Galerie Monika Beck
Mathias Beck. Kulturmanagement GmbH
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11. August - 4. Oktober 2002

MARGRET EICHER | SIMONE DEMANDT

Catching Eyes

 

 

Einführungsrede zur Ausstellung

Catching Eyes,
einmal in der Bedeutung „Schauende Augen“, 
aber auch in der Bedeutung „Hingucker schaffen“ (in Anlehnung an den „Eye Catcher“) 
weist uns als Titel dieser Ausstellung darauf hin, 
dass die Bildende Kunst heute ganz anders von uns wahrgenommen wird, 
aber zu selten 
und nicht umfänglich 
ganz anders bewusst wahrgenommen wird..

Dass sie nämlich in viel stärkerem Masse in direkter Konkurrenz steht 
mit anderen, 
trivialer bestimmten und 
manipulativ gemeinten Ansätzen auf denselben Bereich unserer Sinne, auf den in der Vergangenheit nur die hehre Kunst und ihre Vorläufer in der Religion anlegten.

So wie man behaupten kann, dass im Mittelalter die Herauslösung der Bildenden Kunst aus dem Geflecht des Religiösen, 
wo sie ja 
eine Funktion der Vergegenständlichung und Begreifbarmachung des Göttlichen innehatte, 
quasi als Bildraum der Epiphanie, 
so erging es in den letzten knapp 120 Jahren der hehren Kunst.
Die Propaganda und kurz danach die Werbung sind ihr auf den Leib gerückt.

Alle drei, Bildende Kunst, Propaganda und Werbung lassen sich auf identische Muster und Sprechweisen und auf identische Wirkungen auf unser sensorisches Nervensystem zurückführen.

Viele Künstler unterschlagen diesen Zwiespalt, verdrängen die Konkurrenz durch das Triviale. Viele, die gar keine Künstler sind, werden als solche angesehen, weil ihre Arbeit, wenn auch eigentlich trivial, so sehr der Kunst zu gleichen scheint.
Margret Eicher und Simone Demandt haben unabhängig voneinander und natürlich auch auf deutlich verschiedene Art und Weise das Feld der Wahrnehmungsmuster in der Kunst- und Trivialbildwelt zum Thema ihrer Arbeit gemacht.

Der philosophische Fragenkatalog, der sich daraus ergibt, dass man die Wahrnehmung beim Bilderschauen auf den Kopf stellt, nämlich in der Behauptung, dass das Bild immer auch den Betrachter anblickt, bildet vielleicht den Hauptstrang dieser gemeinsamen Ausstellungsarbeit.


Simone Demandts Portraits en face zB, die mit eigentümlich nicht wirklich schauenden Blick in die Kamera sahen und nun auf den Betrachter zurückblicken. Die mit „Drapes Behind“ betitelte Serie behandelt den Einsatz von hinter die Hauptfigur gesetzten Draperien in Portraits des 16. u 17. Jhrdts. Sie schreibt selbst, dass sie das „Element Würdeformel ‚ornamentierter Hintergrund’“ aufgenommen hat.
Und der „übersehende“ blasierte Blick dann aus der Aufforderung Demandts resultierte, „würdig“ zu schauen.

Margret Eicher wiederum hat Plakatarbeiten aus dem mit dem Schriftsteller Dieter Gräff erarbeiteten Zyklus „Tussirecherche“ in die Ausstellung eingebracht, die – auf Grund ihrer Herkunft – als Plakat eye catcher sind, 
Ihre Blicke, meine sehr verehrten Damen und Herren, auf sich ziehen,
immer aber diesem schnellen Blick nichts von sich überlassen wollen, 
sondern uns seltsam zwingen, sich dem 
gegen die Lesbarkeit, 
für das Plakat gesetzten Text zu überlassen, um dann festzustellen, dass sie 
- Kunst betrachten,
- Gedichte lesen.

Und dass die Gedichte, während wir lesen, vielleicht uns lesen.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Mathias Beck | August 2002

 

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 Margret Eicher 

 

 

Margret Eicher entwickelte in den achtziger Jahren die Technik der Copy Collage. Sie arbeitet mit Reproduktionen aus variablen Kontexten und fügt diese zu großen Mustern zusammen. Serielle Strukt uren und repetitive Bildargumentationen werden als Motive zu Tafeln geklebt, die das Ausgangsmaterial für große Rauminstallationen bilden. Die ornamentale Wirkung der Bildfahnen verwandelt sich im Prozeß der Begehung und Anschauung zu ein em oft kritischen Kommentar zum Umgang mit Bildern in der Informationsgesellschaft.

 

Biographie

geb. 1955 in Viersen / Niederrhein , lebt und arbeitet im badischen Ladenburg
1973-79 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf ][ 

Auszeichnungen und Stipendien
[Auswahl] 

Arbeitsstipendium des Landes Rheinland-Pfalz, 1989; Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg, 1992; Förderstipendium des Kunstfonds Bonn e.V., 1993; 2. Preis Copy-Art-Wettbewerb der Internationalen Grafik Triennale Grenchen [CH], 1994. 

Projekte, Performances, Einzelausstellungen
[Auswahl] 


1982
Viersen, Städtische Galerie 

1983
Hessisches Landesmuseum, Darmstadt 

1985
»Kunst in Aktion«, [Performancewoche], Kultursommer, Mannheim 

1986
»Honigzeiten«, Scharpf-Galerie des Wilhelm-Hack-Museums, Ludwigshafen 

1987
»Rheingold«, Galerie Maeder, München 

1988
»Hirschmann und Vogelfrau«, Pfalzgalerie, Kaiserslautern und Badischer Kunstverein, Karlsruhe 

1989
»Normale Dunkelheit am späten Vormittag«, Wilhelm-Hack -Museum, Ludwigshafen 

1991
»Copy Collagen«, Galerie Ulrike Buschlinger, Wiesbaden
»Raumkonzepte«, Pfalzgalerie, Kaiserslautern 

1992
»Musée Trouvé«, Kunstverein Mannheim und Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim
Städtische Galerie Brückenturm, Mainz
»Corporate Identity«, Galerie Halskratz [Angelo Falzone], Mannheim 

1993
Fotogalerie, Wien [A]
»Wabe«, Neue Kunst im Hagenbucher , Heilbronn
»Die Latenz der ornamentalen Ordnung«, Galerie am Luxemburgerplatz [Galerie Ulrike Buchlinger], Wiesbaden 

1994
»Über den Gebrauch der Muster«, Kunstverein Freiburg; Kunsthalle Mannheim; Galerie Halskratz [Angelo Falzone], Mannheim
»Copy Collagen«, Kunstverein Oldenburg - [mit Stefan Papp] 

1995
»LOBLOB«, Kunstraum Wuppertal
»Bel Etage«, Forum Fotografie im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg - [mit Jörg Czeschla] 

1996
»Herrschende Muster«, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden e.V.; Galerie Ulrike Buschlinger, Wiesbaden; anschließend Dortmunder Kunstverein e.V., Dortmund
»Konkretum – Abstraktum« [Rauminstallationen], Museum Bochum - [mit Madeleine Dietz] 

1997
»Ruhe Bitte«, Städtische Galerie Rähnitzgasse und Schloß Pillnitz, Dresden
»Architectura Metaphysica«, Galerie Monika Beck, Homburg/Saar 

1998
»System:Code«, Galerie Lepanje Puntin Arte contemporanea, Triest 
»System:Code«, Galerie Eugen Lendl, Graz
»Ruhe bitte!«, [Rauminstallation], Städtische Kunsthalle Mannheim und Nationaltheater Mannheim 

1999
»System:Code«, Galerie Ulrike Buschlinger, Wiesbaden
»boygroup«, Waiblingen und Kunstverein Viernheim »System:Code«, Verein für Originalgrafik, München 

2000
»Tussirecherche«, Wilhelm-Hack-Museum , Ludwigshafen, und Galerie für Gegenwartskunst, Dresden
»Sehen Sie! Sehen Sie?«, Staatsgalerie Stuttgart - [mit S. Demandt]
»boygroup«, Fotogalerie, Wien 


Gruppenausstellungen
[Auswahl] 

1988
»Förderpreis Junge Künstler der Saar Ferngas AG«, Pfalzgalerie, Kaiserslautern 

1989
»Künstler der Galerie«, Galerie Maeder, München 

1990
»Fußball in der Kunst«, Pfalzgalerie,Kaiserslautern, und Leopold-Hoesch-Museum, Düren
»Förderpreis Junge Künstler der Saar Ferngas AG«, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen
»Kunst statt Küche«, Industrietempel, Mannheim 

1991
»Positionen«, Herrenhof, Neustadt/Weinstraße 

1992
»Mythos Rhein«, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen
Galerie Halskratz [Angelo Falzone], Mannheim 

1993
»Gewalt der Gegenwart«, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
»Kirchgänge«, [Raumbezogene Arbeiten in Kirchen], Landau 

1994
»Architektur der Ideen«, Kunsthaus Hamburg 

1995
Wanderausstellung der Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg
»ExpoSezession: 'Der Ton des Raumes'«, Galerie Angelo Falzone, Mannheim
»Begreifungskräfte – Künstlerinnen heute«, Badischer Kunstverein, Karlsruhe; anschließend Museum Ulm/Stadthaus, Ulm 

1996
»Fahnen«, Emscher Tal Museum, Flottmann Halle, Herne
»Frauen[t]räume«, Galerie Horst Dietrich, Berlin - [Kuratorin: Marianne Hoffmann] 

1997
»Schleifen«, SUPER U Franzensgasse, Wien - [Kurator: Hubert Salden]
»Versus III«, Velan-Kunststiftung, Turin 

1999
Hannover, Galerie Claudia Böer »Über den Tellerrand«, Galerie Claudia Böer, Hannover 

2000
»Viral Room«, BureauTM, Davos 


Werke in Museen und Sammlungen
[Auswahl] 


Landesmuseum Mainz; Städtische Sammlung im Prinz Max Palais, Karlsruhe; Städtische Sammlung Mainz; Städtische Kunsthalle, Mannheim; Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen; Pfalzgalerie Kaiserslautern 

 

 Simone Demandt 

 

 

1959 geboren in Dortmund
1979 – 1985 Studium an der Kunstakademie Stuttgart, Studium der Kunstwissenschaft an der Universität Stuttgart
1985 – 1986 Regieassistenz am Alten Schauspielhaus Stuttgart
1987 Projektstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
1994 Förderpreis Kunst der Heinrich-Böll-Gesamtschule Lüttgen-Dortmund
1996 – 1999 Lehrauftrag für Fotografie und Zeichnen an der Freien Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst Freiburg
seit 1999 Lehrauftrag für Fotografie an der Hoschschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft Pforzheim
lebt in Baden-Baden

 

 

Einzelausstellungen:
1990 Die Flucht beginnt zu mißlingen, Fotogalerie Gisela Löffler im Kunsthaus Fischinger, Stuttgart
1991 Die Muse hat den Bus verpaßt, Künstlerkreis Ortenau
1992 Froschkönigs Tellerwäsche, Museum am Ostwall, Dortmund
1994 Unterbrochene Beziehungen, Museum am Ostwall, Dortmund
1996 public and private, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
1998 Friedrichsbau Bühl
1999 kein Kinderspiel, Kunstverein Rastatt
2000 Bilder blickdicht, Gesellschaft der Freunde junger Kunst, Baden-Baden
2000 „Sehen Sie! Sehen Sie!“, Projekt mit Margret Eicher in der Staatsgalerie Stuttgart und im Stadtraum Stuttgart
2000 Museum Karlovy Vary (Tschechien)
2001 „Dialog“ mit Sinje Dillenkofer, Künstlerkreis Ortenau
2001 Orte Unorte, Kunstverein Radolfzell

Gruppenausstellungen:
1992 Gewalt der Gegenwart, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
1995 Begreifungskräfte. Künstlerinnen heute, Badischer Kunstverein Karlsruhe
1996 Begreifungskräfte. Künstlerinnen heute, Stadthaus Ulm
1997 Alpirsbacher Galerie
1998 Crossover, Künstlerkreis Ortenau
1998 Schwarz-Rot-Gold, Badisches Landesmuseum Karlsruhe
1998 Zeitgenössische Kunst am Oberrhein, Städtische Galerie Offenburg
1998 Landeserwerbungen 93 – 97, Badischer Kunstverein Karlsruhe
1998 Stilleben, Galerie Vayhinger, Radolfzell
1999 Prediger, Schwäbisch Gmünd
1999 Fruchthalle Städtische Galerie Rastatt
1999 Stilleben in der Fotografie, die Sammlung FRAC Alsace im Muzeum Nardowego Wroclaw (Breslau Polen)
1999 Idylle, Galerie Vayhinger Radolfzell
1999 ProjektGalerie Lybgaß, Herne
2000 ART Frankfurt
2000 Passagen Übergänge, Kunstpreis der Stadt Bühl für Künstlerische Fotografie 
2000 virual rooms, Kindert-Albula Davos (Schweiz)
2000 Odyssee, Württembergischer Kunstverein Stuttgart
2001 Neue Heimat, Galerie Angelo Falzone, Mannheim

 

 

Von grundsätzlicher Skepsis gegenüber der Bildgeschichte sind die Fotoarbeiten Simone Demandts geprägt. Im Sinne der Fotografie als einem wirklichkeitstauglichen Medium, zeigt sie in ihren Fotoarbeiten den Blick als eine mit Wunschvorstellungen und –projektionen verstellte Ein-Bildung.

In diesem Sinne geht es der Künstlerin nicht mehr um das Medium selbst, sondern um die Hinterfragung der Verwendung die mit diesem betrieben wird. Die Unschärfenrelation, die sie den porträtierten Kindern gibt, schützt diese letztlich vor einem allzu besitzheischenden und vereinnahmenden Blick, den das Medium so gerne betreibt.

 

Eröffnung der Ausstellung am 11.8.2002

         

         

     

                   

              

 

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Bunte Welt der wilden Bilder
In der Galerie Beck spielen Margret Eicher und Simone Demandt mit der scheinbar objektiven Wahrnehmung

Unsere Welt ist bunt geworden. Jedenfalls, wenn man den Hochglanzwerbeanzeigen in den zahllosen Lifestyle-Magazinen Glauben schenken darf. Grauer Alltag, hässliche Menschen gibt es dort nicht. Dieses Konzept hat zwei Künstlerinnen unabhängig voneinander fasziniert. Flugs sind sie ans Werk gegangen, um den Werbeexperten Paroli zu bieten. Dass aus der Idee dann etwas völlig anderes geworden ist, liegt vielleicht daran, dass Künstlerinnen wie Margret Eicher und Simone Demandt ihre Welt doch aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. An dem können Kunstfreunde derzeit in der Homburger Galerie Beck Anteil haben. Denn dort heißt das Motto "Catching Eyes" (fangende Augen).
Tatsächlich wirken die Galerieräume, als hätte sie ausnahmsweise eine Werbeagentur für eine Präsentation gemietet. Großformatige Tafeln zeigen ebenso witzige wie ästhetische Entwürfe und werben für Parfum, Mode und ähnliche Luxusgüter. Ganz dezent ist zwischen den grafischen Elementen auch ein wenig Text verborgen und den will der Betrachter natürlich auch noch sehen. Hier ist dann der Punkt erreicht, wo das selbstsichere Bewegen in einer wohlvertrauten Welt endet. Denn wenn ein Herrenduft mit Worten wie "Prozession der kurzen Buddhas von Maudach. Sie, wie sie glänzen, werden geschoben von.. was sind das für Schnitzelgesichter" beworben wird, dann irritiert das über alle Maßen. Schnell wandelt sich die Stimmung jedoch zur Heiterkeit und man ergreift die Gelegenheit, das rätselhafte Phänomen zu lösen. Die bislang für ihre in der Kunstwelt weitgehend einzigartige Copy-Collagen bekannte Künstlerin Margret Eicher hat nämlich Neuland betreten und mit Digitalprints experimentiert. Zusammen mit dem Lyriker Dieter M. Gräf entstand so das Projekt "Tussirecherche", in welchem der Text von Werbeanzeigen durch die surrealistischen Dichterworte Gräfs ersetzt wurde.
Simone Demandts 2001/2002 entstandener Portrait-Reihe "drapes behind" bedient sich ohne Ehrfurcht Vorbildern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Hier wie dort werden kunstvolle Stoffbahnen, so genannte Draperien, als Element eines ornamentierten Hintergrunds verwendet. Im Gegensatz zu den Originalen, die beispielsweise von Rubens geschaffen wurden, verzichtet Demandt auf jede Art von Raumandeutung und reduziert Gesichter und Hintergrund auf eine zweidimensionale Darstellungsform. Kein Wunder, dass dem Betrachter die eigentlich unbekannten Personen seltsam vertraut vorkommen. Denn dieser Art der Präsentation bedienen sich bevorzugt moderne Werbefotografen. Nichts soll schließlich vom "Objekt der Begierde" ablenken. Doch was sind in den ausgestellten Fotoprints diese Objekte? Was weckt die Begierde? Der Stoff im Hintergrund oder die Personen, die mit seltsam ausdruckslosem Blick die Prozedur des Porträtierens über sich ergehen zu lassen scheinen? Eine wirkliche Antwort bleibt die 1959 in Dortmund geborenen, zur Zeit in Pforzheim mit einem Lehrauftrag für Fotografie versehenen Künstlerin schuldig.

Stefan Folz | Die Rheinpfalz | August 2002

 

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