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4. Oktober - 19. Dezember 2004
Barbara
Denzler
Objekt und Fotografie

Einladungskarte
als pdf

Barbara Denzler
Installationen • Interventionen • Objekte • Fotografien • Grafik
1964: geboren in Thalmässing / Mfr
1984 - 87:Ausbildung zur Druckvorlagenherstellerin, Berufstätigkeit
1988 - 92:Studium an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg
bei Prof. G.K. Pfahler und Rolf-Gunther Dienst
(Freie Malerei und Grafik), Meisterschülerin
1992 - 96:Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste
Karlsruhe
bei Prof. H. Klingelhöller (Bildhauerei), Meisterschülerin
seit 1996 freischaffend als Künstlerin und Raumgestalterin
2000: Weiterbildung zur Cross-Media-Producerin
Preise und Stipendien
1991: Akademiepreis
1992: Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes
Kunstpreis Ökologie der Firma AEG.
1996: Preis für Studierende an Karlsruher Hochschulen
1998: Graduiertenstipendium des Landes BW
Saarpfälzischer Kunstpreis
Ausstellungen
1991: LGA-Galerie, Nürnberg. Spielräume für Kunst, Fürth
1992: Interim Zwischenräume für Kunst, Nürnberg
1993: Absolventenausstellung AdBK Nürnberg
Kunstpreis Ökologie Wanderausstellung: Nürnberg, Köln, Berlin,Dresden
1994: Künstlermesse Karlsruhe
1995: „Herbstsalon" Galerie Traude Näke, Nürnberg.
„Frischlinge" Karderie Bielefeld
1996: „Bildhauer", Marstall Rastatt
„Skulptur Südwest" Badischer Kunstverein, Karlsruhe
1997: Meisterschülerausstellung Schloß Bruchsal
Das Boudoir bei Markus Tillier, Karlsruhe (E)
„Schub zwei" Art Pro Pan, Germersheim. Parzelle für junge Kunst, Basel
1998: „30 Stunden" Art Pro Pan, Germersheim
„Die Kunstreihe“, Volksbank Karlsruhe
1999: „Einblicke-Ausblicke" Galerie Brötzinger Art, Pforzheim
„Sehnsucht" Orgelfabrik, Karlsruhe - Durlach
„Frauenperspektiven" Prinz-Max-Palais, Karlsruhe
„Platz nehmen" Bellevuesaal, Wiesbaden (E)
2000: Galerie Kohlenhof, ZUMIKON Nürnberg (E)
Galerie Brötzinger Art, Pforzheim (E)
„Kunstbaden", Kunst im Stadtraum Wiesbaden
„Topspin": Badischer Kunstverein, Karlsruhe
2001: „Skulptur? Skulptur!“ E-Werk, Hallen für Kunst, Freiburg
„The new Love“ Kunsthalle Faust, Hannover
Kunst und Bau Projekt für das Rathaus Walldorf
2002: Kunstverein Ettlingen, Wilhelmshöhe (E)
Gesellschaft der Freunde junger Kunst, Baden-Baden (E)
raum2, Mannheim (E)
2003: ICC Strasbourg / Centre culturel Franco Allemand
Zehnthaus Jockrim
Kunststiftung Baden-Württemberg zu Gast in den Ateliers hinterm
Hauptbahnhof
2004: Artpropan, Neustadt a.d.W. “Leonardo und der Rest der Zitrone”
Galerie Monika Beck, Homburg/Saar (E)
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in situ






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Manuskript Einführungsrede zur Ausstellung
1964: geboren in Thalmässing / Mfr
1984 - 87:Ausbildung zur Druckvorlagenherstellerin, Berufstätigkeit
1988 - 92:Studium an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg
bei Prof. G.K. Pfahler und Rolf-Gunther Dienst
(Freie Malerei und Grafik), Meisterschülerin
1992 - 96:Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste
Karlsruhe
bei Prof. H. Klingelhöller (Bildhauerei), Meisterschülerin
seit 1996 freischaffend als Künstlerin und Raumgestalterin
2000: Weiterbildung zur Cross-Media-Producerin
1988 1. Preis b 2. Saarpfälzischen Kunstpreis
1.
Interventionen
Fotos von Eingriffen in den Raum – ähnlich Popart: Alltagsgegenstände
werden in einen Kunstzusammenhang gebracht.
Hier: Kunstgegenstände werden in einen Alltagszusammenhang gebracht.
Das Ergebnis dieser Funktionsweise ist, es funktioniert vice versa.
Mögliche Forderung daraus: Entweiht die Museen, macht sie erlebbar,
macht sie lebendig.
2.
Material für Objekte wird vorgefunden
Als Möbelstücke trashiger Eindruck
Zwangsläufig, dass hier jemand aus der freien Kunst wieder lebbare Kunst
macht, in den Bereich Raum- und Wohnraum-Gestaltung hineinfingert.
Was sie damit macht, nicht trashig, sondern befragt gleichzeitig unsere
Konsumgesellschaft der schönen neuen Dinge, die uns eben nicht die
schöne neue Welt, wie wir sie damit kaufen wollen, bescheren
Schöner Wohnen – klarer Denken.
Mathias Beck | Oktober 2004
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Ausstellungseröffnung Kunstverein Wilhelmshöhe
Barbara Denzler, Jürgen Jansen
vom 22.Febr. bis zum 24.März 2002
Die Aspekte unter denen ich die hier präsenten Arbeiten von Barbara
Denzler und Jürgen Jansen beschreiben könnte, sind vielseitig:
angefangen von der Unzulänglichkeit der Sprache bei der Beschreibung der
Objekte und Bilder, über die Auflösung von Raum und Zeitdimension, bis
zu rhetorischen Figuren wie Ironie und Paradoxon, reicht das Spektrum.
So komme ich also nicht umhin, eine Auswahl zu treffen, willkürlich
zwar, aber - so hoffe ich - prägnant.
Ich möchte, dass wir die Ausstellung von Denzler und Jansen unter dem
Thema „Die Ordnung der Dinge“ betrachten. Nicht zufällig leihe ich mir
bei Michel Foucault diesen Wortlaut, geht es hier wie dort nicht darum
Tatsachen festzustellen, sondern vielmehr aufgrund einer bestimmten
Methodik das weite Feld des „Zutage - Tretens“ zu dechiffrieren.
Versuchen wir den Diskurs, der hier vor uns ausgebreitet wird,
nachzuvollziehen. Voraussetzung dafür ist die Einsicht, dass die Formen
der Kunst, ihre Sprache, nicht losgelöst von dem alltäglichen Diskurs
stattfinden, sondern den ihnen eigenen Code benutzen, welcher wiederum
auf komplexe, undurchschaubare Weise mit dem allgemeinen verbunden ist.
Erst in der Zusammenschau aller Diskursfragmente, in der Menge
unterschiedlicher Partikel, kurz durch das Zusammenfügen einzelner
Puzzleteile, entdecken wir das allgemeine Archiv einer Zeit, wie
Foucault es nennt, „den Boden auf dem wir stehen“.
Blicken wir also auf unsere Erfahrung beim Betreten dieses Raumes von
Barbara Denzler zurück. Zunächst wurden wir durch einen engen Tunnel
gezwungen, eine schmale Schlucht aus bunten, rot glühenden
Plastikfolien, die offensichtlich nie damit rechnen konnten, einst in
einer Kunstausstellung zu landen. Barbara arbeitet wie eine Archäologin
der gegenwärtigen Zivilisation; sie bedient sich der verschollenen, der
unbeachteten Zeugnisse unseres Wohlstandes. Sie führt uns die eigene
Selbstgefälligkeit vor Augen, mit der wir unentwegt Dinge zum einmaligen
Gebrauch aufwendig produzieren und im selben Moment entwerten. Wir sind
abhängig von den Normen der Produktion und kaum handlungsfähig, sollte
eine spezielle Ware XY nicht verfügbar sein. Wir werden zu Krüppeln
unserer eigenen Bedürfnisse, darauf getrimmt, nur in den Kategorien von
Versandhauskatalogen zu denken und - das mag das schlimmste daran sein -
zu handeln.
Dieser schmale Plastikschlauch, der uns umfängt, sobald wir den Raum
betreten, und der den Besucher unmittelbar in das Werk integriert, ihn
zu einem Bestandteil desselben macht, deutet mit seiner lichten, zweiten
Wand bereits darauf hin, dass es Barbara Denzler nicht um den
schulmeisterlich erhobenen, moralischen Zeigefinger geht, sondern ihre
Kritik luzide, spielerisch, ja humorvoll transportiert. Wir erkennen die
Dinge wieder, die wir achtlos von uns wiesen, denen wir keinen Sinn mehr
zuschreiben konnten oder wollten.
Rohre, Schläuche, Holzstückchen, Plastikabdeckungen, Getränkekästen oder
Gummiteile sind hier neu variiert, setzen sich sinnvoll zu etwas Neuem
zusammen, so wie z.B. zu einem Möbelstück, zu einer „Sitzgelegenheit zum
Dialog“, die durchaus stabil, dennoch mit dem nötigen Respekt behandelt
werden sollte. Die ausrangierten Dinge erobern sich ihren Platz in der
Welt zurück, keineswegs zürnend oder zornig, vielmehr launig, lustig, ja
lustvoll, eröffnen sie uns einen neuen Blick, einen neuen Diskurs, denn
die Ordnung der Dinge hat sich nach Denzlers Eingriff neu formiert,
ungewöhnlich, aber nicht fremd.
So erkennen wir die Bilder an der Wand, gleichzeitig stellen wir jedoch
fest, dass Grenzen aufgehoben wurden, die Bilder sich über den Raum
ergießen; die eindeutige Zuordnung schwerfällt, schwerfallen muß, um das
Denken zu ver - rücken, zurechtzurücken, damit sich neue Räume außerhalb
des Gewohnten auftun können.
Seherfahrung und Sprachpraxis werden ad absurdum geführt, an ihren
Ursprung zurück ins Nichts, zum Anfang, der die bis dahin geltende
Struktur aufhebt oder neu formiert. Es sind Verschiebungen, die uns
einladen, einen grundlegenden Ortswechsel zu vollziehen, neue
Beziehungen zwischen uns und den Dingen, zwischen dem was wir sehen und
wie wir es benennen, aufzubauen.
Die Transparenz, die uns am Eingang umfing, setzt sich in den Skulpturen
fort. Mit durchsichtiger Folie umwickelt, erahnen wir Dinge, die sich
zusammenfinden, einen festen Verbund bilden. Man kann sie verschwommen
erkennen und doch bleiben sie weit entfernt, entziehen sich dem
prüfenden Blick. Hier wird der Raum für Emotionen weit geöffnet;
Neugierde stellt sich ein. Man schaut, man betrachtet, doch es ist keine
Eindeutigkeit festzumachen. Der Glanz der Folie zieht uns magisch an,
man möchte diese geheimnisvollen Blöcke anfassen, ertasten, am liebsten
auspacken. Wieder ist er da, - der Zivilisationsblick. Wir sind es im
Zeitalter von exakter Wissenschaft und technischer Machbarkeit gewohnt,
den Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu durchleuchten, zu analysieren,
zu simulieren. Es macht uns sprachlos und somit machtlos, wenn wir
wissen, dass wir das Geheimnis nicht aufdecken können, dass die Dinge
ihr Eigenleben behalten werden, ihren Zauber.
Jürgen Jansens Arbeiten zeitigen ein ähnliches Ergebnis. Er unterlegt
seinen Bildern Fotos oder Zeichnungen, die nach diversen Übermalungen
sich unserer Wahrnehmung entziehen. Der Diskurs über Abbild und Bild
bestimmt sein Werk. Ein ursprünglich allen zugängliches Abbild verliert
im stillen Zwiegespräch zwischen dem Maler und der Materie sein Gesicht,
verändert sich, stellt sich als reine Form und als reine Farbe dar. Und
doch stellt das glänzende Tableau, das Bild in seiner Endform, keinen
selbstgefälligen, keinen genügsamen Selbstzweck dar. Es fordert uns auf
in die Tiefe zu dringen, es reizt uns, seine Herkunft zu rekonstruieren,
es dringt mit der Gewalt der Farbe und der Leichtigkeit der meist
irgendwie schwebenden Objekte in unser Unbewußtes vor. Man könnte die
Dinge neu ordnen, man könnte die alte Ordnung wiederherstellen wollen.
Alles bleibt in der Schwebe und scheint dennoch stabil und fest zu sein.
Bewegung deutet sich an, aber sie verharrt im gleichen Moment. Bestärkt
werden diese Effekte durch die undurchdringliche Lackglasur, die ähnlich
wie in den Arbeiten von Barbara Denzler einen unmittelbaren Reiz auf uns
ausübt, uns anzieht und sogleich auf Distanz hält.
Eine zweite Parallele im Werk der hier ausstellenden Künstler offenbart
sich: Beide verwenden eine subtile Ironie, beide besitzen ein Gespür für
zarte Zwischentöne, die nicht im grellen Slapstick anzusiedeln sind,
sondern ihre Kraft aus einer positiven, das Leben bejahenden Haltung
beziehen. Ein gewisser Optimismus breitet sich beim Anblick der Arbeiten
von Denzler und Jansen aus. Es gilt nicht, dem Verborgenen
nachzutrauern; es geht nicht darum, die menschlichen Schwächen
aufzudecken, die Machtlosigkeit der Sprache zu entlarven, sondern im
Gegenteil, all als eine Stärke hervorzuheben.
Nachdem uns die Natur- wie die Geisteswissenschaften ihre Forderungen
nach Formalisierung, nach strengen Gesetzmäßigkeiten und engen
Definitionen aufoktroyiert haben, eröffnet uns die hier gezeigte,
visuelle Sprache eine Untersuchung der Mehrdeutigkeit, eine uneindeutige
Herangehensweise an das Archiv des Jetzt. Barbara Denzler legt die
lichte Schattenseite der Konsumgesellschaft bloß, indem sie dort
einkaufen geht, wo andere wegwerfen; sie findet dort, wo niemand sucht;
sie läßt sich von den Dingen überraschen, die andere achtlos weggaben,
ihre Aufmerksamkeit ist geschult an der stillen Würde der Dinge und
nicht am lauten Lärm der Verkäufer. Jürgen Jansen dokumentiert das
Archiv in seiner bildreichen, sinnlichen Fülle. Es geht ihm nicht um
Widerspruch, sondern um ein auslöschendes Bezweifeln des Sichtbaren, des
Benennbaren. Er unternimmt die endlose Erosion des Zeichens als
Bedeutungsträger; er dokumentiert mit Farbe die Verlorenheit des
Sprechens, um das leise Rauschen sinnlicher Qualitäten neu ins Bild zu
setzen.
An diesem Punkt möchte ich meine Ausführung mit einem Zitat von Michel
Foucault beenden, welches ich als sehr passend zu den Installationen von
Denzler und den Bildern von Jansen empfinde:
„Das Fiktive liegt weder in den Dingen noch in den Menschen, sondern in
der unmöglichen Wahrscheinlichkeit dessen, was zwischen ihnen ist: in
den Begegnungen, der Nähe zum Allerfernsten, der absoluten
Verschleierung dort, wo wir sind. Die Fiktion besteht also nicht darin,
das Unsichtbare sichtbar zu machen, sondern zu zeigen, wie unsichtbar
die Unsichtbarkeit des Sichtbaren ist.“ (Dites et Ecrits, Bd. 1, S. 678)
Barbara Könches
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Barbara Denzler
baut ihre Objekte und Installationen meist aus Baustoffen der
Heimwerkermärkte, aus Brettern und Leisten, Schienen und Stangen, Rohren
und Netzen, Kacheln
und Kordeln. Sie kauft indes nicht ein, was sie braucht, sondern sie
sammelt, was bei anderen liegen bleibt: Reste, die aus allen
Funktionssystemen herausgefallen sind, Material, dem keine Bedeutung
mehr zugesprochen wird. Im Atelier lagern all diese Dinge dann, bis
Barbara Denzler anfängt, Ordnungen zu schaffen, das Disparate (wieder)
in Zusammenhänge zu bringen. Die Kriterien sind zunächst formale: sie
schichtet die verschiedenen Materialien zum Beispiel so kompakt wie
möglich. Daraus ergeben sich neue Gegenstände: manche erscheinen ebenso
kunst- wie funktionslos, zeigen nur, was sie sind: in eine -
vorübergehende -Struktur gebrachte Materialien aus Formen, Oberflächen,
Farbigkeiten. Andere könnten eine Funktion bekommen, als Ablage, als
Tresen, als Sitzmöbel. Barbara Denzler spielt mit dieser Schwelle, an
der man den Dingen Bedeutung beimessen, sie Systemen zuweisen möchte, an
der sie sich selber in ihrem Möglichkeits-Status ausweisen und Fragen
aufwerfen: Ist diese Form von Funktionen bestimmt oder setzt die Form
Strukturen frei: Wahrnehmungs-, Handlungs-, Denkstrukturen? Um diese
Untersuchung weiterzutreiben, (über-) trägt Barbara Denzler ihre
konstruierten Objekte wieder zurück in die Baumärkte und auf Baustellen.
Was hat sich verändert in der Qualität, die von dem neu strukturierten
Material nun ausgeht? Wie wirkt es auf sein Umfeld ein und umgekehrt?
Kann man differente Ordnungssysteme - das der Werkstoffe und das des
Werks - zusammendenken? Und wie wirken die beiden Informationsträger
“Raum”. und “Material” aufeinander ein? Barbara Denzlers Werkbegriff
weist stets über sich hinaus, öffnet sich für Versuchsanordnungen und
Feldversuche. Fragen nach der Gleichzeitigkeit verschiedener Ordnungen
und ihrer Inkongruenz exerziert Barbara Denzler auch in der Kombination
von plastischen Anordnungen und fotografischen Projektionen, bzw. im
fotografischen Bild mittels Doppelbelichtungen durch. Auch wenn eines
mit dem anderen, zum Beispiel das Bild eines Raumes mit einer
plastischen Raumordnung, nicht in Deckung zu bringen ist, schafft die
ästhetische Abstraktion einen Vorstellungs- und Wahrnehmungsraum, in dem
diese Diskrepanzen zugelassen und darstellbar sind.
Neben den im Atelier gebauten Objekten und ihren Fotografien praktiziert
Barbara Denzler sogenannte "Eingriffe" an Orten, an denen keine Kunst
erwartet, bzw. diese nicht als solche ausgewiesen wird. Diese
Interventionen erweitern die Ateliersituation in den Öffentlichen Raum.
Barbara Denzler greift in konkrete Raumsituationen ein: beispielsweise
bestrickt sie ein einziges kleines Feld eines Abzäunungsgitters mit Garn
oder stapelt Bettwäsche säuberlich auf einigen Schaltkästen oder ergänzt
die rot-weiße Markierung eines Laternenmasts mit weiteren, bunten
Farbbändern. Die sonst eindeutige Logik an diesen öffentlichen Orten
wird mit den ephemeren “Eingriffen”. von Barbara Denzler punktuell
gesprengt, um einen unvermittelten Rahmen erweitert. Scheinbar sinnlose
Dinge tauchen auf, wo alles doch seinen Sinn hatte und haben sollte.
Barbara Denzlers "Eingriffe" sind temporär und tragen keine Signatur.
Ihr einfaches Dasein reißt den, der sie sieht, vorübergehend aus der
Befangenheit genormter Wahrnehmungsmuster.
Die größte sichtbare Komplexität konstruiert Barbara Denzler in ihren
plastischen Installationen, wie sie sie 1997 im Bruchsaler Schloß
("Barock") oder 1999 in der Orgelfabrik in Durlach ("Landschaft")
realisierte. Hier wurde das disparate Material nicht zu kleinen,
kompakten Einheiten gebündelt, sondern zu einer Skulptur getürmt, bzw.
verwebt, die sich netzwerkartig gegen die Geometrie des Raumes
behauptete.
In Durlach konstruierte Barbara Denzler eine Landschaft aus
Industrieabfällen in der Fabrikruine, in Bruchsal korrespondierte die
Barockarchitektur mit einer ebenso prächtigen und schillernden Fülle
disparater Haushalts- (Rest-) Gegenstände.
Die angebliche Unordnung des Werks provoziert Übertragungen, vom
Material ausgehend: Was verbindet eines mit dem anderen? Wie verbinde
ich die Welt im Kopf? Statt mit eindeutigen Zuordnungen operiert Barbara
Denzler mit einer Fülle von Möglichkeiten, mit Systemen, die vielfältige
Anschlussmöglichkeiten offerieren, mit offenen Netzstrukturen. Lösungen
sind nicht am Ziel orientiert, sondern an der Vielfalt von
Möglichkeiten, die sie eröffnen. Was ist, ist provisorisch und ein
Potential für etwas anderes. Es geht um die plastische Organisation
eines prozesshaften Denkens, um die Erweiterung von Denk- und Handlungs-
(spiel)räumen.
Barbara Denzlers neue Arbeit im Badischen Kunstverein wurde von den
Eigenheiten des Raums initiiert, dem sommerlichen Hitzestau im Großen
Saal sowie seiner Funktion als Ausstellungsraum, in dem Besucher also
Kunst erwarten.
Barbara Denzler räumt den Besuchern eine privilegierte Position ein: Ein
Steg führt sie in den Saal hinein, eine Art Aussichtsplattform, um Kunst
zu betrachten. Der Steg hat dabei selbst die Qualitäten einer
plastischen Konstruktion aus Restbeständen, wie sie oben beschrieben
ist. Das, was als Kunst angeschaut wird, ist ein großzügiger Schriftzug
auf dem Linoleumfußboden. Aus zersplittertem Sicherheitsglas gestreut
liest man das Wort Sahne. Banal. In der Sommerhitze will die Einbildung
zu zerfließen beginnen. Geschrieben ist das Wort mit der normativen
Unschuld der Schulschreibschrift, ausgelegt in einem Material, das erst
aus einer Unmenge von Unfällen gewonnen werden konnte und das
verführerisch funkelt wie Kristall. Kunst, die lesbar ist? Eine
Installation, die das Denken in verschiedenste Richtungen weist. Und die
Kunst vorgibt, um die Konstruktion, bzw. Konstruierbarkeit von Funktion
und Sinn dem Besucher zu überlassen. Während man auf den Text schaut,
"begreift" man die "hohe" Kunst des Steges mit den Füssen.
Angelika Stepken,
Textauszug aus <Topspin> Katalog, Badischer Kunstverein 2000
Wandobjekte









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Barbara Denzler kreiert mit ihren aus heterogenen
Materialien zusammengefügten Objekten bedeutungsfreie Gegenstände, die
sich einer vorbestimmten Sinngebung entziehen. Die als solche klar
benannte Bedeutungslosigkeit ist von der Künstlerin gewünscht, um mit
ihren Objekten und Installationen eine sinnlich greifbare, aber nicht
inhaltlich festgelegte Metapher zu finden für den Bereich des noch
Chaotischen und Ungefähren, für alles, was noch im Werden ist, letztlich
für das unbenennbare und formlose geistige Potential, aus dem heraus
Schöpfung und damit wieder Struktur, Ordnung und Sinn entsteht. Die aus
Holzabfällen, Baumaterialien, Plastikteilen und anderen weichen oder
harten Stoffen bestehenden, oft streng gebauten Gegenstände entfalten
ihre konzeptuelle Bedeutung als Kunstobjekte nicht nur an ihrem
Entstehungsort, dem Atelier von Barbara Denzler, sondern sie provozieren
die Frage nach ihrem Sinn, ihrem geistigen und formalen Gehalt
gerade auch in den fremden Umgebungen, in die die Künstlerin sie
hineinträgt, fotografiert und als künstliche Objekte der Wahrnehmung
durch andere aussetzt. Assoziativ können sich daraus Phantasien und
Vorstellungen ergeben, die zugleich auf den Ort der Präsentation
zurückstrahlen und diesen ganz neu erlebbar machen. Die Eingriffe
Barbara Denzlers in die verschiedenen Raumsituationen tragen den
Anspruch einer planvollen, logischen Untersuchung, mit dem ein
gedankliches Modell in eine zugleich überschaubare und konkrete Handlung
übersetzt wird.
Dorothee Höfert, 1997
Installationen






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Barbara Denzler zu ihrer Arbeitsweise
Gegenstände und Materialien füge ich auf eine Art und Weise zu Objekten und Installationen zusammen, in der sich Denkstrukturen („Gedankengebäude“) spiegeln. Ich begann, die Kriterien, unter denen Ordnung oder Systematik entsteht, plastisch und spielerisch zu erforschen.
Im Atelier strukturiere ich Objekte, die sich teilweise schon bei Ihrer Entstehung auf einen Ort beziehen, an den ich sie dann bringe, um sie dort zu fotografieren. Bereits bestehende Funktionszusammenhänge und Ordnungsgefüge benutze ich wie ein Fundament für die eigene Kreativität, auf der Suche nach weiterführenden Möglichkeiten.
An ausgewählten Stellen im öffentlichen Raum greife ich hinzufügend ein, oder erzeuge Verschiebungen, die sich zwar formal integrieren, deren Herkunft oder Zweck aber nicht logisch erschließbar ist.
Erwartungshaltungen, die sich mit unterschiedlichen Kontexten verknüpfen, möchte ich ins
Bewusstsein hohlen, sie verkehren, pointieren oder ins Absurde führen. Es ist mir aber auch ein Anliegen, Spuren einer subjektiven Handlung zu hinterlassen, um an eine potentielle
Erweiterung des Handlungsspielraumes jedes einzelnen zu erinnern.
Im Ausstellungskontext reagiere ich meist mittels Installation auf den jeweiligen Raum, und Versuche das, was ich mir in den Raum träume, mit dem Material zu bewerkstelligen, das mir zur Verfügung steht.
Dabei verwende ich Material, das anderswo abfällt um es gewissermaßen zu
reanimieren.
Die Projektionsarbeiten thematisieren die latente Präsenz von Erinnerungsbildern und Vorstellungen, die sich permanent mit der Wahrnehmung vermischen und sie einfärben.
Ich möchte einen Diskurs der Formen und formalen Ausprägungen von Details anzetteln: Mittels Doppelbelichtung oder Projektion schaffe ich Überlappungen, Konfrontation oder auch Neutralisation von Strukturen, Systemen und Raumsituationen.
Fotografien
| Doppelbelichtungen


Interview
www.ka-wohnen.de mit Barbara Denzler über Raumgestaltung
Objekte
| Wand und Boden




Eingriffe
| Fotografien



Presseinformation
Barbara Denzler (geb. 1964) hat im Anschluss an Ihr Studium der Malerei
in Nürnberg bei Prof. G.K. Pfahler in Karlsruhe bei Prof. Klingelhöller
Bildhauerei studiert. Sie wurde bereits mit mehreren Preisen und
Stipendien ausgezeichnet und hat seit 1990 mit Ihren raumgreifenden
Installationen an vielen, auch überregionalen Projekten und
Ausstellungen teilgenommen. Ihre Arbeit beschränkt sich dabei nicht nur
auf den Ausstellungsraum, auch im öffentlichen Raum wird durch sog.
Interventionen irritierend, verändernd, oft überraschend ein neue
Sichtweise angeregt. Barbara Denzler bevorzugt Material, das an anderer
Stelle abfällt, Reste, die sonst unbeachtet bleiben und die sich nun
plötzlich in anderen Zusammenhängen wieder finden. Die Objekte verleugnen
ihre materiell-banale Existenz nicht; sie bilden vielmehr über eine
übliche Vorstellung von Illusion hinaus eine eigenständige, ästhetisch
organisierte Gegenwelt.
Im Atelier strukturiert Barbara Denzler Objekte, die sich teilweise
schon bei Ihrer Entstehung auf einen Ort beziehen, an den sie diese
anschließend bringt, um sie dort zu installieren und zu fotografieren.
Auf der Suche nach weiterführenden Möglichkeiten benutzt sie bereits
bestehende Funktionszusammenhänge und Ordnungsgefüge des öffentlichen
Raumes wie ein Fundament für die eigene Kreativität.
Aus diesen Eingriffen resultieren Inseln anderer Ordnung, die teils
ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen, teils Regeln aus dem jeweiligen
Kontext zitieren und mit der funktional gestalteten Umgebung des
städtischen Raumes einen poetischen Dialog anzetteln.
Die Hinzufügungen oder Verschiebungen integrieren sich formal und sind
in ihrer Struktur der Umgebung so verwandt, daß sie Spekulationen über
Zweckdienlichkeit zulassen, aber keine Funktion erfüllen.
Barbara Denzler hinterlässt Spuren subjektiven Handelns, um an die
potentielle Erweiterung des Handlungsspielraumes jenseits von Zweck zu
erinnern, und die Welt, die der Aufmerksamkeit lohnt, radikal
auszuweiten.
Raumgestaltung






Raumgestaltung ansehen
Pressetext zur Ausstellung
Vom 4. Oktober an präsentiert die Galerie Monika Beck
neue Arbeiten von Barbara Denzler. Anhand von 30 Bodenobjekten,
Wandobjekten und fotografischen Momentaufnahmen ihrer “Interventionen”
wird dabei nicht nur die vielfältige Werksprache der ehemaligen
Meisterschülerin vorgestellt, sondern mittels einer eigens für die
Galerie konzipierten Installation auch ihre Fähigkeit zur subtilen
Neubewertung von Räumen und Dingen.
Ihre intelligent-dezenten Rauminszenierungen – Denzler selbst nennt sie
“Interventionen” - versteht die 1964 in Franken geborene, heute in
Karlsruhe lebende Künstlerin als “Eingriff in Orte, an denen Kunst nicht
erwartet wird bzw. nicht als solche ausgewiesen ist”. In der Folge
erweitert sie mit ungewöhnlichen Akzenten konkrete Raumsituationen und
macht sie aus der Begegnung heraus zu öffentlichen, die Aufmerksamkeit
herausfordernden Orten. So bestrickt Barbara Denzler beispielsweise ein
einziges kleines Feld eines Abzäunungsgitters mit Garn oder stapelt
Bettwäsche fein säuberlich auf Schaltkästen. Mittels solcher feinen,
punktuellen Reize hinterfragt sie Wahrnehmungsmuster und Denkstrukturen,
bewirkt die Künstlerin nachhaltige Begegnungen mit scheinbar
selbstverständlichen Orten. Gleichzeitig verführt sie auch den
flüchtigen Betrachter, die Logik der von ihm betretenen Räume in Frage
zu stellen – ein Phänomen, dass sich auch in den nun in Homburg
gezeigten fotografischen Momentaufnahmen dieser “Interventionen”
offenbart.
Formal ganz anders hingegen präsentieren sich die Boden- und
Wandobjekte, die dennoch die Grundstrukturen von Barbara Denzlers
Interventionskonzept aufgreifen. So entstehen ihre Objekte und
Installationen aus dem Spannungsfeld zwischen Ungewohntem und scheinbar
Vertrautem. Dabei bedient sich die Künstlerin bewusst aus dem Fundus
alltäglicher Heimwerkerwelten: Allerdings stammen die von ihr
verwendeten Bretter und Leisten, Schienen und Stangen, Rohre, Netze,
Kacheln und Kordeln nicht originär aus dem Baumarkt, sondern sind
Relikte aus beendeten Werkprozessen. Barbara Denzler sammelt diese
Materialien, die andere nicht mehr benötigen – “Reste, die aus allen
Funktionssystemen herausgefallen sind, Material, dem keine Bedeutung
mehr zugesprochen wird”. Im Atelier gibt sie den Fundstücken eine neue
Ordnung – und verleiht ihnen durch das intuitive Neuzusammensetzen zu
Objekten zugleich ein anderes Selbstverständnis. Ihre Objekte wiederum
bringt sie – konzeptionell und als erweiterte “Intervention” - in den
ursprünglichen Kontext der Baumärkte und Baustellen zurück. So spielt
die Künstlerin mit Bedeutungsmustern – und überlässt die funktionale
Bewertung ihrer Materialgebilde bewusst der Wahrnehmungsfähigkeit des
Betrachters.
Die Ausstellung “Barbara Denzler – Objekt und Fotografie” ist vom 4.
Oktober bis 19. Dezember in der Galerie Monika Beck, Historischer
Schwedenhof (am Römermuseum), Homburg-Schwarzenacker, zu deren
Öffnungszeiten zu sehen: Mittwoch bis Freitag von 16 bis 19 Uhr,
sonntags und feiertags von 16 bis 18 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger
telefonischer Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen
zu dieser und weiteren Ausstellungen gibt es unter Telefon (0 68 48) 7
21 52 sowie im Internet unter www.galerie-monika-beck.de. Geschlossen
ist die Ausstellung vom 7. bis 10. Oktober, am 31. Oktober, vom 19. bis
21. November sowie am 28. November.
Zur Eröffnung der Ausstellung am Montag, 4. Oktober, 19 Uhr, ist die
Bevölkerung herzlich eingeladen. Barbara Denzler ist anwesend.
Barbara Denzler – Biografisches:
Geboren 1964 im fränkischen Thalmässing, absolviert Barbara Denzler 1984
– 1987 eine Ausbildung zur Druckvorlagenherstellerin. Nach kurzer
Berufstätigkeit beginnt sie 1988 ihr Studium der Freien Malerei und
Grafik an der Nürnberger Akademie der bildenden Künste, wo sie
schließlich Meisterschülerin von Prof. G.K. Pfahler und Rolf-Gunther
Dienst wird. 1991 erhält sie den Akademiepreis, 1992 wechselt sie für
ein weiteres vierjähriges Studium der Bildhauerei an die Staatliche
Akademie der bildenden Künste Karlsruhe und wird Meisterschülerin von
Prof. H. Klingelhöller. Im gleichen Jahr erhält die Künstlerin ein
Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seit 1996 ist
Barbara Denzler als freischaffende Künstlerin und Raumgestalterin tätig;
1998 wird ihr der Saarpfälzische Kunstpreis verliehen. 2000 erfährt ihre
Arbeit durch die Weiterbildung zur Cross-Media-Producerin neue,
nachhaltige Impulse. Die Künstlerin lebt und arbeitet heute in
Karlsruhe. Ihre Arbeiten waren auf zahlreichen Ausstellungen in
Deutschland, Frankreich und der Schweiz zu sehen.
Eröffnung der Ausstellung am 4.10.2004







Bilder von der Eröffnung ansehen
Weitere 81 Bilder von der Eröffnung ansehen
Aufbau der Ausstellung am 2.10.2004






Bilder vom
Aufbau ansehen
Atelierbesuch am 24.8.2004




Bilder vom
Atelierbesuch ansehen

Vorbericht |
Saarbrücker Zeitung | 30.9.2004

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung | 2.10.2004

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung |
5.10.2004

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung |
7.10.2004

Ausstellungskritik | Brigitte
Quack | Saarbrücker Zeitung |
8.10.2004

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung |
14.10.2004

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung |
10 2004

Ausstellungshinweis | LEO | 11 2004

Ausstellungskritik | Die
Rheinpfalz | Stefan Folz | 1.11.2004
Technische
Informationen zur Ausstellung
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