Galerie Monika Beck
Mathias Beck. Kulturmanagement GmbH
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24. März bis 12. Mai 2002

RAINER MARIA WEHNER | KLAUS SCHNEIDER | JEAN NOELL BACHES

 

 

in situ

         

         

         

    

         

    

 

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Einführung in die Ausstellung

Wir begrüßen selten.
Rainer Wehner war in 2000 als Sculptural Space Stipendiat in Utica New York. Als Folge daraus wurde und wird er des öfteren als Visiting Lecturer, also Gastvortragsredner verpflichtet. Er pendelt also zwischen seinen beiden Ateliers in Berlin und in New York.
Unterstützt wurde er von der Leiterin von Sculptural Space, Gina Murtagh, die zZt eine Deutschlandreise absolviert und heute natürlich auch hier ist.

Gina Murtagh, I am very pleased to have you here with us today.
I will first but shortly focus on Rainer's X-ray portraits as not really being pictures but being substantial part of the sculptural space with its inside and outside impact.

Jean Noel Bachès, geb 1949 in Lyon, Studium an der Ecole des Beaux Arts dort, weiterhin dort lebend u arbeitend, kommt von der skripturalen Malerei, und Handschrift ist weiterhin das formale Gestaltungselement seiner Bilder, nur dass Schrift zu symbolartigen Zeichnungen und Kritzeleien umgeformt worden sind. Tatsächlich lassen sich bisweilen trotzdem Buchstaben erkennen.
Papier war f Bachès immer der wichtigste Bildträger, und so erscheinen auch die Arbeiten auf Holz eher wie Collagen von Papieren oder bemalten Papierfetzen, die ihm zur Anlage des Bildraumes dienen.

Eventuell fragen Sie sich, was seine Arbeiten auf der Zwischenetage mit denen von Rainer Wehner und Klaus Schneider miteinander zu tun haben sollen.
Die Verbindung zwischen Rainer Wehners radiologischen Arbeiten und Klaus Schneiders Bildern aus Hinterglasmalerei bzw Fotografie scheint irgendwie augenfällig, wenn auch nicht gleich benennbar. Vielleicht denken Sie sich zudem: Schließlich haben die die beiden hier zusammen inszeniert...

Und natürlich ist die äußere Klammer zwischen Wehner und Schneider die, dass Dinge gezeigt werden, die man eigentlich nicht sieht, wenn sie auch der sinnlichen Wahrnehmung unterliegen.
Ohne Hilfsmittel gelingt der Blick in den Menschen hinein üblicherweise nur mit dem Tastsinn - oder mit dem Herzen und Brailleschrift, also Blindenschrift, wird nicht mit den Augen gelesen.

Rainer Wehner
1948 geb München
Studium Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Wehner war vor 2 Jahren als Sculture-Space-Stipendiat in Utica im Staat New York.

Angesichts der Skelette, "Totenköpfe" (in Anführungszeichen), der Ich-Bildnisse und Du-Bildnisse aus Röntgenportraits schießt sich der versierte Mit-Kunst-Umgeher sofort darauf ein, es hier mit dem großen Thema der Bildenden Kunst der letzten 40 Jahre zu tun zu haben: mit der Ich-Findung, der Frage nach der Identität.
Ist die Hineinschau in den Körper eine Möglichkeit der Ich-Findung?

Wer die früheren Ausstellungen Rainer Wehners hier erinnert, weiß, dass Rainer Wehner als Bildhauer Schrift als aus dem Bildnerischen stammend und anders nutzbar gemacht auffasst.
Seine Röntgenbilder sind im strengeren Sinne keine Bilder, sondern Bestandteile vom bildhauerisch aufgefassten Raum, der ja aus Binnenraum und Außenraum entsteht.
Insofern sind die Bilder an der Wand Variationen und Details, gefunden und zusammengestellt um die 3 installatorischen Arbeiten.

Natürlich drängt sich bei seinen Arbeiten auch der ritual-religiöse Aspekt zB mittelalterlicher Altarbilder auf, dieser Aspekt des Weihevollen, Mysteriösen war immer Charakteristikum seiner Arbeiten.
Im Mittelalter bedeutete dies: Das Menschengeschlecht und seine Beziehung zur sichtbaren und unsichtbaren, zur transzendenten Außenwelt/Gegenwelt/Später-Welt in der menschlichen Jetzt-Welt.
Und das bedeutet es in allen Bereichen, die Ritualen unterliegen, ja noch heute, zB auch jetzt.
Unter kommunikativen Aspekten (und damit unter soziologischen) will ich das - und zwar nicht abwertend - als Propaganda bezeichnen.
Sprache dient uns dazu, das sinnliche und damit unteilbare Erlebnis in ein teilbares, mitteilbares umzuwandeln. Natürlich ist dieser Umwandlungsprozess vom Erfahren und Fühlen zum Denken und Sagen von Verlusten geprägt.
Sprache aber ist auch selbst eine sinnliche Erfahrung, die Sender und Empfänger (nach dem jedem bekannten Modell) gleichermaßen wenn auch unterschiedlich intensiv teilen.
Aus Denken und Sagen wird Erfahrung und Gefühl.
Insofern ist dies sicherlich einer der spannendsten Aspekte des Menschseins und einer der substantesten Scheidepunkte zwischen Mensch und Tier.

Ihnen ist sicherlich klar, dass ich jetzt behaupte, dass dasselbe auch für Klaus Schneiders Kunst gilt.

Klaus Schneider
1951 geb Düdelsheim (Büdingen)
Studium Philosophie, Germanistik, Geschichte, Kunstpädagogik Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main

Unabhängig von formalen Erwägungen (die Bilder sind im guten Sinne schön) benutzt Klaus Schneider benutzt Brailleschrift auf Bildhintergründen, um dem Motiv einen propagandistischen Drall zu geben.
Er stellt den Betrachter vor das Problem, ein Bild nicht lesen zu können, wenn der Betrachter nicht diese Information hat, nämlich: Dies ist Schrift. Dies ist auch ein Plakat, dies ist Kommunikation.

Augenfällig wird dies bei der Fotoarbeit am Treppenabsatz, die ein verschwommenes Portrait eines Kindes mit aufgesetzter Brailleschrift zeigt.
Stellen Sie sich vor, das Bild sei ergänzt um einen Sockel mit auch für Brailleschriftunkundige lesbarem Text, der für eine Stiftung für Versehrte oder Behinderte wirbt.
Dann fiele sofort ins Auge, wie die Anordnung der Punkte auf dem Gesicht die Verletzlichkeit dieses Gesichtes suggerieren können.

Die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers und unsere Erfahrungen daraus (ohne gleich das memento mori bemühen zu wollen) sind die Voraussetzung für Behutsamkeit.
Und ohne Behutsamkeit kann ich nicht mit Kunst, und kann ich nicht mit anderen Menschen umgehen, denn Miteinander Umgehen ist ein Synonym für Kommunikation.

Oder anders: Das hier ist kein Spaß, kann es aber machen. Das jedoch ist jetzt Ihr Problem, meines habe ich jetzt gelöst.

Mathias Beck
März 2002

 

 Rainer Maria Wehner 

Objekte Fotografien

 

 

 Klaus Schneider 

Malerei

 

         

 

 Jean Noëll Bachès 

Mischtechniken | Malerei Collage

 

 

Machtvoller Blick in den Mikrokosmos
Drei Künstler blicken hinter die Fassade der Dinge - Arbeiten von Rainer Wehner, Klaus Schneider und Jean Noel Bachès in der Galerie Monika Beck

Ohne Licht wären die Augen des Menschen sinnlos. Trotzdem ermöglicht es nur die Oberfläche der Dinge zu erkennen. Und die ist bekanntlich so manches Mal mehr Schein als Sein. Der Wunsch, hinter die Fassade zu schauen, gehört verständlicherweise zu den Charaktermerkmalen der meisten Menschen. Besonders, wenn sie Künstler sind. Drei solcher Exemplare des Homo Sapiens haben intensive Forschungsarbeit betrieben und im Inneren der Dinge einen erstaunlichen Mikrokosmos entdeckt. Dass daraus letztendlich eine Parabel über die Wahrnehmung wurde, zeigt die aktuelle Ausstellung der Homburger Galerie Beck.
Mit leichtem Gruseleffekt präsentieren sich die Arbeiten Rainer Maria Wehners. Denn seine Portraits lösen die Oberfläche auf und zeigen den Kern des Menschen, das Skelett. Mit Hilfe verschiedener medizinischer Durchleuchtungstechniken wird das Innere sichtbar gemacht und auf transparenten Untergrund gebannt. Doch trotz kühler Inszenierung mittels Neonlicht und Metallgestellen hält der Eindruck, vor dem Ergebnis ärztlichen Forschungsdrangs zu stehen, nur kurz an. Viel zu absurd scheinen die Kombinationen diverser Szintigramme und Röntgenbilder. Und viel zu sehr erinnern die Ganzkörperaufnahmen an mittelalterliche Grablegungen und Reliquienschreine. Dadurch wird Neugierde geweckt und man hofft unwillkürlich, beim Betrachten der detaillierten Strukturen etwas noch nie Gesehenes zu entdecken. Vielleicht sogar den Ort, wo die menschliche Seele verborgen ist.
Ganz andere Wahrnehmungsmöglichkeiten bieten die plexiglasgerahmten Arbeiten des Frankfurter Künstlers Klaus Schneider. In seinen „Sprachbildern" setzt der 1951 Geborene Farben, Formen und Punktreliefs zu pittoresken Kombinationen. Doch was auf den ersten Blick zufällig und im besten Sinne dekorativ wirkt, stellt sich bei näherer Auseinandersetzung als präzis gefasste Botschaft heraus. Denn die aufgesetzten Punkte sind nichts anderes als Blindenschrift, ergänzt durch eine eigens erfundene, aber leicht fassbare Symbolsprache. Schneider, der sich selbst gerne als "skeptischer Sprachfaszinierter oder faszinierter Sprachskeptiker" bezeichnet, macht damit einerseits bewusst, dass Sprache kein allgemeingültiges Naturgesetz ist, sondern ein von Menschenverstand geschaffenes System. Andererseits ist Kommunikation weit mehr als geschriebene oder gesprochene Worte. Der Mensch muss alle Sinne einsetzen, um sich in seiner Gänze verständlich zu machen. 
Formal ganz anders präsentiert sich der Dritte im Bunde der Beck-Ausstellung. Der Franzose Jean-Noël Bachès lässt mit Bleistift, Acryl und Öl "skripturalen Malereien" entstehen. Das ursprüngliche Motiv der Bilder ist die Schrift, jedoch vom Künstler zu symbolhaften Zeichnungen und Kritzeleien verwandelt. Diese Transformation bringt den Betrachter in unmittelbaren Kontakt mit der Denk- und Fühlweise des in 1949 in Lyon geborenen und immer noch dort lebenden Bachès, offenbart also das, was hinter der sichtbaren Person eines künstlerisch Tätigen steht. Auch er ein Mensch auf der Suche nach Kommunikation jeder Art.

Stefan Folz | Die Rheinpfalz

 

>> Intranet     |     Ausstellungskritik | Saarbrücker Zeitung | Brigitte Quack | 27.3.2002

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