Galerie Monika Beck
Mathias Beck. Kulturmanagement GmbH
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10. September - 12. Oktober 2003

 

  Nikola Dimitrov 

Pierrot Lunaire | Bildtransformationen nach der Musik Arnold Schönbergs

 

in situ

 

    

 

            

 

 

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Die Ausstellung wird eingerichtet anlässlich des Erscheinens von

 

Pierrot Lunaire
Bildtransformationen von Nikola Dimitrov nach der Musik von Arnold Schönberg
Herausgegeben von Stefan Fricke
Mit Beiträgen von Werner Brück, Peter Lieck, Stefan Litwin und Stefanie Risch
Pfau Verlag, Saarbrücken 2003 www.pfau-verlag.de
ISBN 3-89727-226-1

 

         

 

geboren 1961 in Mettlach
1979 -1988 Studium an der Musikhochschule des Saarlandes
1984 Examen als Musikerzieher
1988 Konzertreifeprüfung im Fach Klavier
seit 1980 intensive Beschäftigung mit Malerei
seit 1989 freie künstlerische Tätigkeit als Konzertpianist und Maler
1995 Gründung des Duos Sounds Good mit Gernot Wirbel:
1996/1997 Dozent an der Schule für Kreatives Gestalten, Püttlingen
1997 intensive malerische Beschäftigung mit dem Thema Kosmos und Mensch 
Umsetzung der Orchestersuite Die Planeten von Gustav Holst in sieben großformatigen Bildern 
seit 1997 Projekt Worte in Stein und Klang: Zusammenarbeit des Duos Sounds Good mit 
der Lyrikerin Felicitas Frischmuth und dem Bildhauer Leo Kornbrust
1999 Pierrot Lunaire: 21 Bilder nach den Gedichten von Albert Giraud und der Musik von Arnold Schönberg 
Mitglied im Saarländischen Künstlerhaus, Saarbrücken
Studienaufenthalt in Kroatien
Seit 2000 Klangbilder-Bildklänge: ein Projekt mit dem Pianisten Bernd Mathias
2000 - 2003:Völklinger Plätze Kunst: künstlerische Auseinandersetzung mit der Stadt und ihren Menschen
2002 - 2003
Konzeption für die Ausstellung 3 und 30 Jahre Musik im 20. Jahrhundert in der Stadtgalerie Saarbrücken

 

         

 

Ausstellungen / Auswahl

1997
Galerie Rosa Ventosa, Barcelona, gemeinsam mit Norbert Simon
Kunstzentrum Bosener Mühle
Saar Bank, Filiale Bellevue, Saarbrücken
1998
Galerie Glaskuck, Eschweiler
Galerie Hanstein, Künstler der Galerie, Saarbrücken 
Galerie Gollong, St. Paul de Vence, Frankreich
Produzenten-Galerie 42, Gießen
Galerie ARKE, Dortmund
1999
Sonne und Finsternis- Galerie Hanstein, Künstler der Galerie 
2000
commun: Mitwirkung beim 2. Bild-Wort-Projekt im Saarländischen Künstlerhaus 
Gemeinsam mit Doris Hinzen-Röhrig, Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater
DRK-Krankenhaus, Saarlouis 
Kunstzentrum Bosener Mühle mit Anna Comellas, Barcelona, und Claire Guanella, Genf, im Rahmen des Kulturaustauschs des Landkreises St. Wendel.
Kunst-Szene Saar, Visionen 2000, St. Wendel 
2001
Bilder für 3000- Galerie Russo, Prora / Insel Rügen 
Klangbilder –Performance im Museum Illingen
Völklinger Plätze Kunst, Völklingen 
2002
Klangbilder – Ausstellung und Performance in Zadar, Kroatien
Klangbilder – Ausstellung und Performance in Salzbrunnenhaus Sulzbach, Saar
Völklinger Plätze Kunst, Völklingen
Ausstellungsbeteiligungen in Sofia, Wien und Zagreb 
Klangbilder – Ausstellung und Performance im Rathaus Riegelsberg 
2003
Landtag des Saarlandes, Saarbrücken
Studio II, Weimar
Galerie Monika Beck, Homburg

 

         

 

„Der Wein, den man mit Augen trinkt...“
Pierrot Lunaire – 21 Bilder von Nikola Dimitrov

Die 21 Bilder zu Pierrot Lunaire entstanden im Herbst 1998 auf Anregung des mit Dimitrov befreundeten Dirigenten Jeremij Hulin. Sein Ziel war eine gemeinsame multimediale Inszenierung: die Aufführung der Komposition von Arnold Schönberg für Kammerensemble und Singstimme, begleitet von einer großformatigen Präsentation der Bilder.
Bereits mehrfach hatte Dimitrov in seinem Bildern musikalische Vorlagen visualisiert. 1994 entstand der Bilderzyklus Faust nach der Symphonie von Franz Liszt, und 1997 malte er die Die Planeten, eine Serie von sieben großformatigen Bildern nach der Musik von Gustav Holst.
Immer deutlicher hatte sich in den neunziger Jahren die Hinwendung zum interdisziplinären Arbeiten zwischen und mit den verschiedenen Künsten als Charakteristikum im Schaffen Dimitrovs gezeigt; im kreativen Zusammenspiel zwischen Bild, Musik und Sprache fand er seinen eigenen künstlerischen Ansatz. Ein Weg, der sich für ihn geradezu anbot, denn sein malerischen Werk ist aufs engste verknüpft mit seiner Profession als Pianist.
Die Musik bestimmt die Bilder Dimitrovs in grundlegender Weise. Die Farbgebung und die Gestaltung der Flächen, das Zusammenspiel von Linien, Formen, Farben, Schichten summieren sich zu sublimen, verschlüsselten Kompositionen, in deren Rhythmus die Bewegung des Pinsels sich einordnet.
Alle Rezensenten stimmen in ihrem Urteil überein: Seine Malerei ist eminent musikalisch. Die Kunsthistorikerin Andrea Berger schrieb bereits 1996: „Das Komponieren einzelner Töne zu einem einzigen Klang ist der Untergrund, die geistige Struktur der Malerei Nikola Dimitrovs. Durch das Schichten der Farben übereinander entstehen Akkorde, die sich ablösen und sich durchströmen. Dieser Zusammenklang verbindet die Farbe, die Form, den Strich, die offene Fläche den Ort, die Schicht.“1
Unterschiedlichste Anregungen fließen in Dimitrovs Bilder ein. Inspirieren lässt er sich von Klangschöpfungen aller Art, von ihrer Emotionalität und Expressivität, aber auch von der Bildkraft lyrischer Texte. Die Umsetzung musikalischer Werke und ihrer Textvorlagen in Bildsequenzen ist Teil dieses intensiven Schöpfens aus der Welt der Klang- und Sprachbilder. 
Dimitrov arbeitet und lebt so zwischen den Künsten. Aus der Synthese dieser Erfahrungen entwickelt er seine eigene Spielart multimedialer Kunst, die immer wieder beeinflusst und transformiert wird durch Projekte mit befreundeten Künstlern, in denen in den unterschiedlichsten Konstellationen und Ansätzen die tradierten Kunstgrenzen überschritten werden.
Schon als Konzertpianist ging er hier neue Wege. Gemeinsam mit Gernot Wirbel an Saxophon und Klarinette entstand Honiguferkante – Worte in Stein und Klang. Aus Fragmenten und Zitaten verschiedener Kompositionen formte das Duo kunstvolle Klangminiaturen, spielerisch inszeniert als Antwort und Konterpart zur Lyrik von Felicitas Frischmuth und Stein-Text-Skulpturen des Bildhauers Leo Kornbrust. 
In einem anderen Wechselspiel dienten seine Planetenbilder dem Komponisten und Pianisten Bernd Mathias als Inspirationsquelle – Ausgangspunkt für die gemeinsame Licht-Klang-Performance Klangbilder – Bildklänge. 
In seinem Zyklus Pierrot Lunaire kann Dimitrov all diese kreativen Schaffenstendenzen wieder zusammenführen, denn neben der musikalischen Schöpfung Schönbergs steht als eigenständige kunstvolle und bedeutungsträchtige Dimension die Lyrik von Giraud/Hartleben. 
Arnold Schönberg traf für das Libretto seines Pierrot Lunaire eine durchaus interpretierende Auswahl aus den Gedichten Girauds. Aus der ursprünglich über weite Teile romantisch-verspielten Bildwelt des Pierrot mit ihrer stimmungsvollen Inszenierung nächtlich-verzauberten Erlebens greift Schönberg einzelne Gedichte heraus, die in ihrer nun geänderten Reihenfolge und ihrer verdichteten Metaphorik spürbar neue Stimmungsnuancen erhalten. Die Schönbergsche Komposition formt eine gedrängte, ins Dunkel-Groteske hinein spielende Textqualität, die den poetischen Zauber der Nacht verfärbt und überlagert. 
Dimitrov, der sich im Rahmen seiner Arbeit als Musiker bereits intensiv mit den Werken Schönbergs beschäftigt hatte, fand im Pierrot Lunaire eine außerordentlich inspirierende Vorlage. Es war nicht nur das generelle Interesse des Künstlers an der Nacht, dem Reich des Traums, den Schattenseiten, dem Abgründigen und Geheimnisvollen; den Mond als eine zutiefst mit der menschlichen Psyche und Vorstellungskraft verbundenen kosmischen Realität hatte er zuvor bereits in einer Fülle von Bildern interpretiert, als er seine zahlreichen Sequenzen zu den Planeten schuf.
Sowohl die Gedichttexte mit ihren betörend schönen Sprachbildern als auch die Vertonung Schönbergs mit ihrer großen Klangvielfalt, dem Fehlen der ausgleichenden Harmonik und ihrer atonalen Expressivität ließ er eindringlich auf sich wirken. Emotional sehr berührt von den sinnlich-grotesken Stimmungen, die vom zartem Naturerleben bis zum abgründig Düsteren und Grauenerregenden reichen, malte Dimitrov die Bilder dann in rascher Folge, sehr spontan und ohne eine spätere Überarbeitung.
Er schuf eine subtile Inszenierung der nachtgeborenen Verwirrungen des mondtrunkenen Pierrot, der in melancholischer Zügellosigkeit in das Chaos eines Schattenreiches taucht. Eine traumdichte Szenerie, die beherrscht wird vom gespenstisch bleichen Licht des Mondes, bis mit der Wiederkehr der sonndendurchfluteten Heiterkeit des Tages die destruktive Kraft der morbiden Traumszenen gebrochen wird.
Neben den beiden großen Vorbildern gewinnt Pierrot Lunaire nun durch die Bildschöpfungen Dimitrovs eine weitere, die Phantasie beflügelnde Dimension. 
Als Malgrund dienten Plastikfolien, Abfallmaterialien, die sich durch ihre Festigkeit und Elastizität für ein ungestümes, kraftvolles Arbeiten hervorragend eigneten. Auch das kleine, eigenwillige Format, das hier in Originalgröße reproduziert ist, unterstützte die kreativ-gefühlsbetonte Umsetzung, ebenso die Schwärze des Untergrundes, die das aufwendige Auftragen von farbigen Basisschichten überflüssig machte. Die beiden materialbedingten Löcher wurden bewusst in die Gestaltung einbezogen. Auch die wasserabweisende Glätte des Materials gewann ihre gestalterische Funktion, indem sie das weitgehend unplanbare Fließ- und Mischungsverhalten der Farben beeinflusste.
Gemalt sind die Bilder in Mischtechnik (Öl, Acryl, Tusche). Dimitrovs Verbildlichung arbeitet mit kräftigen Hell-Dunkel-Kontrasten, gemildert durch ein erdhaftes Rotbraun; sie spielt mit dem Weiß in all seinen Zwischentönen, mal bleierndicht, mal silberleicht, mal erstickend grünlich, mal mit schweflig gelbem Hauch.
Kennzeichnend für Dimitrovs Malerei ist eine individuelle Mischtechnik als dingliche Essenz der formalen und thematischen Verdichtung. Es ist eine lasierende Technik, die im Übereinanderfügen von Schichten und Farben farbliche wie räumliche Kompositionen von großer Zartheit und Transparenz, Leuchtkraft und hintergründiger Dichte entstehen lässt. Durch Auskratzen und Auseinanderfließen der Farbe wird ein Dahinter sichtbar, entsteht eine subtile Raumwirkung. 

 

         

 

Diese Grenzüberschreitungen werden unterstrichen und ermöglicht durch seine ganz persönliche Spielart der abstrakten Malerei, die sich auf archaische Formen, die Urbilder jeder gestaltenden Arbeit, konzentriert: Linien, Kreis, Spirale, Ellipse, Dreieck, Quadrat sind die Elemente seiner vieldeutigen, immer freier eingesetzten Symbolik. 
Das Malen wie das Betrachten ist ein Akt der Meditation. Die Bilder entstehen intuitiv und gehorchen dennoch dem ihnen zugeordneten Kontext. Dimitrov arbeitet nach selbst gestellten Aufgaben an Themen, an deren kunstvolle Umsetzung er sich systematisch herantastet. Er durchdringt die Themen intellektuell wie emotional, um sich dann im Prozess der Bildentstehung ganz von der oberflächlichen Rationalität zu lösen. Er führt die Inhalte so auf eine neue Ebene. Die Bilder entstehen oft in einem Guss, in einem Prozess tiefer Konzentration und Versenkung. 
Er experimentiert in Serien, komponiert verschiedenste Variationen, zerlegt und ergründet seine Themen mit außerordentlicher Virtuosität. Es sind Zyklen, an deren vorläufigem Endpunkt ein erneutes Verdichten steht. In diesem Prozess der „analytischen“ Konzentration vollzieht sich ein Entwicklungsschritt, eine Verwandlung. Dies ermöglicht eine immer virtuosere, freiere und spontane Behandlung seiner Themen. 
Der Pierrot Lunaire-Zyklus stand am Anfang einer neuen Schaffensphase. Dimitrov löste sich von der thematischen Konzentration auf die Planetenbilder, in denen er seine Symbolsprache mit der ihm eigenen Beharrlichkeit ergründete und perfektionierte. Mit Pierrot Lunaire erweiterte er sein gestalterisches Potenzial, indem er seine Formen mit einer neuen Leichtigkeit und Beweglichkeit neu ordnet und befreit. 
Thema, Material und emotionaler Impuls beflügeln zu einer neuen Virtuosität im Umgang mit seinen Möglichkeit. Er befreit sich von der Begrenzung der Struktur, der Ordnung der Form, der Disziplin des in Schichten erfolgenden Auftrags. Spontane Bewegung der Pinselführung, fließende Farbgebung, der Dynamik eines unberechenbaren Materials unterworfen, schnelles Arbeiten, nah an der Realität der intuitiven inneren Bildwelt, kennzeichnen den Entstehungsvorgang dieser 21 Bilder, die er spontan später den Gedichten zuordnete.
Der Bildzyklus Pierrot Lunaire beinhaltet so eine Konzentration und Verdichtung der verschiedenen Entwicklungslinien und gleichzeitig eine erneute Transformation. Die kleinformatigen Bilder setzen zugleich einen Endpunkt und markieren einen neuen Anfang. Mit Pierrot Lunaire wird eine neue Stufe im freien, kreativen Arbeiten erreicht, die Dimitrov in der Folgezeit auf die von ihm bevorzugten großen Formate überträgt.

Stefanie Risch

 

         

 

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>> Intranet     |     Ausstellungskritik Dr Sabine Graf Saarbrücker Zeitung 18.9.2003

 

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