_Städtische Galerie Blieskastel____
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ORANGERIE__________________

Schlossbergstraße | Blieskastel | www.orangerie-blieskastel.de

 

 
   

26. März - 25. April 2004

 

 Samuel Mantey 

Witterung | Öl- und Acrylmalerei auf Leinwand

 

Einladungskarte als pdf

 

Einführungsrede

Das Besondere, meine sehr verehrten Damen und Herren, an dieser Ausstellung, das Besondere ist nicht der Entstehungsprozess dieser Bilder, mit denen wir Ihnen den bei Heilbronn lebenden Künstler Samuel Mantey vorstellen.

Das, was diese Ausstellung auszeichnet, ist der hier eindrücklich nachvollziehbare Umstand, dass die Kunst die Welt ist, gefiltert durch ein Temperament.
Ich finde das hier auch deshalb erstaunlich, weil Mantey ganz offensichtlich in der Tradition der 60er Jahre Pop Art steht (aus der im direkt nachfolgenden Schritt in den 70er Jahren der Hyperrealismus entstand).
Die Vertreter der Pop Art (und Ihre Nachfolger) nahmen Gegenstände, Situationen aus unserer Alltagsrealität und stellten sie durch die Kunst in einen neuen, fremden Zusammenhang. Ihr Ziel war es, den Betrachter dazu zu bringen, sich die Alltagswirklichkeit neu, mit anderen Augen anzusehen. Die Welt in Frage stellen, darum ging es.

1965 geboren in Stuttgart
1985 selbständig als freischaffender Künstler und Illustrator
Beschäftigung mit Drucktechniken (Verweis auf Mappe mit Serigrafien, die im Sommer erscheint)

Nachdem er zuvor Ölfarbe als Malmittel benutzt hat, erarbeitet er sich ab 2001 Acryl, die ja eine ganz andere Arbeitstechnik verlangen. Während Ölfarbe zB sehr langsam trocknet, ist es bei Acryl genau umgekehrt..

Zur Technik:

Im badischen Tierpark Stromberg hat Samuel Mantey beobachtet und mit der Videokamera gefilmt oder fotografiert.
Diese Tiere sind ungezähmt – und strahlen deshalb geballte, verhaltene Energie aus - stets bereit zu Flug oder Sprung.
Mantey sichtet das Filmmaterial auf der Suche nach dem besonderen Motiv. Finden möchte er die Körperhaltung, die Kopfneigung oder –drehung, die man sonst an einem Tier nicht wahrnimmt, weil sie zu schnell, zu plötzlich geschieht und nach Bruchteilen von Sekunden wieder vergangen ist.
Dieses Motiv nimmt er als Standbild heraus, digitalisiert es und benutzt es dann als Vorlage für seine Malerei.

Diese Vorlagen werden anschließend in mehrfarbige oder monochrome Malerei umgesetzt, wobei die teils in Öl auf Leinwand, neuerdings in Acryl auf Leinwand gemalten Bilder durch viele übereinander gelegte Lasurschichten entstehen.
Lasieren in der Malerei heißt, jeweils eine dünnflüssige, nicht deckende Farbschicht auf die andere aufzutragen, den Trocknungsprozess abzuwarten, bis die nächste Schicht aufgetragen werden kann, und im Ergebnis, erstens, Farben zu erhalten, die aus der Mischung der übereinandergelegten Farbschichten entsteht, und im Ergebnis, zweitens und fast wichtiger, ein Bild zu erhalten, das wesentlicher höhere Lichtwerte besitzt als ein pastoses Bild. Man nennt das Eigenlicht.
Der Uhu in dunkelblau bis schwarz gemalt ist so ein Bild, das – trotz zweier dunkler Farben – fast leuchtet.
So steht das Gemälde gleichsam am Ende eines langwierigen und sich über verschiedene Medien erstreckenden Arbeitsprozesses, und dieser Prozess bedingt, dass bedingt, dass im Laufe eines Jahres nicht sehr viele Bilder entstehen können.

Ein zweiter für mich erstaunlicher und deshalb hoher Reiz ist, dass gleichsam natürlich – oder hier besser: automatisch die Bilder ihre Herkunft (nämlich das Standbild) nicht verbergen.
Mantey hat das nicht beabsichtigt, aber die Malerei flirrt ein bisschen, wenn man ein Bild fixiert. Das kommt vom Zeilensprungverfahren am Monitor.
Fast alle haben schon einmal interlaced gehört, was das Phänomen von Streifen auf Fotos von Monitoren angeht, beschreibt. Interlaced bedeutet, dass sich jeweils zwei Zeilen versetzt das Bild aufbaut, und die Fotokamera ist so schnell, dass man dann quasi die Leerzeilen sieht.
Das Auge ist dadurch zu täuschen, aber uns entseht dieses typische Flimmern eines Monitors.
Und das sehen Sie auch in den Bildern.
Und um so fantastischer wirkt die unmittelbare Begegnung mit diesen Bildern, deren Motive mit ihrem subtilen Flimmern ebenso vertraut wie ungreifbar wirken.

Finden Sie es nicht auch seltsam, dass uns diese Tiere in der Malerei Samuel Manteys irgendwie viel realer, viel präsenter begegnen? Im Sinne von: sich wesentlich stärker bewusst, uns wesentlich eindrücklicher? Als ob die hier abgebildeten Tiere ein Ich-Bewusstsein entwickelt hätten.


Ein paar Worte abschließend zur Hängung dieser Ausstellung.
Dieses Mal wollten wir die Musikalität, den die Orangerie als Bauwerk im inneren Raum besitzt unterstreichen.
Wir haben deshalb nach Rhythmus gehängt, wobei das zentrale Ensemble, der eigentliche heimliche Schwerpunkt der Ausstellung die 4teilige Wasserarbeit ist, auf die die Ausstellung - damit der Raum von links her (oder jetzt gesehen von vorne her) zuhüpft.

Schluss
Obwohl der Künstler mit einem – auch technisch bedingten - akribisch-langwierigen Arbeitsprozess nur drei bis vier Bilder im Jahr zulässt, ist er beim Malen seiner Werke um so spontaner und ungeduldiger, sagt er. Und er sagt auch, dass er deshalb Musik brauche zum Malen.
“Öl ist ein Material, das Langmut verlangt”, sagt man.
In diesem Sinne lässt sich Manteys Arbeitsprozess als Zähmung innewohnender Ungeduld begreifen.
Oder als kurze vibrierende Starre, wenn ein Raubtier Witterung aufgenommen hat.

Mathias Beck | März 2004

 

         

 

1965 geboren in Stuttgart
1971 - 81 Grundschule und Gymnasium in Bietigheim-Bissingen
1981 Lehre als Bauzeichner | erste Ölbilder und Ausstellungen
1985 selbständig als freischaffender Künstler und Illustrator
1987 Erlernung der Kaltnadelradierung und der Radierung in einem Kupferdruckatelier
1988 Erlernung des Siebdrucks
1994 Einrichtung einer eigenen kleinen Siebdruckwerkstatt
1995 Ausbildung zum Mediengestalter Beschäftigung mit digitaler Bildbearbeitung und konventionellen Druckverfahren
1999 - 2000 Beschäftigung mit digitaler Videobearbeitung
2001 neue Acrylbilder nach eigenen Videoaufnahmen und Fotografien

 

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Rede zur Ausstellungseröffnung in der Galerie GKN am 3.2.95

Zwei im wesentlichen blaue Bilder haben Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren hierher gelockt. Ich meine die Abbildungen, die Sie mit der Einladung für den heutigen Abend bekommen haben: das Bild einer blau-schwarzen Krähe auf blauem Gemäuer vor leuchtend blauem Grund. Das andere Bild zeigt eine Felsenlandschaft, in der sich festlich gekleidete Menschen auf einen Pianisten am Flügel zu bewegen. Auch hier ist alles in blaues Licht getaucht, sodass selbst Rot an Feuer verliert und erkaltet. Mächtiger als selbst das in nächster Nähe sich breitmachende Rot auf dem Rücken der Frau zieht das Blau unseren Blick in die Ferne, wo unsere Augen gern verweilen. Ganz anders das Blau der Krähe. Überdeutlich, zum Greifen nah hockt sie zwischen uns und einem blauen Grund, dessen Leuchten nur ihr eigener Glanz überstrahlt, ein Glanz, der steigt mit zunehmendem Schwarz. 
Ein merkwürdiges Zusammenspiel und Anreiz genug, einmal der Farbe Blau nachzugehen, dies umso mehr, da mir Samuel Mantey gesagt hat: "Zuerst ist die Farbempfindung da. Sie sucht sich das ihr entsprechende, zu ihr gehörende Bild". Viele der hier ausgestellten Bilder sind monochrom, stellen also ausschließlich eine Farbe vor, oft Blau. Und Farbe vor aller Gegenständlichkeit ist ein Hauptthema moderner Malerei.
Nun also das Blau. Goethes Beobachtungen zu Blau sind ganz ähnlich denen, die wir gerade gemacht haben. Blau führt immer etwas Dunkles mit sich. In seinem Anblick liegt etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe. Wie wir die Ferne blau sehen, so scheint Blau vor uns zurückzuweichen. Wir sehen das Blau gern an, nicht weil es auf uns zu dringt, sondern weil es uns nach sich zieht. Das Blau erinnert uns an Schatten und gibt uns ein Gefühl von Kühle. Blaue Räume erscheinen weit, leer und kalt.
Einen blauen Raum zeigt uns Samuel Mantey auch in dieser Ausstellung: Entering an unknown space – beim Betreten eines unbekannten Raumes. Das Unbekannte also. Es zeigt sich blau. Aber nicht leer. Blau geflammte Pfeiler stellen sich uns entgegen. Das Auge bahnt sich seinen Weg zwischen ihnen hindurch in die Tiefe des Raumes. Diese Tiefe ist dunkel und so dicht, dass sie mehr Körper zu haben scheint als die scharfkantigen Pfeiler. Deren lichtere, von lebhaftem Geäder umsponnene Flächen wirken einen Moment lang fast durchlässig, auch holen sie das Auge wieder zurück in den Raum und bieten ihm Halt an. Es ist aber doch ein trügerischer Halt, den das blaue Flackern bietet, und die scharfen Kanten versprechen ebenfalls keine Ruhe. Glänzend lockt der Boden des Raums. Dieser Glanz aber steht nicht, wie es Glanz sonst zu tun pflegt, sondern er scheint über einer gleitenden Fläche zu liegen, wie sie ein stilles Wasser bieten könnte oder ein träge fließender Fluss. Solch ein Schimmern lädt nicht ein, den Fuß darauf zu setzen. Als mehr und mehr trügerisch empfinden wir diesen Raum, und da hilft auch nicht mehr die strenge geometrische Quadergestalt der Pfeiler mit dem Anschein des genauen Maßes, einer kalkulierbaren Meßbarkeit. Im Gegenteil: Je meßbarer die Pfeiler scheinen mögen, umso deutlicher wird, dass die Grenzen dieses Raumes ja im Dunkel und also im Ungewissen liegen. Es sind hier weder Wände, noch eine nach oben abschließende Bedeckung auszumachen. Auch fehlt jede Bezugsgröße, irgendein Ding, das im Verhältnis zu diesem Raum groß oder klein wäre. So bleibt dieser Raum unvertraut. Er bewahrt sein Geheimnis im Blau, das wiederum seinen Charakter durch ihn offenbahrt.
Unsere Sprache hat einige Redewendungen, die neben dem, was sie besagen wollen, auch das Blau kennzeichnen: Du wirst Dein blaues Wunder erleben. Das Wunder ist blau, nicht etwa so gegenwartsnah wie Rot oder Gelb, sondern so ungreifbar wie die blauen Berge in der Ferne. Dem blauen Wunder verwandt ist die blaue Blume, die es in Märchen und Dichtungen der Romantik von Prinzen oder Dichtern zu suchen und zu finden gilt. Als blauer Planet erscheint unsere Erde aus der Ferne des Weltraums gesehen. Wenn Ihnen jemand einen blauen Dunst vormacht, lügt er Ihnen vielleicht das Blaue vom Himmel herunter. Wer einen Rausch hat, ist blau. In all diesen Sprachbildern bezeichnet das Blau eine gewisse Ferne, etwas Unwirkliches, kaum Greifbares, auch Fremde und Geheimnis. Goethe, um ihn noch einmal zu nennen, hat dieses Blau zusammenfassend umschrieben als gleichsam ein reizendes Nichts.
Ich möchte einmal ein Gedankenspiel mit diesem "reizenden Nichts" wagen. Dieses reizende Nichts taucht nämlich in vielen dem Blau verbundenen Sprachbildern auf: die Ferne, der Dunst, das Wunder, die Lüge, die blaue Blume romantischer Sehnsucht. Lauter Dinge, die mit unserer alltäglichen Wirklichkeit nicht übereinstimmen, die es in ihr nicht gibt. Wir rechnen mit Wundern. Lauter Nichtse also – aber Nichtse mit großer Anziehungskraft, von seit Jahrhunderten wirksamem Reiz. Es ist die blaue Blume, die da lockt, die blaue Blume als Sinnbild aller Dichtung. Und auch die Malerei ist eine dichtende Kunst. Sie schafft aus Fundstücken unserer Wirklichkeit eine eigene, nicht etwa bessere aber deutlichere Welt. Um zum Beispiel unseres Bildes zurückzukehren: Es spiegelt uns, oder ist gar selbst, ein blaues Wunder. Es gibt solch einen Raum wie den gezeigten nicht in Wirklichkeit. Ich kann mir aber vorstellen, dass hier verschiedene Wirklichkeitserfahrungen zusammengewirkt haben. So erinnert mich das Flammenmuster auf den Pfeilern auch an Lichtreflexe auf einer vom Wind gekräuselten Wasserfläche. An Wasser habe ich auch schon bei der Betrachtung der Bodenfläche gedacht. Ich nehme überdies an, dass hier verschiedene Perspektiven ein Raumbild vermitteln, das in Wirklichkeit höchstens ein Weitwinkelobjektiv zustandebrächte. Und natürlich gibt es auch solch eine blaue Totalität nur in der Malerei. 
Und was macht uns das alles deutlich? Deutlicher als sonst ist uns die Farbe Blau geworden. Sie besonders vermittelt – mehr als andere Farben – dieses reizende Nichts, das Wunder, mit dem es die Malerei zu tun hat: es ist die hervorbringende Kraft der Phantasie. Sie gibt den Bildern Gestalt, die ein Mensch in unbedingter Freiheit der oft eingrenzenden Wirklichkeit entgegenstellt. Diese Kraft der Phantasie ist am Ende kein bloßes Nichts, sondern ein Reichtum unseres Lebens.

Ulrike Rein, Pforzheim

 

              

 

Rede zur Ausstellungseröffnung im Kunstverein Flüchttor am 2.09.2001

Samuel Mantey: Rot und Blau

Rot – die Farbe des Feuers, der Liebe, des Aufruhrs
Blau – die Farbe der Sehnsucht, der Ferne, der Tiefe.
Rot – die Farbe der Erregung, des Blutes, der Hitze.
Blau – die Farbe der Beruhigung, des Geistes und der Kälte.
Purpurrot der Könige und Scharlachrot der Sinnenlust.
Kobaltblau des Traumes in der Nacht, Coelinblau für die Träumerei des Tags.

Blau des Himmels und Rot der Hölle.
Hexenhaar und Teufelsbart Zinnoberrot,
Marienmantel Königsblau.
Jacobinerrouge und Ramses Lapislazuli.

Rot und Blau, wenn sie nicht gedämpft sind durch dazwischentretende Farben, werfen uns in ein Wechselbad der Gefühle, spiegeln den Kampf von Kopf und Bauch, von Aggression, Hitze, Leidenschaft mit Ausgleich, Kühle und Verstand.
Rot greift an, Blau besänftigt.
Rot springt nach vorne, Blau tritt zurück.

Samuel Mantey lotet diese Gefühlswerte der Farben aus.
Geboren 1965 in Stuttgart. Nach einer Lehre als Bauzeichner und der anschließenden Bundeswehrzeit arbeitet er seit 1987 als freischaffender Künstler und nach einer Ausbildung zum Mediengestalter als Grafiker. Er lebt in Lauffen.
Von der Spachteltechnik in Öl über die Reduktion der Farbe in der Radierung ist er schließlich zu fast monochromer Gestaltung, dem Aufbau eines Bildes aus den Hell-Dunkel-Werten einer Farbe gelangt.

Seine Räume sind Konstruktionen von innen heraus. Wanderungen in die Tiefe des Unbewussten.
Blau geht in die Weite als Sehnsucht oder schaut nach innen im Blues. Und so locken uns alle offenen Vermutungen ins Bild, ein Sog zieht den Betrachter, hineinzugehen, das Verborgene aufzuspüren, Geheimnis zu lüften.
Aber das Bild weist uns letztlich nur auf das Geheimnis in uns. 
Überdimensionale Statuen, nicht endende Pfeiler oder der Blick von oben auf Statuetten und Bühnenbild: Den Bezugspunkt setzen wir selbst, er ist im Bild nicht angegeben.
Magisches Frösteln oder distanzierte Kühle – der Betrachter bringt die Geschichte mit und legt sie daran.

In der vierteiligen Version von "Betreten eines unbekannten Raumes II" treffen Blau und Rot aufeinander. Aus den Abstufungen der Rottöne über violett bis an den Rand des Blaus baut sich seine Erzählung auf, die dem Betrachter eine Türe öffnet in einen Raum, der Wünsche und Ängste gleichermaßen klingen läßt. Der Raum ist menschenleer und wo der Mensch auftritt, ist der Bezug zum Raum im Bild verloren. Schutzsuchend hinter einer Maske, deren Eisengitter den Lichtschein widerspiegelt eines Feuers, das aus vielen Schalen, doch gebändigt lodert.

Am Ende ist der Rauch verzogen, der Lichtton des Eingangsbildes hüllt den Ort in Nebel, noch gepanzert, aber mit abgelegtem Visier steht der Mensch wie eine Collage im Ungewissen. Abenteuer überstanden? Bausteine für die Phantasie, die der Betrachter selbst zu Ende spinnen muss.

Drittes Beispiel
Drei Raumausschnitte. Treppen führen ins Irgendwo – man stellt sich eine Hotelhalle mit Aufgang vor, oder ein Jugendstilhaus. Im nebenan wird die Realität schon gekippt: Sieht man die Treppe von oben oder von unten und sind die Kacheln zum Begehen oder führen sie an der Wand nach oben, um sich im Dampf zu verlieren? Eine kalte, leere Szenerie, gemalt in heißen, agressiven Scharlachtönen. Ein Spiel mit Blickwinkel, Perspektive und Farbgefühlen führt den Betrachter doppelt aufs Glatteis.

Der Maler dieser Bilder ist spontan und ungeduldig, was sich nicht vermuten lässt bei solch einem akribischen, langwierigen Arbeitsprozess, der nur drei bis vier Bilder im Jahr zulässt. Wir sehen hier die Produktion der letzten vier Jahre. Lasierende Schichten und langsames Trocknen. Öl ist ein Material, das Langmut verlangt. Der Arbeitsprozess als Zähmung innewohnender Ungeduld.

Seine Tiere sind ungezähmt. In geballter, verhaltener Energie sind sie bereit zu Flug oder Sprung. Im Tierpark Stromberg in der Nähe Tripsdrills hat er wochenlang im Winterschnee Wölfe, Uhus und Kolkraben beobachtet und fotografiert. Das Tier kommt uns real entgegen, aber es ist ein Realismus, der Distanz hält. Sei es, dass die Konturen leicht verschwommen sind, oder sich Fell oder Federkleid in lauter amorphe Formen und Farbfelder auflösen. 
Das Phtaloblau der Mondnacht trägt noch die Kälte des Belauerns über Stunden und rückt das Tier ins Magische. Die Nacht verwandelt. Der Wolf nimmt Witterung auf, setzt an zur Drohgebärde. Das Tier als Spiegel unsrer Ängste. Es fixiert uns mit schwarzen, unergründlichen Augen. Wir sind der Anlass für die "Witterung".
Entgegengesetzt der Wolf, der lauernd zwar, doch seine Beute anderswo gesichtet hat. Der aber so in Rot getaucht, ein brennendes Karminrot, dass die Umgebung, aufgeladen, von seiner Agressionsbereitschaft kündet.
Das Spiel mit Rot und Blau, Feuer und Wasser, mit Gefühlswert und Symbolgehalt der Farben, kontrapunktisch oder das Motiv verstärkend, heiß und kalt.

Stürzen wir uns zum Schluss in kaltes Wasser:
Musik
Eine wichtige Rolle spielt ihm die Musik.
Fast wäre die Kreativität in diese Richtung gegangen, wenn er in seiner Jugend das Klavier und das Schlagzeug hätte spielen dürfen und nicht die familiär verordnete Geige, die als Instrument die Hausmusik komplettieren sollte, als die anderen Rollen patriarchalisch verteilt waren.
Die Anfänge waren ein direktes Umsetzen von Klang und Rhythmus in Farbkompositionen auf der Leinwand. Heute ist die Musik Inspiration und Antreiber, aber nicht der Gegenstand.
Arbeit an der "Wasserwelle"
Vier Cellisten – die Gruppe Apocalyptica – wer diesen Sommer beim Gaffenbergfestival war, konnte sie live erleben – vier Cellisten beginnen harmlos klassisch, um plötzlich in ein überstürzendes Creszendo auszubrechen. Brüche, Dissonanzen, Hardrockiges, Kopfüber geraten die Empfindungen in Widerstreit. Und die Musik beginnt immer wieder von vorn – dutzende Male – bis das Bild fertig ist. Überschläge der Töne, die in der Gischt sich wiederfinden. Betrachtend fällt man in das Bild, sinkt, beginnt zu rudern, droht zu ertrinken, spuckt Wasser und muss sich mit Energie wieder losreißen.

Volkmar Köhler

 

Die Erinnerung

Der Strom fließt unten, 
die Tiefen meiner Seele überflutend.
Kaum halte ich mich aufrecht. 
Mir hilft kein Himmel.
Auch die Sterne trügen; 
nichts, nichts ist über mir, 
alles nur unten in der Tiefe...
Bin ich? Ich werde sein!
Ich werde – eine Welle 
Auf dem Strom der Erinnerung...
Eins mit dir, flutendes Wasser!

Juan Ramon Jimenez

 

Eröffnung der Ausstellung am 26.3.2004

         

         

         

         

         

         

         

 

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Weitere Bilder der Eröffnung

 

Aufbau der Ausstellung am 23.3.2004

         

         

         

    

 

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Pressemitteilung zur Ausstellung

Samuel Mantey – Witterung; Öl- und Acrylmalerei auf Leinwand
26. März bis 25. April 2004, Städtische Galerie Blieskastel - Orangerie

Unter dem Titel “Witterung” präsentiert die Städtische Galerie Blieskastel Orangerie vom 26. März an Werke von Samuel Mantey. Dabei sind die während der letzten vier Jahre auf Leinwand gemalten Öl- und Acrylarbeiten nicht nur in formaler, sondern auch in thematischer Hinsicht außergewöhnlich. So halten die Werke des 1965 in Stuttgart geborenen, heute in Heilbronn lebenden Künstlers Tiere in Posen fest, die mit bloßem Auge in der Natur nur selten sichtbar sind. Mantey fängt diese Posen mit der Videokamera ein, um sie später digital in Einzelbilder zu transformieren. Diese Einzelaufnahmen wiederum werden anschließend in mehrfarbige oder monochrome, intuitiv gefärbte Malerei umgesetzt, wobei die teils in Öl auf Leinwand, neuerdings in Acryl auf Leinwand gemalten Bilder durch viele übereinander gelegte Lasurschichten entstehen. So steht das Gemälde gleichsam am Ende eines langwierigen und sich über verschiedene Medien erstreckenden Arbeitsprozesses. Dabei verleugnet Samuel Mantey nicht die digitale Herkunft seiner Naturbetrachtungen, taucht das bildschirmbedingte Flirren der Videostandbilder als Stilelement auch in seinen Gemälden auf. Um so fantastischer wirkt die unmittelbare Begegnung mit diesen Bildern, deren Motive mit ihrem subtilen Flimmern ebenso vertraut wie ungreifbar wirken.

Dabei haben Manteys Bilder eine Gemeinsamkeit: Seine Tiere sind ungezähmt – und in geballter, verhaltener Energie stets bereit zu Flug oder Sprung. Im badischen Tierpark Stromberg hat Samuel Mantey im Winterschnee wochenlang Wölfe, Uhus und Kolkraben beobachtet und fotografiert. Entsprechend dieser unmittelbaren Begegnung kommen dem Betrachter die Tiere um so realer, wenn auch bewusst distanziert entgegen. So sind deren Konturen leicht verschwommen, lösen sich Fell oder Federkleid in amorphe Formen und Farbfelder auf. Neben der analogen Interpretation digital festgehaltener Naturbilder beziehen Samuel Manteys Arbeiten einen besonderen Reiz aus der Rauminszenierung in der Orangerie. 

So offenbart sich in der eleganten Zurückhaltung des herrschaftlichen Baus nachhaltig ebenso die Lebendigkeit der Motive wie das Impulsive in Samuel Manteys Schaffen. Denn obwohl der Künstler mit einem – auch technisch bedingten - akribisch-langwierigen Arbeitsprozess nur drei bis vier Bilder im Jahr zulässt, ist er beim Malen seiner Werke um so spontaner und ungeduldiger. “Öl ist ein Material, das Langmut verlangt”, sagt man. In diesem Sinne lässt sich Manteys Arbeitsprozess als Zähmung innewohnender Ungeduld begreifen.

Die Ausstellung “Samuel Mantey – Witterung” ist vom 26. März bis einschließlich 25. April 2004, jeweils freitags bis sonntags von 15.00 bis 18.00 Uhr sowie jederzeit nach vorheriger Vereinbarung, in der In der Städtischen Galerie Blieskastel - Orangerie, Schlossbergstraße, zu sehen. Der Eintritt ist frei! Ausführliche Informationen zu dieser und weiteren Ausstellungen gibt es im Internet unter www.orangerie-blieskastel.de.

Zur Ausstellung erscheint ein CDRom-Katalog.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 26. März 2004, 19 Uhr, ist die Bevölkerung sehr herzlich in die Orangerie eingeladen. Samuel Mantey ist anwesend. Zur Eröffnung sprechen der Bürgermeister der Stadt Blieskastel, Dr. Werner Moschel, und Ausstellungskurator Mathias Beck.

 

Ausstellungskritik | Die Rheinpfalz | Stefan Folz | 31.3.2004

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung | 20.3.2004

Ausstellungshinweis | Saarbrücker Zeitung | 8.4.2004

Ausstellungsbesprechung | Saarbrücker Zeitung | Brigitte Quack | 13.4.2004

 

    

 

Ausgelegtes Infoblatt als pdf

Technische Informationen zur Ausstellung

       
    Kontakt

Stadt Blieskastel | Kulturamt | Zweibrücker Str 1 | 66440 Blieskastel
Tel +49 6482 926 142 | kulturamt@blieskastel.de

Galerie Monika Beck | Mathias Beck. Kulturmanagement GmbH
Schwedenhof | Am Römermuseum | 66424 Homburg
Tel +49 6848 72152 | orangerie@mathbeck.de