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9. September - 2. Oktober 2005
Victor
Fontaine
Malerei

Einladungskarte als pdf

Geb. 1923 in Saarlouis/Fraulautern
Gest. 1995 in Saarlouis
Studium bei Prof. Paul Dierkes und Prof. Bontjes van Beek, in Prag
1950-1953 Studium an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk
Saarbrücken
Bei Prof. Boris Kleint und Annelise Braunmüller
1960 Meisterprüfung bei Prof. Hubert Griemert, an der Fachhochschule
in Höhr-Grenzhausen
1989 Preis für Kunst und Wissenschaft, des Landkreises Saarlouis
1990 Stipendium der Edvard-Munch-Stiftung, Oslo
1974 Gründungsmitglied der Künstlergruppe Untere Saar
1974-84 1. Vorsitzender der Künstlergruppe Untere Saar

Arbeiten Kunst am Bau, Auswahl:
Arbeitsamt Saarlouis
Betonplastik, Hochhaus Saarlouis Beaumarais ARGE
Bleiglasfenster, Höstenberghe § Klütsch, Saarlouis
Glasmosaik, Ministerium Saarbrücken
Plastik Lacroix Saarlouis ARGE
Emailwand Hallenschwimmbad Duisburg
Vertreten in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen
Seit 1992 vertreten durch die Galerie Walzinger
Victor Fontaine. Malerei
„Die Utopie der Kunst liegt im schöpferischen Versuch, den Widerspruch
zwischen Schein und Sein, zwischen Vorstellung und Wirklichkeit
aufzuheben und die Einheit von Ich und Welt, von menschlicher und
kosmischer Dimension zu verwirklichen.“ Dieser grundlegende Satz stammt
aus Victor Fontaines Rede zur Eröffnung seiner eigenen Ausstellung
„Bilder 78-81“ im September 1981 in Saarlouis.
Subjektive Erfahrungen und Empfindungen des Künstlers fließen ein in das
Werk, das er mit seinen Händen - oder im Falle der Literatur mit seiner
Sprache - hervorbringt und das als real existierendes Gebilde vorliegt.
Und wiederum subjektiv ist die Rezeption des objektiv vorhandenen
Kunstwerkes durch den jeweiligen Betrachter bzw. Leser. Die von Fontaine
angesprochene „Einheit von Ich und Welt“ enthält den Widerspruch
zwischen Subjekt und Objekt in sich und damit den Abgrund unseres
Denkens und unserer menschlichen Existenz. Nur im Vergleich mit anderen
kann sich der Mensch als subjektives Wesen selbst erfahren, und die
Kunst bietet ein wunderbares Forum für diesen wesentlichen Prozess der
Selbstfindung. Indem das Kunstwerk nicht einfach nur Äußeres
widerspiegelt, sondern untrennbar davon auch Inneres, enthält es als
faktisches Objekt zugleich auch psychische Realitäten des schaffenden
Subjekts. In dieser Verschränkung von Innerem und Äußerem, von Ich und
Welt liegt der Keim für die gesellschaftliche Funktion der Kunst seit
jeher. Indem der Künstler seine Sicht der Dinge, der Zusammenhänge und
Strukturen für andere formt und artikuliert, gibt er denen, die nicht
über diese Gabe verfügen, Werke an Hand, mit denen sie sich
auseinandersetzen und ihre subjektiven Erfahrungen vergleichen oder gar
erweitern können. Wie eine Landschaft, ein Porträt oder ein Stillleben
nicht nur einen objektiven Tatbestand abbilden, zeigen auch abstrakte
Bilder nicht einfach bloß Linien, Formen und Farben, sondern eine
individuelle, subjektive Gestaltung der verwendeten Bildmittel zu einem
eigenen Kosmos.
Victor Fontaine wurde 1923 in Saarlouis-Fraulautern geboren und starb
1995 im Alter von 72 Jahren. Schon als Kind beschäftigte er sich gern
mit Zeichnen und Malen. Während des 2. Weltkrieges weckten Begegnungen
mit Paul Dierkes und Bontjes van Beek in Vlaschim und Prag sein
Interesse für moderne Kunst. Seine künstlerische Ausbildung erfuhr
Fontaine 1950-1953 aufgrund eines Freistudiums an der Werkkunstschule
Saarbrücken bei Boris Kleint und Anneliese Braunmüller. Seit 1956
unterhielt er ein eigenes keramisches Atelier für Kunst im öffentlichen
Raum in Hilbringen. Es entstanden im Saarland und darüber hinaus viele
Werke an öffentlichen Orten: Plastiken, Brunnen, diverse
Wandgestaltungen in Klinker, Beton, Glasmosaik oder Emaille,
Bleiglasfenster, das Holzrelief im Finanzministerium in Saarbrücken oder
der Soldatenfriedhof in Reisbach. Allein diese Aufzählung macht die
Vielseitigkeit der bildkünstlerischen Fähigkeiten Victor Fontaines
deutlich. Seit 1963 war Fontaine zudem pädagogisch tätig, zuletzt am
Hochwaldgymnasium in Wadern. Neben seiner beruflichen Arbeit setzte sich
Victor Fontaine über Jahrzehnte durch künstlerische, pädagogische und
organisatorische Tätigkeit für die Kunst und mit großem sozialem
Engagement auch für die Künstler und Kunsthandwerker im Saarland ein,
insbesondere im Raum Saarlouis. Seit Gründung der „Künstlergruppe Untere
Saar e.V.“ im Jahr 1974 war Fontaine neben Mitgliedschaften in
zahlreichen anderen Künstlervereinigungen deren Vorsitzender. 1989
erhielt er für seine Verdienste den Kulturpreis für Kunst und
Wissenschaft des Landkreises Saarlouis.
In dieser Ausstellung in der Orangerie Blieskastel sehen Sie ca. 20
Ölgemälde auf Leinwand, die vornehmlich in den 90er Jahren entstanden
sind. Schon sehr früh hatte Fontaine zur abstrakten Bildgestaltung
gefunden und diese auch während seiner an der Kunst des Bauhauses
orientierten Ausbildung bei Boris Kleint systematisiert. Seine formale
Bildauffassung, seine Suche nach Struktur, Ordnung und bildimmanenter
Logik sind stark von der Tradition des Bauhauses geprägt. Auch die
Gleichstellung von angewandter und autonomer Kunst, Fontaines
theoretische Versiertheit und handwerkliche Disziplin haben ihre Wurzeln
in der Bauhauslehre.
Obwohl Fontaine in erster Linie abstrakt arbeitete, kehrte er, vor allem
in der Darstellung weiblicher Akte, wiederholt zum gegenständlichen
Motiv zurück. In den hier gezeigten Beispielen wird deutlich, dass der
Bildgegenstand - nackte Frauen in einer Dreier- und Zweiergruppierung –
formal zwar sofort erkennbar ist, von der malerischen Wiedergabe, der
Farbintensität und dem Duktus des Farbauftrags aber abstrahierend in die
Bildfläche eingebunden wird. Schwellende Formen und Rundungen deuten das
Volumen der weiblichen Körper an, die Farbe jedoch behandelt Figur und
Grund gleich, so dass trotz des gegenständlichen Motivs die
Strukturierung der Bildfläche, die Komposition von Farbflächen innerhalb
des Bildrahmens das übergeordnete künstlerische Thema darstellt. Die
Figuren werden so zu einem festen Bestandteil des Ganzen, unverrückbar
verankert innerhalb der Gesamtkomposition.
Dieses verzahnende Gestaltungsprinzip gilt auch für die abstrakte
Malerei Victor Fontaines. Oft sind seine Bilder innerhalb von Serien
oder Reihen entstanden, in denen Fontaine bestimmte formale Aufgaben zu
entwickeln und zu lösen versuchte. Auch gibt es zu einigen Gemälden in
Öl parallele Arbeiten auf Papier, z.B. in Fingermalerei (Gemälde
„92/7.4004“), die den experimentellen Charakter der Kunst
unterstreichen. Fügten sich in den früheren Arbeiten kleinteiligere,
farbig akzentuierte Formen mit meist klaren, jedoch nie streng
geometrischen Umrissen zu kontrastreichen, gefestigten, in sich
geschlossenen Kompositionen zusammen, gewinnen die Werke der 80er und
90er Jahre an Monumentalität und Spannung. Dem Kreis bzw. einer dem
Kreis angenäherten Rundform kommt als immer wiederkehrendes Motiv eine
besondere Bedeutung im Werk Fontaines zu. Ausladende Halbovale oder
Kreissegmente wecken Erinnerungen an Fontaines Keramiken, feste schwarze
Konturen, die wie Stege lichtdurchtränkte Farben wenigstens teilweise
konturieren, lassen an bleiverglaste Fenster denken. Fontaine
verzichtete ganz bewusst auf Bildtitel, um den Betrachter nicht zu
bestimmten Assoziationen zu zwingen. Er wies darauf hin, dass für ihn
benennbare Objekte auf seinen Bildern „für jeden Betrachter andere
benennbare Objekte sein“ können, „oder auch einfach für einzelne
Betrachter, ein Chaos“. Für mich ist diese letzte Aussage schwer
nachvollziehbar, denn Fontaines Arbeiten sind in ihrer malerisch
strukturierten Ordnung und ihrem lebendigen Spannungsverhältnis weit vom
Eindruck eines Chaos entfernt. Auch betonte Fontaine selbst in einem
Interview von 1986, dass er das Chaos, das er zunächst auf der weißen
Leinwand oder Papierfläche schafft, als Anregung zum ordnenden Gestalten
nutzt.
„Der Realitätsanspruch wird auch von abstrakten Werken erfüllt“, so
Fontaine, da jedes Bild als „zusammengesetzte Existenz“ ein „Eigenleben“
entwickelt. Das Arbeiten mit Kontrasten und das Ausgleichen der
Gegensätze spielen dabei eine wichtige Rolle. In den Bildern der 90er
Jahre setzt Fontaine Schwarz und Weiß gezielter als früher im Kontrast
nebeneinander, oft auch Schwarz und ein leuchtendes, feuriges Orangerot
(Abbildung auf der Einladungskarte). Die Wirkung dieser Kompositionen
ist vehement, kraftgeladen. Räumlichkeit entsteht durch Überschneidungen
von Formen, teilweise durch Farbmodulationen innerhalb der Formen oder
die räumliche Wirkung der Farben selbst. Fontaines Bilder haben
Ausschnittcharakter, scheinen in ihrer fest gefügten Komposition als
Teil eines übergreifenden Raumes. Es gibt mehrfach signierte Werke, die
in mehreren Ansichten ihr kompositionelles Gleichgewicht bewahren. Dies
ist durchaus vom Künstler beabsichtigt, oft in einem späteren
Arbeitsgang durch Übermalungen und Hinzufügungen entstanden. Andere
Bilder hingegen haben in einem einzigen Wurf ihre endgültige Gestalt
erhalten.
Ziel Fontaines ist es, in seinen Werken dem „´natürlichen Leben´ der
bildnerischen Mittel“, den “eigenen Naturgesetzen“ dieser Bildmittel
nachzuspüren, die sich zu einer Art „Organismus“ formieren. Bereits 1920
hatte Paul Klee in seiner „Schöpferischen Konfession“ ähnliche Gedanken
formuliert. „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht
sichtbar“, heißt es in Klees erster theoretischer Schrift. Auch die
Gleichnisartigkeit von Kunst und Schöpfung, die Klee 1923 in seinem
Aufsatz „Wege des Naturstudiums“ erneut und intensiver behandelt, klingt
1920 bereits an. „Die Zwiesprache mit der Natur“, die für den Künstler
eine unabdingbare Notwendigkeit darstellt, befähigt ihn, die im
Naturstudium gewonnenen Einsichten in Aufbau, Struktur, Wachstums- und
Bewegungsprozesse auch auf das konstruktive Gebiet der eigenen kreativen
Hervorbringungen zu übertragen. Für die bildende Kunst bedeutet dies
laut Klee eine „neue Natürlichkeit“ in der „freien Gestaltung abstrakter
Gebilde“, eine „Natürlichkeit des Werkes“, das „ein Gleichnis zum Werke
Gottes“ darstellt. Damit diese natürliche Ordnung im Bereich der Kunst
sichtbare Gestalt gewinnt, bedarf es, auch darin stimmt Fontaine mit
Klee überein, der „schöpferischen Persönlichkeit“. „Das Bild entsteht
aus einer Tätigkeit und sein Inhalt ist vom tätigen Menschen nicht zu
trennen“, so Fontaine , womit wir wieder bei den elementaren
Anfangsbetrachtungen meines Vortrages angelangt wären, bei der
Verschmelzung von Subjektivem und Objektivem, von „Ich und Welt“, von
menschlicher Existenz und kosmischer Dimension.
Petra Wilhelmy
Einführungsrede Petra Wilhelmy als pdf inkl Fußnoten

Pressetext zur Ausstellung
"Victor Fontaine | Malerei"
9. September – 2. Oktober 2005, Städtische Galerie Blieskastel –
Orangerie
1923 in Saarlouis geboren, war Victor Fontaine Zeuge und regionaler
Mitgestalter jener Bahn brechenden Stilentwicklungen, die sich
schließlich in der zeitgenössischen Moderne verdichten und gerade die
deutsch-französische Kulturlandschaft nachhaltig prägen sollten.
Anlässlich seines 10. Todestages präsentiert nun die Städtische Galerie
Blieskastel – Orangerie in einer Sonderpräsentation XX großformatige
Gemälde des 1995 verstorbenen Künstlers.
Starken prägenden Einflüssen begegnete Victor Fontaine bereits während
seines Studiums bei Paul Dierkes und Bontjes van Beek in Prag. Als
Student (1950 – 1953) von Boris Kleint und Anneliese Braunmüller erhielt
er anschließend weitere wichtige Impulse durch die damals weit über die
Grenzen hinaus bekannte Staatliche Schule für Kunst und Handwerk
Saarbrücken. 1974 gehörte der vielseitig tätige Fontaine zu den
Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe Untere Saar, deren Erster
Vorsitzender er während der nächsten 10 Jahre war. In Anerkennung seines
Werks und Wirkens wurde ihm 1989 der Preis für Kunst und Wissenschaft
des Landkreises Saarlouis verliehen, ein Jahr später erhielt er zudem
ein Stipendium der Edvard-Munch-Stiftung, Oslo. Seine Werke finden sich
heute in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.
Die von dem Galeristen und Fontaine-Experten Axel Walzinger kuratierte
Ausstellung "Victor Fontaine | Malerei" ist vom 9. September bis
einschließlich 2. Oktober 2005 jeweils freitags bis sonntags von 15.00
bis 18.00 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung in der
Städtischen Galerie Blieskastel - Orangerie, Schlossbergstraße, zu
sehen. Der Eintritt ist frei! Weitere Informationen zur Ausstellung gibt
es unter Telefon (0 68 42) 92 61 43 sowie im Internet unter
www.orangerie-blieskastel.de.
Zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, 7. September, ist die
Bevölkerung ab 19 Uhr herzlich in die Orangerie eingeladen. Die
Einführungsrede hält Dr Petra Wilhelmy.
Eröffnung der Ausstellung am 7.9.2005










Bilder der
Eröffnung ansehen
Aufbau der Ausstellung am 5.9.2005




Bilder vom Aufbau ansehen

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung | 7.9.2005

Ausstellungsvorankündigung | Saarbrücker Zeitung | 7.9.2005

Ausstellungshinweis | Saarpfalz
City-Map | 9 2005

Ausstellungskritik |
Jutta Stamm | Saarbrücker Zeitung | 16.9.2005

Ausstellungsbesprechung | Wochenspiegel | 14.9.2005

Ausstellungshinweis |
Saarbrücker Zeitung | 10.9.2005

Ausstellungshinweis |
Saarbrücker Zeitung | 5.9.2005
Technische Informationen
zur Ausstellung
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