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8. April - 1. Mai 2005
Thomas
Rissler
Holzschnitte


1962 geboren in Stuttgart
1983 - 88 Ausbildung und Tätigkeit als Steinbildhauer
1988 -95 Studium Bildhauerei an der Hochschule für Künste Bremen
1995 - 96 Meisterschüler bei Prof. B. Altenstein
seit 1996 freischaffend
Mitbegründung der Ateliergemeinschaft fabrik 84 in Beuren bei Nürtingen

Ausstellungen (Auswahl seit 2000)
2005 Galerie Schwefel, Stuttgart; Städt. Galerie Blieskastel Orangerie
2004 XYLON Museum und Werkstätten, Schwetzingen (B); Galerie holbein 10,
Köln (B); Bewerber um das MKK Stipendium, Städt. Galerie Iserlohn (B);
Uta Dingethal Art Consulting, Weil der Stadt (B)
2003 Art Cologne, Köln, Mariposa-Projekt; Galerie Monika Beck,
Homburg/Saar; HWL Galerie & Edition, Düsseldorf; XYLON, Fukumitsu Art
Museum und Kyoto Seika University, J, u.a. (B); Museum im Schlössle,
Freiberg/N.; Uta Dingethal Art Consulting, Weil der Stadt (B); Galerie
holbein 10, Köln (B)
2002 XYLON, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus, Reutlingen, Musée Pierre
Noël, Saint-Dié-des-Vosges, F (B); "bei uns zu Hause - at home", Galerie
Keim, Stuttgart; Kunstpreis 2002 der Kreissparkasse Karlsruhe (B); "Holzschnitt-Heute",
Kunstpreis 2002, Kreissparkasse Ludwigsburg (B); Galerie der Stadt
Sindelfingen (B); Galerie Renz, Fellbach (B); 4. Kleinskulpturen
Biennale, Galerie Dorn, Stuttgart (B)
2001 "Kreuzzeichen", Galerie Keim, Stuttgart (B); "Face a Face", Galerie
der HfK Bremen und SEL Sèvres, F (B); "Neue Arbeiten", Uta Dingethal Art
Consulting, Weil der Stadt
2000 15. Internationale Triennale für Originalgrafik, Grenchen, CH (B);
"Holzschnitt-Heute", Kunstpreis 2000, Kreissparkasse Ludwigsburg (B);
Städt. Galerie, Kirchheim (Teck); Galerie der Stadt Herrenberg; Ulmer
Museum (B); Kunstmuseum Heidenheim (B)

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Einführungsrede zur Ausstellung
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Thomas Rissler sammelt Bilder medial vermittelter Wirklichkeit zum Thema
Gewalt.
Neben den diversen Quellen aus dem Umfeld der Printmedien, schöpft er
vor allem aus dem Fundus von Clipart-Sammlungen und anderen digital
vorliegenden Daten.
Seine Motive erarbeitet Thomas Rissler zunächst digital, anschließend
schneidet er die einzelnen Bilder seiner Serien ganz traditionell in
Holz und druckt diese mehrfarbig in fast süßlich anmutendem,
Harmlosigkeit vortäuschendem Farbton.
Eigentlich entfaltet sich vor uns ein Panoptikum von Grauen. Die Bilder
unterlaufen aber unser Filtersystem gegen mediale Katastrophenbilder.
Rissler gibt sich selbst aber keiner Illusion darüber hin, dass wir als
Betrachter ignorant geworden sind gegenüber Bildern oder Auffassungen
oder Ausprägungen des Lebens wie des Todes, des Schönen wie des Grauens.
Und deshalb begegnen uns seine Bilder viel illusionsloser, viel
ätzender, viel sarkastischer, als es Thomas Rissler selbst ist.
1962 geboren in Stuttgart
1983 - 88 Ausbildung und Tätigkeit als Steinbildhauer
1988 -95 Studium Bildhauerei an der Hochschule für Künste Bremen
1995 - 96 Meisterschüler bei Prof. B. Altenstein
seit 1996 freischaffend
Die handwerkliche und formale Bearbeitung folgt seiner Intention.
Einmal löst er das Bild in viele kleine Einzelbilder auf.
Das Einzelbild besitzt keinen spezifischen Eigenwert mehr,
Es wird bloß Facette - Teil des Gesamtzusammenhangs.
Und dann wird der Holzschnitt noch als althergebrachte Technik
hinterfragt, seines „richtigen“ Bildträgers beraubt, nämlich nicht auf
Papier, sondern auf Leinwand bzw Nessel gedruckt.
Rissler befasst sich formal mit solchen Bildern, weil die Quellen dieser
Bilder - das Fernsehen, die Werbung, das Internet längst zu Modellen
unserer Verständigung verinnerlicht sind und nach und nach Besitz von
dem ergreifen, was wir als Wirklichkeit bezeichnen. Diese verschiedenen
Formen der Massenkommunikation präsentieren die Welt als Mosaik aus
Programmpunkten: eine Nachricht, ein Werbespot, ein Musikstück, eine
Spielfilm-Sequenz. Aus dieser Perspektive muss das Bild sofort fesseln,
gleichgültig, um welche Inhalte es geht. Eine differenzierte Sicht der
Dinge kann hier erst gar nicht mehr gefragt sein.
Dabei löst sich die Wirklichkeit auf, denn in der medialen Welt wirken
offenbar merkwürdige Fiktionalisierungsmechanismen.
Ein zusammenhängendes, in sich stimmiges Bild von Weit ist verloren
gegangen und damit auch die Orientierung an Wahrheit und Lüge.
Im Wust der Darstellungen, Beiträge und Bilder wird der Unterschied
zwischen beiden - Wahrheit und Lüge - schlicht unwesentlich, zumal der
Betrachter, der Zuschauer nur von einem geringen Teil der Information
wirklich selbst betroffen ist.
An die Stelle der Realität als Wahrheitskriterium tritt die
Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit meint in diesem Zusammenhang nur den
Eindruck von Aufrichtigkeit, Authentizität, Verletzlichkeit oder
Attraktivität, den ein Akteur vermittelt. Zum wichtigsten Werkzeug der
Vermittlung wird der Kunstgriff. Der Augenschein reicht völlig aus.
Menschen verwandeln sich in Bilder, die sie so zeigen, wie die Zuschauer
sich gerne sehen würden.
Entscheidend für die Strategie von Thomas Rissler ist, dass er Distanz
und Ruhe schafft, um zu konstruktiven Gedanken über die skizzierten
Fragestellungen überhaupt gelangen zu können: zu Fragen nach Realität
und Fiktion, nach Simulation und Wirklichkeit, nach Unschuld und
Wahrhaftigkeit.
Medienkritisch möchte ich das Märchendising nennen, was uns Redakteure
und Journalisten als Wahrnehmung der Politik und aller anderen Lebens-
bzw Gesellschaftsbereiche liefern.
Und genau dagegen geht Thomas Rissler an. Und genau die Figur des
Künstlers, ist die schlechteste, weil schwächste Position, um sich gegen
diese Verzerrung und Pervertierung der Gesellschaft aufzulehnen.
Dafür hat Thomas Rissler meinen Respekt.
Mathias Beck | April 2005
Thomas Rissler sammelt Bilder medial vermittelter
Wirklichkeit zum Thema Gewalt. Neben den diversen Quellen aus dem Umfeld
der Printmedien, schöpft er vor allem aus dem Fundus von
Clipart-Sammlungen - d.h. aus Fotosammlungen, die die Anbieter von
Bildbearbeitungsprogrammen zur Verfügung stellen.

Dominierte in den vergangenen Jahren Bilder offensiver
individueller wie kollektiver Gewaltausübung seine in seriellen
Zusammenhängen entwickelten Bildmotive, so wendet er sich in jüngster
Zeit verstärkt subtilen verfeinerten Formen von Gewaltanwendung und
Machtmissbrauch zu. Seine Themenstellungen bearbeitet Thomas Rissler
zunächst digital, anschließend schneidet er die einzelnen Bilder seiner
Serien ganz traditionell in Holz und druckt diese mehrfarbig in einem
fast süßlich anmutenden, harmlosen Farbgewand. Vor dem Auge des
Betrachters entfaltet sich ein Panoptikum von Grauen, zuweilen in einer
fast atemberaubenden Bonbonfarbigkeit und gerade das macht diese Bilder
erträglich. Sie unterlaufen unser Filtersystem alltäglichen Stumpfseins
gegen mediale Katastrophenbilder und alltäglicher Überlebensignoranz
ohne sich allerdings irgendeiner Illusion hinzugeben.

Zu den Arbeiten
Thomas Rissler würde sich selbst nicht als Sammler bezeichnen, er
sammelt seit annährend 10 Jahren Bilder von Gewaltausübung, von Macht,
Destruktion bis hin zur Selbstverletzung. Er entwickelt seine Themen in
seriellen Zusammenhängen, d.h. zu einer übergreifenden Fragestellung
gibt es bis zu 25 Einzelblätter. Die Darstellung erinnert uns teilweise
an Auffassungen, die Comiczeichnungen verwandt sind, tatsächlich besteht
der Fundus, aus dem Thomas Rissler hier schöpft aus medial vermittelten
Bildern - d.h. Bildern aus Zeitschriften, aus der Werbung und aus
sogenannten Clipart-Sammlungen, d.h. Bildmaterial für alle Lebenslagen
bis hin zu Anwendungsmustem in diversen Berufs- bzw. Arbeitsfeldern.
Thomas Rissler erfindet diese Bilder nicht sondern er verarbeitet und
benutzt bereits vorhandenes Material. Eine Serie und ein Thema
entwickelt er im ersten Arbeitsschritt am PC, bevor er in einer sich
anschließenden Arbeitsphase die einzelnen Bilder als einzelne Blätter
einer Serie in Holz schneidet - natürlich mit den Mitteln, die ihm heute
zur Verfügung stehen, aber eben handwerklich in der Manier des
Holzschneiders. Dies ist um so bemerkenswerter als er den Ursprung
seiner Bildwerke nicht verleugnet: die Textur des gerasterten Fotos wird
bewusst transportiert.
In den jüngsten Arbeiten erscheint Gewalt in sublimierter, subtilerer
Form. Zitiert wird eine amerikanische Idylle, um ein Beispiel
herauszugreifen: Bildgegenstände werden als helle, saubere Welt
inszeniert - ganz so, wie wir sie aus der Werbung kennen: mein Haus,
mein Auto - in diesem Fall mein Sohn, allerdings lodern im Hintergrund
bereits die Flammen haushoch. Die Bedrohung des Systems ist bereits eine
aktive.
Mit der Auflösung einer organischen Bildstruktur deutet Thomas Rissler
den fragilen Charakter dieses Systems (Familien- bzw.
Gesellschaftssystems, wenn Sie so wollen) bereits an - er löst das Bild
in viele kleine Einzelbilder auf, wobei das Einzelbild keinen
spezifischen Eigenwert mehr besitzt, sondern Facette/Teil des
Gesamtzusammenhangs ist. Und hier wird zudem der Holzschnitt
zurückgenommen, das Bild in seinen Einzelteilen ist auf Leinwand
gedruckt.
Rissler befasst sich formal mit solchen Bildern, weil die Quellen dieser
Bilder - das Fernsehen, die Werbung, das Internet längst zu Modellen
unserer Verständigung verinnerlicht sind und nach und nach Besitz von
dem ergreifen, was wir als Wirklichkeit bezeichnen. Diese verschiedenen
Formen der Massenkommunikation präsentieren die Welt als Mosaik aus
Programmpunkten: eine Nachricht, ein Werbespot, ein Musikstück, eine
Spielfilm-Sequenz. Aus dieser Perspektive muss das Bild sofort fesseln,
gleichgültig, um welche Inhalte es geht. Eine differenzierte Sicht der
Dinge kann hier erst gar nicht mehr gefragt sein.
Dabei löst sich die Wirklichkeit auf, denn in der medialen Welt wirken
offenbar merkwürdige Fiktionalisierungsmechanismen. Ein
zusammenhängendes, in sich stämmiges, kontextuelles Bild von Weit ist
verloren gegangen und damit auch die Orientierung an Wahrheit und Lüge.
Im Wust der Darstellungen, Beiträge und Bilder wird der Unterschied
zwischen beiden - Wahrheit und Lüge - schlicht unwesentlich, zumal der
Betrachter, der Zuschauer nur von einem geringen Teil der Information
wirklich selbst betroffen ist. An die Stelle der Realität als
Wahrheitskriterium tritt die Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit meint in
diesem Zusammenhang nur den Eindruck von Aufrichtigkeit, Authentizität,
Verletzlichkeit oder Attraktivität, den ein Akteur vermittelt. Zum
wichtigsten Werkzeug der Vermittlung wird der Kunstgriff. Der
Augenschein reicht völlig aus. Menschen verwandeln sich in Bilder, die
sie so zeigen, wie die Zuschauer sich gerne sehen würden. (Schmidt-Wulffen,
1987)
Entscheidend für die Strategie von Thomas Rissler ist, dass er Distanz
und Ruhe schafft, um zu konstruktiven Gedanken über die skizzierten
Fragestellungen überhaupt gelangen zu können: zu Fragen nach Realität
und Fiktion, nach Simulation und Wirklichkeit, nach Unschuld und
Wahrhaftigkeit.
Sabine Schwefel M.A.

Pressetext zur Ausstellung
Thomas Rissler – Holzschnitte auf Leinwand
6. April bis 1. Mai 2005, Städtische Galerie Blieskastel – Orangerie
Vom 6. April an präsentiert die Städtische Galerie Blieskastel –
Orangerie Werke des schwäbischen Künstlers Thomas Rissler. In vier
mehrteiligen Themenblöcken erschließt der 1962 in Stuttgart geborene
Künstler dabei mit Hilfe des "Mediums Holzschnitt" eine ganz eigene
Sicht der Welt.
Markant, plakativ – und doch bei näherem Hinsehen voller überraschender
Details – erzählen die an moderne Filmsequenzen erinnernden Tableaus
Thomas Risslers scheinbar zeitlose Geschichten, schlägt sich in deren
ungewöhnlicher Ästhetik zugleich die Ausbildung und Tätigkeit des
Meisterschülers als Steinbildhauer nieder. Zwischen Vergänglichkeit und
Mythos, Sein und Schein, Veränderung und Innehalten bewegen sich
demzufolge auch die in der Orangerie gezeigten Arbeiten, die gerade in
der räumlichen Gegenüberstellung ihre emotionale Tiefe entfalten.
In seinen Bildfolgen setzt sich Rissler auf ungewohnte Weise mit den
Themen "Machtmissbrauch" und "medial verklärte Gewalt" auseinander. Als
Grundlage seiner Drucke dienen ihm dabei unterschiedlichste Printmedien,
schöpft er daneben vor allem aus dem Fundus von Clipart-Sammlungen, wie
sie die Anbieter von Bildbearbeitungsprogrammen massenhaft zur Verfügung
stellen. Dieses Ausgangsmaterial bearbeitet Thomas Rissler zunächst
digital, anschließend schneidet er die einzelnen Bilder seiner Serien
ganz traditionell in Holz und druckt diese mehrfarbig in einem fast
süßlich anmutenden, auf den ersten Blick harmlosen Farbgewand. Den
Ursprung seiner Motivwelten verleugnet er hierbei keineswegs, sondern,
ganz im Gegenteil, unterstreicht ihn noch durch die Rastertextur seiner
teilweise an Comics erinnernden Tableaus. Dass seine Sujets so zeitlos
wirken, hängt dabei nicht zuletzt mit dem Werkprozess zusammen, in dem
der Künstler uraltes Handwerk und zeitgenössische Ausdrucksmittel zu
spannenden Bildwelten verbindet.
Indem Rissler seine digitalen Vorlagen Bildpunkt für Bildpunkt in
piktogrammartige Holzschnitte überträgt, entlarvt er gleichzeitig den
flüchtigen, nicht selten zwiespältigen Charakter elektronisch geprägter
Lebensräume, konfrontiert er den Betrachter mit dem Leben – und damit im
besten Sinne mit sich selbst. Diesen Ansatz aufgreifend, werden die
Augen des Betrachters zu einer Art Druckstock, der – einer Presse gleich
– Bilder in das Unterbewusstsein des Betrachters stempelt und spätestens
damit die Grenzen zwischen Sein und Schein, Materiellem und Ideal
endgültig verwischt.
Die Ausstellung "Thomas Rissler – Holzschnitte auf Leinwand" ist vom 6.
April. bis einschließlich 1. Mai 2005 jeweils freitags bis sonntags von
15.00 bis 18.00 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung in der
Städtischen Galerie Blieskastel - Orangerie, Schloßbergstrasse, zu
sehen. Der Eintritt ist frei! Weitere Informationen zur Ausstellung gibt
es unter Telefon (0 68 42) 92 61 43 sowie im Internet unter
www.orangerie-blieskastel.de.
Zur Ausstellungseröffnung am Mittwoch, 6. April, 19 Uhr, ist die
Bevölkerung herzlich in die Orangerie eingeladen. Thomas Rissler ist
anwesend. Zur Eröffnung sprechen der Bürgermeister der Stadt
Blieskastel, Dr. Werner Moschel, und Ausstellungskurator Mathias Beck.

Informationsblatt zur Ausstellung als pdf
Eröffnung der Ausstellung am 6.4.2005







Bilder von der Eröffnung ansehen
Aufbau der Ausstellung am 5.4.2005








Bilder vom
Aufbau ansehen

Ausstellungshinweis | www.AllesKunst.net | April 2005

Ausstellungshinweis
| Saarpfalz City Map | April 2005

Ausstellungshinweis
| Saarbrücker Zeitung | Treff Regional | April 2005

Ausstellungshinweis | Pfälzischer Merkur | April 2005

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung | 5.4.2005

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung |
22.4.2005
Technische Informationen
zur Ausstellung
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