Galerie Mathias Beck, Berlin
Mathias Beck. Kulturmanagement GmbH

mbeck-berlin@mathbeck.de

 

 
 

Oktober - Dezember 2000

 

 Irene Andessner

 

    

>> Becknetz     |     Einladungskarte als pdf

 

>> Becknetz     |     Pressemitteilung zur Neueröffnung der Galerie

>> Becknetz     |     Informationsblatt zur Ausstellung | 1. Abschnitt | 2. Abschnitt

 

Einführungsrede zur Ausstellungseröffnung

Geb 1954 in Salzburg
Akad d Bild Künste Venedig (Emilio Vedova) u Wien (Max Weiler, Arnulf Rainer)
lebt u arbeitet in Venedig Köln Wien – demnächst auch in Berlin

Unsere Eröffnungsausstellung zeigt Arbeiten aus 2 Projekten Irene Andessners, einmal 2 Leuchtkästen mit Motiven aus „Frauen zu Salzburg“, der letztjährigen außerordentlich erfolgreichen Festspielausstellung im Museum Carolino Augusteum, und dem „Irrlichter“-Zyklus, der zZt immer noch im Entstehen ist.
Performance und Inszenierung beider Projekte wurden realisiert durch Irene Andessner – und ihr Team, das es natürlich gibt, und das als „I am“ – Irene und Andessner und Alex und Majewski – öffentlich geworden ist. Anlaß für dieses Projekt ist die Begleitung der Folge von Eröfnungen des nagelneuen Museumsquartieres zu Wien, die seit September läuft. Ab 7. November werden die Ergebnisse übrigens in der Wiener Galerie Feichtner u Mizrahi ausgestellt.

Frauen zu Salzburg
Entwickelte 5 zentral zu Salzburg gehörende und mit der Geschichte dieser Stadt verknüpfte Frauen. Die beiden Exponate zeigen einmal Constanze Mozart und zum anderen die Hundsgräfin genannte Emilia Viktoria Kraus.
Ich möchte – anstelle darüber zu sprechen – hier auf den äußerst opulent bebilderten Katalog zu Frauen zu Salzburg verweisen, und stattdessen über das jüngste Projekt Irene Andessners, 

Irrlichter sprechen.
Irrlichter umkreist Ludmilla Hildegard Stubel.

Milli Stubel lebte von 1852 bis mutmaßlich 1890 und war Balletteuse an der Wiener Hofoper.
Ihre Liebesbeziehung zu Erzherzog Johann Salvator von Habsburg bildet den Hintergrund dieser Ausstellung.
Johann, der – musisch begabt – aus der dynastischen Erbfolge ausstieg und sich seit 1889 nach seinem Schloß in Gmunden Johann Orth nannte, verheiratete sich im selben Jahr mit Milli Strubel. Beide gelten seit einer Bootsreise um Kap Horn in 1890 verschollen und wurden 1911 für tot erklärt.
Das Motiv der elektrischen Glühbirnen als Accessoire findet sich in dem Umstand, dass Johann ein Ballett geschrieben hat, bei dessen Uraufführung 1883 Tänzerinnen und Bühne mit elektrischen Glühbirnen illuminiert waren. Eine Huldigung an diese damals neueste technische Errungenschaft. Milli Stubel hat sicherlich an dieser Uraufführung mitgewirkt.

Es ist sicherlich zu früh für eine fundierte kunsthistorische – also rückwärts gewandte – Einordnung der Arbeit Irene Andessners. Dazu hält sie ein zu großes Potential vor, das im persönlichen Kontakt zunehmend spürbar wird, und das was bisher über sie gesagt worden ist, möchte ich nicht wiederholen.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe seit dem ersten Zusammentreffen mit Arbeiten Irene Andessners immer wieder neu das starke Gefühl gehabt, dass hier etwas Wichtiges geschieht.
Sicherlich ein Beleg für die Qualität ihrer Arbeit deshalb, weil sie dieses Gefühl ja nicht mit vordergründigem Instrumentarium zu erreichen sucht, sondern in der Inszenierung sehr stark auf das Pastiche setzt, diese sehr von französischer Geisteshaltung geprägte, sehr geistreiche und nie denunziatorische Stilmittel der Ironie, das die behandelte Person immer gleichermaßen herabsetzt wie es sie gleichzeitig ehrt, und ihr damit ihre Würde bewahrt.
Frauen zu Salzburg mag als gutes Beispiel gelten: das Publikum lachte bei manchen Äußerungen der Frauen im Video und verlor dennoch das Mitleid nicht.
Oft soll Irene Andessner mit Cindy Sherman verglichen werden. Dies ist durchaus nicht unrichtig, sind sie doch beide Vertreter derselben Generation. Ich möchte aber in diesem Zusammenhang den Blick darauf lenken, dass Cindy Sherman sehr amerikanisch auf das Zusammenspiel von Geschwindigkeit und Erkenntnis setzt, im Amerikanischen als Impact bezeichenbar, und dieser Wucht alles andere unterordnet, während Irene Andessner eher europäisch mit sehr großem Selbst-Bewusstsein arbeitet, den Zweck also nicht alles heiligen lässt.
Cindy Sherman tritt als Person hinter die Arbeit zurück. Irene Andessner ist aber bereit, sich schützend vor die Arbeit zu stellen, wo die darin behandelten Frauen diesen besonderen und Regeln der Kunst verletzenden Schutzes bedürfen.
Die Kunst lebt vom Regelverstoß, damit sich das Spiel verändern kann. Und der ist ein großer Künstler, dem dies gelingt. Irene Andessner ist dies gelungen. Ergo...
Sie kennen die Mechanik einer mathematischen Gleichung.

Mathias Beck | Oktober 2000

 

>> Becknetz     |     7.11.2000 | Ausstellungsbesprechung | Berliner Morgenpost | 1. Abschnitt | 2. Abschnitt

>> Becknetz     |     18.11.2000 | Ausstellungsbesprechung | Der Tagesspiegel