmung.

Mein Blick richtet sich auf die schlichte Materialität, deren ästhetische Inszenierung zwischen reiner Dingqualität und kalter Bedeutungslosigkeit eine magische Präsenz gewinnt. So ergibt sich auch in der einzelnen Arbeit das Ineinandergreifen unterschiedlicher Formen bis zur Verschmelzung in strukturierten Farbflächen. Dabei begegnet dem Betrachter mein Wahrnehmungskosmos als dichtes Gewebe verschiedener Farbschichten oder Chiffren, die ich mit dieser unaufhörlichen künstlerischen Schrift zwischen subjektiven Gefühlen und Projektionen zu durchdringen versuche.

Die dargestellten Gegenstände und Landschaften erhalten durch die Nähe zum jeweiligen Objekt und den Blickwinkel eine sinnliche Präsenz, die jede stilistische Zuordnung bewusst unterläuft und das reine Empfinden der Farbe als Gehalt des ästhetischen Prozesses ausmacht.

„Masse und Individuum“ sind das neue Thema : die Fülle der sportlichen, religiösen, gesellschaftlichen oder politischen Ereignisse bietet ein Füllhorn von neuen Bildideen mit "sozialisierten Massen", die Anlass geben, die Motivationen, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu reflektieren.

Ralf Binnewies

 

              

              

Abbildungen Ralf Binnewies Menschen ansehen

 

Individuum und Masse - Bilder von Ralf Binnewies
Eröffnung Stadtwerke Bielefeld, 24.10.2006

Seit vier Jahren beschäftigt sich Ralf Binnewies malerisch mit dem Thema „Menschen“. Wer seine Arbeiten nicht kennt, erwartet bei diesem Sujet vielleicht die Darstellung des oder der Menschen, erfasst als Individuen, in ihrer ganz persönlichen Ausprägung und Besonderheit.
„Menschen“ ist hier aber tatsächlich im Plural zu verstehen, denn Ralf Binnewies malt Menschen, viele Menschen, so viele, dass sie mitunter gar nicht als Einzelwesen identifizierbar sind, sondern als mehr oder minder große Gruppe, als fast beliebige Bestandteile einer größeren Ansammlung von Menschen.

 

              

 

Vorlagen dafür findet der Künstler zumeist in den Bildmedien, in Fernsehen, Internet oder Zeitungen bzw. Zeitschriften: Wer kennt sie nicht, die Massen von Menschen in den Zuschauerrängen anlässlich populärer Sportveranstaltungen wie die im Sommer so medienbeherrschenden Fanmeilen in deutschen Städten während der bis heute viel umjubelten und immer wieder neu beschworenen Fußball-WM.
Wer erinnert nicht die Bilder der Scharen von Trauernden auf dem Petersplatz des Vatikans im Frühjahr letzten Jahres, als Papst Johannes Paul II. starb, oder direkt im Anschluss daran vermutlich dieselben Trauben von Gläubigen, die erwartungsvoll der Ankündigung harrten, wer denn nun zum neuen Papst gewählt worden sei. Man denke auch an politische Kundgebungen und Demonstrationen - quer über den Globus verstreut und diverser Couleur und unterschiedlichsten Charakters -, die die tagtäglichen Medien- und Nachrichten beherrschen.
All diese Medienbilder dienen dazu, das jeweilige Ereignis zu illustrieren und zu veranschaulichen. Dennoch scheinen sie, trotz der Aktualität und der Unterschiedlichkeit des Ereignisses gleichförmig und gerade darin so vertraut, dass sie fast austauschbar scheinen. Nur wenige und eher unauffällige Details wie Fahnen, Farben oder uniforme Kleidungsstücke sind es, die diese Bilder unterscheidbar machen und sie so zuordnen lassen. Die Menschen selber werden gleichwohl zu einem „Menschenteppich“ (Binnewies), zu einer im Grunde undefinierbaren und als nahezu abstrakt-amöbischen Einheit wahrgenommenen Masse.
Genau darauf setzt meines Erachtens Ralf Binnewies seinen malerischen Fokus, er thematisiert die Masse, ein Motiv, das als Faktum kaum wahrgenommen wird: Wir interessieren uns für das Ereignis – das Konzert, die Ausstellungseröffnung -, während die eingeblendeten Zuschauer uninteressant sind, kaum oder als gewohntes, nebensächliches Beiwerk registriert werden – wer weiß, vielleicht sind es immer dieselben, egal, was man schaut …
Ralf Binnewies kehrt diese Wahrnehmung gewissermaßen um: In seinen Gemälden sind die Zuschauer bzw. ist die Masse der Zuschauer, Teilnehmer etc. der Protagonist, während das Ereignis selbst, das ja überhaupt der Anlass ist, warum sich derart viele Menschen zusammenfinden, unerheblich ist. Teilweise bleibt der Kontext in seinen Bildern so verunklärt, dass die Komposition selber eine abstrakt-ungegenständliche Wirkung hat. Die Menschen, die eigentlichen Motive, sind nurmehr auf fast pointillistisch anmutende Farbflecken reduziert, die gesamte Bildfläche wird zu einem malerischen, teilweise bis über den Bildrand hinaus fortsetzbaren all-over aus Farbe, Fläche und Form.

Der Moment wiederum, der dann doch den realistischen Kontext in Binnewies’ Arbeiten offenbart, mal angeregt durch die Titelgebung oder durch oben bereits erwähnte motivische Hinweise - die Deutschlandfahnen in Zuschauerrängen verweisen auf die WM; ein hoher Anteil an orangefarbenen Fahnen deutet auf die Revolution in der Ukraine hin; ein recht deutlich zu identifizierender Stier zeigt, dass es sich um einen Stierkampf handelt -, ist ungemein spannend: Sehr unmittelbar verändert sich die Wahrnehmung seiner Kompositionen und der individuelle Zugang zu ihnen. Mehr und mehr erschließen sich zuvor unauffällige Details zu klaren Informationen, wird das subtil Erahnte zum klar Vertrauten. Binnewies Arbeiten bewegen sich auf einem oszillierenden Grad zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bzw. umgekehrt.

 

              



Mich hat nun die Frage beschäftigt, was am Motiv „Menschenmasse“ so faszinierend ist, sowohl für Maler als auch für Betrachter. Es gibt ja im Grunde nur eine Möglichkeit, Menschen als Masse wahrzunehmen – indem man sie von außen, aus der Distanz betrachtet. Und das ist ein zweiter Punkt, den ich hervorheben möchte an Binnewies’ Gemälden: Sie spielen und referieren bewusst auf das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz. Und damit meine ich nicht nur den unterschiedlich wählbaren Abstand des Betrachters zu den Bildern von Ralf Binnewies.
Als Beteiligter in einer Ansammlung von Menschen nimmt man sich, so denke ich, doch eher als Einzelwesen wahr. Wobei das vermutlich abhängig ist vom Anlass, zu dem man sich zusammengefunden hat. Sich als Teil einer großen Gruppe zu empfinden, setzt ein Zusammengehörigkeitsgefühl voraus, das Bewusstsein einer gemeinsamen Intention – und da bestehen durchaus Unterschiede zwischen politischen Demonstrationen oder einer kulturellen Veranstaltung. Wobei hier die WM wiederum ein Beispiel wäre, bei dem sich das Gemeinschaftsgefühl bis auf die Fernsehzuschauer zuhause vorm Bildschirm übertragen hat.
Wunderbarerweise befinde ich mich jetzt gerade in einer Situation, die auch Ralf Binnewies in einem seiner Gemälde thematisiert hat, nämlich inmitten einer Ausstellungseröffnung, auch noch als eine der „Protagonisten“: Sie alle stehen mir gegenüber als Gruppe von Menschen, als Masse, die ich als bedrohlich empfinden könnte, wenn ich nicht zuweilen den ein oder anderen direkt anschauen würde, eben als Einzelwesen Mensch. Das heißt, ich versuche zu trennen zwischen als homogen empfundener Masse und sich zusammenfindenden Individuen.
Sie selber nehmen sich sicherlich auch jeweils als unabhängiges Einzelwesen wahr. Sind Sie sich eigentlich bewusst, dass Sie gerade Teil einer jedenfalls für mich undefinierbaren Masse sind? Ist diese Erkenntnis unangenehm oder birgt das möglicherweise Sicherheit im Gegensatz zu mir, die ich hier ganz allein stehe?

 

   



Beim Malen seiner Motive nimmt Ralf Binnewies zum einen eine distanzierte, beobachtende und registrierende Distanz ein. Obwohl es etliche Bilder gibt, gerade die, die gewissermaßen näher an die einzelnen Menschen heranzoomen, in denen die Gesichtszüge stärker ausgearbeitet werden, offenkundig die Menschen individualisierter erscheinen, liegt meiner Meinung nach Binnewies’ Interesse – malerisch gesehen – zunächst einmal auf der Positionierung der Menschen innerhalb der Masse, damit also auf den formalen Strukturen, die sie bilden und auf den Formen und den Raum, die sie damit ausprägen.
Wenn Binnewies zum anderen aber sagt, „beim Malen bin ich drin“, taucht er dann nicht gleichsam in die Masse ein und aktiviert gleichzeitig in uns, beim Betrachten seiner Bilder – speziell durch die Tatsache, dass wir die Ereignisse und Veranstaltungen erinnern - ebenfalls eine Form von Identifikation, zieht uns gewissermaßen hinein?
Neben den malerischen und kompositorischen Aspekten der Gemälde von Ralf Binnewies unterstelle ich also gleichsam eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Masse, das ein geradezu existenziell menschliches ist:
Einerseits scheuen wir die Berührung durch Fremde – im überfüllten Bus, in gut besuchten Kaufhäusern, auf belebten Straßen – weichen aus, entschuldigen uns für unbeabsichtigte Berührungen. Andererseits suchen wir die Dynamik, den Schutz der Gruppe, tauchen im Gemeinschaftsgefühl der Masse unter.
Teil der Masse zu sein lenkt von einem Faktum ab, das vielleicht nicht immer ganz leicht zu ertragen ist: dass der Mensch in seiner eigenen Wahrnehmung faktisch doch ganz allein ist.

Tanja Kemmer

 

              

    

 

         

         

          

              

 

              

         

 

         

         

              

              

 

    

 

Abbildungen Ralf Binnewies Landschaft ansehen

Abbildungen Ralf Binnewies Abstrakt ansehen

Abbildungen Ralf Binnewies Realismus ansehen

Abbildungen Ralf Binnewies Pflanzen ansehen

Abbildungen Ralf Binnewies Stadt ansehen

 

Ralf Binnewies Katalog

         

         

         

         

         

         

         

         

 

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Opening Reception am 10.3.2007

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

    

 

Bilder von der Opening Reception am 10.3.2007 ansehen

Weitere 62 Bilder von der Opening Reception am 10.3.2007 ansehen

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Aufbau am 10.3.2007

         

         

 

Bilder vom Aufbau am 10.3.2007 ansehen

 

Aufbau und Aufbauabendessen am 9.3.2007

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

         

 

Bilder vom Aufbau und Aufbauabendessen am 9.3.2007 ansehen

Weitere 515 Bilder vom Aufbau und Aufbauabendessen am 9.3.2007 ansehen

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Information für die Medien

"Kunst als Konnotation und Kunst als energetisches Phänomen" - Eine Parallelausstellung mit Werken von Georg Zimmermann, Ralf Binnewies, Luca Loiudice und JOHannaS
11. März bis 11. April 2007, galerie m beck, Homburg-Schwarzenacker

"Kunst als Konnotation" und die Energie der Kunst durch die Verdrängung von Raum, das sind die beiden Leitmotive der aktuellen Parallelausstellung in der galerie m beck. Dabei scheinen sich diese beiden Kernthemen gerade in den Metallobjekten von Georg Zimmermann auch formal zu verdichten. Unter dem Titel "Das Außen das Innen des Raums" lässt der geborene Rheinländer, heute in Leverkusen lebende mittdreißige Künstler in ihnen kraftvolle Dynamik und in sich ruhende Statik neben-, gegen- und dadurch letztlich miteinander wirken. Geradlinig, mitunter archaisch anmutend und dabei doch auf größtmögliche Wirksamkeit bedacht, erweisen sich Georg Zimmermanns "dimensionale Plastiken" gerade durch die Zurückführung auf ihr eigentliches Wesen als Form gewordene Spannungsfelder.

Im Spannungsfeld von Raum und Fläche, Farbe und Form entstanden sind dagegen die Gemälde von Ralf Binnewies, die nun unter der Schirmherrschaft des Homburger Landtagsabgeordneten Klaus Roth erstmals im Saarland zu sehen sind. "Masse und Individuum" sind dabei die zentralen Pole, zwischen denen der 1957 in Osnabrück geborene Künstler seine neueste Serie "Menschen" im wahrsten Sinne Gestalt annehmen lässt. "Die Fülle der sportlichen, religiösen, gesellschaftlichen oder politischen Ereignisse", beschreibt Binnewies seine innerhalb dieser Serie versammelten Sujets, "bietet ein Füllhorn von neuen Bildideen mit sozialisierten Massen, die Anlass geben, die Motivationen, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu reflektieren". Allerdings sucht die Auseinandersetzung mit diesen "künstlerischen Gegebenheiten" ihr Pendant in der Wahrnehmung des Betrachters. In sich geschlossen und doch über den Bildrand hinaus drängend, sind die in Einzelsequenzen zerlegten "Menschen"-Darstellungen Ralf Binnewies' bei all dem nichts anderes – und doch wesentlich mehr – als die konsequente Wiederholung einer scheinbar alltäglichen Wahrnehmung.

Ein ganz anderes Menschenbild erschließt parallel dazu Luca Loiudice: "hasty climbers have sudden falls" - zu deutsch: "Hastige Kletterer fallen jäh" - hat der 1984 in Turin geborene, stark von der (menschlichen) Natur als Charaktertypen inspirierte Maler seine ungewöhnliche, zugleich allererste Werkschau in Deutschland betitelt. "Der unkontrollierbare Gedanke", sagt er selbst, "ist ein Gemälde" - und seine Gemälde somit unkontrollierbare Gedanken. In Folge dessen greift der bekennende Nonkonformist einerseits Reminiszenzen der abendländischen Kunst auf, um sie - zumindest auf den ersten Blick - in assoziative Überzeichnungen voller surrealer Symbolkraft zu überführen. So mischen sich in Luca Loiudices Bildwelten subtile Andeutungen und vordergründig Plakatives, naturalistische Formen und abstrakte Gedanken zu Mikrokosmen eines äußerst vielschichtigen Menschenbegriffs.

Die Dynamik der Farben wiederum ist das prägende Element der Arbeiten von JOHannaS. "Energy" - sprich: "Energie" - hat die aus Sankt Gallen stammende Künstlerin als Titel für ihre in Schwarzenacker präsentierte Serie gewählt. "Kunst", so JOHannaS, "ist für mich der Dialog zwischen Material und Möglichkeit. Neues zu suchen und es in Farbe und Form zu materialisieren ist das Ziel. Dass die Dinge nicht immer das sind, was sie scheinen mögen, zeigt die Realität". Dieser Realität nähert sie sich auf experimentelle Weise, indem sie ihre Bilder unmittelbar und aus einem spontanen Impuls heraus entstehen lässt. Dabei ist Farbe für sie Energie, Rhythmus, Bewegung und Leben in einem, versucht sie dieser, wie sie es nennt, "Eigendynamik der Farben" intuitiv eine ihrem Wesen entsprechende Form zu geben. In ihren neuesten Werken spielt JOHannaS betontermaßen mit dem Dreiklang aus Farbe, Form und Energie - und damit jenen, wie sie es nennt, "Erscheinungen des Augenblicks, die erst im Moment des Sehens Wirklichkeit werden und dann wieder verschwinden".

Die parallel gezeigten Ausstellungssequenzen "Georg Zimmermann | Das Außen das Innen des Raums", "Ralf Binnewies | Menschen", "Luca Loiudice | hasty climbers have sudden falls" und "JOHannaS | Energy" sind vom 11. März bis einschließlich 11. April 2007 in der galerie m beck, Historischer Schwedenhof (am Römermuseum), Homburg-Schwarzenacker, jeweils mittwochs bis freitags von 16 bis 20 Uhr, sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (0 68 48) 7 21 52 sowie im Internet unter www.galerie-monika-beck.de.

 

Presseinformation

Zum ersten Mal stellt der Maler Ralf Binnewies in der Galerie Beck und zum vierten Mal ist es eine Ausstellung nur mit „Menschenbildern“. Das Thema „Masse und Individuum“ beherrscht seit vier Jahren das Schaffen des Malers und bildet eine neue Werkgruppe, deren Bilder mit dem Betrachter die grosse Distanz zu den Ansammlungen von Menschen teilen. In den Bildern verschmelzen unterschiedliche Formen in strukturierten Farbflächen als dichtes Gewebe verschiedener Farbschichten.

Die wie eingefroren wirkenden Situationen erhalten durch den Blickwinkel eine sinnliche Präsenz, die jede stilistische Zuordnung bewusst unterläuft und das reine Empfinden von Farbe und Bewegung als Gehalt des ästhetischen Prozesses des Malens und des Betrachtens ausmacht.

Indirekt stellt sich die Frage nach dem Sinn menschlichen Tuns. Unübersehbar ist aber auch der positive Aspekt des Aufeinander-treffens vieler Menschen zu gesellschaftlichen, politischen, religiösen und sportlichen Anlässen. So wird der Bogen gespannt über „Tour de France“, „Boxkampf“ und „Ferraristi“, über „Opernball“, „Börse“ und „Pressekonferenz“ bis zum „Stierkampf“, „Osterlauf“ und „Benedetto in Köln“ gespannt – Anlass für den Betrachter, die Motivationen, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu reflektieren.

 

..\kunstquartal-2007-02.pdf

 

Öffnungszeiten und andere Informationen zur Ausstellung