| |
14. Januar - 8. Februar 2007
Linda
Blüml
Heimat | Himmel und Erde | Malerei und Skulptur


1977: in München geboren
1984-1996: Waldorfschule Prien
ab 1997: Autodidaktin im Malen und Bildhauern
und freie Improvisation auf dem Klavier
1998-2001: Klavierduo mit Beatrice von Kutzschenbach
seit 1999: Script/Continuity bei mehreren Kurzfilmprojekten
seit 2000: Ausstellungen im Chiemgau, Allgäu,
München, Markkleeberg, Hamburg, Berlin
2002: Kindermalkurse
Sommer 2002/2003/2004/2005: Teilnahme an Holz-Symposien
in Markkleeberg/Leipzig und St.Georgen/Salzburg
Januar 2003: Arbeit am Bilderbuch "Der Gnom und der Lulatsch"
(Zusammenarbeit mir Sabine Janowitz - Idee und Text)
seitdem steigende Portokosten beim Einreichen bei Verlagen
Oktober 2003: Kurzfilm "Raus"
Frühjahr 2004: Steinhau-Workshop (Marmor)
seit 2004: Dokumentarfilm "Aussteiger" (in Arbeit)
seit 2005: Impro-Projekt Tanz/Klavier mit der Tänzerin Jojo Kellerer,
sowie mit Vimprodaco
lebhaft in Berlin (seit Nov.05)
in situ foyer


in situ balcony





Bilder in
situ ansehen
Einführung Archimedes Ralle | Elvira Hufschmid | Linda
Blüml
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie sehr herzlich zu dieser ersten Ausstellungseröffnung in
2007 (- reception-) und wünsche Ihnen alles Gute in diesem noch jungen
Neuen Jahr.
Wir waren fleißig und haben in den Weihnachtsferien eine weitere
Ausstellungsetage hergerichtet, die lounge, in der Sie auch gemütlich
sitzen und lesen können, zB die Dokumentationen zu den laufenden
Ausstellungen, die Sie deshalb hier in der bel etage gerade nicht
finden.
Die erste Ausstellung dort bestreitet Ilse Gretenkord, die ich
gleichfalls herzlich begrüße, und über deren Ausstellung „Leider nur
55000 Euro“ gleich nach mir Eva Müller (-Salve, Magister!-) sprechen
wird.
Ebenfalls freundlich begrüßen und Ihnen vorstellen möchte ich
Linda Blüml
Elvira Hufschmid
und Archimedes Ralle.
In der ersten Ausstellungsfolge wollten wir zwei Themenbereiche
zusammenknüpfen, einmal „Studien und Untersuchungen“ als Begriff für das
Abarbeiten von Phänomenen mittels küntslerischer Techniken, - diese
Folge wird im Februar weitergeführt werden.
Zum zweiten unterschiedliche Naturbegriffe als Grundlage und
Ausagangspunkt der künstlerischen Beschäftigung mit der Welt – als
Natur, aber auch als Environment.
So verdichten sich beispielsweise in den “Vor der Natur” gefertigten
Studien des Homburger Künstlers Archimedes Ralle Körperlichkeit und ein
abstrahierter, soziologisch geprägter Formenkanon aus Natur und
Kunstgeschichte zu Aktaufnahmen. “In seinen Fotografien”, so die Iris
Eggenhofer, “findet eine zerlegte Welt wieder zusammen, ein eigentümlich
Licht durchfluteter Kosmos öffnet sich, in dem Gegenständlichkeit und
Abstraktes, Natur und Architektur eins werden, Ruhe einkehrt. Eine
moderne Zeitlosigkeit scheint auf, die den Blick des Betrachters
anzieht”. Als “Magnetismus für das Unvorhersehbare” bezeichnet sie den
Eindruck, den die Fotografien des 1959 in München geborenen Künstlers
vermitteln. Dabei dient die Kamera als Begleiterin und Chronistin, denn
als inszenatorisches Werkzeug.
Dadurch wohnt seinen auf “Welthaltigkeit” angelegten Werken nach den
Worten Iris Eggenhofers “ein Leuchten inne, das den Betrachter verweilen
lässt, das ihn beschäftigt, ihn wiederkehren lässt – um gerade vertraut
Gewordenes zu suchen und dennoch Neuartiges zu finden”.
Sepziell der Wald ist Resonanzboden und eigentlich Heimstatt für
Archimedes Ralle. Wir laden Sie deshalb auch ein, am kommenden Sonntag,
21. Januar mit ihm einen Waldspaziergang zu machen, bei dem er
anschaulich erzählen wird, wie er seine Motive findet. Treffpunkt (und
später Schlußpunkt mit flüssiger Verpflegung) ist 14.30 hier in der
galerie.
Ein Vormerkzettel liegt unten im foyer beim Gästebuch aus; dort können
Sie sich gerne eintragen.
Elvira Hufschmids Videoinstallation und Fernsehzeichnungen greifen im
Ausstellungstitel den traditionellen Kunstbegriff “Nach der Natur” auf,
um mediale, die Menschen längst ganz selbstverständlich umgebende
TV-Welten als bereitwillig akzeptiertes Ersatz-Paradies zu bezichtigen.
“Fernsehbilder”, so die Absolventin der Hochschule der Bildenden Künste
Saar, “sind beinahe allgegenwärtig und formen unseren Blick auf die
Welt. Sie halten die Sphäre der Realität besetzt, denn wir weinen oder
lachen mit den fernen Geschehnissen, als ob sie nah wären”. Ihre
künstlerisch weitergeführten Fernsehbilder indes bezeichnet die
Diplom-Bildhauerin und Medienkünstlerin vor dem Hintergrund einer
individuellen – sprich: natürlich begrenzten Wahrnehmungsfähigkeit –
“als schier unmöglichen Versuch, laufende Bilder als Standbilder
festzuhalten”: “Ich kann keine 25 Bilder in der Sekunde auf das Blatt
Papier bringen und muss berücksichtigen, dass sich flüchtige Bilder
zeichnerisch nur flüchtig wiedergeben lassen”, räumt Elvira Hufschmid
einerseits ein – um andererseits eben jene Flüchtigkeit als ganz
persönliches Stilmittel aufzugreifen. Insofern stellen ihre
Videoinstallation und “Fernsehzeichnungen” umgekehrt ihr Eingreifen in
mediale Scheinwelten dar, in denen sie die Flüchtigkeit millionenfach
konsumierter Natursurrogate als längst alltäglich gewordene Wirklichkeit
offenbart.
“Die Kuh”, bekennt Linda Blüml, “ist für mich Ausdruck der inneren
Heimat … – eine Art der Geborgenheit, die wir stets nur uns selbst geben
können”. Vielschichtig wie dieses innere Zuhause sind in Folge dessen
ihre mitunter als augenzwinkernde Metapher zu verstehenden Arbeiten, die
stets auch Fragen nach dem eigenen Ich in Relation zu stetig wechselnden
Umgebungen (“Heimat”), Menschen (“Herde”) und Gefühlswelten
(“Herzdichtung”) darstellen. All diese Aspekte wiederum verdichtet Blüml
in Form emblematisch anmutender Malerei, die mehr ist als “nur” einem
Leitmotiv verpflichtete Tierportraits.
Die Idee zu ihrer ausgefallenen Werkserie kam der Künstlerin auf Reisen
zwischen Berlin, dem Saarland und Nordfrankreich, als sie “ohne Wohnung
und ohne Wohnperspektive” Kühe als gemeinsam vertrauten Nenner begriff.
Daraufhin begann sie, diese zu malen und in unterschiedlichsten
Abstraktionsebenen zu verankern. Auf diese Art gelang ihr das – im
wahrsten Sinne – Kunststück, die im modernen Europa weitgehend nur noch
als Gewinn versprechende Wirtschafts- und Subventionsfaktoren
angesehenen Geschöpfe wieder in ihrer Bedeutung als uralte, hoch
geschätzte Symboltiere der Menschheit und Kulturen übergreifende
“Seelenwesen” zu würdigen: Nicht ohne Grund gingen sie in die Mythen
Europas und Indiens ein, wurde im Reich der Pharaonen der Himmel gar als
große Nahrung spendende Kuh angesehen, die mit vier Beinen auf der Erde
stand. Diesen Bezug aufgreifend, offenbart Linda Blüml in ihren
ebenfalls zwischen “Himmel und Erde” angesiedelten Arbeiten Bildwelten,
in die man nach ihren Worten “unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen
Wunsch hineinlegen kann oder eine Bitte, eine Freude oder eine Trauer”.
Einen – zumindest rein formal gesehen – ganz anderen Schaffensbereich
Blümls bilden daneben die parallel zu ihren Kuh-Bildern in
Schwarzenacker präsentierten Skulpturen, in denen sie sich entlang des
Leitmotivs “Handlungsfreiheit” einer weiteren “inneren Heimat” nähert.
Dabei thematisiert sie nicht nur ein damit zusammen hängendes, betont
nach außen gewandtes Verantwortungsbewusstsein, sondern auch Sinn und
Unsinn unterschiedlichster Handlungen – und damit vielleicht auch das
Wesen von “gut” und “böse”.
Insgesamt, und das gilt auch für Ilse Gretenkords Ausstellung, die einen
ganz anderen Blick auf ihr Environment geworfen hat, und zu ganz anderen
Lösungen gefunden hat, wie Eva Müller gleich verdeutlichen wird, ist
nach Turgenjew „Die Natur kein Tempel, sondern eine Werkstatt, und der
Mensch hat darin zu arbeiten.“
Ich wünsche Ihnen Erkenntnis – und uns und den Künstlerinnen und
Künstlern rote Punkte. Wir sind ja schon schlau.
Mathias Beck




Abbildungen
Reisekühe ansehen
Ausstellungen
Februar 2007: Galerie Beck,
Homburg/Saar
Januar 2006: Alte Bahnhofshalle Friedenau, Berlin
August 2005: Galerie Marziart, Hamburg
August/September 2005: Galerie Blaues Haus, Markkleeberg
November 2004: Kongress zur Suchtprävention, Bad Reichenhall
(Skulpturen)
Juli/August 2004: Kulturgaststätte und Galerie Rauchhaus, Seeon
Oktober 2003: Galerie Blaues Haus, Markkleeberg
September 2003: Café Glück, München
Mai 2003: Kulturgaststätte und Galerie Rauchhaus, Seeon
Mai 2002: Kulturzentrum Traunstein
April-Juni 2002: Lillemors Frauenbuchladen und Galerie, München
Juli 2002: Hefter-Stadl, Grassau
Februar-April 2002: Badehaus, Bernau a. Chiemsee
November 2001: Kulturwerkstatt Sonthofen
August/September 2001: Kulturgaststätte und Galerie Rauchhaus, Seeon
April-Juni 2001: Intercoiffure Wachter, Prien
Oktober 2000: Galerie Bouton, München
Juli 2000: Kulturzentrum Traunstein
November 1998: Kongress zur Suchtprävention, Bad Reichenhall (Mahnmal)


Abbildungen
Himmel und Erde | Himmel und Herde ansehen
Himmel & Herde
Die Kuh ist für mich ein Symbol der inneren Heimat, die uns vor allem
dann bewusst wird, wenn wir in der Fremde, wenn wir unterwegs sind -
eine Art der Geborgenheit, die wir nur uns selbst geben können.
Die Idee kam im letzten Jahr, als ich viel umherfuhr – Berlin, Homburg,
Berlin, Köln, Witten, Lille, Hamburg, Berlin, Leipzig, Berlin – und mit
einem Auge, weil ohne Wohnung und ohne Wohnperspektive, nach einem
Zuhaues schielte. Wenn ich Kühe sah, fühlte es sich vertraut an. Aber
ich glaubte zu sehen, dass es nicht allein daran lag, dass ich in der
bayerischen Heimat dauernd von ihnen umgeben gewesen war. Nein, es war
ihr Blick, ihre Ruhe, die Sturheit; Kühe sind einfach da.
So begann ich, Kühe nicht nur zu malen, sondern dabei auch in einen
anderen Zusammenhang zu stellen, raus aus der äußeren Heimat. Die Kuh in
der Stadt, die Kuh unterwegs in die Stadt, die Kuh, die übers Meer geht,
die Kuh am Himmel. Sie wurde für mich Übersetzung für einen Teil in mir,
in uns. Zwei Kühe, die sich im Wald gegenüberstehen, sind nicht
rückblickend ein Bild für den Tag, an dem ich mich Hals über Kopf
verliebt habe, sondern für die Begegnung zweier Seelen, und zwar der
tiefen Seelenteile, die ich nur erahnen kann.
Mehr auf den Punkt gebracht ist die „Heimat zum Mitnehmen“ in Form der
Reisekühe, die kürzlich entstanden (siehe Fotos „Reisekuh“).
Mittlerweile habe ich zwar wieder einen Platz gefunden, an dem ich mich
zu Hause fühle, aber die zwischenmenschliche Heimatsuche beispielsweise
bringt mich dazu, mich weiterhin um meine mir selbst innewohnende
Geborgenheit zu bemühen. Manchmal beleidigt, weil ich glaube, nicht zu
kriegen, was ich haben will, sehe ich immer wieder ein, dass ich um das
Üben der grundlegenden Fähigkeit, Glück in mir selbst finden zu können,
nicht drumherum komme.
Die Reisekuh dient als Erinnerungsstütze an die ganz persönliche Kuh,
die Mutterseele in einem selbst. Sie ist keine Fremdkuh, kein Ersatz für
Wohnung, Beruf oder Partner. Man kann sie nicht nur mitnehmen, sondern
zum Beispiel auch zum Aufbewahren des Vertrauens verwenden, wenn die
Zweifel mit ihren grauen krausen Haaren, den großen Ohren und stechenden
Augen wieder um einen herumtanzen. Man kann einen Wunsch hineinlegen -
unter Ausschluss der Öffentlichkeit, oder eine Bitte, eine Freude, eine
Trauer, damit sie Zeit hat, (in vier Mägen) verdaut zu werden.
So viel Innenleben kann jedoch Tonnen wiegen, wenn man ihm nicht
manchmal einen „Ausflug“ gönnt. So kam das Bedürfnis, ein Fleckvieh, das
sieben bis acht Tonnen wiegt, auch mal fliegen zu lassen.
Das führte zum Himmel. „Himmel und Herde“, zwei Pole. Das Erdentreiben –
die Fülle, die irdische Suche mit allen Emotionen und Kämpfen – auf dem
Weg zur Schlichtheit und Klarheit. Es bleiben Himmel und Erde. Ganz
einfach. Der Mensch und das Leben dazwischen und mittendrin. Schwarz und
weiß ist bunt. Ein- und Ausatmen, innen und außen, Zweifel und Vertrauen
zusammen ist Glück. Und der Weg dahin? Ist verspielt. Und düster. Und
hell.
Die heilige Kuh
Schon seit alten Zeiten ist das Rind Lieferant von Nahrung, Kleidung,
sogar Behausung, Zugtier und Energiespender. In vielen Religionen waren
Rinder in Rituale einbezogen.
Im frühen Alten Ägypten genoss die Kuh religiöse Hochschätzung. Der
Himmel wurde als große nahrungsspendende Kuh angesehen, die mit vier
Beinen auf der Erde stand. Sie galt als Symbol für die Hoffnung auf ein
Weiterleben. Später mit Isis identifiziert, wurde auch ihre Schlachtung
selbst zu sakralen Zwecken tabuisiert.
In Indien weist schon der Sanskrit-Name aghnya (die Unantastbare) auf
eine vergleichbare Tradition. Die Kuh wird als Symbol der Mutterschaft,
der Fruchtbarkeit, der Hilfsbereitschaft, des Sanftmuts und der
Gewaltlosigkeit mit jener Art von Hingabe verehrt, die den Nicht-Hindu
in Verlegenheit bringt und irremacht.
Selbst für jene, denen sie nicht ‚heilig‘ sondern lediglich ein
wichtiges Symbol ist, hat sie doch einen besonderen Stellenwert und das
Töten von Kühen ist für die meisten undenkbar. Und sind auch nicht alle
Hindus Vegetarier, so ist es für die meisten ausgeschlossen, Rindfleisch
zu essen.
Auf der Straße haben Kühe „Vorfahrt“. Allein in Neu Delhi streunen
15.000 herrenlose Kühe, was nicht immer problemlos ist, da es häufig
auch zu Unfällen kommt.
Schon in den ältesten der Hinduschriften kommt die Kuh als Göttin vor,
die Verkörperung der Erde, Prithivi Mata. Auch viele andere Schriften
bezeichnen sie als göttlich, besonders häufig ist die Wunschkuh, die
Erfüllerin der Wünsche.
Heutige Hindus begründen die besondere Stellung des Tieres mit der
Aussage, dass die Kuh eine Mutter sei, die Menschen alles zum Leben
gebe. Sie bedeutet ihnen ein Symbol für Fürsorge und Lebenserhaltung.
Sind mit der Bezeichnung ‚ Kuh‘ auch weibliche sowohl als auch männliche
Tiere gemeint, so hat doch das weibliche in Indien einen höheren
Stellenwert (Stierkult ist ja auch weit verbreitet, hat aber wieder eine
bissl andere Bedeutung. Klar). Die weibliche Kuh erfährt nur in ihrer
lebendigen Form Verehrung, nie in Abbildungen. Zu besonderen Feiertagen
oder zu besonderen privaten Anlässen - etwa einem Gedenktag oder einer
Wallfahrt, kann man, auch unter der Anleitung eines Brahmanen-Priesters,
das Tier rituell berühren und bestimmte Gebete dazu sprechen.
Inzwischen ist die Kuh in Indien allerdings nicht nur Muttersymbol,
sondern auch ein Mittel der Hindus, sich von den Moslems abzugrenzen.
Ähnliche Symbolik (Muttergöttin, Wiedergeburt, Stärke und Fruchtbarkeit)
hatte die Kuh übrigens auch bei den Kelten. Und sie ist nicht nur das
Nationaltier der Schweiz, sondern auch Nepals. :-)
Produktion
Spuren von Rinderkult finden sich auch in Süddeutschland und Österreich,
wie etwa der Almabtrieb im Herbst und der geschmückte Pfingstochse.
Ansonsten findet man hierzulande nur noch die Lebensohrmarkennummer als
einziges Zeichen für ein Lebensrecht. Die Kuh ist Produkt geworden und
drückt sich in Zahlen aus. Eine Milchkuh gibt bis zu 18.000 Liter Milch
im Jahr, eine richtige „Hochleistungskuh“ (kein Scherz, die werden so
genannt) bis 50 Liter am Tag. Ganz zu schweigen von der
Fleischproduktion. Ja, da schweig ich jetzt lieber, sonst wird mir
schlecht. Jedenfalls macht eine Milchkuh beim Fressen und Wiederkäuen
ca. 30.000 Kaubewegungen pro Tag und produziert bis zu 150 Liter
Speichel.
Das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz
(RflEttÜAÜG) war im Jahr 1999 in Mecklenburg-Vorpommern Teil eines
Gesetzesvorhabens. Dieses Gesetz sollte die Übertragung der
Überwachungsaufgaben der Etikettierung von Rindfleisch und der
Kennzeichnung von Rindern regeln.
Bei der Einbringung des Gesetzes in den Landtag brachen die Abgeordneten
in schallendes Gelächter aus. Der mecklenburg-vorpommersche
Landwirtschaftsminister Till Backhaus entschuldigte sich daraufhin für
die „mögliche“ Überlänge des Gesetzestitels.
Das tatsächlich am 19. Januar 2000 beschlossene Gesetz heißt „Gesetz zur
Übertragung der Aufgaben für die Überwachung der Rinderkennzeichnung und
Rindfleischetikettierung“, die amtliche „Kurzform“ lautet
Rinderkennzeichnungs- und
Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz.
1999 wurde das Wort von der Gesellschaft für deutsche Sprache für die
Wahl zum Wort des Jahres vorgeschlagen.
In Berlin
spricht man vom Steuerzahler als Melkkuh.
Der Bund der Steuerzahler Berlin e.V. startete am 22.08.2005 eine
Aufklärungs- und Informationskampagne DIE KUH.
Der auffällige Motivwagen mit der gemolkenen Kuh, dem Symbol der Aktion,
in dem sich Steuer- und Abgabenzahler wieder finden sollten, war zu
bestimmten Zeiten in der Berliner Innenstadt und auf den Ausfallstraßen
zu sehen.
Milka
Seit den 90er Jahren ist die Kuh auf den Verpackungen immer gleich zu
sehen: eine einzelne Kuh der Simmenthaler Rasse wird von links mit
leicht geneigtem Kopf und jeweils festgelegtem Schriftzug und Flecken
abgebildet.
Heute steht die Lila Kuh für eine Markenidentifikation mit allen Milka
Produkten. Außerdem ist sie seit jeher eine der erfolgreichsten
Werbefiguren und fest in der heutigen Gesellschaft etabliert. 1995
sollten in Bayern 40.000 Kinder bei einem Wettbewerb eine Kuh ausmalen,
woraufhin jedes dritte Kind die Farbe lila auswählte.
Die Milka Lila Kuh ist ein Symbol für Qualität und gilt als sympathisch,
glaubwürdig, gutmütig und geduldig. Sie hat inzwischen treue Fans auf
der ganzen Welt und trägt viel dazu bei, dass Milka jedes Jahr ca. 400
Millionen Tafeln Schokolade, etwa 30 Millionen Osterhasen und
Weihnachtsmänner und vieles mehr aus der zarten Milka
Alpenmilchschokolade verkauft.
Handlungsfreiheit
Das Thema der plastischen Arbeiten ist nicht weit von
der „Inneren Heimat“ entfernt, beleuchtet das damit zusammenhängende
Verantwortungsbewusstsein aber auf eine andere Weise, mehr nach außen
gewandt.
Es wirft Fragen auf. Haben wir wirklich Handlungsfreiheit? Können wir
alles tun und müssen lediglich die Konsequenzen tragen? Gibt es
Schicksal? Oder beinhaltet unsere Freiheit sogar, dass wir von
Verhaltensmustern geprägt sind? Woher kommen diese Verhaltensmuster? Was
ist Freiheit? Usw.
So beschäftigt mich einerseits die Entscheidung, zum Beispiel nicht
hinzugucken, die Entscheidung, zu zweifeln (ja, das klingt provokant,
soll es auch!), genauso wie die Entscheidung, zu lauschen oder zärtlich
zu sein. Denn warum schiebt man nur positiven Wendungen den Vorgang der
Entscheidung in die Schuhe? Wo ist der Unterschied zwischen positiv und
negativ? Gibt es nicht einfach Aktion und Reaktion? Was ist
Entscheidung?
Zum Anderen, was die Konsequenzen betrifft, hat mich ein Mitkünstler
beeinflusst, der im gemeinsam gemieteten Atelier nicht nur perverse
nachbearbeitete Fotos zum Trocknen mir vor die Nase hängt, sondern auf
seiner Vernissage von seinem Modell zwei weißen Kaninchen den Kopf
abschneiden ließ. Keine allzu neue Aktion im Kunstgeschehen. Aber hier
diente es ausschließlich dem Zweck der Publicity. Sagt er.
Weitere Fragen tauchen auf: was als (aufzeigende) Handlung ist sinnvoll?
Was kann/soll/darf man verbieten? Ist verbieten sinnvoll?
Fragen, die ich nicht beantworten will. Nee, nee.
Linda Blüml

Die Kuh, ist für mich ein Symbol der inneren Heimat,
die uns vor allem bewusst wird, wenn wir in der Fremde, wenn wir
unterwegs sind - eine Art der Geborgenheit, die wir stets nur uns selbst
geben können.
Das Bild der Kuh auf einer Weide beschreibt aber nicht nur eine eigene
Sicherheit, sondern gleichzeitig, was nicht durch Zufall mit dem inneren
Heimatgefühl zusammentrifft, auch das Innere selbst, die (heilige)
Stelle, die am verletzlichsten und am stärksten ist.
So stellen die Arbeiten auch die Frage: wo stehe ICH, in Bezug auf eine
andere Umgebung („Heimat – Hamburg“, „Heimat – Calais“, „Heimat –
Berlin“), auf andere Menschen („Heimat – Herde“, „Nord-Süd-Begegnung“)
oder wo stehe ich in Bezug auf meine Gefühle („Heimat – Himmel“,
„Herzdichtung“, „Meer“)?
Linda Blüml

Die Rückbesinnung besonders der West- Deutschen
neueren Kunstszene nach dem Dogma der Abstraktion, des Informel, auf die
Gegenständlichkeit, die in den achtziger und neunziger Jahren des 20.
Jahrhunderts mit der neuen Figuration einsetzte, findet in den Arbeiten
von Linda Blüml einen weiteren Niederschlag.
Die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten der Künstlerin zeigen
deutlich, daß diese neofigurale Malerei nichts Konservatives hat, daß
diese Art, sich auszudrücken, auch die Impulse der abstrakten Kunst
aufgenommen hat und daß sie sie für sich weiterentwickelt hat, ohne in
einen prämodernen Zustand zurückzuverfallen.
Vielmehr sind die Bilder und Bildauffassungen Linda Blümls von dem
Bewußtsein geprägt, daß die Ausdrucksmöglichkeiten der reinen
Abstraktion den von ihr gewünschten Aussagen nicht in vollem Umfang
gerecht werden können.
Dabei wären diese Arbeiten ohne Elemente des Minimalismus und der
Abstraktion gar nicht möglich. Die in zurückhaltend- intensiver
Farbigkeit lebendiger Flächen lebenden Bilder abstrahieren vom
natürlichen Erscheinungsbild der Gegenstände und Körper, reduzieren auf
Wesentliches.
So refiguriert sich aus den Formen und Farben der Abstraktion und dem
Objekt das Figürliche.
Die Bildgestaltung verharrt bewußt im Zweidimensionalen des Bildträgers,
auf die Suggestion von Räumlichkeit wird zugunsten klarer Komposition
verzichtet. Die Körper und realen Gegenstände werden in ihrer Form flach
und breiten sich in der dichten zweidimensionalen Atmosphäre aus.
Eine vibrierende Spannung entsteht, wenn die Körper und Gegenstände
versuchen, ihr Volumen gegen die Tendenz der realen Bildfläche zu
behaupten und doch in ihren Flächen gefangen bleiben.
Die Darstellung von Natur und auch die des Menschen sind durch die Wahl
des Bildausschnittes oder die Farbgliederung des Umfeldes, in dem sich
Figuren und Gegenstände befinden oder bewegen, seltsam verfremdet. Wir
tauchen bei der Betrachtung der Bilder in Traumwelten, die in uns
Unbewußtes erklingen lassen, die von einer gewissen Sehnsucht nach
Harmonie getragen werden aber auch den Prozeß der Selbstfindung der
Künstlerin begleiten.
Die Farbe sei der Ort, wo sich das Weltall und unser Gehirn begegnen,
sagte Paul Cezanne. Momente dieses Zusammentreffens festzuhalten, ist
das Anliegen der Bilder, die dem Verlangen nach Harmonie und friedvollem
Zusammensein Ausdruck verleihen.
Unterstrichen wird das Anliegen der Ausstellung noch durch einige
Plastiken, die die Vielseitigkeit der Künstlerin verdeutlichen.
Die seit Rodin entwickelte Abwendung der Skulptur vom Gegenstand hin zum
materialhaften des zu Gestaltenden nutzt sie, indem ihre Figuren sich
gleichsam aus dem Stamm schälen.
Auch bei der Arbeit als Bildhauerin verfährt sie nicht wie mancher
Kollege, der einen unbehauenen Klotz aus Holz oder Stein hernimmt und
monatelang bearbeitet, bis er aussieht wie ein unbehauener Klotz aus
Holz oder Stein. Hier mehr noch als in ihrer Malerei setzt sie sich mit
dem Gegenstand direkt auseinander, deutet ihn aus, gestaltet ihre eigene
Wahrheit und zeigt am Ende, daß auch sie dem Wort des Großmeisters der
deutsche Romantik lebt: Des Künstlers Gefühl ist sein Gesetz.
Linda Blüml formuliert das selbst so:
„... paß auf, daß du nicht verarmst
die Bewunderung für das Leben nicht verlierst
für jeden Anfang, jede Geburt, nach der du Kind bist!
Paß auf, daß du nicht hart wirst und grau
ein eiserner Verteidiger, ohne den Mut enttäuscht zu werden!
Hör dir zu und lebe ganz!“
Rainer Pleß











Abbildungen Malerei Heimat ansehen
Weitere Abbildungen Bilder ansehen
Weitere Abbildungen Bilder Linda Blüml ansehen
Skulptur


Abbildungen Skulptur ansehen
Weitere Abbildungen
Skulptur ansehen
Waldspaziergang mit Archimedes Ralle und Abendessen am
21.1.2007










Bilder vom Waldspaziergang mit Archimedes Ralle und Abendessen am 21.1.2007
ansehen
Webcambilder nach dem Waldspaziergang am 21.1.2007 ansehen
Opening Reception am 14.1.2007




























Bilder von der
Opening Reception am 14.1.2007 ansehen
Weitere 89 Bilder von der Opening Reception am 14.1.2007 ansehen |
Fotos von Gabriele Ralle
Bilder
der Webcam von der
Opening Reception am 14.1.2007 ansehen
Aufbau und "Aufbauabendessen" am 12.1.2007



















Bilder
vom Aufbau und "Aufbauabendessen" ansehen
Weitere 279 Bilder
vom Aufbau und "Aufbauabendessen" ansehen | Nikola
Dimitrov
Bilder der Webcam vom Aufbau 11., 12., 13.1.2007 ansehen
Pressetext zur Ausstellung
Himmel und Erde | Malerei und Skulpturen
von Linda Blüml
14. Januar bis 7. Februar 2007, galerie m beck, Homburg-Schwarzenacker
Unter dem Titel “Himmel und Erde” präsentiert die galerie m beck vom 14.
Januar 2007 an Arbeiten von Linda Blüml. Dabei nimmt der
Ausstellungstitel einerseits die persönliche Position der 1977 in
München geborenen, heute in Berlin lebenden Künstlerin vorweg,
andererseits aber auch ihren individuellen Heimat-Bezug. Dieser
erschließt sich auf verblüffende Weise gerade in ihren ungewöhnlichen,
nun erstmals im Saarland gezeigten “Kuh-Bildern” (Himmel und Herde).
“Die Kuh”, bekennt Linda Blüml, “ist für mich Ausdruck der inneren
Heimat … – eine Art der Geborgenheit, die wir stets nur uns selbst geben
können”. Vielschichtig wie dieses innere Zuhause sind in Folge dessen
ihre mitunter als augenzwinkernde Metapher zu verstehenden Gemälde, die
stets auch Fragen nach dem eigenen Ich in Relation zu stetig wechselnden
Umgebungen (“Heimat”), Menschen (“Herde”) und Gefühlswelten
(“Herzdichtung”) darstellen. All diese Aspekte wiederum verdichtet Blüml
in Form emblematisch anmutender Arbeiten, die mehr sind als “nur” einem
Leitmotiv verpflichtete Tierportraits.
Die Idee zu ihrer ausgefallenen Werkserie kam der Künstlerin auf Reisen
zwischen Berlin, dem Saarland und Nordfrankreich, als sie “ohne Wohnung
und ohne Wohnperspektive” Kühe als gemeinsam vertrauten Nenner begriff.
Daraufhin begann sie, diese zu malen und in unterschiedlichsten
Abstraktionsebenen zu verankern. Auf diese Art gelang ihr das – im
wahrsten Sinne – Kunststück, die im modernen Europa weitgehend nur noch
als Gewinn versprechende Wirtschafts- und Subventionsfaktoren
angesehenen Geschöpfe wieder in ihrer Bedeutung als uralte, hoch
geschätzte Symboltiere der Menschheit und Kulturen übergreifende
“Seelenwesen” zu würdigen: Nicht ohne Grund gingen sie in die Mythen
Europas und Indiens ein, wurde im Reich der Pharaonen der Himmel gar als
große Nahrung spendende Kuh angesehen, die mit vier Beinen auf der Erde
stand. Diesen Bezug aufgreifend, offenbart Linda Blüml in ihren
ebenfalls zwischen “Himmel und Erde” angesiedelten Arbeiten Bildwelten,
in die man nach ihren Worten “unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen
Wunsch hineinlegen kann oder eine Bitte, eine Freude oder eine Trauer”.
Einen – zumindest rein formal gesehen – ganz anderen Schaffensbereich
Blümls bilden daneben die parallel zu ihren Kuh-Bildern in
Schwarzenacker präsentierten Skulpturen, in denen sie sich entlang des
Leitmotivs “Handlungsfreiheit” einer weiteren “inneren Heimat” nähert.
Dabei beleuchtet sie in insgesamt 10 Stein- und Holzskulpturen nicht nur
ein damit zusammen hängendes, betont nach außen gewandtes
Verantwortungsbewusstsein, sondern auch Sinn und Unsinn
unterschiedlichster Handlungen – und damit zugleich das Wesen von “gut”
und “böse”.
Die Ausstellung “Himmel und Erde” mit Malerei und Skulpturen von Linda
Blüml ist vom 14. Januar bis einschließlich 7. Februar 2007in der
galerie m beck, Historischer Schwedenhof (am Römermuseum),
Homburg-Schwarzenacker, jeweils mittwochs bis freitags von 16 bis 20
Uhr, sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr sowie jederzeit nach
vorheriger Vereinbarung zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere
Informationen hierzu gibt es unter Telefon (0 68 48) 7 21 52 sowie im
Internet unter www.galerie-monika-beck.de.
Information für die Medien
“Untersuchungen & Studien-Reihen I”
Parallelausstellung mit Werken von Elvira Hufschmid, Archimedes Ralle,
Linda Blüml und Ilse Gretenkord
14. Januar bis 7. Februar 2007, galerie m beck, Homburg-Schwarzenacker
In ihrer aktuellen Parallelausstellung rückt die galerie m beck die
mitunter durchaus ironische Beziehung zwischen Mensch und Natur in den
Mittelpunkt. Unter dem Titel “Untersuchungen & Studien-Reihen I” werden
dabei im Rahmen von vier zeitgleich präsentierten Einzelschauen die
Werkpositionen ganz unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstlern
vorgestellt, die sich in ihren nun erstmals in dieser Konstellation
gezeigten Arbeiten auf ungewöhnlich nachdrückliche Weise einem –
scheinbar – vertrauten Leitmotiv nähern.
So greifen beispielsweise die Videoinstallation und Fernsehzeichnungen
von Elvira Hufschmid den traditionellen Kunstbegriff “Nach der Natur”
auf, um mediale, die Menschen längst ganz selbstverständlich umgebende
TV-Welten als bereitwillig akzeptiertes Ersatz-Paradies zu entlarven.
“Fernsehbilder”, so die heute in Berlin lebende Absolventin der
Hochschule der Bildenden Künste Saar, “sind beinahe allgegenwärtig und
formen unseren Blick auf die Welt. Sie halten die Sphäre der Realität
besetzt, denn wir weinen oder lachen mit den fernen Geschehnissen, als
ob sie nah wären”. Ihre künstlerisch weitergeführten Fernsehbilder indes
bezeichnet die Diplom-Bildhauerin und Medienkünstlerin vor dem
Hintergrund einer individuellen – sprich: natürlich begrenzten
Wahrnehmungsfähigkeit – “als schier unmöglichen Versuch, laufende Bilder
als Standbilder festzuhalten”: “Ich kann keine 25 Bilder in der Sekunde
auf das Blatt Papier bringen und muss berücksichtigen, dass sich
flüchtige Bilder zeichnerisch nur flüchtig wiedergeben lassen”, räumt
Elvira Hufschmid einerseits ein – um andererseits eben jene Flüchtigkeit
als ganz persönliches Stilmittel aufzugreifen. Insofern stellen ihre
Videoinstallation und “Fernsehzeichnungen” eindrucksvolle Skizzen
medialer Scheinwelten dar, in denen sie die Flüchtigkeit millionenfach
konsumierter Natursurrogate als längst alltäglich gewordene Wirklichkeit
offenbart.
Formal ganz anders nehmen sich dagegen Archimedes Ralles “Vor der Natur”
gefertigte Studien zur Körperlichkeit aus. In ihnen verdichtet der 1959
in München geborene, heute in Homburg (Saar) lebende Meisterfotograf
einen abstrahierten, soziologisch geprägten Formenkanon aus Natur und
Kunstgeschichte zu außergewöhnlichen Aktaufnahmen. “In seinen
Fotografien”, so die Ralle-Kennerin Iris Eggenhofer, “findet eine
zerlegte Welt wieder zusammen, ein eigentümlich Licht durchfluteter
Kosmos öffnet sich, in dem Gegenständlichkeit und Abstraktes, Natur und
Architektur eins werden, Ruhe einkehrt. Eine moderne Zeitlosigkeit
scheint auf, die den Blick des Betrachters anzieht”. Einen
repräsentativen Eindruck seines auch “Magnetismus für das
Unvorhersehbare” bezeichneten Werkansatzes vermitteln nun XX neue, in
der galerie m beck erstmals gezeigte Arbeiten. Zwischen Experiment und
präziser Dokumentation, Kunst und Kälte, Naturgewalt und -poesie
transformiert er auch in ihnen die Impulse markanter Stadt- und
Kulturlandschaften in individuell gesetzte Lichtbilder. Dabei dient die
Kamera dem bekennenden Analogfotografen als Begleiterin und Chronistin,
nähert er sich mit ihrer Hilfe ganz unterschiedlichen Sujets – um sie
aus Bild gewordenen Augenblicken heraus einer immer schnelleren, auf
ständige Bewegung angelegten Wirklichkeitswahrnehmung zu entreißen. Bei
all dem sind Archimedes Ralles Arbeiten stets auch Einladungen, aus der
Begegnung mit seinen Bildbotschaften die eigene Wahrnehmung – und damit
den individuellen Naturbegriff – zu erweitern. Immerhin wohnt vielen
seiner Fotografien nach den Worten Iris Eggenhofers “ein Leuchten inne,
das den Betrachter verweilen lässt, das ihn beschäftigt, ihn
wiederkehren lässt – um gerade vertraut Gewordenes zu suchen und dennoch
Neuartiges zu finden”. So sind Ralles Bilder zugleich Werke “voller
Welthaltigkeit, in denen die Lust am Schauen und Entdecken, an der
enormen Strahlkraft von Farben, an Spiegelungen und Verwerfungen
reflektiert wird”.
Den Naturstudien Hufschmids und Ralles stellt Linda Blüml ihre zwischen
Himmel und Erde angesiedelten Gemälde und Steinskulpturen gegenüber.
Dabei nimmt der Ausstellungstitel “Himmel und Erde” einerseits die
persönliche Position der 1977 in München geborenen, heute in Berlin
lebenden Künstlerin vorweg, andererseits aber auch ihren individuellen
Heimat-Bezug. Dieser erschließt sich auf verblüffende Weise gerade in
ihren ungewöhnlichen, nun erstmals im Saarland gezeigten “Kuh-Bildern”.
“Die Kuh”, bekennt Linda Blüml, “ist für mich Ausdruck der inneren
Heimat … – eine Art der Geborgenheit, die wir stets nur uns selbst geben
können”. Vielschichtig wie dieses innere Zuhause sind in Folge dessen
ihre mitunter als augenzwinkernde Metapher zu verstehenden Gemälde, die
stets auch Fragen nach dem eigenen Ich in Relation zu stetig wechselnden
Umgebungen (“Heimat”), Menschen (“Herde”) und Gefühlswelten
(“Herzdichtung”) darstellen. So begreift Blüml in ihren emblematisch
anmutender Arbeiten Kühe als gemeinsam vertrauten Nenner, gelingt ihr
über deren Verankerung in unterschiedlichsten Abstraktionsebenen das –
im wahrsten Sinne – Kunststück, die im modernen Europa weitgehend nur
noch als Gewinn versprechende Wirtschafts- und Subventionsfaktoren
angesehenen Geschöpfe wieder in ihrer Bedeutung als uralte, hoch
geschätzte Symboltiere der Menschheit und Kulturen übergreifende
“Seelenwesen” zu würdigen. In den parallel zu ihren Kuh-Bildern
präsentierten Skulpturen dagegen eröffnet Blüml über das Sujet der
“Handlungsfreiheit” den Zugang zu einer weiteren “inneren Heimat”, wobei
sie in ihren Steinplastiken nicht nur ein damit zusammen hängendes,
ausdrücklich nach außen gewandtes Verantwortungsbewusstsein, sondern
auch Sinn und Unsinn von Handlungen – und damit das Wesen von “gut” und
“böse” betont.
“Ist es gefährlich, intuitiv zu arbeiten?”, fragt sich schließlich Ilse
Gretenkord – und liefert die Antwort darauf in Form ironisierender,
betont gesellschaftskritischer Wandplastiken und “Lebenscollagen”.
“Reine Intuition” ist hierbei ist das prägende Merkmal im Oeuvre der
1955 in XX geborenen, heute in Duisburg lebenden Malerin und Autorin.
Einen umfassenden Eindruck in das Schaffen und die Werksprache der
bekennenden Intuitionskünstlerin erlauben nun die fünfzehn in
Schwarzenacker gezeigten Arbeiten, die unter dem Titel “Leider erst
55000 Euro” unterschiedlichste Facetten eines bizarr-”normalen”
Alltagslebens erschließen. “Meine Phantasie eröffnet mir ständig neue
Sphären”, verrät Gretenkord hierzu und bekennt im gleichen Atemzug, dass
sie darauf vertraue, “dass ein Selbstschutz existiert, der zwar bis zu
einem gewissen Punkt unbewusste Motive zur Triebfeder des Schaffens
zulässt – jedoch kurz vor dem vollständigen ‚Seelenstriptease‘ das
Steuer herum reißt, um durch eine grotesken Handgriff die Tür wieder zu
verschließen”. Obwohl sie in ihren Kunstwerken das darstellen möchte,
was tief in der Seele des Menschen verankert ist – nämlich “die
Verbundenheit mit allem Geschöpflichen und die Macht des
Unterbewusstseins” – offenbart sie in ihnen demnach nur das, was er von
sich zu übermitteln bereit ist.
Die parallel gezeigten Ausstellungssequenzen “Nach der Natur |
Videoinstallation und Fernsehzeichnungen von Elvira Hufschmid”, “Vor der
Natur | Studien zur Körperlichkeit von Archimedes Ralle”, “Himmel und
Erde | Malerei und Skulpturen von Linda Blüml” und “Leider erst 55000
Euro | Intuitive Kunst von Ilse Gretenkord” sind vom 14. Januar bis
einschließlich 7. Februar 2007 in der galerie m beck, Historischer
Schwedenhof (am Römermuseum), Homburg-Schwarzenacker, jeweils mittwochs
bis freitags von 16 bis 20 Uhr, sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr
sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung zu sehen. Der Eintritt ist
frei. Weitere Informationen hierzu gibt es unter Telefon (0 68 48) 7 21
52 sowie im Internet unter www.galerie-monika-beck.de.

content\2007-01-kakdu-blueml-cover.pdf

content\2007-01-kakdu-blueml-ausst.pdf

content\2007-01-kakdu-blueml-text.pdf

..\01\content\2007-01-24-sz-hw-blueml.pdf

..\01\content\2007-01-24-sz-hw.pdf
Öffnungszeiten und andere Informationen zur Ausstellung
|
|