_Städtische Galerie Blieskastel______
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ORANGERIE____________________
WEGPUNKTE - KUNST IN DER REGION

Schlossbergstrasse | Blieskastel

 

 
   

18. November - 18. Dezember 2005

 

 Brigitte Hayo-Rousché 

Unterwegs | Industriemalerei

 

 

 

1954 im Thüringer Eisenach geboren
1980 Unterricht bei dem Völklinger Maler Lutz Hoffmann
1981 – 87 Europäische Akademie für Bildende Kunst, Trier
Professor Erich Kramer und Ruth Clemens (Aquarell)
1988-96 Europäische Akademie für Bildende Kunst, Trier
Renate Schmitt u. Volker Altrichter, Köln (Akt, freie Malerei)
1989 Gründungsmitglied Kulturforum Köllertal
2002 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler
2003 Mitglied im Stiftungsrat Völklinger Energiestiftung
Mitglied im Saarländischen Künstlerhaus

Einzelausstellungen
1989 Völklingen, Neues Rathaus
1991 Saarbrücken, Kinderwerkstatt Sonnenblume
1992 Stuttgart, Galerie Hentschel
1993 Püttlingen, Kulturforum
1995 Püttlingen, Knappschaftsklinik
1998 Saarbrücken, Kulturfoyer Püttlingen, Knappschaftsklinik
1999 Essen, Kulturforum
2000 Saarbrücken, Caritasklinik
Hannover, Congress Hotel am Stadtpark
2001 Völklingen, Neues Rathaus
St. Wendel, Galerie im Hof
Köln, Flughafen Köln Bonn, Senator Lounge
2002 Dillingen, Altes Schloss
Petite Rosselle (F) Musee Carreau Wendel 2003
Blieskastel-Biesingen, Galerie am langen Tal
2004 Völklingen, Stadtwerke
“Eisen und Stahl“
2005 Dillingen, Verwaltungsgebäude Dillinger Hütte “Werk — Stoff — Stahl“
Sulzbach, Salzbrunnenhaus
Blieskastel, Orangerie “Unterwegs — Hüttenmalerei“

Gruppenausstellungen
1987 Völklingen, Altes Rathaus
1988 Völklingen, Neues Rathaus
1989 Sarreguemines (F), Mairie
Trier, Tuchfabrlk
1991 Völklingen, Altes Rathaus
1995 Sarreguemines (F), Mairie
Trier, Europäische Akademie für Bildende Kunst
1996 Trier, Europäische Akademie für Bildende Kunst
2002 Saarbrücken, “Im Mass“
BBK Jahresausstellung
2003 Saarbrücken, “DIN Art 1“
Saarländisches Künstlerhaus
2004 Völklingen, Neues Rathaus
“Künstler und ihre Stadt“
2005 Les Lilas (Paris), “Lil Art“

 

Vita 2005 als pdf

 

Biographie als pdf

 

         

 

Hendrik Kersten über Brigitte Hayo-Rousché

 

              

 

unterwegs – Hüttenmalerei


Die Mitte nimmt ein gleißendes Etwas ein, körperhaft zwar, aber
über-„dimensional“, offenbar von immenser Ausdehnung und ebensolchem Gewicht. Die Gluthitze des Körpers wetteifert mit der grellen Lichtwirkung seiner Oberfläche.
Das Drumherum gibt sich höhlenartig dunkel, nüchterne Großtechnik von titanischen Ausmaßen und menschenleer.

Szenenwechsel:

Das unübersichtliche Ensemble rostschillernder Röhren und Tuben formt sich zu einem geometrischen Ballett der Hohlkörper; in der Anmutung gleichfalls räumlich aber von Tageslicht durchflutet, fremdartig und von verstörender Ästhetik. Das Ganze ist eine Demonstration schierer Dimension mit letztlich unbekannter Zweckbestimmung.

Zwischen dem monströsen Werkstück der Strahlschmiede und der chaotisch anmutenden Rohrleitungskomposition der Völklinger Eisenhütte, zwischen buchstäblich heißer Aktion und der vermeintlichen Tristesse stillgesetzter Industriebrachen sucht und findet Brigitte Hayo-Rousché ihre Motive.

Ihre Bildwelten agieren stilsicher und zugleich virtuos in eben jener anspruchsvollen Steilwand, die zwischen den weiten Niederungen eines biedermeierlichen „Mainstream“ und dem gefährlichen Grat (nebst Absturzkante), einer sich verselbstständigenden Abstraktion aufragt.

Nichts ist langweilig, Spannung pur im Bildaufbau, eine ständige Hängepartie eben. Ein paar Sicherungshaken und darunter ein tiefer Abgrund…

Industriekultur.
Das selbst gewählte Sujet macht es ihr nicht gerade leicht, es lässt sich nicht einfach „abmalen“ ohne entscheidenden Substanzverlust.
Die spröde Materie klebt ebenso zäh an ihren überkommenen Klischees wie sie die Essenz ihrer spannenden Existenz hinter dem Anschein von Normalität verbirgt.

Was ihre Bildwelten auszeichnet, ist die immer neue Kreation einer jeweils eigenständigen, in sich stimmigen Realität, die sie scheinbar mühelos aus dem vorgefundenen Motiv transformiert. Mit flinken Händen und breitem Pinselstrich, einer mutigen Farbigkeit und durchwoben von einem Gespinst spannungsgeladener Linien, bildet das Ergebnis sein Modell nicht ab, lässt es aber nachgerade “präzise“ erahnen.

Immer aufs Neue gelingt ihr die Metamorphose der realen, durch und durch männlichen Welt im Filter ihrer weiblichen Sicht der Dinge.

Hendrik Kersten

 

Abbildungen Hayo-Rousché ansehen

 

Einführungsrede Brigitte Hayo-Rousché | Unterwegs | Hüttenmalerei
 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

diese hier ausgestellten Arbeiten vom Motiv aus anzugehen, ist arg nahe liegend.

Wir sehen die Dynamik in Farbauftrag und Strich, die dramatische Geste in der Malerei, und denken, das ist Stahl, das ist Schwerstarbeit, das ist unsere Geschichte, das, was unser Land bislang am stärksten geprägt hat.
Kohle und Stahl!
Und Brigitte Hayo-Rousché feiert diese Vergangenheit, die auch Gegenwart ist. Sie macht aus Industrieanlagen und Industrieruinen Monumente.
Kohle und Stahl.
Und die Zeiten sind ja auch gewendet. Jedenfalls was den Stahl angeht. Der Stahl macht wieder Kohle.

Und diese Herangehensweise über das Motiv wäre deshalb kleinbürgerlicher, geschichts- und gefühlsduseliger Quatsch.
Wenn dem Saarländer das Herz aufgeht…
Gefühlte Geschichte generierte historische Gefühle?

Und dann liest man das, was eigentlich ganz und gar Brigitte Hayo-Rousché gehört ins Motiv hinein.
Nämlich Ihre besondere Fähigkeit Farbe auf der Leinwand so zu organisieren, dass das fertige Bild gerade gültige wie auch allgemeingültige ästhetische Gesetze erfüllt.

Ganz ehrlich – ich würde Sie nicht belügen: Auch wenn Künstler Dinge abgemalt haben, eine Landschaft, ein Bauwerk, einen Menschen, ein Gesicht nie ging es – zu keiner Zeit – darum, den Gegenstand originalgetreu oder auch nur ähnlich abzubilden.
Immer geht es in der Malerei um Probleme der Malerei.
Es darum, ob der gerade aufgeblühte Pickel im Gesicht des Portraitierten eine für die Organisation der Farbe in der Fläche wichtige Funktion besitzt - oder eine vernachlässigbare oder eine dem Bild schadende. Im Malen ist es ist nur eine kleine eitergelbe runde Stelle, ein Farbfleck, eine Nuance, eine Schattierung.
Und in dieser Frage ergibt sich dann das, was man als Temperament bezeichnet, wenn man vom Malen spricht.

Und Brigitte Hayo-Rousché hat dieses Temperament.
Andere Werkserien von ihr mit anderen Motiven zeigen das deutlich. Diese Unterwegs – Hüttenmalerei ist gut, weil sie gut gemalt ist. Nicht weil ein „Eisenwerk“ von Spinnweben umzogen wäre. Punkt.

Kurz:
Wenn ein Hochofen ein Monument ist, muss es ein Bild des Hochofens nicht sein.
Es ist als Bild von Hayo-Rousché auch eher ein Denk-Mal.

Und ich kann das beweisen. Anhand des Ausstellungstitels.

Die beiden Begriffe „Unterwegs“ und „Hüttenmalerei“ zum Ausstellungstitel zu machen, setzt angesichts der ausgestellten Arbeiten ein kurzes Nachdenken und ein Zwinkerauge der Künstlerin bei der Titelwahl zwingend voraus.

Unterwegs bezieht sich ja sicher nicht auf das Motiv, also nicht auf die Völklinger oder die Dillinger Hütte oder die monumental mächtigen und archaisch Furcht erregenden Hütten- und Schwerindustrieaufbauten, aus denen zB flüssiges Metall fließt und Stahl entsteht.

Unterwegs sein bezieht sich ja auf Brigitte Hayo-Rousché selbst in der Rolle als Malerin, auf die Bedingungen, denen sie dadurch unterliegt: das Aufsuchen und Aufspüren und Auffinden der Motive.
Unterwegs ist auch noch das rasche Skizzieren am Ort.
Ankommen ist dann das Arbeiten im Atelier, wo sich Bewegung – getreu dem Impulserhaltungssatz –im leidenschaftlichen Strich, im engagierten Gestalten der Fläche, im in den Griff Bekommen des Bildes fortsetzt. Also auch hier unterwegs.

Unterwegs ist auch diese Ausstellung sozusagen seit vergangenem Jahr. Sie wurde in verschiedenen Nuancen und im Titel variiert als „Eisen und Stahl“ in den Völklinger Stadtwerken, zusammen mit einem schönen und umfangreichen Katalog als „Werk – Stoff – Stahl“ im Verwaltungsgebäude der Dillinger Hütte, zuletzt, glaube ich, im Salzbrunnenhaus in Sulzbach gezeigt.

Und „Hüttenmalerei“?
Es ist ironisch, es ist köstlich, genau das zu benennen, was Thema dieser Arbeiten ist, aber so haarscharf vorbei, dass man in der Erwartung fehlgeleitet werden könnte.
Versetzen wir uns gedanklich ins Gebirgige!
Dann wäre „Unterwegs – Hüttenmalerei“ eindeutig etwas ganz anderes.
Irgendwas mit vielen nuancierten Grüntönen, Himmelsblaufärbungen, Grauschattierungen von Stein, Fels und Berg, und ab und an ein bisschen Holzbraun. Von wegen der Hütten.
Aber alles Idylle.
Wenn Brigitte Hayo-Rousché dort unterwegs gewesen wäre, dann wären die Bilder sicher genauso farbsatt und mit nervösem Strich akzentuiert, die Form, die sitzt, suchend, Chiaro Scuro – Hell Dunkel – vorn zu hinten – rechts zu links - als Klammer des Bildmittelgrunds, in dem sich sozusagen das Motiv verkantet wiederfindet.
Statt eines Ausfluges ins Grüne aber unterwegs im Gelborange der Glut.

Es ist Industriemalerei.
Aber der früher existierende Berufsstand des sogenannten Industriemalers ist eigentlich ausgestorben, seitdem man auch mit der Fotokamera super zu inszenieren gelernt hat.
Die letzte deutsche Industriemalerin mit Auftragslage war die jetzt hochbetagte Mannheimer Malerin Elisabeth Bieneck-Roos, die für Mercedes-Benz und andere, am meisten aber für Bilfinger und Berger auf der ganzen Welt unterwegs war, um Prestigeprojekte malerisch zu begleiten und zu dokumentieren.

Den irreführenden Ulk, den Brigitte Hayo-Rousché mit „Unterwegs – Hüttenmalerei“ macht, vergleiche ich damit, dass Bieneck-Roos eine Ausstellung mit von Ihr malerisch und zeichnerisch gefassten Straßenbau-Projekten unter dem Titel „Autobahnmalerei“ annoncierte.

„Unterwegs – Hüttenmalerei“ ist ein Aperçus, eine geistreiche Bemerkung Hayo-Rouschés zum Umstand, dass wir Regionale hier dazu neigen, die Schwerindustrie als Idylle bewahren zu wollen, weil wir sie nicht ganz begreifen.
Und auch nicht begreifen können.

Wer jetzt – so wie ich einmal - als bloßer (blöder) Tourist auf der Gischtbühne der Völklinger Hütte zu Stehen kommt, wird nicht mehr begreifen können, dass dieser Ort einer von dauernder Lebensgefahr war.
Das ist vorbei.
Dafür hat man jetzt von dort die imposanteste Aussicht aufs Gelände.

Und für uns weit weniger beschwerlich bietet diese wundervolle Ausstellung die Möglichkeit, ein bisschen Schwerindustriesurfing zu betreiben, ohne „Unterwegs“ sein zu müssen, aber dafür hier drinnen trockenen Fußes.
Echte „Hüttenmalerei“ eben.

Mathias Beck | November 2005

 

Katalog Werk Stoff Stahl

              

              

               

    

                   

              

    

    

         

    

                   

    

    

    

 

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Eröffnung am 16.11.2005

         

         

         

         

         

 

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Ausstellungsvorankündigung | Saarbrücker Zeitung | 16.11.2005

 

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